Willkommen zum Zulehner-Blog

Seien Sie herzlich willkommen zur Diskussion von aktuellen Ereignissen aus Welt und Kirche, zu denen ich meine Position vermittle und zur Diskussion einlade.
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Leserbrief zu Hans Winkler (DIE PRESSE vom 22.8.2016)

Geschätzter Herr Winkler,

Ihr freundlicher Kommentar über den fairen Disput zwischen Herrn Chefredakteur Mitlöhner und mir in DIE FURCHE in Ehren. Vielem kann ich zustimmen, was Sie vorbringen: dass die historische Herausforderung Europas durch die vielen Flüchtlinge gewaltig ist, dass der „Krieg des Islam gegen den Islam“ (Navid Kermani) aller Welt höchste Sorge bereitet, nicht zuletzt, weil er die Reputation aller Religionen beschädigt, und weil Integration kein Kinderspiel ist, sondern höchste sozialpolitische Kunst verlangt. Dass es in allen Bevölkerungen Kriminelle gibt, steht außer Frage, und dass eine kluge Flüchtlingspolitik nach Europäischer Solidarität verlangt ist auch klar.

Was mich – anders als Sie kritisieren –verwundert hat war, dass eine Zeitung mit einer so hehren christlich-sozialen Tradition der katholischen Kirche rät, sich darauf zu konzentrieren, „worum es ihnen zu tun ist: ihren Glauben, ihre Riten, ihre Tradition, ihre Werte.“ Tut sie das denn nicht, wenn sie sich für eine Flüchtlingspolitik mit Herz und Verstand einsetzt? Es ist auch nicht zielführend und theologisch gar karg, jenen, die in vielen Orden und Pfarren Nächstenliebe handfest leben, einfach Naivität zu unterstellen. Werden Sie, geschätzter Herr Winkler, solche Naivität demnächst auch Mutter Theresa zuschreiben, die in allen Menschen Gottes Ebenbilder erkannt hat und in den Leidenden eine Ikone Christi? Ich gestehe, dass ich solche Naivität durchaus für christlich halte – naiv eben wie kindlich, unverstellt, ehrlich und glaubhaft. Und wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, Sie erinnern sich!

BUB AleppoDass Sie dann die „Schutzsuchenden“ gleich wieder auf jenen jungen Afghanen, der „in Kabul in Frieden lebt“ (tut er das wirklich? Wirkt irgendwie zynisch!) reduzieren, der in Europa ein besseres Leben sucht, schmerzt. Es wird schon gar nicht jenem Buben gerecht, dessen Bild soeben um die Welt ging, der in Aleppo Opfer eines menschenrechtswidrigen Bombenangriffs geworden war, im Stuhl des Rettungswagens sitzt, blutüberströmt stumm vor sich hinleidet, um alsbald zu sterben. Sie haben ein Menschenrecht, Schutz zu suchen. Dass die Menschen, die in bitterer Hoffnungslosigkeit etwa in Afrika leben und in den nächsten Jahrzehnten beschäftigen werden, werden auch Sie nicht in Frage stellen. Jene, die im Rahmen des berechtigten Asyls die Hoffnungslosen aus den armen Regionen der Erde als „Wohlstandsflüchtlinge“ denunzieren, erleichtert die aus uns zurasende Bewältigung der großen Armutsmigration mit Sicherheit nicht.

Dass ich angeblich, wie Sie mir unterstellen, Willkommenskultur mit Integration gleichsetze, resultiert aus einer nicht präzisen Lektüre meines Beitrags. Ich meinte, dass selbst bei eingehaltenen Obergrenzen die Integration jene, die Asyl erhalten, auf dem Programm steht, ob wir das wollen oder nicht, und dass wir bei einer erfolgreichen Integration von konkreten Menschen mit Gesicht und Geschichte eine „Willkommenskultur“ brauchen. Sie können dazu, wenn Sie das Wort „Willkommenskultur“ bereits ins linke Eck abgelegt haben, gerne auch „Aufnahmekultur“ sagen. Dass es in der Flüchtlingspolitik geordnet zugehen muss, daher nicht alles auf einmal möglich ist, habe ich in meinen Beiträgen stets betont. Ein Politiker hat immer Gesinnung und Verantwortung zugleich, zumal ein christlich gestimmter. Dass so viele auf einmal nach Europa drängten, hat ja nicht zuletzt auch damit zu tun, dass wir uns um die Menschen in den Flüchtlingslagern rund um Syrien und dass wir Italien mit Lampedusa europäisch zu lange unterschätzt haben.

Noch eine Kleinigkeit, die Ihnen in Ihrer raschen Recherche entgangen ist: Nicht ich habe bei der FURCHE ein Replik erreicht: Es war vielmehr die Redaktion der Furche selbst, die mich ersuchte, meinen Blog (www.zulehner.wordpress.com) abdrucken zu dürfen.

 

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Der Angstfurcht Vertrauen abgewinnen

Die Medien sind auf das Thema voll aufgestiegen. Kaum eine Sendung im Fernsehen, in der ein Politiker nicht danach gefragt wird, wie er den Leuten die Angst vor Terror nehmen und das Gefühl von Sicherheit erhöhen kann. Heinz Bude, Soziologe aus Bochum, hat schon Recht. Deutschland ist eine Angstgesellschaft geworden. Ähnlich der französische Politologe Dominique Moïsi , der Europa eine „Kultur der Angst“ (a culture of fear) attestiert, wobei ich lieber von einer „Unkultur der Angst reden würde“. Leute, die bei einem Interview sagen, sie hätten keine Angst, gelten als nicht ganz normal. Hinweise, dass jährlich mehr Leute bei Verkehrsunfällen sterben als durch Terroranschläge, mindern die Angst nicht. Im Gegenteil: Allein das Reden über Terroranschläge, über die Gräueltaten des Islamischen Staates, die verwerflichen sexuellen Übergriffe auf Frauen und deren Handtaschen durch nordafrikanische Männer haben dazu geführt, dass es wochenlang in Deutschland keinen Pfefferspray mehr gab. Weiterlesen

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Besinnt sich Europa? Fragen an Chefredakteur Rudolf Mitlöhner von DIE FURCHE

„Die christlichen Kirchen – und insbesondere die katholische Kirche als größte Denomination – werden sich fragen müssen, wo und wofür sie stehen. Sie – und jeder einzelne Gläubige in ihnen – werden wieder verstärkt zum Leuchten bringen müssen, worum es ihnen zu tun ist: ihren Glauben, ihre Riten, ihre Tradition, ihre Werte. Sie werden sich aber auch selbstkritisch fragen müssen, ob sie nicht aus falsch verstandener Nächstenliebe oder aus Naivität oder aus dem Bedürfnis, einmal auf der ‚richtigen Seite“’zu stehen, dem Vorschub geleistet haben, was als ‚Willkommenskultur‘ für jene Verwerfungen mitverantwortlich war, mit denen wir jetzt konfrontiert sind.“

Es verwundert, dass eine solche Aufforderung zur Selbstbefragung der Kirchen just in DIE FURCHE zu lesen ist (Besinnt sich Europa? Vom 28.7.2016). Geschrieben und unterzeichnet vom Chefredakteur Rudolf Mitlöhner. Ich möchte ihm Gegenfragen stellen.

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Habt keine Angst mehr!

Die Europäer und die Flüchtlinge.
Florian Breitmeier im Gespräch mit dem Theologen Paul M. Zulehner
NDR – Glaubenssachen: Sonntag, 19. Juni 2016, 08.40 Uhr

Zum Nachhören: http://www.zulehner.org

Breitmeier: Herr Zulehner, die Angst ist ein Schlüsselbegriff unserer Zeit, nicht zuletzt in der Flüchtlingspolitik. Nun lässt sich ja nicht leugnen, Weiterlesen

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Von der Angst zum Vertrauen

Angst haben wir alle

Die Tiefenpsychologin Monika Renz kommt dem Bild von der Vertreibung aus dem Paradies in ihren therapeutischen Begegnungen sehr nahe. In ihrem Buch „Erlösung aus Prägung“ (Paderborn 2008) geht sie davon aus, dass im Mutterschoß jeder Mensch gleichsam paradiesische Verhältnisse erlebt. Es ist für das heranblühende Menschenwesen ein Raum von Geborgenheit, Wärme, Schutz. Und dann folge nach dieser neunmonatlichen Paradieseszeit die Vertreibung aus diesem. Die Geburt wirft das Neugeborene in eine kalte Welt. Urangst stellt sich ein. Weiterlesen

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Auferstehung der politischen Mitte

Jetzt nach der Wahl, welche weithin – oft ungewollt – eine Wahl zwischen den Rändern war, hoffe ich auf eine „Auferstehung“ der politischen Mitte.
Zudem wünsche ich mir, dass sich in der politischen Mitte eine Partei findet, welche nicht die „Politik der Angst“ (abgrenzen, Zäune, Festung Europa ausbauen, Islamisierungspanik, Terroristenangst, Kriminalitätsangst) macht, sondern eine geordnete „Politik des Vertrauens“  (die schon Angekommenen willkommen heißen, mit ihnen Deutsch lernen, Wohnbaupolitik und Arbeitsmarktpolitik für alle, politische und interreligiöse Bildung, Kommunikation; aber auch Ursache der Flucht mindern, Entwicklungszusammenarbeit stärken, Marshallplan für Syrien, bis dahin geordnet Asyl gewähren) machen. Dafür wäre in der Mitte derzeit enorm viel Platz. Die politische Mitte könnte so für viele wählbar werden. Diee christlichen und sozialistischen Werte sollten wieder eine Rolle spielen.

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Abschied von Thomas Luckmann (1927-2016)

Am 10. Mai verstarb in Kärnten der renommierte Soziologe Thomas Luckmann. Ich konnte ihn, meinen Lehrer, beim Beerdigungsgottesdienst in Ossiach würdigen.

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