Wer ist der Geist, der stets verneint?

Zu „Wes Brot ich essen darf“ von Reinhard Bingener, Daniel Deckers und Thomas Jansen (FAZ vom 4. September 2020):

Vom Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt im nächsten Jahr muss ein Fanal der Einheit und der Liebe ausgehen: Katholiken und Protestanten sind gemeinsam eingeladen, am Tisch des Herrn Platz zu nehmen zur Feier des eucharistischen Abendmahls. Den katholischen Bischöfen wünschen wir Mut und Stehvermögen gegenüber den Bremsern im Vatikan. Wer ist dort der Geist, der stets verneint? Sicher nicht Franziskus. Wir hatten am 31. Oktober 2018 (Reformationstag!) anlässlich einer Audienz in Rom Gelegenheit, mit dem Papst über dieses Thema, das uns als konfessionsverschiedenes Paar tief bewegt, zu sprechen. In einer sehr berührenden Begegnung antwortete er auf Deutsch sehr einfach und unmissverständlich: „Tut es.“ Zwei Worte, nur zwei Worte. Er ging weiter, kam nochmals zurück und sagte nahezu flehentlich: „Betet für mich.“ Wir waren erschüttert. Hinter ihm ging Erzbischof Gänswein, dem wir voll Freude von unserer Begegnung und den Worten des Papstes berichteten. Darauf seine sehr kühle Antwort: „Das ist die persönliche Meinung des Papstes.“ Seither beten wir für ihn.

DRES. RICARDA UND UDO NIEDERGERKE, HANNOVER

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7 Antworten zu Wer ist der Geist, der stets verneint?

  1. Brand, Hildegard schreibt:

    … In Kürze, es wirkt auf mich auch wirklich erschütternd….
    Meine Empfehlung an Herrn Gänswein und „alle Bremser“ im Vatikan:

    Er und alle „Bremser“ sollten sich doch endlich auf den Petersplatz stellen und sich zu Gegen-Reformator-Päpsten gegen alle Botschaften von Jesus dem Christus ausrufen!
    Hat´s doch alles schon mal gegeben…
    Fraglich, wieviel „Gottesvolk“ dann hinter oder vor ihnen stehen wird !
    Vielleicht finden sich ja Menschen, die sie bei Zeiten – wann auch immer- der Häresie angeklagen – vor dem „Richter unser aller…“ ( Zitat von G.E. Lessing in einem anderen Zusammenhang)

    Hildegard

  2. mailpro schreibt:

    Bei Herrn Gänswein habe ich so eine Vermutung schön länger. Ich fand es eine ungute Konstellation, dass er sowohl für den Emeritus als auch für Papst Franziskus arbeitete. Einen wirksameren Maulwurf kann es doch gar nicht geben. Ich vermute noch viel mehr einflussreiche Bremser im Vatikan. Ja sogar in Deutschland sind solche auszumachen, die immer wieder ihre guten Verbindungen dorthin spielen lassen, um jeden Reformgedanken zu ersticken.
    Es ist tatsächlich ein wichtiges Anliegen, für den Papst zu beten. Und es ist wichtig dass noch mehr Katholiken, Amtsträger, Theologen und wir alle deutlicher für unsere Sache eintreten.
    Vielen Dank für diesen persönlichen Bericht aus dem Vatikan! Michael

  3. albertpichler schreibt:

    Großartig! Die Veränderung kommt von unten und innen. Einfach handeln verändert. Mögen viele den Mut haben!

  4. Anna schreibt:

    Einfach tun! Im Kleinen beginnen analog dem Gleichnis vom Senfkorn. Wir „fahren“ schon viel zu lange mit der angezogenen Handbremse. Ich befürchte, wir „reiten bereits ein totes Pferd“.

  5. Brand, Hildegard schreibt:

    … noch ne kleine biblische Ergänzung:

    In E r w ä g u n g,

    dass die Machtkonstellationen s o sein sollten, wie sie in den obigen Texten durchscheinen, könnten doch auch die heute noch gültigen, gegen jegliche in Hybris ergriffenen
    Eigen- Ermächtigungen gerichteten Psalmworte gelten:

    Ps 12,5: “ (…) Sie sagen: ´Durch unsre Zunge sind wir mächtig;
    unsre Lippen sind unsre Stärke. W e r ist uns ü b e r l e g e n ?´ (…) “

    Ps 75, 5ff.: “ (…) Ich sage zu den Stolzen: Seid nicht so vermessen! (…)
    Brüstet euch nicht stolz mit eurer Macht,
    redet nicht so überheblich daher! ( … ) “

    “ W e r ist uns ü b e r l e g e n ? “ :

    Ü b e r l e g e n – sicher der damals kurz vor seiner grausamen Hinrichtung stehende Jesus ( ca. 30 Jahre nach seiner Geburt ) – in einer l e t z t e n Mahlgemeinschaft mit seinen Anhänger*innen, darunter vielleicht auch seine Mutter, sein Vater, seine Geschwister und mehrere Frauen, z.B. Maria von Magdala…
    “ T u t t i “ könnten dazu eingeladen worden sein – auch d i e von der Straße, die dafür amtlich nicht eigens Professionalisierten, Autorisierten. ( Mensch stelle sich das einmal vor: Da sitzen diese Menschen kurz vor seiner grausamen Hinrichtung noch einmal zusammen – eigentlich doch nicht vor – stellbar!
    Die Macht der Mächtigen war vielleicht zu stark, als dass die Schwächeren die Todesstrafe hätten verhindern können. )

    Ü b e r l e g e n – vielleicht auch der „Brückenbauer, die Brückenbauer*innen“ , die heutezutage in einer kleinen oder größeren Mahlgemeinschaft mit Brot und einem Getränk ganz schlicht und einfach des so grausam Ermordeten gedenken, an seine Liebes-Friedens-und Gerechtigkeits-Botschaft erinnern wollen, hinausgehend über alle Grenzen von Konfessionen, Nationen, Geschlechtern, Religionen, offen für alle, die an dieser Gedenkfeier teilnehmen und die Botschaft von Liebe, Frieden und Gerechtigkeit weiter verkünden, nach ihr leben w o l l e n .

    In E r w ä g u n g auch,
    dass die kath. Kirche nicht der “ herzlose Leib einer ebenso herzlosen Welt sein will…“

    ( in Anlehnung an die oft nicht wahrgenommenen Worte von Karl Marx in seiner Religionskritik: „Religion ist der Ausdruck der bedrängten Kreatur, das Herz einer herzlosen Welt.“ )

  6. Urike SChrott schreibt:

    wunderbar – ich danke Papst Franziskus von Herzen ! Es gibt nichts Gutes außer man tut es 🙂

  7. Edgar Marsch, em. Professor für germanistische Literaturwissenschaft, Universität Freiburg CH schreibt:

    Man tut es, jedenfalls in der Schweiz. In den Messen sind alle Anwesenden eingeladen, zur Kommunion zu gehen, sie tun es auch, ob katholisch, reformiert oder evangelisch. Die Mehrheit der Bischöfe akzeptiert das – stillschweigend. Man sollte den Mut haben und ein Zeichen der Einheit aller Christen setzen. Das Zeichen sollte von den Bischöfen kommen – nicht nur „Augen zwinkernd“, sondern öffentlich.

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