Gut für Erwachsene. Auch für Kinder?

Zum Beschluss des Deutschen Bundestages über die „Ehe für alle“.

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Weg vom Ehepatent Josephs II. aus dem Jahre 1783 bis zum Beschluss des Deutschen Bundestags und zuvor schon vieler anderer westeuropäischerer Gesetzgeber ist dramatisch. Joseph II. hatte noch formuliert:

„§22. Der Ehevertrag (Kontrakt) selbst wird geschlossen, wenn eine Manns- und eine Weibsperson einwilligen, miteinander in eine unzertrennliche Gemeinschaft zu treten, um Kinder zu erzeugen, und der diesem Stande anklebenden Gerechtsame zu genießen.“

Inzwischen sind alle drei Eckpunkte aus dem Ehepatent überholt: Es muss nicht mehr Mann und Frau sein, nicht mehr ein Lebensraum für Kinder, nicht mehr unzertrennlich.

Die Zusammensetzung der „Ehe neu“ bilden heute nach wie vor in überwiegender Mehrheit ein Mann und eine Frau. Dazu kommen nun die gleichgeschlechtlich liebenden Paare. Aber es gibt auch schon erste Heiraten von mehreren Personen: „Ich heirate meine Frauen“. Werden morgen auch Wohngemeinschaften heiraten können? Ein bisschen Ehefuturologie schadet nicht.

Dass die Ehe unzertrennlich ist, hat das staatliche Eherecht inzwischen in allen Ländern Europas, zuletzt Malta, aufgegeben.

Bleiben die Kinder

Joseph II. war an Kindern interessiert. Die „Sarazins“ (Deutschland schafft sich ab) – also jene, die meinen, unsere Länder sterben aus – sind es grundsätzlich auch: Die Angst vor den vielen Kindern der Migranten lässt grüßen. Sie ist auch von unseren niedrigen Kinderzahlen gespeist. Die Muslime würden Europa „niedergebären“, kann man hören.

Wie immer auch – mit oder ohne Kinder – es geht derzeit bei der „Ehe neu“ nicht um Kinderrechte, sondern um die Rechte von Erwachsenen und deren angestrebte „Entdiskriminierung“. Das bleibt auch dann noch wahr, wenn um das Adoptionsrecht von Kindern in gleichgeschlechtlichen „Ehen“ gerungen wird, was ja durch die „Ehe neu“ ermöglicht werden soll.

Die Diskriminierung der Paare ist jedenfalls Vergangenheit – kommt aber, so fürchten manche, damit unbemerkt eine Diskriminierung der Kinder?

Das ist eine fachlich umstrittene Frage: Brauchen Kinder für ihre psychosexuelle Entwicklung zwei Personen unterschiedlichen Geschlechts innerhalb der „kleinen Lebenswelt“, die durch die Präsenz eines Kindes familial wird, oder reicht auch ein Geschlecht? In Umfragen sind in dieser Hinsicht die Menschen auch in Österreich gespalten. Die einen sagen, die Liebe reiche aus, und davon gebe es – niemand bestreitet das – in homophilen Paaren genug an Vorrat. Die anderen hingegen sagen: Liebe natürlich und unbedingt – aber die Liebe von zwei elterlichen Menschen unterschiedlichen Geschlechts.

Ich selbst hatte eine sehr starke Mutter. Eine war mir genug. Es war für meine Entwicklung prima, dass es mit dem Vater für mich auch einen Mann im Haus gab.

Max Friedrich, erfahrener Kinderpsychiater, hatte einmal ein Gutachten für die Adoption in einem lesbischen Paar (nicht in Österreich) abgegeben. Er stimmte unter der Bedingung zu, dass verlässlich sichergestellt sein müsse, dass neben den beiden Frauen des adoptierenden Paares auch ein Mann in einer nachhaltigen Beziehung zum Kind lebe.

Jedenfalls ist eine von Gleichgeschlechtlichen gefühlte Diskriminierung behoben, das ist eine gute Nachricht. Gefühlt, wie natürlich die Vielfalt von Lebensformen in sich nicht zwingend eine Diskriminierung sein muss.

Die Frage für das Gedeihen der Kinder im Land ist hingegen die Diskussion längst nicht am Ende angelangt. Die Kinder sind das schwächste Glied im Disput. Politisch haben sie derzeit kaum eine ernst zunehmende Lobby. Es wäre schade, würde die Diskriminierung der gleichgeschlechtlich Liebenden lediglich an die Kinder weitergereicht.

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