Synodalisierung kann gefährdete Demokratien stärken

Ermutigung zum einem Perspektivenwechsel

Der prominente Politologe, langjähriger Bayerischer Kulturminister und Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken Hans Maier schrieb im theologisch tiefschürfenden Buch über die Synodalisierung (siehe unten) eine Skizze mit dem Titel: „Was die Kirche vom demokratischen Staat lernen kann?“ Viele Diskussionen zur Synodalisierung kreisen um dieses Thema. Es stimmt, dass nicht wenige Kirchenmitglieder eine Art „kulturelles Martyrium“ erleben, wenn sie als Demokratiegeübte innerkirchliche autoritär-klerikale Behandlung erleben. Die Kirche ist keine Demokratie: Jesus ist der Herr, es ist Gottes Volk – also sind wir eine Theokratie oder eine Kyriokratie (Christian Bauer). Menschlich gesehen sind wir als Kirche daher zunächst eine Anarchie: Es gibt keine Herrschaft von Menschen über Menschen. Die Kirche ist zwar hierarchisch, das meint aber eben „heiligen Ursprungs“. Hierarchisch ist kein Herrschafts-, sondern ein Herkunftsbegriff. Aus der Ordination der Einen kann keine Subordination der Anderen abgeleitet werden.

Ich drehe hier aber den Spieß um. Die Frage ist nicht, was die Kirche von der Demokratie lernen kann. Sondern umgekehrt: Kann eine christliche Kirche, wenn sie wird, was sie ist, nämlich synodal, der Demokratie von heute Unterstützung geben? Dieser Perspektivenwechsel hätte auch den Vorteil, dass sich die (katholische) Kirche aus der bedrohlichen Kirchenimplosion freimacht, in die sie seit geraumer Zeit geraten ist.

60 Jahre nach der Eröffnung des Konzils gilt es die Rangfolge der Dokumente zu beachten: allen voran Dei Verbum über die Offenbarung eines Gottes, der „ex amore“ die Welt schuf und sie durch die Geschichte trägt; sodann Gaudium et spes als Konkretisierung der Weltsorge Gottes heute und eben erst dann Lumen gentium: die aus den Quellen sprudelnde Selbsterneuerung der Kirche selbst, eben ihre Synodalisierung. Wir stecken derzeit in Lumen gentium fest und vergessen auf die Welt von heute und manchmal auch auf Gott. Das ist mein Alptraum: Die katholische Kirche ist runderneuert. Gleichzeitig gibt es den atomaren Gau, kollabiert das Klima und tötet die Ungerechtigkeit die Armen.

Gefährdete Demokratien

Die folgenden Überlegungen gehen davon aus, dass in unserer Zeit die Demokratien zunehmend gefährdet sind. Das hat zunächst damit zu tun, dass angesichts der „riskanten Freiheiten“ (Beck, Ulrich, Beck-Gernsheim Elisabeth) immer mehr Menschen versuchen, die lästige Last der Freiheit loszuwerden. Allein das begünstigt schon „hilfreiche“ Führer in Politik und Religion. Dazu kommt, dass heute − angesichts der Kriege, des Klimanotstands und der zunehmenden Migration –der taumelnden Welt die Hoffnungsressourcen ausgehen. Unsere Kulturen mutieren immer mehr in „Kulturen der Angst“ (Moïsi, Dominique: Kampf der Emotionen. Wie Kulturen der Angst, Demütigung und Hoffnung die Weltpolitik bestimmen, München 2009). Diese wird von nationalistischen Populisten bewirtschaftet, was ihnen immer mehr Zulauf bringt. Kaum noch ein Land, das – von den Diktatoren abgesehen – nicht seine Populist:innen hat, die ihr Land nationalistisch „#first“ positionieren. Damit mutieren aber auch liberale Demokratien zunehmend in „illiberale“ (so der Wortführer dieser Entwicklung, Viktor Orban). Kurzum: Es steht heute nicht gut um die Demokratien – auch in Europa.

„Himmelgeschenke“ an die Demokratien

Kirchen sind eine Fortführung der Bewegung, die Jesus in die Welt gebracht hat. Ihm ging es um das Kommen des Reiches Gottes. Wir sind, so der weise Bischof von Aachen Klaus Hemmerle, nicht dazu Christ:innen, damit wir in den Himmel kommen (das natürlich auch 😊), sondern dass der Himmel schon jetzt zu uns kommt. In Spuren wenigstens, füge ich demütig bei. Das bedeutet, dass die Kirche zuallererst in den Himmel  Gottes eintaucht, um selbst schon jetzt „himmelvoll“ der Welt „Himmelsgeschenke“ zu machen.

Das könnten solche Himmelsgeschenke sein:

1. Gleichheit an Würde aller: Wenn nur ein Gott ist, dann ist jede eine, ist jeder einer von uns. Die alten Diskriminierungen in der Menschheit sind überwunden: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, Sklaven und Freie, Männer und Frauen. Ihr seid eins geworden in Christus.“ (Gal 3,28)

2. Es gibt eine tiefe Einheit im Sein. Dies lehren von Aristoteles und über Bonaventura große Denker bis herauf zu Ken Wilber. Daher gibt es nur die Eine Welt und die Eine Menschheit.

3. Aus der Einheit aller im Sein folgt universelle Solidarität. Diese ist ein Maßstab für gemeinwohlorientiertes politisches Handeln. Sie hat keine Obergrenze und soll durch politisches Handeln schrittweise verwirklicht werden.

4. Die Schöpfung ist den Menschen anvertraut. Das verlangt nach einem pflegend-kultivierenden Umgang mit der Natur. Ökologie, Ökonomie und damit Weltgemeinwohl sind zu versöhnen.

5. Die christlichen Kirchen, erfasst von der Leidenschaft Gottes für seine Welt (Jes 2,28), können in den Kulturen der Angst die tiefen Quellen der Hoffnung und Zuversicht erschließen. Irrationale Angst, die immer entsolidarisiert und Rivalität und Nationalismen begünstigt, kann gezähmt werden und rationaler Furcht Platz machen, die sich mit Hoffnung paart.

Solche Gedanken zeigen, dass die Jesusbewegung und damit die christlichen Kirchen um die „polis“, die Stadt, die Welt kümmern und daher politisch sind. Das macht sie zwar nicht zu politischen Parteien, aber sie sind politisch parteilich. Sie erinnern die Politik an ihr Kerngeschäft, sich um Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung zu kümmern: und das eben inmitten einer Welt, die taumelt, weil es schlecht steht um Frieden, Gerechtigkeit und um die Schöpfung.

Zum Nachlesen und Nachdenken:

Zulehner, Paul M./Neuner, Peter/Hennersperger, Anna: Synodalisierung. Eine Zerreißprobe für die katholische Weltkirche? Expertinnen und Experten aus aller Welt beziehen Stellung, Ostfildern 2022, Grünewald, 462 Seiten. – Auch: Zulehner, Paul M.: Eine epochale Reformchance. Zum Synodalen Weg der katholischen Weltkirche, Ostfildern 2021, Patmos, 228 Seiten.

Zur Rolle der Religionen in unserer taumendeln Welt: siehe Aufruf.

Mehr dazu ein Vortrag in Luxemburg vom 19.10.2022 auf meinem Youtube-Kanal.

Dieser Beitrag wurde unter Ergebnisse veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

14 Antworten zu Synodalisierung kann gefährdete Demokratien stärken

  1. Richard Demattio schreibt:

    Kann eine christliche Kirche, wenn sie wird, was sie ist, nämlich synodal, der Demokratie von heute Unterstützung geben?
    Wenn sie wird, wie sie sein sollte: ja
    Wenn sie bleibt, wie sie ist: nein

  2. Ulrike Brustmann-Sieber schreibt:

    interessanter Perspektivenwechsel……………

  3. L. Schulz schreibt:

    … zum Thema Demokratie (gerade am heutigen Nationalfeiertag passend 😉)
    Ist das wirklich der Weisheit letzter Schluss?
    Ich möchte unser politisches System nicht miesmachen – aber schauen wir uns mal unsere heutigen europäischen Demokratien an. Werden diese Länder nicht immer unregierbarer…
    Bitte nicht falsch verstehen: der Kommunismus ist wohl auch kein Zukunftsmodell…
    Was spricht also gegen die gute alte Monarchie? Es kommt natürlich ganz auf den Monarchen an. ☺️

    Jesus Christus ist unser König- er hat keine Bewegung gegründet sondern sein Königreich verkündet.
    Er braucht kein Parlament sondern eifrige Hirten und Dienerschaft die demütig für sein Reich arbeiten …
    Alles Liebe zum Nationalfeiertag
    sowie Gottes reichen Segen und Schutz,
    den wir gerade in Zeiten wie diesen wohl gut gebrauchen können.

    PS. vergessen wir nicht auf unsere himmlische Muttergottes:
    Ist nicht auch Sie unsere Königin???
    Gerade jetzt im Rosenkranzmonat freut Sie sich über unser Gebet 🙏🏻
    In Fatima verkündete Sie dass der Rosenkranz sogar den Krieg beenden kann (und hat dies nicht ein Pater Pavlicek im Rahmen des 2. Weltkriegs eindrucksvoll bestätigt)…
    Ich würde gerne viele RK-„Bewegungen“ gründen, wieviel mehr würde dies bringen als dieses mein unwürdiges Geschreibsel (das nun viel zu lange geworden ist)…

    • Carla Maltese schreibt:

      Und wer garantiert, daß Könige eine überlegene Superrasse sind, die nie der Versuchung des Machtmissbrauchs erliegt und stets moralisch überlegen, sich auf allen Gebieten bestens auskennend, weitsichtig und ausgewogen regiert?

      Bislang ist eine solche nicht gesichtet worden.

      Europa hat mit Jahrhunderten der Monarchie andere Erfahrungen gemacht!
      Die Könige und Fürsten haben meistens sinnlose Kriege geführt, um noch ein paar Hektar Land mehr zu besitzen, das Wohl der Untertanen war ihnen meist egal! Der technische Fortschritt, z.B. das sagenhafte metallurgische Knowhow ging in die Waffentechnik, nur wenig kam zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den Dörfern und Städten an!

      Gut, es gab löbliche Ausnahmen, wie z.B. der Wittelsbacher Karl Theodor.

      Am Ende war Europa so ausgeblutet und halb verhungert, daß es andere Kontinente überfiel und die Einheimischen abschlachtete und versklavte.
      Warum sollten die Europäer ausgerechnet Schwarze, Indianer oder Asiaten fürsorglich behandeln? Ihre Fürsten gingen mit ihnen selbst ja auch übel um.

      Demokratie ist kompliziert, ja.
      Aber vor allem sehen wir ein Totalversagen autoritärer Regime.
      Autokraten und Diktatoren sind meist damit beschäftigt, die Schuld an ihrem Versagen anderen in die Schuhe zu schieben. In den meisten autoritär geführten Staaten bleibt der Lebensstandard und die Lebensqualität weit hinter den Demokratien zurück, Ausnahmen wie Dubai oder Katar setzen beispielsweise auf ein Heer von Arbeitsmigranten.
      Und dann sind autoritär geführte Staaten meist auch noch bis zum Stehkragen korrupt. Die DDR war eine der wenigen Ausnahmen, wo die Korruption nicht ganz so überhand nahm, aber auch da wusste man, sich mit den richtigen Leuten für Bückware oder administrative Gefälligkeiten gut zu stellen.
      Und wenn Autokraten und Diktatoren die Sündenböcke ausgehen….
      …..fangen sie Kriege an.
      Was meinen Sie, warum Putin die Ukraine überfallen hat!

      • L. Schulz schreibt:

        Ich meinte ja, dass es ganz auf den Monarchen ankommt – und da gibts auch viele löbliche „irdische“ Ausnahmen – einige sogar heiliggesprochen – ohne dies überzubewerten – wenngleich als gläubiger Katholik verehre ich doch manche… so rufe ich hiermit unseren Nationalpatron den Hl. Leopold um Hilfe! Er verhinderte manchen Krieg…

        Und wer sagt, dass es in unseren heutigen Demokratien nicht zu Machtmissbrauch kommt – siehe z.B. Italien und nicht zuletzt auch unsere österreichischen „Diskussionen“ – wobei mir letztere sehr heuchlerisch erscheinen: es wird mit erhobenen Finger auf einige gezeigt, wo es diejenigen welchen, falls sie in dieser Machtposition wären, wohl nicht viel anders täten…
        – aber das ist eben unser „menscheln“ – wer ist ohne Fehler?
        … doch wohl nur unser wahrer Meister und Herr –
        Jesus, ich vertraue auf Dich!

  4. L. Schulz schreibt:

    Ich möchte noch nachdenklich anfügen:
    wir „vergessen“ leider allzuoft, dass noch ein anderer gewaltiger Monarch auf Erden herrscht: es ist dies der König der Lügen. Seine reale Existenz ist nicht zu übersehen (siehe drohender Atomkrieg) und seine Gefolgschaft nimmt immer mehr zu….
    Zum Nachdenken: warum hassen wir?

    Unser wahrer König aber hat sich in unbegreiflicher Liebe für uns aufgeopfert!
    Leben wir diese Liebe zu unserem Nächsten und bemühen wir uns Ihn nachzuahmen um nach den Worten des lieben Herrn Professors „ein Stück Himmel auf Erden“ zu holen….

    … und ich muss auch keine Rosenkranzgemeinschaft mehr gründen- sie existiert ja bereits: 😉
    https://www.rsk-ma.at/infolinks/gemeinsam-fuer-den-frieden-beten
    Bitte meldet euch viele für den Frieden zu beten, zum Wohle unseres Nächsten.
    Gottes Segen und den Schutz des Heiligsten Herzens Jesu und der Rosenkranzkönigin!

  5. Ulrike Brustmann-Sieber schreibt:

    Die Kirche oder das Christentum hat sicher einiges der Welt zu geben und vielleicht kann durchaus die weltliche Demokratie von dem Christentum lernen, das kann gut sein. Allerdings noch wichtiger scheint mir, dass die Kirche die Frohe Botschaft in die Welt hinaustraegt und zwar nicht nur mit frommen und schönen Worten sondern auch mit Kraft ( zB 1 Kor 4,20) – wie DAS konkret gehen könnte ? – ( ich kanns auch noch nicht ….) – DAS waere ein gutes Ziel….

  6. Brand, Hildegard schreibt:

    Gut! die 6 Punkte wie in einem „Forderungskatalog“ – auch für das „Kerngeschäft“ der Politik; d.h. für unsere „Weltgemeinschaft“ ;

    aber – mit inzwischen als archisch einzustufenden Herrschafts-Systemen, wie Monarchien, Fürstentümern ( mit Fürstbischöfen), = Absolutismen, Diktaturen geht das wohl – hoffentlich – nicht, künftig nie mehr…
    Die standen immer auch wieder als Zeichen – in all den Zeiten – dafür, dass sich ein Großteil der Bevölkerungen durch eine Minderheit gängeln, ausbeuten und unmündig machen ließ. Immer noch, immer wieder ist es „an der Zeit“ , im Sinne der „Zeichen der Zeit“ unser Mund-ig – Sein sprechen und dieses akiv in Handlungen des Wider-standes gegen die Nicht-Einhaltungen des Forderungskatalogs einmünden zu lassen.

    Wenn sich aber Kirchen unleugbar real IN dieser Welt befinden, müsste ja auch in ihnen die gleiche „Münd-ígkeit“ gelten wie eben in „dieser Welt“ . Solange aber immer noch bestimmte Kurienkardinäle „das Sagen“ haben mit Blockadeaktivitäten wie in einem absolutistischen System, können so geartete Kirchen wohl kaum die Einwirkungskraft im Bezug auf unsere gefährdeten Demokratien haben, wie es wünschenswert wäre. Auch das geltende Kircherecht müsste dazu – je nach Recht – vom Kopf auf die Füße gestellt werden…
    Auf Dauer könnte vielleicht der „Synodale W e g “ – durch Franziskus ermöglicht – sofern er nicht ständig durch „Nie und Nimmer-Stop-Schilder“ gesperrt wird, ein Weg dorthin sein. „Steter Tropfen höhlt den Stein!“

    Bei alle dem hab ich immer wieder den Eindruck: zweitausend Jahre Tradition sind nicht so lehrreich für diesen Prozess wie ein Blick in das, was ein Mann Namens Jesus im Namen seines Gottes der Gerechtigkeit und des Friedens gesprochen und
    kurzer-hand getan hat :

    immer wieder und ohne Autorisierung durch „Priester oder Kaiserkasten“
    – Kranke geheilt, Trost zugesprochen, Ausgegrenzten die gleichen Rechte zugesprochen – m.E. vom Prinzip her damals auch für Frauen – Frieden herbeigesehnt…
    Damit hätten wir in dieser Welt und in diesen Kirchen i n der Welt genug zu tun…

    Diese Taten – z.B. Berührung und Heilung von Aussätzigen, Speisung der 5000 u.a. ließen – und lassen immer noch – ahnen , wie ein „Anti-Reich“ , eine „Anti-Herrschaft“ für ihn schon auf der Erde aussehen sollten.
    Vielleicht kann er deshalb auch als „Anti-Held“ angesehen werden – als Opfer einer brutal- diktatorisch angeordneten Todesstrafe durch Folter und Hängen und Sterben am Kreuz als Bestrafung für sein „Anti- Dasein“, sein “ Anti-Handeln“ .

    Alles andere sind vor diesem Hintergrund erbärmliche Versuche , in Selbstgerechtigkeit, Eitelkeit, Hybris, den eigenen Willen zur
    Herrschaft der Un-Menschlichkeit und damit zur Gott-Losigkeit durchzusetzen.
    Für die Durchsetzung d i e s e s Willens kann keine Legitimation durch einen Gott der Gerechtigkeit in Freiheit, der Gleichberechtigung , des Friedens, der Bekämpfung von Hunger gelten.
    Schön wäre es immer wieder, wenn ein „demos“, erweitert – „die“ Völker im Weltsysstem und in „Kirchensystemen“ in diesem Sinne „herrschen“ würden und könnten..

  7. L. Schulz schreibt:

    Ich muss Ihnen vollkommen beipflichten, liebe Frau Brustmann-Sieber, dass wir mit Kraft unseren Glauben verkünden sollten. Ich hatte gnadenhafter Weise ein „Bekehrungserlebnis“, das mich vom lauen Christen wieder auf den rechten Weg brachte. Ich durfte die Barmherzigkeit Jesu am eigenen Leib verspüren. In mir manifestierte sich – neben anderen – der Spruch: „Nicht die Heilige Schrift ist alt – sondern Ihr seid alt…“. Seitdem bemühe ich mich, meinen katholischen Glauben gerade in meinem beruflichen und privaten Umfeld zu leben. Es ist aber auch verdammt schwierig, am Weg zu bleiben (der ja Christus ist) und nicht wieder in die Lauheit abzuirren. Mit dem synodalen Prozess sehe ich dieses nun verstärkt auf die katholische Kirche zukommen – z.B. die Sünde „salonfähig“ zu machen… (wer partizipiert hier eigentlich aller mit? – sind das wirklich alles Katholiken – wie ist das kontrollierbar???)
    – ich möchte vor einem – neuen – „christlichen“ Heidentum warnen (wir sind eine „alternde Generation“). Wird Jesus, wenn er wiederkommt, noch Glauben vorfinden?!

    Ich habe mir Ihren angesprochenen Korintherbrief zu Rate gezogen. Dieser könnte genausogut in der Jetztzeit geschrieben worden sein, denn passiert nicht derzeit die Kreuzigung (in gewandten Worten) erneut? Er enthält überhaupt vieles zum Thema sündigen… – ich will aber auf die oben angesprochene Kraft zurückkommen – kurz zuvor schrieb Paulus in 1 Kor 2,4-8:
    Meine Botschaft und Verkündigung war nicht Überredung durch gewandte und kluge Worte, sondern war mit dem Erweis von Geist und Kraft verbunden, damit sich euer Glaube nicht auf Menschenweisheit stützte, sondern auf die Kraft Gottes. Und doch verkündigen wir Weisheit unter den Vollkommenen, aber nicht Weisheit dieser Welt oder der Machthaber dieser Welt, die einst entmachtet werden. Vielmehr verkündigen wir das Geheimnis der verborgenen Weisheit Gottes, die Gott vor allen Zeiten vorausbestimmt hat zu unserer Verherrlichung. Keiner der Machthaber dieser Welt hat sie erkannt; denn hätten sie die Weisheit Gottes erkannt, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt.

    Waren es nicht die Pharisäer, die in „ihrer menschlichen“ Weisheit, mehr über Gott zu wissen als andere – in ihrem Stolz nicht akzeptieren konnten, dass die Weisheit Gottes andere Wege geht? Jesus hat seine Apostel nicht aus ihren Reihen erwählt, sondern einfache Fischer auserkoren…
    Paulus war einer, der dann die Gnade erfuhr, sich als Pharisäer bekehren zu dürfen. Ihn rufe ich hiermit um Fürbitte diese Gnaden via unserer Himmelskönigin auch an die „Schriftgelehrten unserer Tage“ zu übermitteln.
    Ich möchte ihm auch dieses Schreiben anempfehlen, da ich nicht weiß, wie es einmal von „oben“ bewertet wird.
    Gerade jetzt kurz vor Allerheiligen/Allerseelen sollte uns unser „irdisches Ablaufdatum“ voll bewusst sein (… und ein Buch wird aufgeschlagen…) – vergessen wir nicht auf die Seelen unserer vorausgegangenen Verwandten/Bekannten, die vielleicht nicht im Frieden gegangen sind – sie bedürfen unseres besonderen Gebets – wir können noch viel für sie tun…
    https://de.wikipedia.org/wiki/Allerseelenablass
    Gottes Segen!

    • Ulrike Brustmann-Sieber schreibt:

      Gemeint habe ich mit „zB 1 Kor 4,20 bzw. Kraft“ unter anderem aber auch: Es genügt nicht, sich ausschließlich frommen Vollzügen (so wichtig diese sind, denn ausschließlich aus uns selbst, unser eigenen Kraft heraus, können wir eh nix machen) allein zu stützen, sondern auch das konkrete Tun für die Mitmenschen, so wie Stephanus Evangelist UND Armenpfleger war…………

  8. Brand, Hildegard schreibt:

    Lieber Herr Schulz,
    sehr beeindruckend – wie Sie mit großem Vertrauen in uns Leser*innen von Ihren persönlichen Glaubenserfahrungen mit dem „Bekehrungserlebnis“ erzählen !

    Aber ich verstehe nicht, unter welchen Gesichtspunkten Sie den „synodalen Prozess“ mit einem Abirren in „Lauheit“ in Verbindung bringen. Aus meiner Sicht ist eher das Gegenteil der Fall.
    Ferner :
    machen Menschen, die sich mit aller Kraft um den „Synodalen Weg“ bemühen, „die“ „Sünde“ „salonfähig“ ? Welche Sünde? Was verstehen Sie unter „Sünde“ , unter „wahrem Katholizismus“ ? Was ist „christliches Heidentum“? Unterstellen Sie den Menschen im synodalen Prozess, dass sie nicht den „wahren Glauben“ glauben?
    Wer bestimmt, was „wahrer Glaube“, was „wahres Katholischsein“ ist?

    Dagegen ist aus meiner Sicht dieses wichtiger:
    – als Jesus den 5000 hungernden Menschen Nahrung verschaffte, Aussätzige berührte und heilte oder seine „Bergpredigt“ hielt, kontrollierte er nicht vorher, wer „wirklich“ „echt katholisch“ sei oder sogar unrechtmäßig „partizipieren“ wollte. Er sah nur die hungernden Gesichter, die Geschwülste an den Leibern der ausgestoßenen Aussätzigen vor den Stadtmauern und ihre leid-vollen Gesichter.
    Für ihn bedeutete „katholisch“ wohl eher:
    „Liebe und erst recht die Liebe Gottes ist all-umfassend“ . Das griechische Wort gehörte wohl „wörtlich“ nicht – sicher erst recht nicht im engsten, falschen, ausschließenden Sinn – zu seinem realen Wortschatz, weil er der Überlieferung nach wohl kein Grieche war.
    Zu dem „all-umfassenden Sinn“ passt m.E. auch Gal 3, 28:
    „Da ist nicht mehr Jude und Grieche, Sklave und Freier, männlich und weiblich…“ – auch auf die oben beschriebenen Taten Jesu in den jeweiligen Situationen übertragbar.

    Auch die Zeiten der Inquisitoren, Denuntiatoren, Seelenkontrolleure dürfen nicht wiederkehren. Sie haben schon – bis ins 20./ 21. Jahrhundert hinein – zu viel seelischen und körperlichen Schmerz verursacht und zugefügt.

    • L. Schulz schreibt:

      Liebe Frau Brand, wir sind doch wohl alle „Wegsuchende“ und „…was ist Wahrheit?“ fragte dies nicht ein Machthaber schon zu Zeiten Jesu? Ich maße mir nicht an, die Wahrheit bereits zu kennen- bemühe mich aber, mit all meinen Fehlern mit aller Kraft am Weg zu bleiben, den ich für den rechten halte (im Vertrauen auf Führung durch unseren Herrn) und abgeirrten Weggefährt:innen weiterzuhelfen …
      … somit „klinke“ ich mich auch schon wieder aus diesem Blog aus und widme mich im kommenden „Armen Seelen“-Monat möglichst vielen dieser jenigen durch Gebet zu helfen.
      Buen Camino und alles Liebe Ihnen und allen Lesern dieses Blogs sowie den Schutz des Heiligsten Herzen Jesu!

  9. Ulrike Brustmann-Sieber schreibt:

    „synodal“ ist zum einen nicht per se verkehrt und zum anderen aber auch kein Allheilmittel. Es ist eher die Frage, was man genau darunter versteht und die Frage nach der konkreten Umsetzung. z.B. hat Papst Franziskus Synodalitaet gemeinsam mit dem Thema Evangelisation verknüpft. Und DAS wird vielerorts leider nicht umgesetzt. Synodalitaet ohne Evangelisation scheint mir ein Verkürzung zu sein….. Da waere noch (theologischer) Ueberlegungsbedarf. Ausserdem scheint Papst Franziskus unter Synodalitaet ein bisschen etwas anderes zu verstehen, als es vielerorts umgesetzt wird…

    • Richard Demattio schreibt:

      „Ausserdem scheint Papst Franziskus unter Synodalitaet ein bisschen etwas anderes zu verstehen, als es vielerorts umgesetzt wird“
      Sehr geehrte Frau Brustmann-Sieber, oh ja – das scheint nicht nur so, das ist so!

      Ich selber wollte, bekam aber nie die Chance, bei diesem Prozess irgendwo Anregungen zu geben, geschweige denn, mitzumachen. (Ich bin nur gewöhnlicher Pfarrgemeinderat und Pfarrkirchenrat).
      Ich habe die Dokumente des Vatikan gelesen: https://www.synod.va/en.html
      und speziell das „Vademecum“ https://www.synod.va/content/dam/synod/common/vademecum/de_vade.pdf und das, was die Diözese St.Pölten daraus gemacht hat:
      https://www.aufsendung.at/
      Tut schön beten und lasst uns in Ruhe und außerdem sind wir eh synodal, weil wir Pfarrgemeinderatswahlen haben Und ein bisschen können wir über das Wort „Teilhabe“ philosophieren.

      Sie sehen, ich bin frustriert, weil ich mich für dumm verkauft fühle.

      Papst Franziskus stellt nicht die Grundpfeiler unseres Glaubens – unserer Religion – zur Diskussion und in Frage, sondern hat versucht, die Kirche – hier meine ich die Hierarchie – so umzustrukturieren, dass diese drei Phasen „Gemeinschaft – Teilhabe – Sendung“ nicht nur einmal durchexerziert werden, sondern tagtäglich (wenn Sie so wollen „basisdemokratisch“) gelebt werden können – im Sinne von Jesus „wer der Erste sein will, soll der Diener aller sein“.

      Basisdemokratisch – nicht bezüglich Grundpfeiler unseres Glaubens, sondern bezüglich „Organisation Kirche“, denn wenn „wir alle Kirche sind“, wie die Lippenbekenntnisse lauten, dann sollten wir nicht nur gleiche Pflichten haben, sondern auch gleiche Rechte.

      Wie es ausschaut, verwässert der „Mittelbau“ das, was Gutes von oben kommt und blockiert das, was Gutes von unten kommt.
      Ja, ich bin frustriert, weil ich mir bezüglich dieses Prozesses genausoviel Hoffnung gemacht habe, wie seinerzeit im Zuge des 2. Vatikanischen Konzile, als ich 14 Jahre alt war und wo sich seit damals viel wieder zurückentwickelt hat.
      Wie es ausschaut, werde ich wieder enttäuscht werden. Gotteseidank ist mein Glaube so stabil, dass ich trotzdem nicht zu zweifeln beginne.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s