Selig die Frieden stiften

Predigt beim Friedensgottesdienst in Weiz zu Pfingsten 2022

Ich war sechs Jahre alt und ging im Krieg in die erste Volksschulklasse. Dort erhielt ich Religionsunterricht. Als Lehrbuch diente der Kleine Katechismus. Er war in Fragen und Antworten gekleidet, die wir auswendig lernen mussten. Die erste Frage lautete: „Wozu sind wir auf Erden?“ Die Antwort: „Um Gott zu erkennen und zu lieben und so in den Himmel zu kommen.“ Jahre später stieß ich auf einen Ausspruch des Bischofs von Aachen, Klaus Hemmerle, der das Gelernte auf den Kopf stellte: „Wir Christen sind nicht (allein) dazu auf Erden, um in den Himmel zu kommen, sondern dass der Himmel jetzt schon zu uns kommt.“

1. Damit der Friede Gottes vom Himmel auf die Erde kommt, gründete Jesus seine Reich-Gottes-Bewegung.

Genau darin bestand das Anliegen Jesu. Er wollte, dass der Himmel auf die Erde kommt. Und er nannte diesen himmlischen Zustand der Erde „Reich Gottes“ oder auch Himmelreich.

Die Christkönigspräfation unserer Liturgie beschreibt dieses Reich Gottes als „das Reich der Wahrheit und des Lebens, das Reich der Heiligkeit und der Gnade, das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens.“ „Himmlischer Frieden[1] sollte mit Jesus auf die Erde kommen.“

Nach Lukas wurde das den Hirten auf dem Feld schon angekündigt. Denn sie hörten die Geburtsengel singen: „Verherrlicht ist Gott in der Höhe / und auf Erden ist Friede / bei den Menschen seiner Gnade.“ (Lk 2,14)

Eine atemberaubende Weissagung des Propheten Jesaja wird auf Jesus angewendet: „Auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn. Da wird der Wolf beim Lamm wohnen und der Panther beim Böcklein lagern. Kalb und Löwe werden miteinander grasen, und ein kleiner Knabe wird sie leiten. Kuh und Bärin werden zusammen weiden, ihre Jungen beieinanderliegen, und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind. Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und ein kleines Kind wird seine Hand ausstrecken zur Höhle der Natter. Man wird weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge; denn das Land ist voll Erkenntnis des Herrn, wie Wasser das Meer bedeckt.“ (Jesaja 11, 2.6-9)

Herangewachsen geworden, erwies sich Jesus als ein Friedensbote. In seiner Predigt am Berg rief er in die Menge: „Selig, die keine Gewalt anwenden; / denn sie werden das Land erben. Selig, die Frieden stiften; / denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.“ (Mt 5,5,9)

Der Friede, den Jesus meinte, ist alltäglich und politisch zugleich. Er kennt viele Facetten, die alle miteinander verwoben sind: gar nicht so einfach ist der Friede mit sich selbst, der Friede untereinander, der Friede zwischen den Völkern und nicht zuletzt der Friede mit der Natur. Diese Formen des Friedens sind alle kleine Sakramente des himmlischen Friedens auf Erden. So könnte es wenigstens sein, fügen wir angesichts dieser unglaublichen Friedenskunde seufzend hinzu.

2. Kirche als Gottes Friedensbewegung auf Erden

Neben der mächtigen Kathedrale in Fulda steht die romanische Kapelle St. Michael. Man tritt in einen achteckingen Raum ein.

Getragen wird der Kirchenraum durch eine einzige Säule in der Krypta. Sie symbolisiert Christus. Er trägt den Raum darüber. Es ist, woran die acht Ecken erinnern, der Raum der acht Seligpreisungen. Diese Bauweise hat Tradition. Alte Taufkirchen, Baptisterien genannt, wie jene neben der Klosterkirche auf der Insel Frauenchiemsee, aber auch alte Taufbecken sind achteckig. Wer in die Jesusbewegung hineingetauft und damit ihr „hinzugefügt“ (Apg 2,47) wird, tritt in den Raum der Seligpreisungen. Von diesen ist ihr Leben geprägt. Und dazu gehört: „Selig die Frieden stiften.“ Die Botschaft an uns ist einfach und provokant zugleich: Wir als Kirche sind dazu berufen, in der Nachfolge des Bergpredigers Gottes Friedensbewegung auf Erden zu sein. Und das gerade auch in der Welt von heute, die unter vielen Kriegen leidet: so in Syrien, im Jemen, in Afghanistan, in Mali, in Palästina. Und jetzt auch in der Ukraine.

Das ist alles schön gesagt. Aber was heißt das praktisch für uns als Christinnen und Christen? Was können die verschiedenen christlichen Kirchen in Zusammenarbeit mit allen Religionen der Welt tun, um inmitten der fürchterlichen Kriege von heute Gottes Friedensbewegung auf Erden zu sein?

Ich will mit Euch ein paar Gedanken dazu meditieren. Dabei sage ich gleich im Voraus, dass ich für viele Fragen keine wirklichen Antworten parat habe und auch nicht weiß, ob wir als Christen mehr als fromme Worte haben. Ich weiß nicht, wie Gott Frieden schafft, wenn wir ihn bestürmen. Und wenn ich schon nach Gott im Krieg Ausschau halte: hält er sich nicht versteckt in den vielen leidenden Menschen, deren Schmerz zum Himmel schreit?

Zuhören!

So komme ich zu einem Ersten, was wir Christen als Gottes Friedensbewegung tun sollten: Zuhören. Auf den oft erstickten Schrei der unschuldig Leidenden hören. Es sind die unmittelbar unter dem Krieg Leidenden, die den Krieg als todbringende und tödliche Sünde entlarven. Denn dieser schlägt Wunden an Leib und Seele. Er bringt vielen Unschuldigen unsägliches Leid:

  • verängstigten Kindern in den Luftschutzkellern;
  • den Angehörigen der getöteten Soldaten und Zivilisten in der Ukraine wie in Russland;
  • verwundet werden ganze Städte (nicht nur Mariupol, sondern auch Aleppo oder Grosny, im Jemen…): „Jede Kriegshandlung, die auf die Vernichtung ganzer Städte oder weiter Gebiete und ihrer Bevölkerung unterschiedslos abstellt, ist ein Verbrechen gegen Gott und gegen den Menschen, das fest und entschieden zu verwerfen ist“ (GS 80,4).
  • Dazu kommt, dass sich das Leiden von Menschen vor unseren Augen globalisiert: Weizenfelder werden vermint und in den Häfen von Odessa lagernder Weizen kann nicht verschifft werden; deshalb werden immer mehr Menschen in Afrika hungern und verhungern;
  • auch bei uns können sich wegen der wirtschaftlichen Folgen (Energiepreise, Inflation) vor allem die sozial Schwächeren kaum noch das Leben leisten und werden so zu Opfern des Krieges;
  • Verwundet wird auch die Natur („Der Krieg ist ein dramatischer Angriff auf die Umwelt.“ FT 257);

Papst Franziskus klagt: „Der Krieg zerstört letztlich das Projekt der Brüderlichkeit selbst, das der Berufung der Menschheitsfamilie eingeschrieben ist.“ (Fratelli tutti, Rom 2020, 26) „Jeder Krieg hinterlässt die Welt schlechter, als er sie vorgefunden hat. Krieg ist ein Versagen der Politik und der Menschheit, eine beschämende Kapitulation, eine Niederlage gegenüber den Mächten des Bösen.“ (FT 261)

Kann ein Krieg gerecht sein?

Angesichts dieses vielfältigen Leides erscheint es fast zynisch zu fragen, ob ein Krieg zumal heute nicht auch gerecht sein kann? Auch der Katechismus der katholischen Kirche enthält eine Lehre vom gerechten Krieg, die auf den Kirchenlehrer Augustinus zurückgeht. Aber hilft es den Opfern, wenn man ihnen erklärt, dass der Krieg, unter dem sie leiden, gerecht sein kann? Wieder ist es besser zuzuhören. Denn die Menschen in Butscha oder Mariupol werden, wenn sie überhaupt überlebt haben, den Angriffskrieg mit Sicherheit nicht für gerecht halten. Es hilft ihnen in ihrer Lage aber auch wenig, wenn an den Schreibtischen die Verteidigung gegen den ungerechten Angriff als gerechtfertigt eingestuft wird. Der Papst ist diesbezüglich illusionslos, wenn er in FT schreibt: „Halten wir uns nicht mit theoretischen Diskussionen auf, sondern treten wir in Kontakt mit den Wunden, berühren wir das Fleisch der Verletzten.“ (FT 261) Es sind die Opfer, die die Politiker belehren, was zu tun ist. Und sie belehren auch uns, die Kirchen. Und das Ziel kann nur sein, ihr Leid zu mindern und zu beenden. An uns liegt es also, ihnen zunächst einfühlsam zuzuhören.

Aufhören

Das verstehende Zuhören und Einfühlen in die Leiden der Opfer reicht aber nicht aus, wenn wir Gottes Friedensbewegung auf Erden sein wollen.

Die Kirchen werden – auf all ihren Ebenen von Rom bis Weiz – zugleich unnachgiebig und den Kriegsführenden unüberhörbar und unaufhörlich zurufen: Aufhören! Und zwar umgehend! Lasst die Waffen schweigen. Schließt einen Waffenstillstand. Und zwar sofort.

Die Kirchen werden auch diplomatische Schritte zur Beendigung des Krieges unterstützen. Das machen erfreulicher Weise nicht nur viele besorgte Staaten, sondern auch der Vatikan, San Egidio…

Dazu sollten sich nicht zuletzt alle Religionsführer der Welt zusammentun: Beispielhaft ist der Aufruf „für Frieden, Gerechtigkeit und Geschwisterlichkeit“, den Papst Franziskus 2019 in Abu Dhabi gemeinsam mit dem Großimam Ahmad Al-Tayyib erließ! Damals machten der Großimam und der Papst dies mit Blick auf den heute vergessenen Krieg in Syrien, den Konflikt in Palästina und anderen Teilen der Welt. Es gehört auch zur biblischen Friedenvision, dass sich der russische Patriarch am Evangelium orientiert und nicht an der Eroberungslogik des russischen Präsidenten.

Gerechter Frieden

Das Ende des Krieges ist noch kein dauerhafter gerechter Friede. Auf dem Weg dorthin sind viele Maßnahmen angebracht. Die Nationen müssen abrüsten; es gilt, die Waffenproduktion und Waffenhandel zurückbauen, und das allein deshalb, weil man mit den Geldern für die Rüstung den Hunger in der Welt beseitigen könnte. Auch soll die Logik der Gründungsväter der Europäischen Union nicht deshalb gänzlich über Bord geworfen werden, weil Russland aus ihr ausgestiegen ist. Es hat nämlich in Europa 80 Jahre lang funktioniert, Frieden durch wirtschaftliche Verflechtungen zu sichern. Auf dem Weg zu einem gerechten Frieden ist das Völkerrecht zu stärken; die Weltgemeinschaft und ihre Organe müssen so reformiert werden, dass die Gewalt eines Machthabers nicht mehr das Völkerrecht aushebeln kann.  Auch gilt, dass Entwicklungszusammenarbeit dem Weltfrieden mehr dient als die derzeit explodierende Kriegsindustrie. Der Grundsatz der Römer: „Si vis pacem para bellum“ (Willst Du Frieden, rüste für den Krieg!“) muss durch „si vis pacem, para iustitiam“ (Willst Du Frieden, sorge für Gerechtigkeit!) ersetzt werden. Es ist langfristig unklug, in einer Welle der Hochrüstung den einzigen Friedensweg zu sehen. Das Ziel muss ein gerechter Friede sein, nicht gefüllte Hallen mit Vernichtungswaffen.

Versöhnung

Die Kirche als Gottes Friedensbewegung auf Erden braucht einen langen Friedensatem. Es gilt jetzt schon, für die kommenden Jahre vorzusorgen: das betrifft nicht nur den Wiederaufbau der Ukraine durch eine Art Marshallplan. Zudem ist an Schritte zur Versöhnung zwischen den verfeindeten Völkern zu denken. Das ist freilich eine der schwersten Herausforderungen der betroffenen Völker. Und solche Versöhnungsarbeit wird erst dann möglich sein, wenn der Aggressor zu seiner Schuld steht und die Angegriffenen die Kraft zur Versöhnung in sich spüren. Derzeit ist es schwer, einer Ukrainerin christliche Versöhnung zuzumuten, wenn ihre Angehörigen gerade durch russische Raketen ums Leben gekommen sind und sie Hab und Gut, ihre gesamte aufgebaute Existenz verloren hat. Aber könnte wenigstens erreicht werden, dass sich Feindbilder nicht verfestigen? Kann es vielleicht helfen, so frage ich mit Selbstzweifeln, die Machthaber in Russland von den Menschen und der grandiosen Kultur zu unterscheiden? Dass wir einen Unterschied machen zwischen dem Patriarchen und den orthodoxen Dorfgemeinden und jenen Frauenklöstern, die Menschen mit Behinderung betreuen? Die ROK ist ebenso wenig allein der Patriarch von Moskau wie der Papst nicht allein die römisch-katholische Kirche ist – es gibt auch ein Kirchenvolk mit ihren Pfarrern und auch standhaften Laien, die dem Krieg widersprechen und ins Gefängnis gehen.

Was gar nicht hilft, ist eine Kriegseuphorie. Oder gar eine Abstumpfung durch zu viele Bilder und Nachrichten. Solche Abstumpfung könnte dann dazu führen, dass uns billige Energie wichtiger wird als vergossenes Blut im Ukrainekrieg.

„Was können wir tun, um unseren Traum vom Frieden nicht völlig zu verraten?“ Diese Frage stellte sich die evangelische Pfarrerin Johanna Haberer aus Erlangen in der Morgenfeier im BR vom 22.5.2022. Sie formulierte mit unüberbietbarer Präzision das, worauf es ankommt: „Wir als Bürger und Bürgerinnen können da nur wenig, aber Wichtiges tun. Wir wollen in unserer öffentlichen Sprache keine Feindschaften vorantreiben. Wir wollen entfeinden. Wir wollen in unseren Begegnungen mit den Frauen und Kindern aus der Ukraine die Furcht und den Hass nicht vertiefen. Wir wollen dem Frieden dienen: Das bedeutet: nie vergessen, dass auf beiden Seiten des Krieges Menschen agieren. Auch der Gegner ist ein Geschöpf Gottes. Wir wollen festhalten: Das Schweigen der Waffen wäre noch kein Frieden. Frieden ist nicht einfach das Gegenteil von Krieg. Die Friedhofs-Stille ist kein Frieden. Der Friede aus unserer biblischen Tradition ist shalom. Der gerechte Ausgleich verschiedener Interessen und Bedürfnisse in einem Gemeinwesen, das heißt Friede, shalom. Friede ist ein immerwährender Prozess, an dem alle gemeinsam arbeiten müssen. Wir lernen in diesen Tagen, dass Frieden unter den Menschen und Völkern Entschlossenheit verlangt Klugheit und Mühe… Aber der von Menschen gemachte Friede, er ist immer gefährdet und kann zerstört werden. Der Frieden aber, der ein Geschenk Gottes ist, der will Platz nehmen in unserem Herzen – ganz egal, wie die Welt brüllt. Der will uns eine unzerstörbare Richtung geben für unser Reden und Handeln.“

Ein Denkmal

Yevgeny Vuchetich –
1959 gift of the Soviet Union
to the United Nations

1959 schenkte die Sowjetunion den Vereinten Nationen ein Denkmal. Angefertigt wurde es durch den russischen Künstler Yevgeny Vuchetich. Dargestellt ist ein Handwerker, der mit kräftigem Hammerschlag ein Schwert in eine Pflugschar umschmiedet. Was wäre das für ein Pfingstwunder: Die für den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine Verantwortlichen könnten sich auf diese Geste ihres eigenen Landes und damit an die große Friedensverheißung erinnern, die im Alten Testament zweimal aufgezeichnet ist, im Buch Micha (4,1-5) und eine Spur kürzer im Buch Jesaja (Jes 2,1-4). Es wäre wie ein schier unvorstellbares Wunder, wenn dieser alte Text die Herzen der Verantwortlichen des Angriffskrieges verändern und die Sehnsucht nach Frieden die Sucht nach Macht in den Herzen der Machthaber übertönen könnte. So prophezeien die beiden Propheten des jüdischen Volkes:

„Am Ende der Tage wird es geschehen: / Der Berg mit dem Haus des Herrn / steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. / Zu ihm strömen die Völker.

Viele Nationen machen sich auf den Weg. / Sie sagen: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn / und zum Haus des Gottes Jakobs. Er zeige uns seine Wege, / auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn von Zion kommt die Weisung, / aus Jerusalem kommt das Wort des Herrn.

Er spricht Recht im Streit vieler Völker, / er weist mächtige Nationen zurecht [bis in die Ferne]. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern / und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, / und übt nicht mehr für den Krieg.

Jeder sitzt unter seinem Weinstock / und unter seinem Feigenbaum und niemand schreckt ihn auf. / Ja, der Mund des Herrn der Heere hat gesprochen.

Denn alle Völker gehen ihren Weg, / jedes ruft den Namen seines Gottes an; wir aber gehen unseren Weg im Namen Jahwes, unseres Gottes, / für immer und ewig.“ (Micha 4,1-5; auch Jes 2,1-4)

Gottes Friedenzusage

Abschließend wende ich mich an alle jene unter uns, die unter einem Krieg in ihrem Land leiden, vor allen jene aus der Ukraine. Ich denke dabei nicht zuletzt an meine Studierenden aus der Ukraine, die demnächst wieder mit zehn russischen Doktorand:innen aus der St. Tichon-Universität in Moskau im gleichen Seminar sitzen werden. Eine der ukrainischen Doktorandinnen, Lidiya aus Lviv, floh bald nach dem Ausbruch des Krieges nach Wien. Fünf Tage war sie mit ihrem vierjährigen Sohn unterwegs. Sie kamen über Budapest nach Wien. Im Studentenheim angekommen, packte der vierjährige Павло seine Spielsachen in eine große Tüte und sagte zu seiner erschöpften Mutter: „Alles gepackt, lass uns nach Hause zu Papa fahren.’“

Ihnen und allen, denen der Krieg schwer zu schaffen macht, rufe ich mit Paulus zu: „Und der Gott des Friedens wird mit euch sein.“ (nach Phil 4,9): – und füge zaghaft hin – Gott wird den Frieden oft unbemerkt, aber verlässlich schenken, nach und nach, nicht auf einmal, durch die Kraft der Leidenden und auch durch uns, denen gerade in diesen Tagen zugemutet ist, Gottes Friedensbewegung auf Erden zu sein. Unverzagt singen wir aus der Kraft des pfingstlichen Heiligen Geistes daher das Wort Jesu in die vom Angriffskrieg zerrissene Welt: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.“ (Joh 14,27)


[1] Das gilt auch für den Frieden Gottes, den „himmlischen Frieden“ (tragisch, dass ausgerechnet der Platz in Peking, auf dem 1989 hunderte demonstrierende Studierende von Panzern niedergewalzt wurden, Tiānānmén heißt, also Platz des himmlischen Friedens

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Eine Antwort zu Selig die Frieden stiften

  1. Brand, Hildegard schreibt:

    Diese Predigt von Paul M. Zulehner , hier als Beitrag, ist noch einmal eine bewegende, richtige und gute, umfassende Ergänzung zu „Spuren des Himmels“.

    von mir ergänzend bzw. konkretisierend, weit ausholend ( Entschuldigung) … weil alles so komplex ist….

    Zum Zusammenhang von „Frieden auf Erden – Gerechtigkeit und G e w a l t “ geht mir immer auch das „Phänomen“ der „strukturellen Gewalt“ durch den Kopf, von dem der norwegische Friedensforscher Johan Galtung ca. 1971 sprach.
    Es sei strukturelle Gewalt,
    wenn im 20. Jahrhundert ( jetzt auch im 21. Jht.) immer noch Menschen z.B. an Tuberkulose
    ( etwa in der sogen. „Dritten Welt“ ) sterben würden,
    weil – im Gegensatz zu früheren Jahrhunderten – medizinische Mittel dagegen zur Verfügung stünden. Am 3.6. 2022 heißt es S.10 in der Stuttgarter Zeitung über Affenpocken im Zusammenhang mit anderen Krankheiten:
    „Andere Krankheiten sind für die Menschen in Afrika weitaus bedrohlicher. (…)
    Es sterben immer noch sehr viele Menschen an Malaria und Tuberkulose.“

    In den 1980er Jahren lehrte ich meine Schüler*innen, was „strukturelle Gewalt“ u.a. ist:
    z.B. das Ausbleiben der Bekämpfung einer Krankheit, obwohl diese durch heutige Medikamente möglich ist. Und jetzt – hat sich im 21. Jht nicht viel geändert?

    Besteht immer noch ein Zusammenhang der Mentalität aus dem Kolonialismus , Neokolonialismus und „struktureller Gewalt“, weil die Ausbeutung von Bodenschätzen
    ( scheinbar ohne „direkte Gewalt“ und unter demokratischer Regie – aber nicht selten und nicht nur in „älteren“ Vergangenheiten auch mit Implementierungen von „hilfreichen“ ,
    „heimischen Diktatoren“ )
    immer noch wichtiger ist als die Bekämpfung von Hunger, Armut , Krankheiten und Erstellung von zivilen Infrastrukturen?
    Ist nicht unser aller Wohlstand, bis hin zur Hochtechnologie ( auch in der gesamten Waffen – und Kommunikationstechnologie) „aufgebaut“ auf der immer noch
    gnadenlosen Ausbeutung von Rohstoffen ( immer wieder aufs Neue geplant gegen Mensch und Natur) , immer noch aufgebaut auf Versklavung von Kindern in Rohstoffminen , auf Entmenschlichung von Kindern, Frauen, Männern auf Müllhalden mit Elektroschrott, in der Bekleidugsindustrie, bei Nahrungsmittelernten – trotz wohlgemeinter, verabredeter Ethik-Standards usw. !?
    Ich denke, keine „Großmacht“ in Nord/ Süd/ West/ Ost ist mittlerweile davon ausgenommen, ist unschuldig, wenn sie auf anderen Erdteilen oder auch im eigenen Land herumwühlen – über Jahrhunderte, Jahrzehnte auch mit massiver „direkter Gewalt “ in Kriegen, auch in der Nachkriegszeit ( nach dem 2. Weltkrieg) mit übelsten Kriegswaffenmitteln, z.B. mit Napalm im Kongo in 1960ger Jahren …
    Und – hätte nicht in Russland aufgrund der enormen Rohstoffvorkommnisse, der Agrarerträge und des Handels damit eine sehr wohlhabende russische Bevölkerung entstehen müssen? Oder sogar massiv der Welt-Hunger bekämpft werden können usw…?!
    Und jetzt führt Putin den gnadenlosen , durch nichts zu entschuldigenden Krieg mit direkter Gewalt u.a. zur Sicherung von „Handelswegen“ und Agrargebieten samt deren Produkten .
    Zugleich vervielfacht er brutal-zynisch die schon vorher bestehende Hungersituation in der Welt. Das ist dann “ strukturelle Gewalt“ brutalster Art, diesmal unverhohlen direkt als „Waffe“
    eingesetzt.
    Auch wenn von dieser gesprochen werden könnte, als die „Dritt-Welt-Länder“ durch profitorientierte
    Kreditvergaben durch reiche Länder in Tod-bringende „Schuldenfallen“ gerieten, besonders seit den 1980ger Jahren.

    Und jetzt der Zusammenhang mit Jesu „Reich-Gottes-Vision“ :
    Immer wieder muss ich betonen:
    Diese war z.B. nach Mk sehr konkret ( zeichenhaft , sogar „strukturell“ orientiert? ) :
    Fast das gesamte erste Kapitel Mk 1 erzählt von Krankenkenheilungen (z. B. eines Aussätzigen) , und zwar
    unmittelbar nach der „Ankündigung“ des „Reiches Gottes“ :
    Mk 1, 15. “ Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Eu-angelium!“
    Dann folgen fast unmittellbar ca. 10 k o n k r e t e Krankenheilungen in den Folge-Kapiteln bis Kap.10.
    Aber auch zweimal Speisungen einer großen Menge von hungernden Menschen
    – „Speisung der 5000″ ( Mk 6,30ff ), “ Speisung der 4000 “ ( MK 8, 1-10).
    Wie muss damals die Distanz zwischen Arm und Reich ausgesehen haben, wenn zeichenhaft von 4000/ 5000 Hungernden die Rede war. Hunger und schlimme Krankheiten ( „Aussatz“ – vielleicht ohne wirksame medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten – im Gegensatz zu heutigen Möglichkeiten) waren offenbar keine marginalen Probleme…
    Damit hat ein Mann ohne Waffe in der Hand zeichenhaft die Hand in die konkreten, “ strukturell“ sichtbaren Wunden seiner Zeit gelegt – vielleicht auch unter den Augen einer römichen Besatzungs- Kolonialmacht , aber eventuell auch unter den Augen einer reichen israelitischen Oberschicht. ( So prangerten auch schon die alttestamentlichen Propheten den Unterschied zwischen Arm und Reich an…. ) Selbst seine Jünger wollten an diesen Problemen vorbeischauen.

    Will für heute sagen: Wir hätten alle zusammen genug auf unserer fragilen Erde zu tun
    statt brutale, archaische, aber auch in Zukunft hochtechnologisierte Kriege zu führen:

    Nämlich
    – die Speisung von hungernden Menschen , deren Zahl sich fast schon wieder
    einer Milliarde annähern wird, und zwar besser durch gerechte Weltwirtschaftsysteme statt durch
    immer wieder neue Nahrungsmittellieferungen, die kein Zukunftsmodell sein können,
    – Fluchtursachen nicht mutwillig durch Kriege und ungerechte Weltwirtschaftssysteme
    herbeiführen,
    – enthaltsam und umsichtig mit der Natur und ihren Schätzen ( Bodenschätzen) umgehen,
    für deren Ausbeutungen nicht ganze Volksgruppen rechtlos gemacht und vertrieben werden
    dürfen,
    – alle wissenschaftliche Energie zur Bekämpfung von Krankheiten ( z.T. auch Folgen von Hunger) einsetzen, eben nicht nur für die Menschen in wohlhabenden Ländern…
    Die Liste von Aufgaben ließe sich lang und breit fortsetzen.
    Deshalb:
    so konkret müssen Frieden und Gerechtigkeit zusammen „herrschen“ :
    – damals:
    konkret auf dem israelitischen Stück Erde, durch eine imperiale Besatzungsmacht
    kolonisiert , von Jesus zum konkret-irdischen Inhalt seines Handelns gemacht.
    Heute:
    – ohne Heilung von Kranken, besonders in den Ländern der heut immer noch so genannten „Dritten Welt“ ,
    – ohne Ernährung der Hungernden weltweit – kein Reich Gottes.
    – Das ist die simple , aber auch ernüchternde, politische – weil alle in der „Polis“ ( heute in der Weltgemeinschaft ) angehende – Botschaft,
    eine Aufgabe
    – ohne deren Erfüllung: – kein „Reich Gottes“ .
    Welch herausfordernde „Logik“ !? Kriege „passen“ da nicht mehr hinein!

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