Die schreiende Stille von Bucha (9.4.2022)

Lidiy Marakovska schenkt uns einen neuen Eintrag in ihr Kriegstagebuch. Sie sucht Worte für Grausamkeiten, für die es eigentlich keine gibt. Zu den Verbrechen gegen die Menschlichkeit kommt die Zerstörung der Würde der Täter.

Seit dem 24. März 2022 haben wir eine neue „Heldenstadt“ der Ukraine – Bucha. Ich mag diesen sowjetischen Titel nicht, vor allem jetzt, wo alles Sowjetische und Russische besonders verhasst geworden ist.

Die Stadt Bucha ist eine Stadt der nationalen Märtyrer. Unsere Soldaten haben mit ihrem Einzug in diese Stadt der Welt, die wirklich die Wahrheit wissen will, das wahre Gesicht des großen Russlands gezeigt. Und das Paradoxe daran ist, dass es nicht wirklich existiert, es ist gesichtslos. Es hat nichts Menschliches an sich. Alle Leistungen des russischen Volkes werden für mich nichtig, wenn ich solche Gräueltaten sehe. Es ist unfassbar, was sie der Zivilbevölkerung in dieser Stadt angetan haben…

Wenn ich mir die Bilder ansehe, wird mir schlecht, und ich kann nicht begreifen, wie so etwas möglich ist. Warum wurden zehnjährige Kinder vergewaltigt? Warum wurden Mädchen vergewaltigt und dann von Panzern überrollt? Menschen verbrannten sie auf einem Haufen auf der Straße… Wie? Wofür? Weil sie Ukrainer sind? Dafür, dass wir gegen die Versklavung auf unserem eigenen Territorium, in unserer eigenen Heimat kämpfen? Wo sehen sie Nazis in dieser Stadt?

Sie sehen etwas Gutes und müssen es einfach zerstören… Russen sehen ukrainische Mädchen – sie vergewaltigen, Russen sehen ukrainische Männer – so fesseln sie ihre Hände und schießen ihnen in den Rücken, Russen sehen Kinder – vergewaltigen, foltern, töten und verbrennen. Und es ist ihre Entscheidung! Die Soldaten quälen und vernichten Menschen, die unbewaffnet sind und sich in einer schwachen Position ihnen gegenüber befinden. Wer da draußen glaubt noch, dass Putin die alleinige Schuld am Krieg trägt? Die russischen Soldaten wurden von ihren Müttern und Eltern erzogen, die das Putin-Regime unterstützen. Das Putin-Regime ist nicht nur ein Gesicht des Präsidenten, es ist die gesamte „Elite“, die die Richtung des Staates bestimmt, die das russische Volk wählt.

Schauen Sie sich die Bilder an… und das sind Bilder von nur einer Stadt, und davon gibt es Dutzende.

Die so genannte Kultur Russlands ist heute durch die Taten einer Ansammlung von Mördern, Plünderern und Vergewaltigern ruiniert. Ein Mensch hat für sie keinen Wert, nur geraubtes Eigentum hat auf dem Schwarzmarkt einen gewissen Preis für sie. Gestohlene Mixer, Toaster, Laptops, Goldschmuck in Blut (aus den Ohren gerissen), Frauenunterwäsche und Kindersachen – das ist die Kultur des russischen Volkes, das sind seine Werte.

Auf den Ruf Russland nach Völkermord an den Ukrainern in Bucha hat Russland mit einem zynischen Propagandaartikel in RIA.Novosti geantwortet, in dem es alle beschuldigt und sich selbst adelt. (https://ria.ru/20220405/rusofobiya-1781778401.html) Die Ukrainer haben beschlossen, sich selbst zu zerstören. Vielleicht hätten sie auch sagen sollen, dass sich die Ukrainer selbst angezündet haben und russische Soldaten ihnen zu Hilfe eilten. Ist der Westen an der Russophobie schuld? Westen, der das Völkerrecht nicht verletzt und die Würde des Menschen als Fundament des Grundrechts der EU sieht? Warum ist immer jemand anders schuld?

Russische Existenz besteht darin, an die eigene Mission zu glauben, das Böse zu besiegen, das es bedroht, und daher zu zerstören, was es nicht erobern kann. (Sagen Sie mir bitte, wie haben die Zivilisten von Bucha, einer Stadt 932 km von Moskau entfernt und das Land mit 146 Mio. Bevölkerung bedroht?) Aber sie haben immer Gräueltaten begangen! Immer! Sie beschuldigen danach alle ihre Opfer der Inszenierung, der Fake News und leider gibt es diejenigen, die ihnen noch glauben, die die Existenz des Bösen verharmlosen. Sie finden mit rhetorischen Mitteln eine Rechtfertigung für die Taten der Russen und damit die Schreie des eigenen Gewissens bei einer Tasse duftenden Kaffees übertönen. Meine liebe Welt, lass endlich den „profitablen“ Schuppen von deinen Augen fallen…

*****

Wer die drei Unkrainerinnen Lidiya, Kateryna und Lyudmyla für deren Hilfsprojekte und ihre Familien in den kommenden harten Zeiten unterstützen will –
Hier ist mein spezielles Hilfskonto: Paul M. Zulehner, ERSTEBANK AT69 2011 1283 6762 6709 (GIBAATWWXXX), Stichwort Lviv. – Und ich danke im Namen der drei Ukrainerinnen allen, die schon großzügig ihr Herz und ihre Geldbörse geöffnet haben.

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