Zeit der Schöpfung

Aufruf der Kommission Social Care des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen.

1. SEPTEMBER BIS 4. OKTOBER 2022

Die Botschaft von Papst Franziskus zum Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung, der am 1. September 2022 stattfindet, wurde am 16. Juli veröffentlicht. Es war eine einzigartige Zeit, in der verschiedene Teile der Welt von Bränden heimgesucht wurden, die einen Großteil der Grünflächen des Planeten zerstört haben.

Vor allem unser eigenes Europa war mit einer echten Umweltkatastrophe konfrontiert, die in 97 % der Fälle auf das Handeln des Menschen zurückzuführen ist. In den 27 Ländern der Europäischen Union haben Brände laut einer aktuellen Schätzung seit Jahresbeginn bereits 517.881 Hektar verwüstet, im Vergleich zu 470.359 Hektar im Vorjahr.

Besorgniserregend ist auch, dass Wissenschaftler bereits Hypothesen über den Übergang von unserem Zeitalter (Anthropozän) zum nächsten aufstellen, dem sie bereits den Namen „Pyrozän“ gegeben haben, dessen Auswirkungen bereits sichtbar sind, da die CO2-Emissionen ein Niveau erreicht haben, das der Planet seit über 3 Millionen Jahren nicht mehr kannte.

Hinzu kommen die enormen, vielleicht noch unabsehbaren Umweltschäden, die durch die anhaltenden Kriege in der Ukraine und in anderen Gebieten der Erde verursacht werden. Bereits in den 1960er Jahren wurde der Begriff „Ökozid“ im Zusammenhang mit der militärischen Kampagne in Vietnam geprägt. Seitdem hat die Aufmerksamkeit für die Auswirkungen von Kriegen auf die Umwelt zugenommen. Man denke nur an die schwere Luftverschmutzung, die durch die Verbrennung von Ölanlagen in Kuwait während des Golfkriegs (1990-1991) verursacht wurde, und an die Kriege im Jemen und in Syrien, die zu einer Verschmutzung von Böden und Gewässern führten. Ukrainische Experten schätzen derzeit, dass die langfristigen Auswirkungen dieses Konflikts zu Krebs, Atemwegserkrankungen und Entwicklungsverzögerungen bei Kindern führen können.

Aber wenn die Hand des Menschen die Hauptursache für die derzeitige Situation ist, dann ist es auch ein gutes Zeichen, dass dieselbe Hand eine Lösung für all dies finden kann. Und genau hier kommt der Botschaft von Papst Franziskus große Bedeutung zu: Sie ist keine fromme Ermahnung, sondern eine echte Herausforderung an die Mächtigen der Erde und an die Führer der einzelnen Nationen (seien sie reich oder arm), jeder für seinen Teil. Hinzu kommt sein Appell an eine konkrete Umkehr aller Christen, damit wir die Hand sein können, die der angekündigten Zerstörung Einhalt gebietet.

Der nächste Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung sowie die gesamte Schöpfungssaison, die sich vom 1. September bis zum 4. Oktober erstreckt, kann also eine Zeit des Gebets, aber auch eine Zeit der ernsthaften Umkehr von Haltungen und Gewohnheiten sein.

Wir, die europäischen Bischöfe, schließen uns dem Appell von Papst Franziskus an, der alle Christen auffordert, sich für diese Forderungen des Planeten einzusetzen, dessen Stimme „eine Art Dissonanz“ offenbart. Auf der einen Seite können wir ein süßes Lied zum Lob unseres geliebten Schöpfers hören, auf der anderen Seite ein verzweifeltes Flehen, das unsere Misshandlung dieses gemeinsamen Hauses beklagt“.

Möge der Herr diesen Schrei erhören und der Menschheit ein neues Herz schenken, das fähig ist, der gesamten Schöpfung gegenüber Mitgefühl zu zeigen, damit konkrete Maßnahmen ergriffen werden können, die es allen Geschöpfen ermöglichen, zum Lobpreis des Schöpfers zurückzukehren, und uns, in diesen „grandiosen kosmischen Chor“ einzustimmen, der aus unzähligen Geschöpfen besteht, die alle das Lob Gottes singen“.

Shkodër, 20. August 2022

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7 Antworten zu Zeit der Schöpfung

  1. Brand, Hildegard schreibt:

    Ja, „mein Gott“ – da könnt ich schreien und auf-weinen – „Pyrozän“ mit Emissionen seit „… 3 Millionen Jahren…“ nicht …
    Ist die „Schuld-Frage“ nicht beantwortbar? „Wir Alle“? . „Wer“ , „Warum“ ?
    ( Oder ist jetzt die „Verantwortungs-Frage“ dringend wichtiger? )

    Und – vor dem Hintergrund dieser Horror-Fakten noch überhaupt einen einzigen Krieg zu führen, führen zu wollen !!!

    Ab sofort müssten endlich die gesamten, weltweit existierenden Rüstungsindustrien gestoppt werden,
    so dass ü b e r h a u p t k e i n einziger Krieg mehr möglich wäre.
    Die Logik wäre: alle Rüstungskonzerne ( weltweit) sofort zu besetzen.

    Geht eine schnellst-mögliche Veränderung ganz ohne „Diktat“ ? !!
    Auch im demokratischen Grundgesetz haben wir „Diktate“ :
    „Eigentum verpflichtet ! “
    Das gilt besonders für die Wenigen ( gemessen an der Zahl der über 8 Milliarden Weltbevölkerung) die – in welcher Form auch immer – unsere Erde
    zu „Ihrem“ Eigentum ohne Verpflichtungen gegenüber der Allgemeinheit ( der Weltbevölkerung) erklären. Aber – hausen nicht wir alle auf unserem Planeten, als sei er eine unerschöpflich auffüllbare Müllhalde.

    Der Beitrag hier , erstellt von Paul M. Zulehner, ist soo erschreckend und aufrüttelnd gut !
    Danke dafür! Ich denke und fühle auch so – schon seit langem.

    Die Alternativen hießen:
    Realisierung der „konkreten Utopie“ jetzt sofort
    versus „Untergang“ = Unbewohnbarkeit unseres Planeten für uns Menschen ( und Tiere? )

  2. Marion Mühlbauer-Stiefvater schreibt:

    Ich empfehle das Buch Systemwandel von Pablo Solón, in welchem der Begriff Wachstum durch „Gleichgewicht“ ersetzt wird, außerdem die Mühen der Ebene: ich habe ein offenes Ohr für leidende Mitmenschen, ich marschiere mit den jungen Menschen, um auf die Klimakatastrophe aufmerksam zu machen…dank Jesus Christus nimmt mir scheitern nicht die Kraft zum Handeln.

  3. Brand, Hildegard schreibt:

    Liebe Frau Marion-Mühlbauer-Stiefvater,
    danke für den guten Buchhinweis – Pablo Salo´n: Systemwandel !
    Von wo und wie auch immer … brauchen wir Unterstützung unserer Kräfte zum Handeln ! Alt und Jung…

  4. Brand, Hildegard schreibt:

    … Und das passt auch noch zur Situation von Menschen auf unserem Globus mit schon wieder fast 1 Milliarde Hungernden :

    Der Hauptgeschäftsführer von „Misereor“, Pirmin Spiegel, fordert die Eindämmung von Spekulationen auf Lebensmittel als einer gravierenden Ursache für Hunger und Abhängigkeiten „armer“ Länder von „reichen“ , z. B. europäischen, Ländern.
    Und das ist doch schon über Jahrzehnte so.
    U.a. Banken wurden schon vor längerer Zeit von wachen Menschen und NGO´s´kritisiert, das „Spiel“ mitzumachen.
    Aber im Großen und Ganzen – hört das nicht auf? ! So dass immer wieder eine Veränderung angemahnt werden muss !
    Immer noch wird dadurch auch das „Menschenrecht auf Nahrung“ mit Füßen getreten!

    s. in „katholisch.de“ am 23.08.2022
    mit dem Bericht über die Forderung von Pirmin Spiegel

    Dieser Aspekt des Ungleichgewichts muss auch mit dem Problem gesehen werden, dass arme Länder immer noch weniger Anteil an der Verursachung der katastrophalen Klimaveränderung haben als wir Menschen in wohlhabenden, nutznießenden Ländern…

  5. Walter Kircher schreibt:

    … da kann man nur in sich gehen und mit gutem Beispiel sich auf den Weg machen!
    Den Begriff BESESSENHEIT aus der Bibel – nicht aus den Sinnen verlieren: Kriegstreiber und Profiteure stehen in einer Linie gegen ihre Mitmenschen!
    Mit meinem DANK für Gedanken und Beiträge im guten Willen, – in der Nachfolge Jesu!

  6. Brand, Hildegard schreibt:

    … und jetzt konkret – aktuell zum „Pyrozän“ :

    in Russland wird offenbar das überschüssige Gas – vom Nachbarland Finnland aus sichtbar – „abgefackelt“ , weil die russischen Gasspeicher zu voll sind und es nicht mehr aufnehmen können … (vgl. : t-online nachrichten)
    Parallel ist ja schon länger bekannt, dass der Thermofrost auch in Russland seit einiger Zeit schmilzt. Beides mit schweren Folgen für die Verschlimmerung vom CO 2 – Ausstoß und die Klimakatastrophe
    Welch ein Szenario !

  7. Brand, Hildegard schreibt:

    … Verbesserung in meinem Kommentar ( um 14.04.) :
    Es muss „Permafrost“ heißen…

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