Schwejk und der Krieg

Zwischen 1920–1923 schrieb Jaroslav Hašek seinen Roman „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“. Es tobte der Erste Weltkrieg. Schwejk sinniert. Ein Lehrstück auch für die heutige Zeit. Hier ein Ausschnitt.

Den Text hat mir ein nachdenklicher Freund aus Russland zugeschickt, um seine Stimmung auszudrücken. Daher der Text zuerst in Russisch, und erst dann in Deutsch.

     «Между тем бравый солдат Швейк всецело погружен в разговор с вестовым из казарм. Вестовой принес поручику бумаги на подпись и поджидал его.
      Швейк угощал вестового кофеем. Разговор шел о том, что Австрия вылетит в трубу.
      Говорилось об этом как о чем-то, не подлежащем сомнению. Один за другим сыпались афоризмы. Каждое слово из этих афоризмов суд, безусловно, определил бы как доказательство государственной измены, и их обоих повесили бы.
      – Государь император небось одурел от всего этого,-заявил Швейк.– Умным-то он вообще никогда не был, но эта война его наверняка доконает.
      – Балда он! – веско поддержал солдат из казармы.– Глуп, как полено. Видно, и не знает, что война идет. Ему, наверно, постеснялись бы об этом доложить. А его подпись на манифесте к своим народам– одно жульничество. Напечатали без его ведома -он вообще уже ничего не соображает.
      – Он того…– тоном эксперта дополнил Швейк.– Ходит под себя, и кормить его приходится, как малого ребенка. Намедни в пивной один господин рассказывал, что у него две кормилицы, и три раза в день государя императора подносят к груди.
      – Эх! – вздохнул солдат из казармы.– Поскорей бы уж нам наложили как следует, чтобы Австрия наконец успокоилась.
      Разговор продолжался в том же духе. Швейк сказал в пользу Австрии несколько теплых слов, а именно, что такой идиотской монархии не место на белом свете, а солдат, делая из этого изречения практический вывод, прибавил:
      – Как только попаду на фронт, тут же смоюсь.
      Так высказывались солдаты о мировой войне.»

„….Inzwischen war der brave Soldat Schwejk in einer Unterredung mit der Ordonnanz aus der Kaserne verstrickt. Der Soldat hatte dem Oberleutnant einige Schriftstücke zur Unterschrift gebracht und wartete jetzt.

Schwejk bewirtete ihn mit Kaffee, und sie sprachen davon, dass Österreich den Krieg verlieren werde.

Sie führten dieses Gespräch, als handelte es sich um die natürlichste Sache der Welt. Es war eine unendliche Reihe von Aussprüchen, von denen jedes Wort sicherlich bei Gericht als Hochverrat definiert worden wäre und beide an den Galgen gebracht hätte.

»Seine Majestät der Kaiser muss davon ganz blöd sein«, erklärte Schwejk, »er war nie gescheit, aber dieser Krieg gibt ihm den Rest.«

»Er is blöd«, erklärte der Soldat aus der Kaserne mit Bestimmtheit, »ganz blöd. Er weiß vielleicht gar nicht, dass Krieg is. Kann sein, dass sie sich geschämt ham, ihms zu sagen. Wenn er auf dem Manifest an seine Völker unterschrieben is, so is das Lug und Trug. Man hats ohne sein Wissen in Druck gegeben, er kann schon überhaupt an nichts denken.« – »Er is fertig«, fügte Schwejk mit Kennermiene hinzu, »er macht unter sich, und man muss ihn füttern wie ein kleines Kind. Neulich hat ein Herr im Wirtshaus erzählt, dass er zwei Ammen hat und dass Seine Majestät der Kaiser dreimal täglich an der Brust is.«

»Wenn nur schon Schluss wär«, seufzte der Soldat aus der Kaserne, »und sie uns verdreschen möchten, damit Österreich schon mal a Ruh hat.«

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Eine Antwort zu Schwejk und der Krieg

  1. Brand, Hildegard schreibt:

    Ach, mein lieber Schwejk, wie jut , dat et Dich noch jibt. Lange nix mehr voneinander jehört, wa. Hatte Dich ja noch nich zu Ende jeschrieben, Kennste noch,deinen Freund B. Brecht?

    Weßte noch – ikke führte Dich ja später in meim Theater-Stück zum zwoten Weltkrieg mit m Führer zusammen. Und Du wusstest nich, ob Du auf ihn schießen oder scheißen solltest. Aber wir ham ja auch dat allet gut überstanden, weßte – den 1. und den 2.

    Aber jewarnt hab ik schon davor, wat noch allet schrecklicher kommen könnte, dat mit der Wunderwaffe. Ham se ja dann doch abjeworfen , nich auf mich jehört.
    Und jez jeht det Janze schon wieder los, dat mit den Wunderwaffen. Und se sprechen immer auch von die schweren Waffen. Du , weßt Du wat dat sind?

    Schwejk: Ach Bert, hab davon jehört. Is vielleicht son Unwort des Jahres, oder so…

    Bert: Zu unsern Zeiten jabs det doch noch nich, n Unwort. Wat ist det denn?
    Schwejk: Ik denk mir, det is n Wort, wat se von morjens bis abends in Dein Hirn reindreschen, bis de selbst denkst, du bist n schwere Waffe, oder bist mitten drin oder sitzt oben drauf oder fliegst mit der inne Luft oder bist der Big Homo von vor 12000 Jahren, Da muss et wohl ne 3 Meter große Homo-Spezies jejeben ham.

    Bertolt: Ja, und wat is denn jetzt ne schwere Waffe, nich det Wort?

    Schwejk: Die da unten wissen det doch selber nich! Und kener von den Minister*Innen und den
    Präsident* Innen und allen Oberen da oben will ja uch nich drin oder drauf oder davor sitzen oder det in die Hand nehmen, ham vielleicht Schiss inne Bux, dat se selbst zerrissen, zerquetscht oder sonst wat werden. Is halt krieg, da wird rumjeballert, bis alle tot sind. Det wollt ikke ja nich mitmachen, Du ja uch nich.
    Aber die hämmern dat Ding von morjens bis abends in eine Birne rin, bis de selber mitmachen willst.. ne, nich mit mir, weßte. Damals un heute nich.

    Bert: Als klener Junge dachte ikke immer, solche schweren Dinger könnte der liebe Jott seinen Jeschöpfen doch mal wegnehmen. Hat se ja schließlich damit ausjerüstet.

    Schwejk: Ne, vonwejen, der nich. Det ham sich die Menschen schon selbst hinzujefügt.
    Denn müssen se sich dat auch selbst jejeseitich aus n Händen reißen, zuerst aus ihren Birnen raus und dann , wenns da raus is – aus den Händen, wenns da raus is – einfach auf n Schrott.

    Bert: Aber da liegen se ja schon, die von Rheinmetall. Die machen se wieder heile. Verdienen ja janz schön viel damit, allet von unserm Jeld – die 100 Milliarden. Zu Schrott und auf Menschen ballern, wieder kaputt, wieder in Jang setzen, wieder zu Schrott – und immer erst die Unwörter des Jahres. Und kener will det so richtig.

    Schwejk: Und dann die vielen, verkleinerten Wunderwaffen, wenn se die erst runterschmeißen. …
    Sind ja keine schweren Waffen – weil – dat Atom is ja nich so schwer , sieht man uch nich, strahlt nur und dann heutzutage nur in !000 fachen vermehrten Pilzen im Himmel. Und die Menschen verglühn dann einfach so., tausendfach. . und allet…und dann die janzen Mutationen, Missbildungen bei den Menschen über viele Jenerationen.
    Aber schwer sind die nich. Dann weiß ikke auch nich , wat die mit schweren Waffen meinen…

    Bert: oder die meinen nen Overkill – ne , denn wär ja allet weg..

    Schwejk: Tja, vielleicht gäbs dann mal a Ruh. Und der liebe Gott würd betrübt sein Kopp schütteln un sagen: Mann, Mann, Mann – se hams ja so jewollt, dass nix mehr is,
    Meine Jeschöpe?
    Warn aber allet kene schweren Waffen nich.
    Aber mit den Unwörtern fings an – in .unsern Köppen.
    Aus den Köppen müssts erst raus, dat sag ik Dir, Bert, aus den Köppen…

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