Synodaler Weg – Folge 5: Welche Themen gehören auf den Synodentisch?

In dieser Serie von BLOGs informiere ich Sie über den von Papst Franziskus ausgerufenen Synodalen Weg. Sein Ziel ist die Synodalisierung der Kirche, der sie für die Mission in der Welt von heute bereiten soll. Sie können sich auch den Podcast dazu anhören.

In dieser fünften Folge zum Synodalen Weg erkläre ich, welche Themen auf den synodalen Beratungstisch gehören.

Es ist unüblich in der katholischen Kirche, dass es keine Tabuthemen gibt. Alle, so die Anleitung aus der Römischen Bischofskongregation zum Synodalen Weg der Weltkirche, können auf den Beratungstisch reklamiert werden. Es können Themen sein, die den Auftrag der Kirche in der Welt von heute betreffen; andere wiederum sind anstehende innerkirchliche Reformanliegen. Womit aber beginnen?

Die einen sagen, die Kirche müsse bei sich selbst anfangen. In zu vielen Belangen hat sie in den letzten Jahrzehnten systematisch Glaubwürdigkeit und Vertrauen eingebüßt. Kardinal Reinhard Marx, der den Papst soeben um seinen Rücktritt gebeten hatte, sprach von einem „toten Punkt“, an dem die Kirche angekommen sei. Stichworte sind: geistlicher und sexueller Machtmissbrauch, Sexualmoral, Frauenfrage, Homophobie, Klerikalismus und Partizipation des Kirchenvolks. Vielen in und außerhalb der katholischen Kirche gilt diese als sexualneurotisch, frauenfeindlich, homophob, undemokratisch, vormodern, also out. Bevor diese Wunden der Kirche nicht geheilt sind, sei die Kirche ungeeignet, das Evangelium glaubhaft zu verkünden.

Die anderen sagen hingegen mit Papst Franziskus, dass eine Kirche, die um sich selbst kreist, krank ist. Man müsse daher auf die Welt schauen, deren großen Herausforderungen und mit dem Evangelium den Menschen zur Seite zu stehen. Es gelte, das Evangelium in den Gang der Geschichte einzuweben, damit diese ihr menschliches Gesicht nicht verliert: also gerechter, freier, friedvollen wird und dass vor allem die natürlichen Lebensgrundlagen auch für die nächsten Generationen erhalten bleiben.

Ich halte dieses Entweder-Order für falsch. Denn beide Zugänge hängen eng zusammen. Das Zweite Vatikanische Konzil hat das vorgezeigt. In der Mitte steht die berühmte Pastoralkonstitution Gaudium et spes: Kirche in der Welt von heute. Das Konzil wollte damit gleichsam die Kirche „in eine gute Verfassung“ bringen. Von dort her richtete sich der Scheinwerfer auf die Kirche und ihre Gestalt. Die Dogmatische Konstitution über die Kirche, Lumen gentium, entstand. Das war die zentrale Frage: Wie kann sich die Kirche, inspiriert von ihrer bibelgestützten Tradition, so erneuern, dass sie ihren Dienst in der Welt von heute optimal erfüllen kann?

So sehr aber beide Zugänge zusammenhängen: Es gibt insofern einen gewissen Vorrang der Welt und der Menschen. Denn es geht nicht um die Kirche, sondern um Gott und seine Welt. Auch Jesus ging es nicht um eine gut funktionierende Kirche, sondern eben um eine Bewegung von Gott her, die er in die Welt implementiert hat. Sein Logo war das anbrechende Reich Gottes. Der ausstehende Himmel sollte jetzt schon in die Geschichte hereinragen und die Entwicklung der Welt von innen her formen: in Spuren wenigstens. Kirche ist also zunächst Sendung, Mission (so der Papst auch im Untertitel der Weltbischofssynode). Voraussetzung für die Mission aber ist die Sammlung der Bewegten in der „Jesus-Bewegung“. In ihr tun sich die „Anhänger des Weges“ (Apg 9,2) zusammen, um miteinander, randvoll mit dem erzählten und gefeierten Evangelium, sich in die Gestaltung der Welt wie ein Sauerteig „einzumengen“.

Das also könnten sie großen Themenfelder eines Synodalen Wegen auch in Österreich sein:

Das erste Themenfeld: Was bewegt die Menschen heute, welches sind die großen Herausforderungen: im Land, in Europa, weltweit? Es gilt, gleichsam Gaudium et spes, „Kirche in der Welt von heute“ upzudaten. Denn die Zeit seit dem Konzil hat sich in manchen Belangen stark verändert. Die Welt von heute steht vor gewaltigen Herausforderungen, welche den Einsatz aller Kräfte guten Willens verlangt, einschließlich der Religionen der Welt. Also auch jenen der Kirchen, die allein auch deshalb zusammenwachsen müssen.

Untrennbar verbunden mit diesem ersten Themenfeld ist das zweite: Welche Gestalt soll sich die (katholische) Kirche inmitten der heutigen Kultur geben, um der Welt bei diesen Herausforderungen mit dem Evangelium inspirierend zur Seite stehen zu können? Hier kann die Kirche von den reichen Erfahrungen der jeweiligen Kulturen und Gesellschaften lernen. Sie wird diese auf den Prüfstand des Evangeliums stellen, dabei aber erleben, wie viele Spielregeln des Lebens und Zusammenlebens, Beratens und Entscheidens dem Evangelium näher sind, als traditionelle Kreise unterstellen.

Gerade um ihre Mission in den jeweiligen Kulturen erfüllen zu können, braucht es Reformen an der Kirchengestalt, die sowohl der biblischen Tradition wie den Erfahrungen demokratischer Gesellschaften gerecht werden.

In weiteren Podcasts werde ich dies näher erklären und für die Kirche (in Österreich) konkretisieren.

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Eine Antwort zu Synodaler Weg – Folge 5: Welche Themen gehören auf den Synodentisch?

  1. Joseph schreibt:

    >> “ ….. dass es keine Tabuthemen gibt. Alle, so die Anleitung aus der Römischen Bischofskongregation zum Synodalen Weg der Weltkirche, können auf den Beratungstisch reklamiert werden. “ >>
    ALLE mögliche und unmöglichen Themen die da kommen werden oder kommen könnten wurden schon im Konzil (Vat. II. ) – auf den nationale Synoden und diözesansynoden – in den verschiedensten Delegiertentagen und Pastoralveranstaltungen — auf Katholikentagen und „Aufbruchveranstaltungen (APG 2010) DISKUTIERT, debatiert und ausformuliert, angesprochen und durchgekaut!
    Das einzige was noch fehlt ist ein „FESTER Entschluß“ zur Umsetzung!

    Sonst wird es wieder dasselbe wie schon immer, eine Reihe Broschüren und Bischofsbriefen …. und …. was bleibt ist viel Papier (das die wenigsten lesen) und „heiße Luft“ 8wo es schon vielen eher zu heiß ist und viele fühlen sich am Ersticken in dieser „abgestandenen Themenluft“!)

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