Willkommen zum Zulehner-Blog

Seien Sie herzlich willkommen zur Diskussion von aktuellen Ereignissen aus Welt und Kirche, zu denen ich meine Position vermittle und zur Diskussion einlade.
Themen wird es viele geben:

  • Franziskus, der neue Bischof von Rom, der sich selbst ungern Papst nennt, wird vieler Einträge wert sein. Wird es ihm gelingen, für seine Reformen Mitstreiter und Mitstreiterinnen zu gewinnen? Wird sich der Widerstand formieren? Was wird auf der Synode über die Familie passieren? Und wird eine Synode zum Mangel an Priestern in der Weltkirche kommen?
  • Fertiggestellt ist eine Studie über die Entwicklung der Rollen von Männern und Frauen in Österreich: Zulehner Paul M./Steinmair-Pösel, Petra: Gleichstellung in der Sackgasse? Frauen, Männer und die überforderten Familien heute, Wien-Graz 2014. Das eine oder andere Ergebnisse werde ich in Blogs vorstellen. Die Diskussion über sie wird heiß werden.
  • Abgeschlossen ist die Umfrage des Zukunftsforums über die Themenfelder „familiale“ Lebenswelt, Beruf und Bildung, Miteinander im Land, Ökologie und Gerechtigkeit. 7435 Personen sind in die Umfrage im Internet eingetreten. Davon sind 4609 Einträge auswertbar. Ab 15.1.2014 werden Ergebnisse auf der Homepage des Zukunftsforums http://www.wodruecktderschuh.at zugänglich gemacht werden. Einzelne Ergebnisse werde ich im Blog mit Ihnen diskutieren.

Bleiben also auch Sie dran.
Ihr Paul M. Zulehner
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26 Antworten zu Willkommen zum Zulehner-Blog

  1. hkarner schreibt:

    Ich bin begeistert, dass diese Diskussion nun auch auf einem Blog statfindet.

    • zulehner schreibt:

      Lieber Professore, von Dir habe ich dankenswerter Weise den Rat bekommen, zu den Leitlinien der Erzdiözese Wien Apg 2.1 einen Blog einzurichten. Und wie ich sehe, war es ein sehr guter Rat. Danke ganz öffentlich dafür!

  2. Josef Hofbauer schreibt:

    Roos versus Zulehner, Zulehner versus Roos ……
    eine interessante Debatte !
    Aber auch das ist „Kirche in der Welt von Heute“! … zwei ältere Experten disputieren die Zukunft, an der sie dann wohl nicht mehr teilnehmen werden,
    und in der Umfrage waren mehr als 50% älter als 50 Jahre, also alle schon im letzten Drittel ihres „Erdenweges“ ……
    Allesamt fehlt der Weg zur „Jugend“ und die Vorstellung wie die junge Kirche in 30 Jahren aussehen wird ……….

    • zulehner schreibt:

      Lieber Herr Hofbauer, danke für die Beteiligung an der Diskussion. Was die Altersverteilung unter den Befragten betrifft, bin ich positiv überrascht. Viele junge Menschen unter 30 (siehe Blog über die Verteilung) haben sich mit starken Wortmeldungen beteiligt. Darunter auch viele von der Katholischen Jugend. Die Zukunft steht also offen. Paul M. Zulehner

      • Josef Hofbauer schreibt:

        wenn ich Sonntags in der Kirche bin, egal ob in der „Heimatpfarre“ oder sonstwo im Dekanat oder in der Diözese, so fehlt diese Jugen weitgehend.

        „Zelebrieren vor leeren Bänken“ wird wohl eine sehr reale Zukunft, wenn dann die heute 60-plus Kirchgänger nicht mehr kommen können!

    • Martin Sponner schreibt:

      Ich bin froh, dass die Älteren ihre Liebe, ihre Erfahrung und ihr Wissen einsetzen um Wege zu finden, die auch für die Jugend gangbar sein können. Ich denke, genau das ist die Aufgabe der Älteren!
      Wie die junge Kirche in 30 Jahren aussehen wird, wäre direkt mit Gott zu besprechen, und eine eventuell daraus resultierende persönliche Aufgabe ernst zu nehmen.
      P.S. Ich bin mit meinen 50 Jahren eher auch schon auf der älteren Seite.

  3. elisabeth macho schreibt:

    Gerade habe ich den Artikel über die Eucharistie in gläubigen Gemeinden gelesen. Das größere Problem ist nicht der Priestermangel, sondern der „Gläubigenschwund“. Ich gehöre seit 21 Jahren eine Gruppe an die von einen Katholischen Pfarrer geleitet wird. Diese Menschen kommen von weit her, auch um mit diesem Priester Eucharistie zu feiern. Vielen haben in Laufe von seinen 40 jährigen Tätigkeit in unseren Gruppe zurück gefunden zur Kirche. Er hat uns gezeigt was Eucharistie überhaupt ist. Ein Sakrament der Einung und nicht ein Sakrament der Trennung und Ausschließung. Aber eine besondere Hilfe von kirchlicher Seite hat dieser Mann nie bekommen. Dieser Mann hat den „Hunger “ der Menschen erkannt, hat sie zu sich nach Hause geholt. Das größte Problem was die Kirche hat ist das sie blind und taub geworden ist. Viele Gläubigen sind heute außerhalb der Kirche, das ist schade, wir könnten gemeinsam soviel machen.
    Danke Herr Zulehner für Ihre Arbeit. Ich habe in dieser Kirche auch Menschen getroffen die glaubwürdig das Leben was die Frohbotschaft uns sagen will. Dafür bin ich sehr dankbar. Aber sie alle haben es schwer. Die Probleme der Kirche haben nicht in erster Linie etwas damit zu tun, dass sie das Zölibat vorschreibt, sondern dass ein Priester, der sich dann doch verliebt und dazu steht, zum Lügner werden muss. Dass Ehepaare, die in Schwierigkeiten kommen, allein gelassen werden, ja gerade zu verstoßen zu einem Zeitpunkt, wo sie kirchliche Gemeinschaft brauchen, usw.
    Eine falsche und verlogene Moral ist es, die den Menschen aus der Kirche treibt! Das beschränkt sich selbstverständlich nicht allein auf die katholische Kirche. Die Dummheit ist überall gleich. Aber haben wir vertrauen, trotz allem!

    • Franz Schallhas schreibt:

      Dass der Gläubigenschwund ein großes Problem in den christlichen Kirchen ist, das wissen wir schon. Interssant wären aber die Ursachen. Dass die falsche und verlogene Moral die einzige Ursache ist, warum die Leute die christlichen Kirchen verlassen, glaube ich nicht. Es mag andere geben, die andere Schwierigkeiten haben mit der Verkündigung als ich. Aber ich vermute, dass ich nicht der einzige bin mit meinen Schwierigkeiten:
      In einem Katholischen Bildungshaus sprach mich der Geistliche Leiter des Hauses im Mitternacht in der Cafeteria an: „Wie geht es Ihnen?“
      „Wollen Sie eine höfliche oder ehrliche Antwort?“
      „Selbstverständliche eine ehrliche.“
      „Ehrlich gesagt, ich habe große Schwierigkeiten, mit dem ersten Teil des Gottesdienstes, speziell mit den „Predigten.“
      „Wo spießt es sich?“
      „So geht es nicht, dass ihr Seelsorger auf die Kanzeln steigt, die Fragen stellt und die Antworten gebt und wir Kosumenten dürfen ‚Vergelt’s Gott‘ sagen. Ihr solltet euch daran gewöhnen, dass wir Laien die Fragen stellen und dürft uns bei der Suche nach Antworten behilflich sein.“
      “ Ich erkläre Sie zum Kirchenvater.“
      „Bitte spotten Sie nicht, es ist mir bitter ernst.“
      „Nein, ich spotte nicht, so soll es sein.“

      In der Zwischenzeit sind 20 Jahre vergangen und ich treibe mich in vielen Pfarrkirchen herum, habe aber noch keine getroffen, in der die „Gottesdienstbesucher“ eingeladen wurden, Vorschläge für Sonntagspredigten zu machen und zu Predigtnachgesprächen eingeladen wurden.

      In manchen Pfarren assistiert dem Pfarrer beim Sonntagsgottesdienst ein Diakon, der dann auch predigt. Sehr schön, sehr feierlich, Nur wirklich brauchen wir für die Hl. Messe keinen Diakon. Wozu wir ihn aber wirklich bräuchten, wären Predigtnachgespräche, bei denen wir Laien die Fragen stellen. In einer Pfarre habe ich einen mir bekannten Diakon nach der Messe dahingehend angesprochen. Antwort: „Da könnt je jeder kommen.“

      Ein ständiges Ärgernis ist für mich die deutsche Version der Vaterunserbitte „und führe uns nicht in Versuchung“. Was für Gottesbild steht hinter dieser Bitte? Ist das wirklich ein liebender Vater, wenn er seine Kinder so lange in Versuchung führt, bis sie ihn anwimmern: „Bitte, bitte Papi tu das nicht.“ Jesus hat bekanntlich Aramäisch gesprochen. Die Evangelien wurden in Griechisch geschrieben, in die Vulgata übersetzt und von dort in die Volkssprachen und das Ganze in direkter Rede, als ob die Reden Jesu auf Tonband aufgenommen worden wären. Ich weiß schon, dass Exegese eine verdammt schwere Sache ist. Aber was nützen uns Laien in den Pfarren die Dissertationen und und Habilitationen, die in Bibliotheken herumkugeln, wenn unsere Seelsorger sie nicht in geeigneter über die Kanzel bringen.

      Oder was ist mit der biblischen Geschichte von der Jungfrauengeburt wirklich gemeint? War es vielleicht doch nur eine junge Frau und keine Jungfrau? Oder kann man eine durch und durch ehrliche und anständige Frau auch Jungfrau nennen, obwohl sie in liebevoller Art und Weise schon Geschlechtsverkehr gehabt hat? Ich kann mich noch erinnern an einen Vortrag von Karl Rahner im Audimax der Universität Wien, wo er unter anderem sinngemäß sagte, dass er nicht an der Gotteskindschaft Jesu zweifeln würde, wenn es der Wissenschaft gelänge zu beweisen, das er der leibliche Sohn des Josef ist. Wär doch interessant, wo Rahner seinen Glauben aufgehängt hat, der sich bekanntlich zeitlebens um intellektuelle Redlichkeit bemühte. Warum vorenthält man uns diese Thesen?
      Anderes Beispiel: Zum Sprechen der Wandlungsworte bei der Hl. Messe braucht man wahrlich keinen zölibatären Akademiker, die zwölf Apostel waren das auch nicht. Dazu genügt wahrlich ein Mann oder meinetwegen auch eine Frau, der/die das auch wirklich glaubt, was er/sie da tut. Auch nicht für Taufen, Begräbnisse, Hochzeiten und dergleichen. Wozu wir akademisch gebildete Seelsorger aber wirklich und dringend brauchen, ist das weite Feld der Verkündigung z. B. für den Religionsunterricht in höheren Schulen und für den Dialog mit Andersgläubigen innerhalb und außerhalb der Kirche und Ungläubigen auf Pfarrebene.

      Wir brauchen nicht mehr Seelsorger, sondern Seelsorger, die mit uns Laien reden, uns nicht anpredigen und das Kirchenrecht nicht über die Sakramentenlehre stellen.

      Literaturempfehlung: Reinhard Körner, „Jesus für Kleinbauern“ und „Jesus braucht Kleinbauern“.

      Der langen Rede kurzer Sinn: Wenn die Seelsorger nicht bald den Dialog mit uns Laien auf gleicher Augenhöhe zu führen beginnen, dann werden die, die mit einem Fuß noch in der Kirche und mit dem anderen schon draußen sind, auch noch verlieren.

  4. Josef Hofbauer schreibt:

    … ich bin nicht Partei in diesem „Streit“ und ich glaube auch nicht dass im Konflikt der Pfarrerinitiative und der Amtskirche eine Partei allein Recht hat und die andere „nicht Recht“ hat.
    Vielmehr sollten sich beide Seiten schleunigst BEWEGEN !

  5. Dr. Robert Mayr, Gartengasse 43, 2721 Bad Fischau schreibt:

    Ich danke Franz Schallhas für seinen großartigen Beitrag, in dem er im Klartext Fragen denkender Christen zu Themen anspricht, die dringend der Revision und zeitgemäßer Auslegung bedürfen.
    Die noch immer übliche Katechese etwa zu Jungfrauengeburt, Heilige Familie etc. ist irrational und muss heutzutage auf Unverständnis stoßen. Bibeltexte (auch Gebete und Liedertexte) müssen moderner Exegese entsprechend erklärt und „verheutigt“ werden. Viele Gebete und ein großer Teil der in der Liturgie verwendeten Liedertexte sind katastrophal unzeitgemäß.
    Konfrontationen mit den Naturwissenschaften sind überflüssig: Brauchen wir etwa eine weitere Causa Galilei? (Naturwissenschaft und Erkenntnistheorie können Gott weder beweisen noch widerlegen.)
    Bereitschaft von manchen Priestern, Fragen von Laien in ihre Predigten aufzunehmen und auch außerhalb des Gottesdienstes „auf Augenhöhe“ gemeinsam zu reflektieren, erfahren wir allerdings erfreulicherweise schon.

    • Josef Hofbauer schreibt:

      Wenn diese, sehr schöne, „verheutigte“ Kirche fertig ist, sind da wohl grad noch 2 Dutzend hochaktive Laientheologen beim Gottesdienst!

      Für viele unserer Gläubigen – und Kirchenbeitragszahler – ist die Mystik und das „geheimnisvolle“ in unserer Religion wichtiger als die hochwissenschaftliche „Erklärbarkeit“ !

      Daß das politisch motivierte Staatskatholikentum der Habsburger verdunstet ist nach fast 100 Jahren Republik kein Wunder, sondern Notwendikeit

  6. Christine Zabsky schreibt:

    an christoph schönborn:
    lieber herr kardinal!
    ich hätte gerne, dass der stand der priester rehabilitiert wird. nicht jeder priester ist ein kinderschänder, oder frauenverführer. dazu benötigt es eine klare differenzierung und bestrafung derer, die zuwider gehandelt haben. zweitens hätte ich gerne, dass erwachsene männer – wie die priester ja sind – sich ihre lebensform aussuchen können (mit einer frau/einem mann zu leben, oder alleine, oder in einer wohngemeinschaft mit anderen menschen). dann dürfen sie auch kinder haben und sich zu diesen bekennen. und als drittes wünsche ich mir, dass ALLEN LAIEN (welchen geschlechts auch immer) ihre würde zurückgegeben wird. sie sind nicht untergebene, handlanger oder diener, sondern menschen, die sich mit leib und seele für ihren glauben einsetzen. wenn SIE, herr kardinal, mir diese wünsche erfüllen, werden wir genug priester (gleich welchen geschlechtes) haben…gott mit ihnen!

    • Josef Hofbauer schreibt:

      Ob dieser FROMME Wunsch,
      je gehört wird in der großen Stadt Rom,
      darf ich wohl bezweifeln!

      Aber ein guter Anfang wäre da schon gemacht ….
      wenn wenistens 1 Forderung Ihrer vielen Wünsche beantwortet werden würde !

    • hans h. schreibt:

      Da es groß geschrieben auch noch ist, fällt es umso mehr ins Gewicht und fordert mich auf, auch dazu etwas zu sagen: „ALLEN LAIEN“.

      Dieses Unwort „Laie“ in kirchlichen Zusammenhängen ist per se entwürdigend, baut ein starkes und trotzdem unwahres Gefälle auf und schreit (obwohl im Vat.II so wichtig) nach einer vollständigen Ersetzung.

      Vielleicht wäre „BERUFENE“, „GESENDETE“, „GEWEIHTE“ eine neue und gute („eu“) Möglichkeit, gemeinsame Würde zu geben?

      Vielleicht gelänge es dadurch auch, eine wirkliche Hier-Archie zu leben (Jesu Worten gemäß: Eine „Herrschaft“ in der es „weder … noch oben und unten gibt“, sondern heiliger Geist weht).

      HG
      Hans H.

  7. Markus Beranek schreibt:

    Zuletzt war es doch überraschend schnell, als im vergangenen September die Leitlinien für den diözesanen Entwicklungsprozess veröffentlicht wurden. Durch Jahre hindurch habe ich darüber geklagt, dass es bezüglich der Zukunft der Pfarren eine Grundsatzentscheidung der Diözesanleitung braucht. Als ich dieses Positionspapier dann erstmals in den Händen gehalten habe, hat es in mir unterschiedliche Gefühle ausgelöst. Erstauenen, dass nun tatsächlich eine Grundsatzentscheidung gefallen ist. Unsicherheit, was das für mich in meiner Rolle als Pfarrer bedeutet – wie wird sich das im Unterschied zu jetzt leben und gestalten lassen. Zuversicht, dass wir die Chance haben, Rahmenbedingungen zu gestalten, damit Menschen ihren Glauben leben können. Es ist ja schon oft festgestellt worden, dass wir gesellschaftlich und kirchlich in einer Zeit vielschichtiger Veränderungen leben. Mir scheint ein ganz wesentliches Kennzeichen dabei zu sein, dass viel mehr als in früheren Jahren Menschen in unterschiedlichen, oft gegensätzlichen Lebenssituationen, Denkwelten und Beziehungen leben. So waren etwa viele Dörfer im Weinviertel früher von einer traditionell-bäuerlichen Welt geprägt, die es heute so nicht mehr gibt. An vielen Orten pendelt der Großteil der Berufstätigen täglich nach Wien, Menschen aus der Großstatdt siedeln sich auf der Suche nach eigenen vier Wänden und einem Stück Garten im Umfeld der Großstadt an. Nicht immer ist es so leicht, dass die Alteingesessenen und die Neuzugezogenen zusammenfinden. Für viele Jugendliche ist das, was mit Kirche zu tun hat, weit von ihrer Lebenswelt entfernt. 8.30 Uhr, die Zeit des Sonntagsgottesdientes in vielen Ortschaften, ist eine Unzeit für sie, ihre Musik und ihre Lebenswelt kommt in der Liturgie kaum vor. Das scheint mir der entscheidende Ansatzpunkt für alle Veränderungen: weil die Menschen vielfältiger und unterschiedlicher geworden sind, brauchen wir größere Einheiten, in denen wir zusammen denken und planen und Gelegenheiten gestalten, damit Glaube in unterschiedlicher Weise gelebt werden kann. Nicht jede kleine Pfarre kann regelmäßig Jugendmessen und Familienmessen feiern oder Gottesdienste mit dem Reichtum der klassischen Kirchenmusik gestalten. Junge Erwachsene haben andere Bedürfnisse als Senioren und nur weil Menschen derselben Altersgruppe angehören müssen sie noch lange nicht diesselben Interessen haben. Ich sehe eine wirkliche Chance darin, wenn neue, größere Einheiten entstehen, die Ansatzpunkte schaffen, die dieser Unterschiedlichkeit Rechnung tragen. Beim tradtionellen Pfarrsystem, in dem wir derzeit leben, haben wir die große Chance, ein feinmaschiges Netz der Aufmerksamkeit zu haben, das geografisch nahe an den Menschen ist. Ich wünsche mir diese feinmaschige Aufmerksamkeit aber auch als Nähe zu den unterschiedlichen Lebenssituationen von Menschen. So stelle ich mir die neue Großpfarre mehr als kleine Diözese denn als klassische Pfarre vor. Mir scheint es schon vorteilhaft, wenn es Zentralorte gibt, an denen mit großer Verlässlichkeit Seelsorgerinnen und Seelsorger erreichbar sind. Gleichzeitig bleiben die anderen Orte („Filialgemeinden“) ein unverszichtbarer Bestandteil kirchlichen Lebens. Was vor Ort möglich ist, soll auch weiter vor Ort stattfinden, was besser gemeinsam geht, soll auch gemeinsam geschehen. Die Chance bestünde darin, dass innerhalb einer Großpfarre das Zusammenschauen von aktuellen Entwicklungen und das Setzen von Schwerpunkten leichter und schneller geschehen kann. Ich hoffe aber zugleich, dass das auch die Chance sein kann, dass nicht nur örtlich bezogene Filialgemeinden entstehen sondern zugelich auch Gemeinden, die sich durch bestimmte inhaltliche Schwerpunkte auszeichnen. Schon jetzt kennen wir ja solche Tendenzen: die einen fahren zum Taizegebet in die eine Ortschaft, die anderen nutzen dort die Chance zur eucharistischen Anbetung, die dritten fahren bewusst mit ihren Kindern dorthin, wo es eine Kindermesse gibt. Für die Priester und die Hauptamtlichen in der Seelsorge eröffnet das die Möglichkeit, viel stärker als es in kleinen Pfarren derzeit möglich ist, miteinander im Austausch zu stehen und die eigenen Fähigkeiten einzubringen und alltäglich ständig mit organisatorischen Kleingkeiten aufegrieben zu werden.
    Vielleicht haben wir in dieser Zeit die Chance, dass für Kirche in unserer Diözese eine neue Struktur wächst und vielleicht kann das eine wohltuende Belebung und Lebendigkeit in die Kirche hineinbringen und in allem Planen und Nachdenken zugleich eine Chance sein, dem Gott mehr auf die Spur zu kommen, der von Anfang an Menschen in Bewegung bringt um sie auf den Weg in die Freiheit zu führen.

    • Josef Hofbauer schreibt:

      nachdenkliche Frage ?
      um 8:30 … für junge Leute …. von der Lebenswelt entfernt ???
      MUß die Kirche „bequem und angenehm“ sein ?
      muß Glaube befriedigend dargeboten werden?
      müssen die Kirchen – wer denn? (der Pfarrer?) – allen hinterherlaufen?
      irgendwie muß halt alles auch zusammenpassen! und man muß sich auch selbst darum bemühen!!!!
      Kirche ist kein Vergnügungspark !

      • Markus Beranek schreibt:

        Der gute Hirte läuft ja tatsächlich den Schafen nach… . Natürlich glaube ich nicht dass der Glaube immer angenehm und streichelweich sein muss, was aber sehr wohl glaube, ist dass wir als Kirche eine Verantwortung haben, Menschen einen Zugang zum Glauben zu erschließen, so wie es Jesus getan hat und dazu gehört eben die Brücke zum Aha-Erlebnis: „das hat tatsächlich was mit mir zu tun!“. Das ist was völlig anderes als sich Anbiedern. Wir können Nachdenken , versuchen – wirklich bekehren kann nur Gott selber.

  8. zulehner schreibt:

    Lieber Markus,
    danke für Deinen diskussionswürdigen Kommentar.
    Herzlich paul

  9. Taras Chagala schreibt:

    Die orthodoxe Kirche des ökumenischen Patriarchats versucht auch eine Neubewertung der bestehenden Gemeinde-Strukturen.
    Interessant ist die Unterscheidung zwischen der Gemeinde in breiterem Sinne (Koinotes) und der Apostolischen Gemeinde als der Institution (Enoria).
    Vgl.: http://www.kokid.de/dokumente/doku-026.htm

  10. hans h. schreibt:

    Grüß Gott zusammen,

    es sind wirklich sehr interessante und gut aufbereitete Daten und Beiträge zur Umfrage zur Strukturreform hier zu finden. Viel Bedenkenswertes ist zu finden.

    Äußerst schmerzlich und tatsächlich unverziehlich ist die Tatsache (womit auch immer begründet??), dass die „LaientheologInnen“ – obwohl qualitativ eigenständig und intensiv an kirchlicher Gestaltung beteiligt – völlig ignoriert wurden. Wie nennt man doch noch das Auslöschen eines besonderen Teils von Menschen?

    hans h.

    • zulehner schreibt:

      Lieber Hans H.!
      Das ist in der Tat unverzeihlich. Ursprünglich war nur die Differenzierung Laien-Priester vorgesehen. Dazu kam die Frage nach dem Ehrenamt und den PfarrgemeinderätInnen, weil diese bei der Umwandlung von Pfarren in Filialgemeinden unmittelbar betroffen sind und diese später das Leben der Filialgemeinde tragen sollen.
      Erst im Lauf der Studie wurde eine weitere Differenzierung angemahnt und auch vorgenommen: so kam auch eine Antwortmöglichkeit für ReligionslehrerInnen, Diakone und PastoralassisstentInnen dazu. Am Ende war aber die Gruppe der PastoralassistentInnen so klein, dass sie in der Auswertung nicht ausgewiesen werden konnte.
      Diese Erklärung ersetzt aber keine Entschuldigung, die ich hier ausdrücklich vornehme. Es wäre wohl besser gewesen, gleich von Anfang an zu differenzieren. Wie heißt es doch so richtig: „Die Ratsherren sind nach einer Sitzung zumeist weiser als vor der Sitzung.“
      Ihr Paul M. Zulehner

      • hans h. schreibt:

        Sehr geehrter Herr Prof. Zulehner,

        herzlichen Dank erstmals für Ihre detaillierte Information!

        Es ist wohl eine symptomatische Geschichte, die Sie da beschreiben – leider.
        Aber es läßt mich wohl auch das „unverzeihlich“ etwas abmildern, wenn ich sehe, dass der Versuch, PastoralassistentInnen wahrzunehmen, wenigstens klar unternommen worden ist.

        Dass sie dann wegfielen, weil sie „in der Auswertung nicht ausgewiesen werden konnten“ läßt mich jedoch sowohl an unseren demokratischen Gepflogenheiten, den kirchlichen Strukturen und nicht zuletzt auch den den statistischen „Wahrheiten“ ziemlich zu (ver)zweifeln.

        HG
        Hans H.

      • zulehner schreibt:

        Lieber Herr Hans H.!
        ich rate Ihnen, Ihre „(Ver)zweiflung“ in Grenzen zu halten. Die Daten sind gut, unabhängig von der Frage, ob es eine Unterkategorie für die PastoralassistentInnen gegeben hat. Es geht um die Meinungslage von 1300 Menschen! Da verdient jede einzelne Person Respekt. Zudem haben so viele Menschen in den Texten zu den offenen Fragen zu den Leitlinien und die geplanten Reformen in höchst unterschiedlicher Weise Stellung genommen. Befürworter, Verhandlungsbereite und Widerständige bilden ein buntes Meinungsfeld. Ein Blick in dieses reiche Material wird Sie überzeugen, wie gut und anregend dieses ist. Sie finden diese 500 Seiten als PDF auf meiner Homepage http://www.zulehner.org. Dort kann man auch einen Bericht zur Studie abrufen.
        Ich wünsch Ihnen einen besinnlichen Adventbeginn,
        herzlich Ihr Paul M. Zulehner

  11. Soeben in die kath. Bloggerliste aufgenommen:
    http://www.bloggerliste.blogspot.de

    HERZLICH WILLKOMMEN !

  12. kkk schreibt:

    Die Austrittszahlen und der starke Rückgang bei den Gottesdienstbesuchen sind ein Alarmzeichen.

    Leider gibt es auch (bzw. sogar) Katholiken, die das Wesen der Hl. Katholischen Kirche nicht verstehen oder sich zu wenig darum bemühen; so fällt es ihnen schwer, die Kirche lieben zu lernen und ihre Schönheit und Wahrheit zu erkennen. Dass sie schließlich austreten oder „nur“ nicht mehr in die Hl. Messe gehen, ist die (leider fast schon zwingend) logische Folge. Dann konkurriert „Messe“ eben nur noch mit anderen Events, wie Kino, Sport und „Freunde treffen“.

    Viele verstehen nicht, dass die Kirche eine persönliche Stiftung von Jesus Christus ist. In jeder Eucharistiefeier wird Jesus Christus real gegenwärtig (Realpräsenz, Transsubstantiation). Jesus Christus und SEINE Kirche, die er an Pfingsten eingesetzt hat, bilden eine Einheit; dies verdeutlicht etwa auch das schöne Bild der Kirche als „Braut Christi“. Jesus Christus liebt seine Kirche wie ein Bräutigam seine Braut. ER bleibt in ihr bis zum Ende der Zeit. Wer dies „sehen“ kann, lernt die Kirche immer besser zu verstehen und stärker zu lieben. Und dann erscheinen die Positionen der römisch-katholischen Kirche bzw. des Katechismus „plötzlich“ in einem wahrhaftigen und wunderschönen Licht!

    Es ist in etwa so, wie bei manchen Schülern: Solange sie (noch) nicht erkannt haben, „wofür Schule gut sein soll“, fehlt ihnen die Motivation und Freude zum Lernen. Wäre ein Schulabbruch dann wirklich eine Lösung?

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