Synodaler Weg – Folge 6: Was bewegt die Welt von heute?

In dieser Serie von BLOGs informiere ich Sie über den von Papst Franziskus ausgerufenen Synodalen Weg. Sein Ziel ist die Synodalisierung der Kirche, der sie für die Mission in der Welt von heute bereiten soll. Sie können sich auch den Podcast dazu anhören.

In dieser sechsten Folge zum Synodalen Weg erkläre ich, was die Welt von heute bewegt und daher auf die Tagesordnung gehört.

Auf einem Synodalen Weg berät eine Kirche zuallererst über ihre „Mission“ in der Welt von heute: im eigenen Land, in Europa, in der eins werdenden und doch so zerrissenen Welt. Das Zweite Vatikanische Konzil hat das einschlägige Dokument mit den oft zitierten Worten begonnen: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände.“

Seit dem Konzil hat sich freilich die Welt von heute merklich weiterentwickelt. Die ganze Menschheitsfamilie steht vor großen Herausforderungen. Durch die Pandemie wurden einige der Herausforderungen zweitweise in den Hintergrund gedrängt, andere wiederum sind verschärft worden.

In einer interkontinentalen Onlineumfrage zur Synodalität, die seit Dezember 2020 im Netz ist (www.zulehner.org), wurden von den Befragten einige herausragende Herausforderung benannt. An dieser Umfrage haben sich weltweit sehr viele Akademiker mit hoher Berufs- und Lebenserfahrung beteiligt. Fast 20 Tausend Personen haben den Fragebogen besucht. Über sieben Tausend haben auf die offenen Fragen, was sie sich von der Weltbischofssynode erwarten, Kommentare abgegeben. Eine erste Auswertung zeigt folgenden Megachallenges für die kommenden Jahre. Eben diese gehören in einer Kirche, die nach Franziskus wie eine Mutter und Hirtin ist, auf die Tagesordnung des Synodalen Weges der Weltkirche, damit auch auf jenen, den wir hierzulande gehen.

Die Menschheit ringt um eine gerechtere Welt. In ihr sollen alle Nahrung, Bildung, Wohnung und Arbeit finden. Das Milleniumprogramm der UNO hat sich dies zur Aufgabe gestellt. Europa war auch erfolgreich bei der Meisterung jener Sozialen Frage, welche durch die Industrialisierung ausgelöst worden war. Der Europäische Sozialstaat wurde errungen: ein weltweit einzigartiges Modell, um die Risiken des Lebens gemeinsam zu tragen. Nun aber kommt eine neue Soziale Frage auf uns zu. Wieder ist es eine technische Innovation, welche die bewährte soziale Ordnung destabilisiert. Durch die Informatisierung werden traditionelle Arbeitsplätze verloren gehen, neue entstehen. Neuerlich wird es Generationen brauchen, bis der Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft so gemeistert sein wird, dass es gutes Leben für alle gibt. Zunächst hier bei uns, dann aber auch in der ökonomisch durch die Globalisierung zusammenwachsenden Weltgemeinschaft. Die Pandemie hat diese Entwicklung beschleunigt. Digital wird immer mehr normal. Homeoffice, homeschooling, auch homeservice (also Gottesdienste vor dem Bildschirm) haben sich ausgeweitet. Eingelagert in diese immer zugleich ökonomische wie soziale Entwicklung ist die nur zum Teil ökonomische Frage nach der Geschlechtergerechtigkeit. In der Pandemie haben Frauen mehr Lasten getragen als Männer, so Studien. Das Einkommen von Frauen ist im Vergleich zu jenem der Männer nach wie vor niedriger. Frauen erledigen auch den Großteil der unbezahlten Schattenarbeit. Diese sich zuspitzende Neue Soziale Frage fordert die Kirchen heraus. Ein Synodaler Weg wird diese Herausforderung auf die Tagesordnung setzen.

Während der Pandemie war die Klimafrage in den Hintergrund getreten. Der Flugverkehr kam zum Erliegen, mit ihm der Ferntourismus, die Kreuzfahrtschiffe blieben im Hafen. Doch zeigen die neueren Ökodaten, dass die Freude verfrüht ist. Der Handlungsbedarf wird ständig dringlicher. Die Herausforderung durch die Klimawandel wird jene der Pandemie weit in den Schatten stellen. Und weil nach Ansicht der Teilnehmenden Ökonomie und Ökologie sowie Soziales voneinander nicht getrennt werden können, braucht es eine mutige ökosoziale Gemeinwohlwirtschaft. Die Soziallehren der Kirchen können Inspiration sein. Ein ernsthafter Synodaler Weg wird um die Klimafrage nicht herumkommen, zumal ein Papst dazu einlädt, der in der Klimafrage weltweit angesehener Frontmann ist.

Wie die Klimafrage war auch die Migration im Hintergrund. Die Herausforderung ist eine Doppelte: Wie können die Ursachen der Überlebensmigration abgemildert werden? Trotz weltweiter Bemühungen mehren sich derzeit bewaffnete Konflikte, nehmen Umweltkatastrophen zu und treibt die Hoffnungslosigkeit unüberwindbarer Armut in die Flucht. Migration wird die Menschheit weiterhin, vielleicht sogar vermehrt herausfordern. Daher ist bei aller Hilfe vor Ort es erforderlich, jenen Beistand zu geben, die anderswo Schutz und Lebenschancen zumal für ihre Familien und Kinder suchen. Der Synodale Weg, der um die Verbundenheit aller in dem einen Gott weiß und der Vision von einer universellen Geschwisterlichkeit folgt, wird sich mutig – trotz vielfachen Gegenwinds – mit vielen Netzwerken dieser Herausforderung stellen.

Es bleibt aber nicht nur bei diesen eher ökosozialen Herausforderungen. Es gibt auch Fragen, die dem menschlichen Herzen entspringen und in diesem nicht nur Hoffnung und Freude, sondern auch Angst und Trauer auslösen. Bei vielen Menschen hat sich der ererbte feste Gottesglaube in eine Gottsuche gewandelt. Sie zweifeln und hadern. Ihre Fragen kreisen um Sterben und Tod, Verwundbarkeit und Endlichkeit Leiden und Lieben, manche fragen, der christlichen Tradition entfremdet, nach Gott. Wird der Synodale Weg auch mit dieser wachsenden Zahl von Menschen in einen Dialog treten, in geeigneter Sprache und gedeckt durch die tragfähigen Erzählungen der gläubigen Gemeinschaften?

Vorausschauend erweist sich das Konzil, wenn es neben Freude, Hoffnung und Trauer ausdrücklich auch die Angst der Menschen thematisiert. Gerade reiche Kulturen gelten heute in der Fachwelt als „Kulturen der Angst“. Manche politisch Verantwortliche erliegen der Versuchung, eine „Politik mit der Angst“ zu machen, so Ruth Wodak von Wien. Eine solche dient nicht dem Weltgemeinwohl, sondern dem Parteiwohl. Angst macht unfrei und entsolidarisiert. Die alten Werte Europas, demokratische Freiheit und belastbare Solidarität werden in Frage gestellt. Ein Synodaler Weg wird sich als Anwältin von Freiheit und Solidarität erweisen. Und um in der Angst zu bestehen, werden die Kirchen alles fördern, was Vertrauen bildet: nicht zuletzt Gottvertrauen.

Es ist gewiss keine vollständige Liste von Herausforderungen durch die Welt von heute. Aber wenn es auf dem Synodalen Weg gelingt, diese Herausforderungen der Menschen wahrzunehmen und zu klären, was die Kirche mit all ihren Menschen und Einrichten beitragen kann, sie zu meistern, lohnt sich der Weg allemal. Und dies zugunsten der Welt von heute.

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Eine Antwort zu Synodaler Weg – Folge 6: Was bewegt die Welt von heute?

  1. Brand, Hildegard schreibt:

    zu Folgen 5 und 6:
    sehr gute und wichtige Beiträge !!
    Hatte ich auch so gedacht: ALLE THEMEN AUF DEN TISCH : Es m u s s ans „Eingemachte“ gehen – KEINE TABUTHEMEN besonders in Bezug auf Innerkirchliches : Moral, Glauben, Strukturen, Ämter, Möglichkeiten, scheinbare Un-Möglichkeiten, weltöffentliche Transparenz, öffentliche Debatten…
    Natürlich unter dem großen Dach : Kirche i n der Welt….

    Und wer könnte noch alles an die vielen Tische eingeladen werden ?
    Ausgetretene, Ausgestoßene, nicht zu ihren Rechten Gekommene, Ökumenische , iunge und betagte Frauen, Jugendliche, Caritative, Behinderte, Mittellose, Fachkundige, Professionelle, Ordinierte, Nichtordinierte, Verwaltende, Frustrierte, Begeisterte, Opfer, Täter, Nahe und Ferne usw. usf…..

    Und jetzt stelle Mensch sich vor: All diese könnten als „Volk Gottes“ nach vernünftigem Procedere in einer durchaus harten, aber fairen „Debatten- Kultur“ Mehrheitsbeschlüsse ( inclusive Umfrageergebnissen) fassen und diese dann über Bischöfe nach Rom leiten:
    Nach dem Motto: „So wollen wir es als ´Gottesvolk´ haben“.
    Ein „Parlament “ ohne Beschlussfassungen wird obsolet, wenn das langwierige „Parlare“ ohne inhaltsvolle Beschlüsse und Gesetzesänderungen bleibt ( auch was Kirchenrechte betrifft).

    Aber – wenn ich an ein Interview mit Kardinal Müller denke, der mir ein „Gegner“ des „synodalen Weges“ zu sein scheint, wird mir ganz übel, um nicht zu sagen – verschlägt es mir die Sprache:
    ( Zitat aus seinem Intrerview mit kath.net )
    Er sagt darin:
    „Ein Christentum, das aus den Elementen einer defizitären Anthropologie ( Genderideologie, Recht auf Abtreibung, sexuelle Kontakte außerhalb der ehelichen Liebe von Mann und Frau, Anti-Zölibatspolemik) und Restposten einer ruinierten Glaubenslehre zusammengebastelt ist (…)“ habe „auf Sand gebaut“ (…)
    Und – es wird noch schlimmer, diesmal theologisch und philosophisch un- kundlich … für einen ehemaligen Professor:
    “ Die endlos insistierende Wiederholung der angelich unter den Nägeln brennenden Synodalthemen, denen ein antikatholisches Ressentiment zugrundeliegt, erinnert irgendwie an Nietzsches Idee von der ´Ewigen Wiederkunft des Gleichen´ (…) “

    Zynisch wertet er „Mehrheiten“ und „Reformer“ ab und unterstellt den Reformern, ihnen sei es auch wichtig, „sich als ´mutige Reformer´ (…) von den manipulierten Mehrheiten feiern zu lassen (… ) . “

    Das Interview enthält noch einen „Haufen“ mehr von derlei diffusen Abwertungen und ideologie-belasteten Fachunkundlichkeiten – ohne „Unterscheidungen von Sachen und Geistern“ …
    In diesen Worten offenbart sich m. E. die Haltung : Vom Anliegen des „Synoldalen Weges“ nichts verstanden und Null-Bereitschaft dazu, völlige Blockade !

    Dann ist zu hoffen, dass ein solches „Denken“ , bar jeder “ Glaubensfachkunde“ , die Gott sei Dank bei vielen, auch bei hochbetagten emeritierten, Professorenkollegen, vorhanden ist,
    minderheitlich bleibt und keinen Einfluss mehr auf „synodale Wege“ hat — ( Auch das sind eben für mich die kleinen oder großen „Teufelchen“ im Detail) …

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