Was auch gesagt werden muss.

Zum Tod des Passauer Bischofs Wilhelm Schraml.

Das stelle ich mir als eine seltsame Begegnung vor: Bischof Wilhelm Schraml trifft nach seinem Tod im himmlischen Jerusalem seinen Amtsvorgänger Bischof Franz X. wieder. Was werden sie einander gesagt haben?

Die offiziellen Nachrufe für Bichof em. Schraml haben sich ja geradezu verschämt an die alte Regel gehalten: De mortuis nihil nisi bene. Aber es war einfach nicht alles gut. Auch nicht zwischen diesen beiden Kirchenmännern. Und was nachrufend über Bischof Schraml gesagt wird, stellt in bemühten Lobreden eine Amtszeit ins Licht, ohne auch nur an deren schmerzliche Seite zu erinnern.

Bischof Eder war ein Bischof der Herzen, er hat nach der Herde gerochen. Seine Amtszeit krönte er mit einem Vorgang, der das Herz von Papst Franziskus schon damals hätte höher schlagen lassen. Die Pastorale Entwicklung Passau war ein synodaler Prozess in jener Art, wie sich ihn Papst Franziskus für die ganze Kirche erwartet. Es wurde gebetet, mutig auf den Heiligen Geist gehört, es gab unzählige Gespräche mit Menschen in und außerhalb der Kirche. Die Vision von einer Kirche, die in Gott eintaucht und daher bei den Menschen auftaucht kann jesuanischer nicht sein. Es war kein klerikaler Prozess, sondern eine Bewegung des Kirchenvolks. Das Ergebnis war nicht ein Dokument einer Klerikerversammlung, sondern der Pastoralplan der Diözese, vom Bischof „in Kraft gesetzt“.

Sieben Römische Dikasterien befassten sich mit dem Pastoralplan der kleinsten Diözese Deutschlands. Kardinal Tarcisio Bertone schrieb an Eder einen demütigenden Kampfbrief und verlangte drastische wie kindische Änderungen. Eder lenkte nicht ein. Sein Rücktritt wurde rasch angenommen, was für gewöhnlich nicht als Zeichen der Wertschätzung gilt.

Und dann kam Bischof Wilhelm. Er hatte den Auftrag, den Pastoralplan zu exekutieren. Erste Lippenbekenntnisse machten rasch den Weg frei für die bekannten Entscheidungen. Und weil der Bischof dabei nicht gerade Rückenwind im Bistum erhielt, musste er zu autoritären Mitteln greifen, was ihm in seiner Persönlichkeitsstruktur auch nicht schwerfiel. So lebten in Passau nebeneinander zwei Bischöfe, einer der aufbaute, ein anderer der das Aufgebaute auf seine Weise niederriss. Nun ist das nicht alles allein sein Plan gewesen. Er war lediglich der Exekutor. Dass ihm dabei die Herzen der Menschen im Bistum nicht zuflogen, kann man gut verstehen. Weit mehr Schuld am Niederreißen hat wohl nicht der Ausführende, sondern jene, die im vatikanischen Dunkel die Fäden zogen.

Zurück zur ausgemalten Begegnung der beiden Kirchenmänner im himmlischen Jerusalem. Ich stelle mir vor, dass Eder tröstliche Worte des Bedauerns an seinen Nachfolger hatte für den undankbaren Auftrag. Und Schraml wird Eder vielleicht trösten: Mir tut leid ausgeführt zu haben, was mir auferlegt war. Es war mir auch wie ein Fegfeuer zu Lebzeiten, als Du im Dom zu Deinem Jubiläum standing ovations bekommen hast, die mir nie zuteilwurden. Du warst halt der Zeit voraus. Wärst Du unter Papst Franziskus Bischof gewesen, wäre wohl alles anders gelaufen. Dann werden sich beide in einem versöhnten Halleluja einfinden.

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5 Antworten zu Was auch gesagt werden muss.

  1. Ulrike Brustmann-Sieber schreibt:

    Therefore ……………………………… old things are passed away; behold, all things are become new. (King James Bible)
    2.Korinther 5:17

  2. Johanna Spöth schreibt:

    Mutig und ein wenig leidvoll – zu früh für damals und daher nicht umzusetzen, lieber Professor!

  3. Brand, Hildegard schreibt:

    … als Zaungastin musste ich erst mal recherchieren…
    … na , und Paul M. Zulehner wird für seine furchtlose „Moritat“ mit liebevollen, aber
    auch drastisch – satirischen Mitteln ( M.: textuelle Aufdeckung von Missetaten – auch von Bänkelsängern vorgetragen – , um ähnliche zu verhindern ) sowohl leid-erfahrene Zustimmung als auch fromm-christliche Empörung über mangelde Furcht vor einem post mortem zu „Ehrenden“ ernten…
    ( keine Furcht vor einem Ehr – Würdigen mehr ?) …?
    Wenn es um öffentliche Personen geht, die sowohl in der Säkular- als auch in der Kirchengeschichtsschreibung Erwähnung finden werden, weil sie in der Hierarchie und im öffentlich-kirchlichen, gesellschaftlichen Leben eine maß-gebende Rolle gespielt haben
    ( wenn auch nur in der regionalen in einem unter so vielen Bistümern ), ist Kritik mit einer angemessenen Aufarbeitung von „Missetaten“ unbedingt auch post mortem geboten: u.a. weil dem Bischof Schraml seinerzeit z.B. Prunksucht bei gleichzeitigem Personalabbau vorgeworfen wurde und diese Taten doch auch Menschen und Finanzen betroffen haben ( wahrscheinlich für bessere Projekte einsetzbar ) .
    Wenn dann noch die Kritik an den “ Mächtigen“ – neben den jeweiligen Päpsten – im römisch-vatikanischen Imperium, z.B. den über-mächtig-waltenden „Bertones“ und anderen unsichtbaren Hintermännern im “ Dunklen“ hinzukommt, ist das schon auch für nicht-kirchlich-gebundene Bürgerinnen eine gute Aufklärung.
    Gut auch die kontrastreiche Gegenüberstellung mit einem Bischof so guten Willens – mit seinem zeitgemäßem, den jetzigen Entwicklungen „voraus-eilendem“ Pastoralplan!
    In diesem Zusammenhang sind die drastischen Worte “ Exekution“ , „Niederreißen“ m.E. der „Sache“ angemessen , um künftige, nicht – sach- und – menschen-dienliche „Untaten“ zu verhindern.
    A. Gryphius´ Worte ( eigentlich auf den 30-jährigen Krieg bezogen) :
    „Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein.“… passen vielleicht auch in diesen „nicht-kriegerischen“ Zusammenhang… Und es gibt ja auch „soziale Kleinkriege“ in Kirche und Gesellschaften…Natürlich sollten diese nicht erst im „himmlischen Jerusalem“ end – lich auhören!

  4. Brand, Hildegard schreibt:

    …. vielen Dank, Klaus Hartmann, für den LINK-Hinweis! Höchst-aufschlussreich – auch über die Polarisierungen in der kath. Kirche. Die Frage ist dabei immer auch: Wer repräsentiert nur eine Minderheit – auch weltweit – , wer eine Mehrheit von Katholiken heutezutage!
    Eine Diktattur über ein „VOLK“ zeichchnet sich ja durch die Herrschaft eines Einzelnen oder einer minderheitlichen Klassenelite über eine große Mehrheit aus.
    Achtsamkeit ist gerade zur Zeit des synodalen Prozesses geboten, wenn immer wieder eine zölibatär-klerikale Minderheit sich berufen fühlt, gegen einen vermeintliichen Glaubens – u n d Traditionszerfall anachronistisch Blockaden auch gegen jegliche Reformprozesse aufzurichten, die doch wohl einer Mehrheit mit gutem Herzen u n d pragmatisch-denkenden Verstand entsprechen, nehm ich mal an.
    Na, aber gut, dass Wilhelm wenigstens in Bezug auf Missbrauchsaufarbeitung nicht ganz so schlecht wegzukommen scheint. Aber dazu müssten wir mal mit den Opfern reden. Kann ich mir als Zaungastin kein Urteil drüber bilden…

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