Regenwald und Waldviertel

Natürlich hat Kardinal Christoph Schönborn vollkommen Recht: Hinsichtlich der Größe und dem klimapolitischen Gewicht sind der Regenwald und das Waldviertel wahrlich nicht zu vergleichen. No na net! Hat ja auch niemand behauptet.
Wo es aber  sehr wohl Ähnlichkeiten gibt, ist doch der wachende Mangel an Priestern. Dazu schreibt mir ein mit dem Waldviertel vertrauter Seelsorger:

Lieber Paul,
es ist mir ein großes Anliegen Dir das zu schreiben. Du hattest schon recht, dass Du von einem „pastoralen Notstand im Waldviertel“ gesprochen hast.
Das Waldviertel (Schönbach) ist meine zweite Heimat. In all den Pfarren der Region gab es früher (vor 40 Jahren – in meiner Studienzeit) einen Pfarrer, zwei volle Sonntagsmessen, und fast jeden Tag eine Messe.
Jetzt gibt es in den (ehemaligen) Pfarrkirchen eine Sonntagsmesse im Monat, ansonsten „Wortgottesfeier“, an den Wochentagen nichts.

Es ist zudem eine sehr durchschaubare Ablenkungspolitik, wenn der Wiener Kardinal in der Pressekonferenz nach der Bischofskonferenz (hat er das mit den Bischöfen Scheuer und Glettler abgesprochen?) die Bedrohung des Weltklimas als große Sache (cosa), die Frage nach der sonntäglichen Eucharistiefeier in gläubigen Gemeinden des Evangeliums als „Sächlein“ (cosetta) abtut und dabei signalisiert, dass es eine Nebensache ist, über die man nicht reden soll. Rettet das Weltklima und hört endlich auf, vom Priestermangel zu reden, ist die Botschaft zwischen den Zeilen. Das ist, wie wenn ich eine Familie, die sich aus Armut kein Frühstück für die Kinder leisten kann, damit „abspeise“, dass ich auf die vielen hungernden Kinder in der weiten Welt verweise.

Für die gläubigen Menschen im Waldviertel sind beide Anliegen große Sachen, die globale Bedrohung des Weltklimas und das eucharistische Aushungern ihrer Gemeinden. Für sie ist die Sonntagsmesse kein „Sächlein“, keine cosetta! Wie sagte zudem Papst Franziskus: Die Hirten sind für die Stillung des „eucharistischen Hungers“ verantwortlich. Von dieser Verantwortung kann den Kardinal sein Hinweis auf die Weltklimabedrohung  (die niemand leugnet) nicht entbinden. Noch mehr: Die Bischöfe haben in den letzten Jahren durch die unverantwortliche Ausdünnung der Eucharistiefeiern in vielen (Waldviertler) Gemeinden dazu beigetragen, dass vielen der eucharistische Hunger vergangen ist.

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3 Antworten zu Regenwald und Waldviertel

  1. Johanna Spöth schreibt:

    Na klar, dass das nur ein Vergleich war und zwar ein anschaulicher, der wie jeder hinkt (hier die Größe) – sollte doch offensichtlich sein. Das Anliegen, das dahinter steht, ist allerdings ebenso schwerwiegend.

  2. Ulrike Brustmann-Sieber schreibt:

    Eins kommt mir bei der sehr wichtigen und spannenden Amazonas Debatte (sowohl für den Amazonas als auch fürs Waldviertel relevant) allerdings deutlich zu kurz:
    Der Missionsauftrag, z.B. nach Matthäus
    Mt 28,19 Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,
    Mt 28,20 und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.
    ……………..dieser Missionsauftrag hat nichts an Gültigkeit verloren. Nur was heißt das und auch bei der konkreten Umsetzung in der heutigen Zeit. Fehler der Vergangenheit sind das eine (Stichwort: Zwangstaufen udgl.). Doch das Kind mit dem Bade ausschütten und gar nicht mehr zu missionieren und zu taufen, das andere Extrem. Beide verfehlen das Ziel……

  3. Ulrike Brustmann-Sieber schreibt:

    Mir fehlt bei der ganzen Debatte rund ums Amazonas Thema, aber auch anderswo in der Weltkirche, so wichtig diese ist: „Worum geht’s im Kern“. Das kommt mir zu oft zu kurz
    1. Die Frage nach der Taufe, dem Taufen, der Weg dorthin, das Gelingen des Lebens auch im Hinblick auf die Ewigkeit
    2. Das Wesentlich der christliche Botschaft schon jetzt wie z.B der Bereich Versöhnen, Vergebung u.v.a christliche Kern-Themen
    Als Beispiel: zum Thema Versöhnung – „da springt der Funke über“ eine Rede von Michael Stahl (war schon Mal Bodyguard von Mohammed Ali, ein sogenannter landläufig bezeichnet „echter“ Mann. Die Botschaft aus seinem Munde kommt absolut glaubwürdig rüber – siehe link)

    DAS fehlt mir in den Debatten und in der Kirche…………Wenn das nicht da ist nützt das rundherum auch nix bzw. nicht genug, denke ich…..

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