Ein Zeugnis der Hoffnunglosigkeit

Es hat ihn ein schweres Kirchenburnout erfasst. Davon erzählt sein aufwühlendes Buch. Mit heißer Feder geschrieben von einem – wie er selbst betont – „mächtigen Generalvikar“ der Kirche in Deutschland. Nun ist er in die altkatholische Kirche gewechselt. Er habe mit diesem Schritt nicht seine Berufung verraten. Es wolle aber nicht weiter in einem Kirchenbetrieb arbeiten, der seit Jahrzehnten viele Engagierte frustriert. Denn er würde damit nur dazu beitragen, das Sterben einer Kirche, die am Ende ist, lediglich zu verlängern. Zudem erlaube ihm dieser Schritt, Mensch zu sein/zu bleiben und zu lieben.

Anschaulich werden dann mit persönlichen erlittenen Begebenheiten die großen Irritationen beleuchtet, welche ihn mit vielen anderen in der Kirche umtreiben: die Sexualmoral, die Verpflichtung männlicher Kleriker zum Zölibat, die Demütigung von Frauen, die klerikale Machtausübung, und nicht zuletzt der Missbrauch. Es sind just jene Themen, die seit dem Konzil unentwegt von Reformgruppen auf den Tisch von Ortskirchen und von da aus der Römischen Kirchenzentrale gelegt werden. Diese Passagen, die den Großteil des Buches ausmachen, sind überraschungsfrei. Neu ist, dass der erfahrene Kirchenmann der persönlichen Überzeugung ist, dass alle Reformbemühungen keine reale Chance haben. Weder der Synodale Weg in Deutschland noch jener der Weltkirche werde etwas verändern.

In vielen Passagen spürt man die über Jahre gewachsene Enttäuschung, die sich wiederholt in ratlose Wut verdichtet. Es ist ein Buch tragischer Hoffnungslosigkeit in einer hoffnungsarmen Kirche, die ihren Untergang angstbesetzt verwaltet, und die trotz einzelner tapferer Aufbrüche den erforderlichen Übergang in eine neue Kirchengestalt seiner Einschätzung nach nicht schaffen kann und daher auch nicht wird. Und wenn er schon keine Zukunft dieser Kirche in ihrer veränderungsresistenten Gestalt sieht – er will mit ihr nicht untergehen. In selbsttherapeutischer Sensibilität schreibt er: „Ich habe auch keine Lust, krank und verbittert zu werden“ (181). Eben wie im Untertitel: „Weil ich Mensch bleiben will“. Und zölibatsunbehindert frei lieben will.

Das Buch liest sich wie ein Kirchenkrimi. Unentwegt nicke ich beim Lesen zustimmend und denke, wie er in dem, wovon er erzählt, leider Recht hat. Es ist höchste Zeit, dass die katholische Kirche die liegengebliebenen Irritationen abbaut; bei der Sexualmoral ist sie schon weit gekommen, auch hinsichtlich der Homosexualität gibt es erkennbare Fortschritte – ihre Segnung wird so selbsstverständlich werden wie Ministrantinnen; und „an der Frauenfrage arbeiten wir“, meinte der viel zu früh verstorbene Raimund Schwager SJ schon vor Jahren.

Nach drei Stunden bin ich am Ende des Buches angelangt. Fassungslos und auch ein wenig traurig. Denn wieder hat die Kirche einen Aufrechten verloren. Mich macht das deshalb bange, weil ich beobachte, dass hellsichtige Leute, die wie Andreas Sturm sich zum öffentlichen Widerstand durchgerungen haben, immer weniger werden. Und was noch fataler ist: Sie verlassen das Spielfeld und entschwinden in die kirchenpolitische Bedeutungslosigkeit. Ich habe das schon einmal beim Weggehen von Eugen Drewermann, den ich sehr schätze, beobachtet.

Ich schließe das Buch und horche auf meine Gefühle. Die Hoffnungslosigkeit, welche das Buch trotz aller eingestreuten Fragmente der Zuversicht ausstrahlt, bedrückt mich. Mich irritiert, wie leicht es dem Autor mühelos gelingt, die konkrete Kirchengestalt mit ihrem Multiversagen und ihrer bockbeinigen Reformresistenz (Karl Rahner) von der Jesusbewegung abzulösen und ihr diametral gegenüberzustellen. In dieser Bedrückung hole ich mir einen Text heraus, der aus einer starken Zeit der Kirche in Deutschland stammt: der Würzburger Synode 1972-1975. Der Text, aus der Feder von Johann B. Metz, spricht für sich:

„Die Krise des kirchlichen Lebens beruht letztlich nicht auf Anpassungsschwierigkeiten gegenüber unserem modernen Leben und Lebensgefühl, sondern auf Anpassungsschwierigkeiten gegenüber dem, in dem unsere Hoffnung wurzelt und aus dessen Sein sie ihre Höhe und Tiefe, ihren Weg und ihre Zukunft empfängt: Jesus Christus mit seiner Botschaft vom ‚Reich Gottes‘. Haben wir in unserer Praxis ihn nicht allzu sehr uns angepasst, seinen Geist wie abgedecktes Feuer gehütet, dass er nicht zu sehr überspringe? Haben wir nicht unter allzu viel Ängstlichkeit und Routine den Enthusiasmus der Herzen eingeschläfert und zu gefährlichen Alternativen provoziert: Jesus, ja – Kirche, nein? Warum wirkt er ‚moderner‘, ‚heutiger‘ als wir, seine Kirche? So gilt als Gesetz unserer kirchlichen Erneuerung, dass wir vor allem die Angleichungsschwierigkeit gegenüber dem, auf den wir uns berufen und aus dem wir leben, überwinden und dass wir konsequenter in seine Nachfolge eintreten, um den Abstand zwischen ihm und uns zu verringern und unsere Schicksalsgemeinschaft mit ihm zu verlebendigen. Dann ist ein Weg und eine Zukunft. Dann gibt es eine Chance, heutig, ganz gegenwärtig zu sein – die Probleme, Fragen und Leiden allenthalben zu teilen, ohne sich ihrer geheimen Hoffnungslosigkeit zu unterwerfen.“[i]

Das Buch hat zwei leicht übersehene Aspekte.

Der eine Aspekt: Das Buch zeigt die tragische Weltblindheit der Kirche in vielen Teilen Europas. Gaudium et spes bleibt außen vor. Vorgeführt wird dem Leser faktisch eine Kirchenimnplosion. Keine Rede von Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung. Daran erinnert sich Sturm nur noch wehmütig in seiner Zeit als Jugendseelsorger. Aber als „mächtiger Generalvikar“ erweist sich der derzeitige Kirchen(rettungs)betrieb gegenüber den entscheidenden Herausforderungen der Menchheit als ohmächtig.

Der andere Aspekt: Das Buch ist leider strukturkonservativ, visionsarm und daher nicht radikal genug. Zwar ist es nicht klerikal, jedoch letztlich kleruszentriert. Die als Dienstleistungskirche modernisierte Priesterkirche bildet durchgängig den Kontext.

Die künftige Gestalt der Kirche wird aber von Menschen leben, die sich entschieden der Jesusbewegung anschließen und in einer Gemeinschaft sich engagieren. Aus diesen Gemeinden werden dann solche gewählt werden, welche die Spurtreue der Bewegung sichern und dazu ordiniert werden. Die Kriterien für die Wahl werden sein: randvoll mit dem Evangelium und erfahren im Leben und Wirken der Gemeinschaft. Es geht also nicht um die Ordination von Privatberufenen (das gilt auch für Frauen, geschätzte Sr. Philippa Rath!), sondern von „personae probatae“ im Sinn von Bischof Fritz Lobinger oder Erwin Kräutler. Das Geschlecht und die Lebensform werden dann kein Ordinationskriterium mehr sein.

Andreas Sturm tritt nicht in eine solche Kirche über, die sich da und dort schon abzeichnet. Er schließt sich auch nicht einer Gemeinschaft des Evangeliums an. Vielmehr wird er neuerlich wohlbestallter Pfarrer einem Kirchenbetrieb im herkömmlichen Sinn (ich weiß schon: mit mehr Synodalität). (Die Zukunftschancen, die er der altkatholischen Kirche gibt, überraschen mich forscherisch, wenn ich beispielsweise auf das stille Verschwinden der Christkatholischen in der Schweiz blicke.)

Sturm, Andreas: Ich muss raus aus dieser Kirche. Weil ich Mensch bleiben will, Freiburg 2022.


[i]      Unsere Hoffnung, in: Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland, Bonn 1976, 101f.

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8 Antworten zu Ein Zeugnis der Hoffnunglosigkeit

  1. Thomas Bauer schreibt:

    Danke für diese Buchbesprechung, auch für die Kennzeichnung des Texts von JB Metz. So schätzenswert er ist, so sehr bleibt es sein Bild einer in sich gekehrten Kirche. Kenn Sie das Buch von Alois Edmair, dazumal Eichstätt, Horizonte der Hoffnung? Pustet. LG thomas bauer

  2. hgamma schreibt:

    Wir sind alle
    der unteilbaren
    Menschenwürde
    die Bösen
    auch die Guten

    zur Taufe
    ungefragt getragen
    der Salbung

    das Bekenntnis
    der Todsünde
    jahrelang
    in den Beichtstuhl
    getragen

    dem „ego te absolvo“

    das Verdorbene
    meine Sünden
    mein Kreuz
    selbst getragen

    nein; schon als Kind
    habe ich mir
    der Gemeinschaft
    abgeraten

    die Seele
    der Geist ist in mir
    nicht da draussen

  3. Maria Dörig schreibt:

    DANKE, Paul Zulehner, für Ihre exzellente Buchbesprechung!

  4. Ulrike Brustmann-Sieber schreibt:

    Vielleicht wäre es gut, einfach Mal zur Abwechslung sich wieder mehr um die Inhalte, die Botschaft (des Evangeliums) zu kümmern und weniger um die Strukturreformen UND einfach zu evangelisieren, wie der jetzige Papst ja vorgeschlagen hat.
    (Wer weiß, vielleicht ergibt sich dann als Nebeneffekt, ein kreativer Prozess und kreative Lösungen was an den Strukturen sinnvollerweise geändert werden könnte und was nicht….Hm ?!)
    Das ewig gleiche hic hac, inklusive Dauerfrust wird doch schön langsam langweilig… – ein Beispiel für Evangelisation: Pater Paulus-Maria, der mit seinen Franziskaner-Mitbrüdern die Hoffnung in das Ghetto der Stadt Limerick (Irland) gebracht hat, mit zu Beginn, einfach Passionsspielen (spannende Geschichte)…. – Derartiges ist doch viel kurzweiliger…

  5. Brand, Hildegard schreibt:

    … Und noch einmal ein „Kirchenkrimi“ als Hinzufügung zu den schon vorhandenen und anderen „Kirchendramen“ ? Aber auch Hinzufügung zu den „Tragödien“ mit traurigen, ganz persönlichen Schicksalen von Menschen vor und hinter kirchlichen Betonmauern, Menschen mit Verzweiflungen, denen immer mal wieder durch Suizid ein „erlösendes “ Ende gesetzt wurde oder die in Suizidversuchen, Einsamkeiten, Krankheiten von Leib und Seele stecken geblieben sind.
    Sind wir , ob als Kirchenmitglieder oder „Draußen – vor – Stehende“ nicht allmählich müde geworden bei den allseits schon lange bekannten Themen und Schicksalen ohne befriedigende Lösungen.
    Aber trotz allem – eine gute analytische Buchbesprechung – vielleicht aus einer anderen Perspektive… von einem, der rangmäßig einem Bischof ganz „nahe“ stand und „kurz“ mal zum Nachbarn rübergesprungen ist…. kommt sicher nicht so oft vor…?

    Und jetzt zu real-existierenden, institutionell etablierten, aber historisch über Jahrhunderte gewachsenen und zugewachsenen „Kirchengestalten“ – in welchen Couleur auch immer.
    Ich denke, die „Strukturen“ sind nicht die einzigen Gründe für die vielen heutigen Menschen, die den Kirchen den Rücken kehren, nicht einmal den Eintritt in eine andere Kirche wollen.
    Es muss auch an bestimmten Glaubensinhalten liegen, die sich in den historisch (!) gewachsenen, dann aber in aufeinanderfolgenden Jahrhunderten in Formeln unserer Glaubensbekenntnisse manifestiert haben ( = Manifest), immer auch als Abbilder der jeweiligen Zeit in Sprache und Metaphern. Ob derlei Gründe nun bewusst wahrgenommen, nur erahnt werden oder ohne Reflexion, d.h. aus dem Unterbewusstsein heraus zur Entscheidung führen, ist nicht so entscheidend.
    Dabei geht es auch um eine “ glaubensfähige“ Sprache, auch in Bildern, für heutige Menschen.
    ( Was ist das z.B. für eine Sprache: „Gottes eingeborener Sohn…“ ?!)
    Und jetzt der entscheidende „dialektische“ Rückwärtssprung in die Zeit Jesu , der selber ( etwa wie Sokrates ) wahrscheinlich nichts niedergeschrieben hat. Und – dabei geht es vielleicht auch um die Rettung der „Sache“ Jesu, von der andere ein wenig später in erzählenden, zusammengesetzten Perikopen berichtet haben.
    Was kann dann die Alternative bedeuten : „Kirche – nein!“ / „Jesus – ja“ ?

    Wenn wir nämlich endlich einmal exegetische „Befunde“ ernst nehmen ( ohne Indexierung von Forschungsergebnissen, ob sie nun sicher oder offen sind) und daraus schlussfolgernd bescheidener werden in Bezug auf „felsenfeste“ Überzeugungen von Glaubensgewissheiten und „Sicherheiten“
    ( auch Kirchengestalten betreffend ) für „Überzeugte“ und „Unsicherheiten“ für Zweifelnde oder sogen. „Ungläubige“ .
    Befunde nämlich, die sich oft im Bereich von Mehrdeutigkeiten, Andersdeutbarkeiten oder völligen Deutungsoffenheiten vor historisch, kontextuellen Hintergründen befinden, wenn wir etwa historische Entwicklungen von Wort – Satz – Narrativ- Bedeutungen im Zusammenhang von AT- und NT – Texten betrachten. So z.B. die sogen. “ Gottessohnschaft“ – im AT mitunter Bezeichnung für das ganze Volk Israel oder individuell als Kind Gottes, das jedes Menschkind ist, von Gott als angenommen gilt, so auch auf Jesus vielleicht zutreffend – Jesus, als „reiner“ Mensch, der ein besonderes Verhältnis zu „seinem“ Gott w i e zu einem gütigen Vater hat ( anthropomorph gesprochen ), der ihm einen Auftrag für den Kampf um Gerechtigkeit und Frieden auf Erden gegeben hat … Das wäre vielleicht zeitlos annehmbar ? Und hätte den Menschen schon in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten den z.T. heftigen Streit um die Gottessohnschft versus reines Menschsein Jesu ersparen können. Ganz zu schweigen von der problembelasteten Sprache von der „Jungfrauengeburt“ …
    Und dann die verschiedenen „Hoheitstitel“ : z.B. „Christos“ – auch dieser „Titel“ muss einmal betrachtet werden unter der Lupe der Suche nach der „ipsissima vox Jesu“ , eines „Herrn“ Jesus, der nicht Griechisch gesprochen hat. Diesen Titel wegzulassen, würde einen riesigen Sprung rückwärts zu dem „reinen“ Menschen bedeuten, würde auch bedeuten: eine „reine“ Jesusbewegung statt einer „Christusbewegung“ , ja sogar die Aufhebung des Christentums mit allen „christlichen“ Kirchengestalten dazu. Papst Franziskus würde dazu sagen: Das ist dann eine andere „Kirche“ . Und dabei schließt sich natürlich die direkte Frage an: Hat Jesus solche, uns vielfach belastende Kirchengestalten gewollt? Die Un- Gestalten hätte er sich sicher nicht im Traum vorstellen mögen, denk ich mir…
    Kurz – meine Schlussfolgerung: So schlimm fänd ichs nicht, wenn die „Sache Jesu“ gerettet würde, die Sache eines Jesus, der sich selbst möglicherweise nicht „Christos“ , vielleicht auch nicht „Gottes Sohn“ (im vordergründig-platten Verständnis) genannt, aber im Geist für Gerechtigkeit und Frieden gelebt, gesprochen hat, gestorben ist ( ermordet wurde) – Rettung der Sache Jesu und seines „Gottes der Gerechtigkeit und des Friedens“ – „auf Kosten“ von Kirchen, die sich im Sterbensprozess befinden nach dekadenten Exzessen, Perversitäten im Laufe von Jahrhunderten
    ( auch im 20./ 21. Jahrhundert ) , und die er so nicht gewollt haben könnte.
    Freilich müssten sich die Menschen wieder frei und neu zu einer „Jesus – Bewegung“ ( statt Christusbewegung ) zusammenfinden, um die „Sache“ ganz „entmythologisiert“ zu retten, sich auch anderen ähnlich motivierten Bewegungen anschließen, so wie z.B. einer Gandhi – , Martin Luther King – Bewegung – als einer unter vielen – zur Rettung der Menschheit und der Welt, wenn sie denn noch zu retten ist – unter welchem prominenten Namen auch immer.

    • PARZER, Gottfried --- Bonn schreibt:

      Was Sie schreiben teile ich.
      Nur wie kommen wir dahin?
      Ich habe meine Zweifel, ob das, was jetzt vieler Orts als Abwehr des Synodalen Wegs genutzt wird – statt Struktur / Verinnerlichung des Evangeliums (jedoch meist unüberhörbar im Sinne des Sensus Depositum) so wie sie(!) es schreiben zielführend ist.
      Völlig überspitzt formuliert – ich befürchte dahinter vielmehr ein Bild von einer Summe esotherischer Clubs mit einem mystisch Wirken wollenden (amtlichen) Schamanen.
      Davor habe ich Sorge, wenn ich von evangelisierenden, kleiner Kerngemeinde als Zukunftsbild für unsere Kirche (Ratzinger) lese. Dazu passt auch die ständige Wiederholung, die r.k. sei im Unterschied eine PRIESTER-kirche.
      Was ich aus der Schrift entnehme ist, dass der Weg des Volkes Gottes durch die Zeit etwas ganz anderes ist. Alles andere ist für mich draufgesattelt, zwar zeitgeschichtlich erklärbar und an Personenprofilen festzumachen, aber nicht Thema der für die unmittelbaren Adressaten formulierten didaktischen Nacherzählungen über die gelebte Botschaft des Jesus v.N..

      Mit dennoch unverbrüchlich hoffenden frohem Gruß
      Gottfried Parzer

      • Brand, Hildegard schreibt:

        Lieber Herr Parzer,
        das ist ja gut, dass Sie das ausgesprochen haben, was auch mir während des Schreibens meines Kommentars parallel ( zu anderen Parallelgedanken ) durch den Kopf gegangen ist: die Befürchtung und Sorge, dass sich „esotherische“ , „nur“ mystisch orientierte – eben nicht „politisch“ in „der“ Gesellschaft aktive „Untergrundgrüppchen“ bilden, die zur
        gesellschaftlichen Veränderung – “ auch Kirchen sind „Teile“ in christlich geprägten Gesellschaften – keinen außenwirksamen Beitrag leisten wollen; was auch immer mit „politisch“ oder „mystisch“ gemeint sein könnte ( – welche in der „Außenwelt“ „aktiven“ Gruppen können überhaupt für sich in Anspruch nehmen, einen real wirksamen gesellschaftsverändernden Beitrag zu leisten ? ! – kleiner Bedenken-Beitrag zur Vorbeugung von Überheblichkeit) …
        Und – aus meiner Unkenntnis über bestimmte “ Bewegungen“ ( wie z.B. die „Christusbewegung“ oder über bestimmte Formen von Versammlungen wie am „Christustag“ ( z.T . mit 10 000 Teilnehmenden) mag ich kein überhebliches, gar abwertendens Urteil fällen.
        Hab ich doch immer mal wieder in letzter Zeit gedacht, dass die Kath. Kirche vielleicht die größte Sekte der Welt sei, wenn „sie“ sich dann in Form einer „geschlossenen Gesellschaft“ mit unverrückbaren Regularien, ( z.T. hinter Vatikanmauern verschlossen) Riten, festgemeißelten Moral – und Glaubens – Codizes und pädagogischer Einflussnahme zeigt, zumindest sich lange so präsentiert hat.
        Und natürlich haben die beiden Äußerungen vom damaligen Kardinal J. Ratzinger auch auf mich zynisch-überheblich gewirkt ( so ist es immer noch) , als er
        in den 90ern der Evangelischen Kirche das „Kirche-Sein“ absprach , oder wenn er es offenbar bei schrumpfenden Zahlen von Kirchenmitgliedern als eine Art „Bereicherung“
        ( meine Formulierung) deutete, wenn dann nur die wirklich Überzeugten „das Salz“ der Erde,/ der Kirche / der Christen bilden würden …
        Damit wurde schon damals keine Notwendigkeit zur „strukturellen“ Veränderung gesehen: Im Sinne von: wir haben ja noch das „Salz“ der wenigen ( „Rechtgläubigen“ ) …
        D a s hätte dann auch das Potenzial zum Sektenstatus.
        “ Um Gottes Willen“ – das kann ich ja nicht wolllen, wenn ich Jesus gerne als poltischen „Aktivisten“ in „Sachen“ Frieden und Gerechtigkeit sehen möchte…gar nach einem Modell einer „Politischen Theologie“ …?
        Natürlich laufen personen-orientierte “ Bewegungen“ immer die Gefahr, dass sie mit dem Tod der Person „auslaufen“, flügellahm werden – vielleicht anders bei programm-orientierten, wie z.B. bei „der“ „Friedens-Bewegung“ . Eigentümlich, dass sich tatsächlich z.B. keine „Gandhi- Bewegung“ oder „Ch Guevara-Bewegung“ über eine langen Zeitraum gebildet, gehalten hat.
        Natürlich würd ich auch mit Ihnen, Paul M. Zulehner, ( wenigstens ) den „Synodalen Weg“
        für notwendig halten ( etwa wie einen verändernden “ Gang durch die Institutionen“ ) und sogar durchaus auch als einen gesellschaftsverändernden Beitrag bewerten, sofern ich „Kirche“ als einen faktisch existierenden Teil einer Gesellschaft mit nicht unerheblicher Einflussnahme einordne. Auch in diesem Teil leiden, arbeiten Menschen, engagieren sich sozial u.a. Und so wäre auch dieser Weg sehr wohl politisch – auch zum Wohl ( statt zum Leid) von real-existrenden Menschen. Sie haben ja auch schon Veränderungen festgestellt
        ( ich auch – natürlich bes. im Vergleich zur vorkonziliaren Zeit) .
        Was auch immer an Veränderungen geschieht in nächsten Jahrzehnten/ Jahrhunderten:
        Die Orientierung an Frieden, Gerechtigkeit, Gleichheit, Menschenwürde, Menchenrechten, sozial- bestimmten Freiheitsrechten ( natürlich gehört auch Religionsfreiheit dazu ), Bildung von Empathiefähigkei u.a. muss „die Sache“ sein,
        war m.E. eben auch die „Sache Jesu“ . Dafür können Jesus und andere, wir alle stehen.

        Und – persönlich – als katholisch Sozialisierte wird nicht nur der „Weihrauch“ nicht aus meinem Geruchssinn weichen, werden mich immer wieder die Sakralbauten, Bilder, Kompositionen und andere Kulturbeiträge faszinieren , sondern werden mich auch immer wieder die Schreckensbilder erschüttern, Schreckensbilder eines brutal Hingerichteten, Gefolterten, Gekreuzigten, Opfer eines Unrechtsstaates . Aus meiner Wahrnehmung heraus steht dieser Jesus präsentativ für alle Menschen mit gleichem Schicksal im Laufe der Menschheitsgeschichte, – damals freilich als einer von mehreren Tausend auf den Hinrichtungsstätten – wohl historisch nach römischer Hinrichtugsart…
        In welcher „Religion“ spielt ein solches Schicksal schon eine solche Rolle! ?

        Wie auch immer sich Menschen g e g e n derlei Schicksale engagieren – im Namen Jesu oder anders motiviert und organisiert , wichtig wäre das „Dass“ , damit „Mächtige“ nicht immer wieder das letzte Wort haben.
        Gut wäre natürlich, dass Einzelkämpfer nicht alleine bleiben und sich ausbrennen lassen, sondern sich organisieren –
        und sei es auch „kirchlich“ in einer „offenen Gemeinschaftsorm“ mit „Strukturen“ als Hilfsgerüst für potenzielle Wirksamkeit. Manche „Pax-Christi“- Gruppen tun das z.Zt.
        sehr stark….Nach außen hin Verantwotliche, Sprechende braucht es allemal, sonst geht gemeinschaftlich ja gar nichts..
        Und – m.E. hat das dann nichts mit Esotherismus zu tun…, so wichtig auch geistig-seelische – spirituelle „Bewegungen“ i m Inneren
        eines In-dividu-ums sind . Sie könnten evt. auch friedensstiftend wirken.

        Herr Parzer,
        nach langer Rede: Jetzt bleibt sicher immer noch Ihre und unsere Frage offen :
        “ Und wie kommen wir dahin ?“
        Und mit Ihnen, lieber Paul M. Zulehner , müsste ich noch ein langes Gespräch über „exegetische“ Befunde und „Jesus-C H R I S T U S – THEOLOGIE“ führen, weil die Komplexität natürlich nicht im Kommentarbereich entfaltet und präzise dargelegt werden kann, was immer unbefriedigend bleibt…

        Und jetzt
        für alle Lesenden
        das in dieser Zeit so wichtige Pace e Bene!
        Hildegard
        danke fürs Lesen!

  6. Pingback: Ein Zeugnis der Hoffnunglosigkeit – MatthiasHeil.de

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