Ivo Fürer

Nun ist er 93jährig verstorben: Ivo Fürer. Er war ein großer Mann für die Kirche in Europa und danach für das 175 Jahre alte Bistum St. Gallen (seine Bischofszeit 1995 bis 2005).

Ich habe Ivo schon während meiner Studienzeit im Canisianum in Innsbruck kennengelernt. Dann hatten wir backstage fünfzehn Jahre kirchenpolitisch miteinander zu tun. Ivo Fürer war in dieser Zeit der Sekretär des Rates der Europäischen Bischofkonferenzen (CCEE). Ich war auf Vorschlag meines Lehrers Johann Schasching SJ berufen worden, die jeweiligen Präsidenten bei den Symposien der Bischöfe Europas zu unterstützen. Mit Hervé Legrand vom Institute Catholique in Paris war ich Ghostwriter für die Schlussreden der Präsidenten bei den Versammlungen. Ivo Fürer war dabei immer mit im Bunde.

Aus nächster Nähe bekamen wir gemeinsam mit, wie der Vatikan mit Argusaugen darauf achtete, dass die Bischöfe Europas nicht zu selbstständig agierten. Als 1989 die Mauer fiel, wollte der damalige Präsident Kardinal Carlo M. Martini umgehend ein Symposium der Bischöfe Europas veranstalten. Ohne Rücksprache organisierte der Vatikan ein solchen – die Versammlung der Bischöfe Europas konnte erst 1993 unter dem Präsidenten Kardinal Miloslav Vlk stattfinden. Rom hatte es geschafft, die Widerwahl Martinis zu verhindern, indem es einfach dekretierte, dass der Präsident immer ein Vorsitzender einer Bischofskonferenz sein müsse. Martini aber wollte sich auf Europa konzentrieren und gab daher den Vorsitz in Italien ab.

Viele diese Erfahrungen für die ersten 25 Jahre des CCEE hat Ivo Fürer in seinem letzten Buch zusammengetragen (Fürer, Ivo: Die Entwicklung Europas fordert die Kirchen heraus. Die Tätigkeit des Rates der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) von seiner Gründung 1971 bis 1996,  Ostfildern 2018). Es war eine große Zeit mit herausragenden Ereignissen. Eines davon war die Ökumenische Versammlung der christlichen Kirchen in Basel 1989 zu „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“. Es belegt, dass die Kirchen in den Überlebensfragen der Menschheit der Zeit um Jahrzehnte voraus war und immer noch ist, wenn ich an Laudato si von Papst Franziskus denke und seinen Widerstand gegen die Lehre, dass heute ein Krieg noch gerecht sein könnte.

Margreth Küng und ich haben ihn bei der Fertigstellung dieser wichtigen Dokumentation tatkräftig unterstützt, weil seine Gesundheit ihn das Werk nicht mehr allein fertigstellen ließ. Es war ein berührendes Fest, also Bischof Ivo in St. Gallen – im Rollstuhl bei ungeminderter geistiger Frische – das Buch der Öffentlichkeit präsentierte (hier kann man die Buchpräsentation am 9.12.2018 in St. Gallen herunterladen).

Ivo Fürer und mich hat die langjährige Arbeit zusammengeschweißt. Als ich in Wien emeritiert wurde, kam er eigenes zum Abschiedsfestakt und hielt eine Rede.

Ich habe wieder einen guten und verlässlichen Freund verloren. Und die Kirche in der Schweiz, aber auch die Weltkirche.

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Eine Antwort zu Ivo Fürer

  1. Brand, Hildegard schreibt:

    Aufschlussreiche Überblicke/ Rückblicke in der Buchbesprechung, u.a. darin zu Kardinal Martini versus bestimmte Päpste in Hemmschuhen… Ist d a s Kirchengeschichte, immer wieder beste Leute kalt – zu – stellen, „Köpfe – mit den guten ´Sachen´ darin
    ( auch von so manchen Theologen-Gelehrten ) – rollen zu lassen“ ?
    Randbemerkung :
    Und – was heißt „Moderne“ ?! Tradierte Panik davor ist immer auch gepaart mit Angst vor Machtverlust und Angst vor „aufgeklärter Emanziption“ von u n s Menschen mit Herz und Verstand, die vielleicht doch ganz gut selber wissen, was „das Gute“ ist, welche gute Botschaft sie wollen…
    Was soll „uns“ g e l e h r t werden, wenn wir alle miteinander lernen.
    Immer noch hat “ Evangelisierung“ den Beigeschmack von be-lehren , wer auch immer , mit welcher hehren Ansicht diese gerne zu seiner / ihrer Lebensaufgabe machen möchte, macht
    ( „das“ Christentum = das Beste aller Angebote? ohne aufrichtigen Dialog ? ) .

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