Der Papst wird frontal attackiert und unsere Bischöfe schweigen. Ein Aufruf.

Die Attacken auf Papst Franziskus werden immer dreister. Seine Gegner sind weltweit vernetzt. Sie greifen den Papst frontal an. Sie bringen damit die tiefe Spannung ans Licht, die seit dem Aufkommen der „modernen Welt“ die katholische Kirche prägt: Soll sich die Kirche der Zeit von heute prophetisch und kritisch öffnen und auch von ihr Gutes und Geistgewirktes lernen, oder soll sie sich festungsartig verschließen.

Die Auseinandersetzungen auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil waren von diesen Spannungen  bestimmt. Ebenso formten sie die Pontifikate von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. Kardinal Carlo M. Martini, dem ich als Präsidenten des Rates der Europäischen Bischöfe (CCEE) jahrelang gedient habe, meinte am Ende des Lebens: 300 Jahre ist die katholische Kirche hinter der Zeit zurück.

Papst Franziskus stellt sich dem Versuch, den Weg der Öffnung hin zur heutigen Welt aus der Kraft des Evangeliums, ohne Anpassung an sie, aber in tiefer Liebe zu ihr, mutig voranzugehen. Wie ein Weltpfarrer sorgt er sich um das eine Welthaus (Laudato si), setzt sich für Gerechtigkeit ein, mahnt zu einem menschlichen Umgang mit der Migration, welche in allen Weltteilen stattfindet. Bei all diesen global-weltkirchlichen Aufgaben werden viele seiner Kräfte durch die Wunde des Missbrauchs gebunden.

In solch einer Zeit braucht der Papst Rückenwind. Die Aktion ProPopeFrancis versucht, ihm diesen Rückenwind durch weltweite Solidarität zu geben. 75000 Menschen haben den ermutigenden Offenen Brief an ihn unterstützt. 150 Theologinnen und Theologen aus aller Welt argumentieren zu Gunsten des von ihm eingeschlagenen Weges der Kirche. Über 5000 haben sich in der Online-Umfrage über die Anliegen des Pontifikats geäußert.

Und jetzt diese neuerlichen Attacken, ausgelöst durch den Brief des Erzbischofs Carlo Maria Vigano aus den USA, den aber auch andere Bischöfe unterstützen. Die Gegner des Papstes dominieren die Berichterstattung in den Medien. In anmaßender Weise fordern sie den Rücktritt des Papstes.

Ich bin als wacher Beobachter bestürzt, dass erst ein einziger Bischof weltweit sich in dieser prekären Lage vor den Papst gestellt hat. Es ist der Bischof Giovanni D’Ercole von Ascoli Piceno. Er schreibt in einem Hirtenbrief u.a.: „Noch nie hat man ein Verlangen nach dem Rücktritt des Papstes gesehen, das so sorgfältig als mediale und politische Operation angelegt war und die Aufmerksamkeit auf die Irland-Reise ausgenützt hat“. Wenn man den Text des früheren Nuntius Carlo Maria Vigano‘ aufmerksam lese, verstehe man „die Instrumentalisierung und die Absurdität der Rücktrittsforderung“. Wörtlich fügte D’Ercole hinzu: „Wir sehen im Papst den Nachfolger des Apostels Petrus und den Vikar Christi, wir lieben den Papst wie wir seine Vorgänger geliebt haben“. Der Papst müsse wissen, dass er in seinem Kampf gegen den Missbrauch von Minderjährigen und jungen Leuten durch ungetreue Kleriker nicht allein sei, betonte der Bischof und lud die Gläubigen seiner Diözese zu einem besonderen Gebetstag am Sonntag, 2. September, ein.

Und unsere Bischöfe in Österreich, Deutschland, in der Schweiz – kurzum: alle unsere Europäischen Bischofskonferenzen schweigen. Es ist ein skandalöses Schweigen. Ein Schweigen, das schuldig macht am Wohl der Kirche. Viele Gutwillige im Kirchenvolk werden durch das fahrlässige Schweigen verunsichert.

So fordere ich unsere Österreichische und auch andere Europäische Bischofskonferenzen in aller Dringlichkeit auf, sich umgehend öffentlich ausdrücklich und wahrnehmbar hinter den Papst zu stellen und seinen Weg zu unterstützen. Der CCEE, der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen, wäre gut beraten, seine Loyalität klar und deutlich zu bekunden. Ein Gebetstag für den Papst wäre in dieser heiklen Stunde der Kirche auch bei uns in Österreich mehr als angemessen.

 

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21 Antworten zu Der Papst wird frontal attackiert und unsere Bischöfe schweigen. Ein Aufruf.

  1. Dr. Elisabeth Kloosterhuis schreibt:

    Danke für die Gedanken! Ja es wäre hilfreich, wenn sich vor allem die Mitglieder des K9 äußern würden, aber auch andere Bischöfe. Es kommt einem vor wie die Hassattacken von Personen wie Burke etc. Es sind genau jene, die noch vor einigen Jahren strengen Gehorsam gegenüber Papst und Kurie gefordert haben. All diese Aktionen werden nur zu weiterer Zerstörung und Auflösung führen. Ein Zurück wird es nicht geben…

  2. Franz Schallhas schreibt:

    Wer schweigt stimmt zu

  3. Karl Obernosterer schreibt:

    Die Rücktrittsforderung mag ja heillos übers Ziel hinausschießen, trotzdem sollte unser Papst schleunigst zu der medial verbreiteten Behauptung, er wisse schon seit einigen Jahren von konkreten Missbrauchsfällen durch den US-Kardinal und offensichtlich sei mehr/weniger jahrelang nichts passiert, Stellung beziehen. Nicht nur die Missbrauchsopfer brauchen entsprechendes Verständnis und Mitgefühl, die Täter sollten – auch wenn Sie hohe Funktionäre der Amtskirche sind – entsprechend hart diszipliniert und bestraft werden. Übrigens auch durch aktive Überleitung an die zivilen Strafgerichte. Als Katholik kann ich mich des Eindrucks nicht verwehren, dass es seitens der Amtskirche für die einzelnen Amtsbrüder/Täter mehr Verständnis gibt als für die Opfer. Find ich traurig und beschämt mich auch als Katholik.

  4. Kropatschek schreibt:

    Danke für diese Aufforderung an die Bischöfe, mehr persönlichen Mut an den Tag zu legen und ihre Verantwortung wahrzunehmen, sich deutlich einzubringen, Position zu beziehen und diese zu begründen! All das wurde allzu lang vermieden, sodass der Eindruck entsteht, in der Rolle als Zuschauer eines Stücks, an dem sie nicht beteiligt sind, fühlen sich vor allem viele Bischöfe am sichersten. Für mich ist es befremdlich, dass hier kaum Worte der Solidarität mit Papst Franziskus hörbar werden. Es ist eine Stimmung der Unsicherheit spürbar. Um so dankbarer bin ich für diesen Weckruf! Wo es um offene Feindseligkeit gegenüber dem Papst geht, der jedem und jeder von uns nichts anderes abverlangt als als Christinnen und Christen glaubhaft und verantwortlich – besonders Kindern und der ganzen Schöpfung gegenüber – zu leben, steht es schlecht um den Mut auch unserer Bischöfe, wenn auf einmal kalter Wind entgegenbläst. Die Konsequenzen für eine unentschlossene Haltung jenen hasserfüllten Stimmen gegenüber werden der Kirche, dh uns allen, die wir uns ihr zugehörig fühlen, sei es auch nur am Rande, weiteren Schaden zufügen. Ich hoffe, dass sich viele von uns und auch viele Bischöfe mit ihrer Stimme hinter die entschiedene und menschenfreundliche Haltung des derzeitigen Papstes stellen und damit vielen anderen Mut zu machen.

  5. Grandjean, Maria Anna schreibt:

    Ich stehe voll hinter Papst Franziskus und bin sehr glücklich über seine
    Arbeit.
    M. Grandjean

  6. TimotejStojanJuric schreibt:

    Bin ganz ihre Meinung Herr Zulehner. Danke! Diese kariere Bischöfe machen nur Schäden in unsere heilige Kirche. Preis dafür ist ihnen egal! Ich erwarte schon mähr von unseren Hirten (!). Ihnen anvertraute Hirten Dienst!

  7. Michael Prüller schreibt:

    Wer auch immer sich hier „Schönborn“ nennt – der Kardinal ist das nicht.
    Michael Prüller, Pressesprecher der Erzdiözese Wien (der Echte :))

  8. Dr. Markus Büning schreibt:

    Lieber Herr Professor, auch ich bin ein „wacher Beobachter“ dieser Lage. Allerdings komme ich zu ganz anderen Schlüssen. M.E. instrumentalisieren derzeit einige Teile aus beiden Lagern, Progressive und Konservative, den Missbrauchsskandal auf ganz erbärmliche Weise für ihre jeweiligen krichenpolitischen Positionen. Einige Progressive wollen einfach nicht wahrhaben, dass die meisten Opfer sexuellen Missbrauches durch Kleriker männliche Jugendliche sind, soll heißen, hier drängt sich durchaus die Frage nach einer „klerikalen Homolobby“ auf, die seit Jahrzehnten versucht, die Sünde der Homosexualität in der Kirche zu leugnen. Dies ist aus meiner Sicht zutiefst unanständig, ja reine Realitätsverweigerung! Einige Konservative versuchen nun, den Papst zum Rücktritt zu zwingen. Auch solchen „Spielchen“ stehe ich sehr reserviert gegenüber. Allerdings stehen nun mal gravierende Vorwürfe seitens Viganos im Raum. Sollten diese nicht stimmen, sind sie doch zu widerlegen. Stimmen sie allerdings, hätte dies für die Glaubwürdigkeit des Papstes ganz schlimme Folgen. Ich selbst maße mir nicht an, den Wahrheitsgehalt dieser Aussagen zu beurteilen, weil ich dies gar nicht kann. Ich habe hierzu überhaupt nicht die geringste Möglichkeit, mir ein verlässliches Urteil bilden zu können. Ist auch nicht meine Aufgabe! Eines ist aber ganz klar: Ein schmollendes „Dazu sage ich nichts!“ seitens des Papstes reicht hier nun wirklich nicht mehr aus. Nein, nun ist er gefordert, die Dinge aus seiner Sicht darzustellen. Tut er dies nicht, bleibt der von Vigano beschriebene Schmutz an seiner weißen Soutane kleben! Darüber muss der Herr Papst sich doch nun wirklich im Klaren sein. Übrigens: Lieber Herr Professor, wir leben Gott Dank nicht mehr in einer Zeit, in der man über den Papst nicht auch mal kritische Töne sagen darf. Früher waren es die Konservativen, die dies nicht wollten, heute sind es die Progressiven. Ein geradezu erbärmliches und leicht durchschaubares Schauspiel! Nein, auch der Papst muss Rede und Antwort stehen, wenn ihm etwas zur Last gelegt wird. Er ist nicht der liebe Gott!!! Alle verschrobene Papolatrie, ob konservativ oder progressiv, muss nun ein für allemal ein Ende haben! Hat sie das nicht, werden die Missbrauchsfälle niemals aufgeklärt. Leider habe ich mich aufgrund meiner streng katholischen Erzeihung auch viel zu lang dieser devoten Haltung gegenüber dem Papsttum unterzogen. Den Unsinn, den ich noch neulich zum Gehorsam über den Papst auf Ihrem BLOG geschrieben habe, würde ich heute so bestimmt nicht mehr schreiben. Dies war letztlich auch wohl der Grund, warum ich Ihre Initiative dann unter innerer Verbiegung meiner Positionen für einige Zeit mitgegtragen habe. Endlich werden mir die Augen geöffnet, wie menschlich es doch auch am „Heiligen“ Stuhl zugehen kann. Das, lieber Herr Professor, ist die Wahrheit! Diejenigen, die früher auf J.P. II. und Benedikt XVI. ohne jedwede Hemmung losgeschlagen haben, postulieren heute ein sakrosanktes Papsttum! Wie erbärmlich ist das denn? Meine Vermutung ist foglende: Sie erhoffen sich, dass nun endlich ihre Agenda in Gottes Kirche durchgesetzt wird. Wird sie aber nicht, weil das Volk Gottes auch noch mitspielen muss…
    Ganz schade finde ich es, dass Sie nicht bereit waren, meine an Sie gerichtete Email meines Ausstiegs aus der Initiative „Pro Pope Frnacis“ auf Ihrem BLOG zu veröffentlichen. Auch hier scheint mir wieder die Kirchenpolitik das bestimmende Moment zu sein, welche Stimmen überhaupt zu Wort kommen dürfen. Nun, ich bringe dieses Schrieben in diesem Kommentar, damit der geneigte Leser meine Auffassung zum Umgang des Papstes mit dem Missbrauchsskandal aus erster Hand erfahren kann. Hier der Text meiner Email vom 20.08.2018:
    „Lieber Herr Professor,
    hiermit bitte ich um sofortige Entfernung meines Bildes und meiner Unterstützerunterschrift bei Ihrer Initative „Pro Pope Francis“. Letztlich ist das heute veröffentlichte Schreiben des Papstes zum Kindesmissbrauch der Grund für diese Entscheidung (den Text siehe hier: https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2018-08/papst-franziskus-missbrauch-schreiben-leiden-volltext-deutsch.html).
    Dieses Schreiben ist völlig unzureichend und eine große Enttäuschung. Es erschöpft sich in einem weitgehenden unkonturierten „Pastoralsprech“, der letztlich das Leid der Opfer und ihrer Angehörigen nicht ernst genung nimmt. Zudem fehlt hier ein klares HANDLUNGSkonzept: Was ist denn nun mit den Bischöfen, die gefehlt und vertuscht haben? Wird der Papst diese aus ihrem Amt entfernen, auch wenn z.B. in D solche Fälle bekannt werden würden? Nach diesem vagen Schreiben wohl eher nicht. Was ist denn mit der Homolobby im Klerus, die ganz offenkundig seit Jahren hier ihre Umtriebe treibt? Kein, aber auch gar kein Wort zu dieser Problematik! Das alles ist schwach und nicht glaubwürdig. Und wenn der Papst hier zurecht den Klerkalismus kritisiert, dann soll er gefälligst selbst mit dieser Haltung aufhören, uns Katholiken in dieser vagen Art von oben herab zu belehren. Er muss jetzt handeln! Er muss ein Konzept gegen die Täter und deren Unterstützer entwickeln. Tut er aber offenkundig nicht…
    Geradezu zynisch finde ich die Aufforderung an das Gottesvolk, nun Sühne für die Sünden dieser Bischöfe und Priester zu leisten, durch Fasten und Gebet. Ich werde einen feuchten Kehricht tun! Wieso soll ich als Missbrauchsopfer jetzt noch für meinen Kinderschänder Buße tun? Geht´s noch? Sollen meine Ehefrau, meine Kinder, meine Freunde und Verwandten, die katholisch sind, für diesen Mann jetzt auch noch Buße tun? Geht´s noch? Nein, die Kirche muss hier strafen! Dafür hat sie ein Strafrecht! Tut sie dies nicht, macht sie sich noch mehr zur Komplizin unglaublicher Verbrechen.
    Nein, lieber Herr Professor, spätestens jetzt wird klar, dass Franziskus außer vieler Worte seine Verantwortung nicht wahrnimmt. Einen solchen Papst kann ich nur bedauern.
    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Markus Büning“
    Dem habe ich heute auch nichts hinzuzufügen.

    • Ignatius Th. Kordecki schreibt:

      Vielen Dank für die ausführliche Darstellung Ihrer Privatposition; jetzt ist nachzuvollziehhen, warum Ihr Mail-Text nicht veröffentlicht wurde, und auch, dass – nachdem menschliche Überlegungen, kritische Analysen und Forderungen für die große, weitflächige Problemlage keine Lösungen hervorbringen, – in der nicht allein von Menschen gelenkten geistlichen Institution der Kirche auch die spirituellen Ressourcen dringlich gefragt sind, für jeden vom Bodenpersonal darin, für die Amtsträger (als Diener der Herde), für unseren Heiligen Vater Franziskus, den Gott für unsere Zeit nach Papst Benedikt will, für Sie, für Professor Zulehner wie für mich …

    • zulehner schreibt:

      Geschätzter Herr Dr. Büning, ich war hinsichtlich der Aufkündigung Ihrer Unterschrift der Meinung, dass Sie Ihren offenen Zugang zu meinem BLOG ohnedies nützen werden, um diese Mitteilung in der Community zu machen: Das haben Sie jetzt auch getan. Private eMails veröffentliche ich im BLOG grundsätzlich nicht.
      Dann freilich noch zwei kleine Punkte:
      Wir beide sind nicht in allem einer Meinung: und doch unterstütze ich Ihre Arbeiten, wie beispielsweise die wirklich anregenden Briefe an die Heiligen. Und auch Ihre Aussagen zum Missbrauch verstehe ich als Selbstbetroffener bestens. Aber für mich ist das kein Grund, Ihnen deshalb mein Vertrauen zu entziehen. Jeder Mensch hat das Recht auf Licht- und Schattenseiten. Natürlich auch der Papst. Und wie Sie im eBook zu ProPopeFrancis erfahren werden (erscheint am 17.9.), äußern viele, die den Offenen Brief unterstützen, auch Anregungen und Kritik. Das ist erwachsene Kirche. Loyalität ist immer kritische Loyalität. Alles andere ist sündige Unterwerfung.
      Zum Zweiten: Ich teile aus wissenschaftlichen Gründen nicht die Vermengung von Homosexualität und Missbrauch. Ich kenne sehr viele Homo- wie Heterosexuelle, die eine reife und integrierte Sexualität haben und keine Kinder missbrauchen. Ich kenne aber auch Verheiratete, deren Sexualität trotz Ehe nicht integriert ist, und die Kinder missbrauchen. Es ist also keine Frage der sexuellen Ausstattung, sondern der sexuellen Reife. Mag sein, dass der Zölibat bei manchen das Reifen behindert. Aber das schafft auch eine Ehe nicht immer. 95% des Missbrauchs geschieht in familiärem Umkreis.
      Verschärft wird freilich die Lage ehelos-unreifer Priester, dass sie klerikale Macht missbrauchen und dass ihnen seelsorglich Kinder anvertraut werden.
      An der Wiener Universität habe ich daher in der Zeit von Kardinal Groer ein interdisziplinäres Kolloquium zum Missbrauch gemacht. Dort ist auch klar ausgesprochen, dass auf dem Weg zum Priesteramt die sexuelle Reife des Kandidaten streng zu prüfen ist. Als ich drei Jahre in der Leitung des Wiener Priesterseminars war, hatten wir eine weibliche Psychologin eingebunden, der sich jeder stellen musste.

      • Dr. Markus Büning schreibt:

        Lieber Herr Professor, haben Sie vielen Dank für Ihre im Ton sehr anständige Reaktion. Wir sind hier offenkundig im Dissens, den es unter Christenmenschen auszuhalten gilt: Als Theologe würde ich niemals davon sprechen, dass wir ein „Recht auf Schattenseiten“ haben. Wir haben alle solche Seiten, ausgenommen die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria, die durch Gottes ewigen Ratschluss von der Erbsünde ausgenommen ist. Aber wir alle stehen unter dem großen Anruf Jesu, immer und immer wieder umzukehren und gegen die Sünde zu kämpfen (vgl. Mk 1,14 f.). Wir müssen Gestalten des Lichtes, ja Heilige werden! Das ist unser lebenslanger Auftrag. Und dann noch ein Zweites: Mir ist völlig klar, dass es auch heterosexuelle Kindesmissbraucher gibt. All dies ist genauso schlimm. Aber wir reden hier über die spezifische Missbrauchsszene in der katholischen Kirche. Und da stellt sich die Lage nunmehr doch wohl so dar, dass das Opferspekturm so ist, wie ich es in meinem Kommentar beschrieben habe. Mir geht es hier überhaupt nicht um die Verunglimpfung homosexuell empfindender Menschen. Dazu habe ich gar kein Recht und das will ich auch nicht. Jeder Mensch, ausnahmslos jeder Mensch ist von Gott geliebt und jeder Mensch muss selber sein Leben vor unserem Herrgott verantworten. Aber meine Frage ist eine ganz andere: Kann es sein, dass die Aufklärung des strukturellen Missbrauchs durch Kleriker nicht hinreichend gelingt, weil es inzwischen so viele homosexuell praktizierende Kleriker gibt, die diese Dinge einfach nicht aufgeklärt haben wollen? Wenn ja, warum? Weil sie in der Moraltheoilogie eine gänzlich andere Behandlung homosexueller Praxis durchsetzen wollen als es im immer noch geltenden Weltkatechismus niedergeschrieben ist? Fragen über Fragen, die im Raum stehen und redlich beantwortet werden müssen. Die Kirche hat hier noch (!) eine klare Haltung: Praktizierte Homosexualität ist eine Sünde gegen das Sechste Gebot (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2357-2359). Das ist die Haltung des Lehramtes, die immer noch gilt. Übrigens hat auch Papst Franziskus schon in mehrene Kontexten auf diese Lehre der Kirche hingewiesen. „Hasse die Sünde, aber liebe den Sünder!“, sagt uns der hl. Augustinus. Wenn ich die Sünde Sünde nenne, diskriminiere ich noch lange nicht den Menschen, der sündigt. Wir werfen hier heute die Dinge zu oft durcheinander und kommen in Gefahr, die Wahrheit zu verwässern. Nur darum geht es mir.
        Und noch ein Letztes: Ich habe in einer Email schon angeregt, meine „Ausstiegsemail“ auf dem BLOG zu bringen. Nun denn, hier haben wir uns dann wohl missverstanden.
        Ich schätze an Ihnen nach wie vor die Offenheit, auch mit solchen „ewig gestrigen“ 🙂 Gestalten wie ich einer bin offen zu diskutieren. Ich hoffe, dass wir weiterhin in einem konstruktiven Dialog bleiben.

  9. Elisabeth Stocker-Pfisterer schreibt:

    Vielen Dank Herr Zulehner für den informativen Bericht. Wir, das gläubige Volk, wissen kaum Bescheid über die Dinge, die hinter den Kulissen geschehen. Ein Gebetstag für unseren Papst, wie vorgeschlagen, finde ich sehr angepasst, um nicht zu sagen dringlichst notwendig! Wer kann dazu aufrufen?
    Pace e Bene
    Elisabeth Stocker

  10. Eva Fuchswans schreibt:

    Dass es sich bei dem Schreiben von Erzbischof Viganò um eine konzertierte Aktion gegen Papst Franziskus handelt, kann man eigentlich nicht anzweifeln. Erzbischof Viganò schreibt, dass er Papst Franziskus bereits 2013 über die Missstände informiert hat. Warum hat er fünf (!) Jahre gewartet, um diesen Brief zu veröffentlichen? Warum hat er nicht schon früher die Öffentlichkeit darüber informiert, dass Papst Franziskus, wie er behauptet, auf seine Informationen über Missbrauchsvorkommnisse nicht reagiert hat?

  11. Roswitha Fürg schreibt:

    Vielen Dank, ich bin voll Ihrer Meinung und sehe in Papst Franziskus ein Geschenk Gottes an unsere Zeit. Die Kirche muss sich absolut in Bewegung setzen, sich vom Hl. Geist bekehren und erneuern lassen.Es bräuchte wirklich eine konzertierte Aktion aller Gläubigen.

  12. INGE Wilhelm schreibt:

    Danke für diesen wichtigen Aufruf, der mir aus dem Herzen spricht. Ich bete mit und habe bei vielen Menschen Werbung gemacht. Aber wir müssen auch unsere Bischöfe persönlich anschreiben, um sie aus dem Tiefschlafmodus aufzuwecken.

  13. Karl Kranich schreibt:

    Die Menschen hören es, dass der Kardinal in jeder Messe für ihn betet.

  14. Jermia Thoma schreibt:

    Danke für deinen so wichtigen Aufruf, weiss nicht wieviel die Bischöfe hier wissen. Ich denke aber, dass wir an der Basis mit unseren Gebeten auch etwas vermögen und beim Diözesanbischof nachfragen.

  15. Michael Tfirst schreibt:

    Am Pfingstsonntag 2018 schrieb ich einen offenen Brief an Papst Franziskus. Das Schreiben ist eine saftige Beschwerde über etliche Angestellte des Unternehmens Kirche, denn letztendlich ist der Papst auch deren oberster Chef. Also gehört er darüber informiert, was wirklich Sache ist. Es ist eine Schande, was sich Kardinal Schönborn seit Jahren als Wolf im Schafspelz auf Kosten von uns Missbrauchsopfern leistet. Mein Schreiben enthält auch sieben Forderungen an den Papst in der Causa des klerikalen sexuellen Missbrauchs. Leider musste ich feststellen (ich erhoffte so ein Szenario nicht), dass nach drei Monaten noch immer kein Antwortschreiben aus dem Vatikan gekommen ist. Am 20.5.208 habe ich den Brief geschrieben, am 21.5.2018 habe ich ihn per Einschreiben abgeschickt und, wie gesagt, bis dato gibt es keinerlei Resonanz. Hier ist der Brief zu lesen:

    http://michaeltfirst.blogspot.co.at/

    MfG
    Michael Tfirst

  16. Josef Trummer schreibt:

    BITTE helfen wir unseren Franzikus!!!
    Dankeschön

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