Kein Heimspiel

Hintergrundgespräch Caroline Ferstl (Kurier) mit Paul M. Zulehner zum Besuch des Papstes in Ungarn und in der Slowakei anlässlich des Eucharistischen Weltkongresses.

CAROLINE FESTL: Was ist der Sinn der Reise des Papstes nach Ungarn und in die Slowakei, was kann man sich davon erwarten?

ZULEHNER: Ein eucharistischer Kongress ist zunächst eine weltkirchliche Versammlung. Es kann sichtbar werden, worum es im Innersten der Kirche geht: dass sie eine Gemeinschaft wird, die bereit ist, zu den Armen zu gehen, biblisch gesprochen: eine Kirche, die lernt, Füße zu waschen und zu denen zu gehen, die schlecht bei Fuß sind. So kann die Kirche beides sein: mystisch und politisch, fromm und engagiert zugleich. An diesem Herz der Kirche liegt dem Papst sehr, und darum fährt er zum Kongress, um genau in dieser Richtung der ganzen Welt Mut zu machen.

CAROLINE FESTL: Sie haben gemeint „um eine Gemeinschaft zu werden, die bereit ist, auf die Armen zuzugehen“ – ist das die Kirche noch nicht?

ZULEHNER: Das ist eine ständige Herausforderung. Auch Christinnen und Christen leben als Bürgerinnen und Bürger dieser Welt, sie haben Angst vor Migration, vor dem Klimawandel, vor allen möglichen Einschränkungen. Da ist es sehr gut, wenn die Kirche sagt: Leute, wir gehören in der einen Menschheit im Tiefsten alle zusammen und sind daher alle füreinander verantwortlich. Es ist ein ständiger Bekehrungsprozess auch für die Christenheit selber und nicht nur für die Menschen in den Gesellschaften

CAROLINE FESTL: In der Vorbereitung der Reise hat sich gezeigt, dass die Gotteshäuser sich bei den Papstmessen nur halb füllen werden – einerseits wegen Corona, andererseits wird aber auch gesagt, dass die ungarische und die slowakische Kirche immer noch sehr konservativ eingestellt sind und die in vielerlei Hinsicht nicht mit dem revolutionären und liberalen Bild von Franziskus übereinstimmt.

ZULEHNER: Grundsätzlich ist zu sagen, dass die Kirchen in Ost(Mittel)Europa vor einem riesigen Umbau stehen. Sie müssen jetzt, frei von den Repressionen des Kommunismus lernen, als freie Kirche in einem freien Staat zu leben. Leider meinen viele, dass es dazu ein neues Feindbild braucht. Für manche ist der neue Feind dann der liberale Westen, von dem sie sich abgrenzen können, und das scheint ein Grund zu sein, dass sie auf Papst Franziskus weniger setzen als sie zum Beispiel auf Johannes Paul II. gesetzt haben, der einer der Ihren war; Benedikt XVI. spielt hingegen für sie kaum eine Rolle. Es ist also die große Spannung zwischen Johannes Paul II., der ja auch innerkirchlich sehr retardierend war und der wahrscheinlich den Kirchen in Osteuropa besser gefallen hat als Franziskus, der möchte, dass die Kirche sich von Gott her in die heutige Welthinein bewegt und sich darum bemüht, dass es eine Welt wird, in der es gerechter zugeht, in der auch das Klima besser geachtet wird für das Welthaus, in dem wir leben können.

CAROLINE FESTL: Aber ist Franziskus im Gegensatz zu diesem eher konservativeren Bild der Kirche in Ost- und Mitteleuropa zu revolutionär und zu liberal, oder ist er das auch im Gegensatz zu den westlichen Kirchen? Wie revolutionär ist Papst Franziskus wirklich?

ZULEHNER: Sie verwenden jetzt zwei wertvolle Wörter nebeneinander, die aber nicht gleichermaßen zu Papst Franziskus passen. Ich würde den Papst weniger als liberal bezeichnen, sondern mehr als radikal, also einen, der aus der Botschaft der Bibel heraus sagt, wir müssen mehr Bewegung in die Welt bringen, so wie sie Jesus ausgelöst hat, Damit das „Reich Gottes“ eine Chance erhält. Reich Gottes meint für Jesus immer Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung: das heißt, dass die Welt ein menschlicheres Gesicht bekommt. Und dafür steht der Papst in seiner Radikalität, das hat er sich zu seinem Programm gemacht. Und natürlich sind dann Leute im konservativen Lager besorgt, dass der Papst sich auch politisch zu stark einmischt. Aber der Papst sieht das als seine Aufgabe und steht dazu, auch wenn er Widerstand erfährt.

CF. Kann man sagen, dass er sich jetzt in Ungarn – dort werden gerade die Rechte der Homosexuellen, die der Papst ausdrücklich als Menschen behandelt wissen möchte, stark beschränkt – nur acht Stunden: Kann man das als politisches Signal deuten, als Kritik an der ungarischen Politik insbesondere in Bezug auf die Menschenrechte?

ZULEHNER: Man muss das ein bisschen weiter sehen. Es gab in Ungarn einen katholischen Bischof, der am Beginn der Flüchtlingsbewegung 2015 den Papst heftig kritisiert hatte und ihm vorwarf, er hätte keine blasse Ahnung davon, was sich hier mit den Flüchtlingen ins Land bewegt, da wären Kriminelle darunter: Der Papst hat also nicht nur die politische Führung in der Migrationsfrage gegen sich, sondern auch einen Teil der ungarischen Kirchenmänner. Der Konflikt musste dann von Kardinal Erdö künstlich kalmiert werden. Denn es wurde schon richtig interpretiert, dass die kurze Zeit, die sich der Papst in Ungarn aufhält, im Vergleich zur weit längeren Zeit in der Slowakei sehr wohl eine symbolische Botschaft ist. Es werden sich zwar Orban und Franziskus jetzt treffen, aber das wird eher ein diplomatisches Treffen sein und weniger ein Treffen der Übereinstimmung der Herzen und der politischen Ansichten.

CAROLINE FESTL: Noch einmal zurück zum revolutionären Papst. Er kann jetzt schon sieben Jahre Amtszeit aufweisen. Was war in dieser Zeit revolutionär?

ZULEHNER: Also ein Erstes – er hat mit Sicherheit die Pastoralkultur der Kirche verändert. Er führt die Menschen nicht mehr in einen Gerichtssaal, wo die Leute gerichtet und verurteilt werden, sondern er sagt, die Kirche ist wie ein Feldlazarett. Es geht ihm also nicht um das Moralisieren, sondern um das Heilen. Es geht ihm daher auch um die Armen und nicht um die Schlafzimmer. Die Themen der Sexualität sind für ihn weit weniger wichtig als Armut und Unterdrückung. Er betont, dass die Kirche darüber schon lange geredet hat und die Leute wüssten, was die Kirche in diesen Fragen denkt. Er legt seine Finger in die Wunden der Natur und in die Wunden der Gesellschaften, vor allem der Armen. Und das ist ein echter Durchbruch des Evangeliums. In einem biblischen Bild: Der junge Wein des Evangeliums ist dem Papst wichtiger als die Schläuche, in denen der Wein kirchlich aufgehoben ist. Er beschäftigt sich weniger mit den Strukturen, sondern steht mehr für Visionen und Botschaften. Und Das Zweite wäre jetzt: Die Konservativen sind besorgt und ungehalten, dass er vielleicht was ändert; und die Reformer sind ungeduldig und ungehalten, dass er strukturell bisher zu wenig geändert hat. Und so erlebt der Papst von beiden Seiten her Widerstand. Der eigentliche Grund liegt darin, dass es ihm letztlich um Veränderungen geht, bei denen möglichst alle mitziehen. Nelson Mandela betonte dazu einmal: „Echte Veränderungen vollziehen sich langsam!“ Papst Franziskus setzt auf solche nachhaltige und damit länger währende Prozesse. Und genau ein solcher ist das Megaprojekt der Synodalisierung der Kirche durch einen Synodalen Weg der ganzen Weltkirche. Und in diesem Prozess wird es auch kirchenrechtliche Auswirkungen geben, wie das soeben veröffentlichte Vorbereitungsdokument für die erste Phase dieses Weges in den Ortskirchen vorsieht. Es wird beim synodalen Weg also nicht nur um schöne Worte gehen: also hört einander zu, macht Dialog, ihr könnt über alles reden, sondern es muss auch tacheles geben, klare Reformvorschläge, die auch in die Strukturen der Kirche eingehen und den ererbten Klerikalismus, also den Missbrauch der geistlichen Mach im autoritär-monarchistischem Sinn abbauen. Der Klerikalismus ist eine der größten Gefahren für die Kirche, also der Missbrauch der heiligen Macht gegenüber Schwächeren: Kindern wie Frauen.

CAROLINE FESTL: Aber wie viel kann denn ein Papst wirklich ändern?

ZULEHNER: Wenn der Papst einmal den Prozess der Synodalisierung der katholischen Weltkirche in Gang setzt, ist dieser nicht mehr umkehrbar. Wenn er ihn im Stil des herkömmlichen Stils päpstlicher Amtsausübung nur dekretiert, was die Konservativen befürchten und die Progressiven fordern, könnte der nächste Papst es ins Gegenteil kehren. Genau das will der Papst nicht. Er will die Amtskultur des Papstes und der Bischöfe derart tiefgreifend verändern, dass sich die Kirche in einem Prozess tatsächlich nachhaltig entwickelt. Das Dekret ist im Grund noch keine Veränderung. Das Revolutionäre am Papst Franziskus ist also, dass er wirkliche Veränderung will und nicht nur dekretiert.

CAROLINE FESTL: Wie will er das umsetzen?

ZULEHNER: Er hat schon viele Regionen ermutigt, Synodale Wege zu gehen, sich zusammenzusetzen und zu fragen: Was braucht z.B. unsere Region Amazoniens – und das weitet sich jetzt aus zu einem Synodalen Weg ganz Lateinamerikas. Daher sagen auch meine Freunde in Lateinamerika: Die Amazoniensynode ist nicht gescheitert, wie manche meinen, sondern hat einen Prozess in Gang gesetzt, der uns weiterbringen wird. Es ist also die entscheidende Kunst des Papstes – und das bescheinigen ihm führende profane Organisationsentwickler – einen Prozess in Gang zu setzen, der auf dem Weg der Veränderung möglichst viele mitnimmt. Auf diesem Weg kann der Papst die Kirche nachhaltig verändern. Und so bereitet sich die Kirche gut darauf vor, die großen Herausforderungen der Welt von heute glaubwürdig mitzugestalten: die Frage des Klimawandels, der Migration, der alten und neuen Sozialen Frage, der Armut und der Unterdrückung.

CAROLINE FESTL: Und Ihrer Meinung nach hat der Papst diesen Prozess in Gang gesetzt?

ZULEHNER: Das ist der Fall. Ein gutes Beispiel ist der Synodale Weg der Katholischen Aktion Österreichs, der größten Laienbewegung der katholischen Kirche im Land. Dieser Weg geht jetzt in die zweite Phase, nachdem in einer ersten Phase eine Menge anstehender Themen eruiert worden sind. Diese liegen im Bereich der Kirche in der Welt von heute: das Klima, die Neue Soziale Frage, die Geschlechtergerechtigkeit unter anderen. Aber es finden sich auch Themen aus dem Bereich einer angemessenen Kirchengestalt wie gleiche Mitsprache aller, die Rolle der Frauen in allen Bereichen kirchlichen Lebens, die Wahl von Leitungskräften, sogar über ein Kirchenparlament wird nachgedacht. Der vom Papst ausgerufene Synodale Weg hat also viele Reformimpulse in der großen Laienorganisation wachgerufen. Und wenn das jetzt in der ganzen Weltkirche in allen Diözesen in Bewegung kommt, dann kommt die Kirche als Ganze in Bewegung. Und genau das möchte der Papst erreichen mit dem ausgerufenen Synodalen Weg. Und dafür wird er in die Geschichte eingehen. Man kann an einem Beispiel lernen: Das Konzil hat sehr viele Dekrete erlassen, hat natürlich auch Einiges verändert. Aber es war dann auch wieder möglich, dass Johannes Paul II. oder Benedikt XVI. viele dieser Reformen wieder zurückfahren konnten. Das Kirchenrecht von 1983 ist weitaus restriktiver als das Zweite Vatikanische Konzil es war. Jetzt kommt die Umkehrung: Das Konzil muss wieder das Kirchenrecht prägen und deshalb auch weiterentwickeln. Es ist also eine echte epochale Reformchance, die sich für die katholische Kirche mit diesem Synodalen Weg auftut. Und diese Chance wird vom Papst mutig wahrgenommen. Es ist zu hoffen, dass sich viele mit ihm auf den Weg machen. Meine Online-Umfrage zur Synodalität macht hierbei Mut, denn unter den 20000 Beteiligten aus aller Welt gab es eine starke Zustimmung und eine Stimmung der Hoffnung und Zuversicht: was angesichts der verbreiteten Kirchendepression allein schon viel Wert ist.

CAROLINE FESTL: Wird der Papst seine Gegner umstimmen können?

ZULEHNER: Es stimmt, es gibt Kräfte, die nicht wollen, dass der Synodale Weg gelingt. In Deutschland ist die Bischofskonferenz gespalten. Aber letztlich unterstützt der Papst alle synodalen Prozesse in den Teilkirchen, auch in Deutschland. Er fordert solche Wege geradezu, hat allerdings auch hohe spirituelle Ansprüche an sie und möchte nicht nur einen Kampf der Interessen. Beruhigend ist, dass Organisationswissenschaftler behaupten: Wenn ein Viertel der Organisation sich bewegt, bewegt sich die ganze Organisation. Der Papst muss gar nicht alle gewinnen. Aber er will mit allen reden. Und auch die Konservativen spielen im Prozess eine wertvolle Rolle. Sie sind gleichsam die Anwälte der Tradition, die Progressiven eher die Anwälte der Situation. Es ist wie bei einem Fußballspiel: Es reicht nicht allein ein guter Flügelstürmer, es braucht auch gute Verteidiger. Beide zusammen bilden eine gute Kirchenmannschaft auf dem Platz der Welt.

CAROLINE FESTL: Der Papst, der Franziskus nachfolgen wird, wird auch so revolutionär sein wie er?

ZULEHNER: Es gibt in der Synodenumfrage bemerkenswerte Vorschläge, den Papst anders zu wählen. Die Ortskirchen und Kontinente wählen Delegierte, diese reisen nach Rom, und aus ihrem Kreis (oder auch darüber hinaus) wird der nächste Papst gewählt. Nicht nur die Kardinäle sollen (wie im Mittelalter) wählen, sondern Vertreter des gesamten Weltkirchen-Gottesvolks. Das wird wohl bei der Wahl des Nachfolgers von Papst Franziskus nicht geschehen. Es wird das Kardinalskollegium wählen. Aber der Papst hat einen beträchtlichen Teil des Kollegiums ernannt, die verstanden haben, dass es dem Papst um die Überwindung einer autoritären Kirchengestalt geht, die sich  an die Ränder der Weltgesellschaft bewegt. Das macht Hoffnung, dass einer gewählt wird, der wie Franziskus „nach der Herde riecht“.

CAROLINE FESTL: Noch einmal zur Reise nach Ungarn – inwieweit soll und kann der Papst Kritik üben zum Beispiel an der Diskriminierung von Homosexuellen?

ZULEHNER: Ich bin sicher, dass er das auf indirektem Weg machen wird. Er wird von der Eucharistie reden. Hier sitzen alle mit gleicher Würde am gleichen Tisch, was die Unterschiede zwischen Reichen und Sklaven, Juden und Griechen, Männern und Frauen aufhebt. Und dann wird er daran erinnern, dass in der Eucharistie die Versammelten nicht nur ihre gleiche Würde und Verbundenheit erleben, sondern dass sie gewandelt werden in Fußwascher. Sie gehen gleichsam mit einer Schürze hinaus und gehen zu denen, die es nicht leicht haben im Leben. Also beispielsweise jene, die vor Krieg, hoffnungsloser Armut oder Umweltkatastrophen fliehen, um zu überleben. Die Theologie des Papstes ist also immer sehr politisch, wie man an den Ansprachen zu Weihnachten und zu Ostern sehen kann. Und das wird auch in der Ansprache zum Eucharistischen Kongress der Fall sein. Seine Logik: Wenn ich das Evangelium verstanden habe, ist es klar, dass die Sorge um die Migranten dazugehört. Und wer ihm gut zuhört und ihm auch zuhören will, auch ein Christ namens Viktor Orban, muss sich damit in Freiheit auseinandersetzen.

CAROLINE FESTL: Aber wie viel Wert legt etwa ein Viktor Orban auf die Meinung des Papstes?

ZULEHNER: Die internationale Reputation ist keinem Politiker unwichtig. Er hat ja auch alles getan, um mit dem Papst zusammenzutreffen. Machthaber umgeben sich gern mit Religionsführern. Das macht Putin mit dem Patriarchen, das machte Trump mit den Evangelikalen. Auch die polnischen Regierungschefs haben gern die Bischofskonferenz auf ihrer Seite. Dabei wird aber nicht tiefer hineingegraben, ob nicht das, was das Evangelium erzählt, ihnen zu schaffen machen müsste. Viele lesen es zwar, aber halbiert: das was ihr politisches Tun rechtfertigt. Das halbierte Evangelium rechtfertigt ihre Macht, die kritischen Anteile lassen sie hingegen nicht an sich heran.

CAROLINE FESTL: Ein besonderer Programmpunkt auf der Reise ist die Ostslowakei bei der Roma-Minderheit.

ZULEHNER: Das ist ein wichtiger Besuch. Zunächst trifft er die griechisch-katholische Gemeinschaft. Dort trifft er jenen Pfarrer, der mit den Romas lebt, sich um Bildung und Nahrung kümmert. Es ist dort die Kirche genau an jenem Platz, wo der Papst sie gerne sieht: bei den Menschen am Rand. Es ist wie ein theologisches Heimspiel des Papstes. Es ist wie ein konkretes Anwendungsbeispiel des Eucharistischen Kongresses. Dem Papst wird das zu Herzen gehen. Er wird sich mit den Roma-Kindern treffen und mit ihnen sprechen, spielen und Zeit verbringen.

CAROLINE FESTL: Nur eine PR-show oder will der Papst die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit dorthin lenken?

ZULEHNER: Ich würde PR-Arbeit nicht negativ bewerten. Vielmehr demonstriert ja der Papst unübersehbar, wofür die Kirche steht: an der Seite der Schwächeren an den Rändern der Gesellschaft. Dort gehört die Kirche in erster Linie hin und anders sollten wir nicht Eucharistie feiern. In der frühen Kirche war die Eucharistie deshalb für die Leute so attraktiv, weil die ärmlich gekleideten Sklaven gleichwertig am Tisch der reichen Römer oder Griechen mit ihrer Toga saßen. Das war nicht nur ein frommes, sondern immer zugleich auch ein sozialrevolutionäres Event. All das zeigt der Papst, indem er in die Roma-Siedlung geht und sich nicht nur mit „den Orbans“ trifft.

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5 Antworten zu Kein Heimspiel

  1. Johanna Spoeth schreibt:

    Lieber Professor, danke für die ausführlichen und topaktuellen Infos – „früher Vogel …..
    Liebe Grüße aus dem Zillertal! Johanna

  2. Ulrike Brustmann-Sieber schreibt:

    Sehr spannendes Interview über die Reise des Papstes zum Eucharistischen Weltkongress:
    Eine Kirche, die lernt Füße zu waschen (Das war immer der Auftrag gewesen und wurde über die Jahrhunderte hindurch immer wieder gelebt, mindestens von Einzelnen )………Nur: Das Füsse waschen wird kaum zu schaffen sein, ohne den Anker fest im Himmel (für Katholiken z.B. in der Eucharistie – passend zum Eucharistischen Kongress) udgl zu setzen:
    Ich würde mir weiters wünschen, dass sich „Liberale“ und „Konservative“ in gegenseitigen Respekt auf EINEN Tisch zusammensetzen und gemeinsam schauen: Was ist der Auftrag und was ist man der Welt schuldig, worum geht’s wirklich (und weniger Nebenschauplätze, weniger Strukturdebatten..). Was ist die Not der Zeit und wie kann man darauf antworten……….? Ist für mich persönlich viel spannender, als die Frage in welcher Struktur man das umsetzt.
    Oder die Frage, wie kann man das Evangelium der Welt so anbieten, ohne die Bibel vorher mit „Fewa Wolle“ zu waschen , aber auch ohne die Welt mit der Bibel zu erschlagen……….
    PS: Und nur so eine Frage am Rande: Mitsprache ist ebenfalls wichtig. Nur könnte es sein, dass wir generell ein wenig verlernt haben, bei all den Fragen und Problemen, Jesus mehr Mitsprache einzuräumen…? – Im eigenen Leben, im Alltag, in der Kirche und Welt ?????????? (ich nehme mich von dieser Frage nicht aus)………………….

    • Renate Rupprecht schreibt:

      Ja, Mitspracherecht 😉 für Jesus! Persönlich, in Familie, Arbeit, Politik und sogar in der Kirche! Danke für den erfrischenden Gedanken.

      • Ulrike Brustmann-Sieber schreibt:

        Liebe Frau Rupprecht ! Vielleicht habe ich mich nicht so geschickt ausgedrückt: Aber es ist doch wahr: Fragen wir uns oft genug, was denn eigentlich der Herr will ??????? Oder kochen wir all zu oft unser eigenes Süppchen, wollen uns dabei ja nicht dreinreden lassen und fragen den Herrn erst dann, wenn die Suppe bereits versalzen ist ? Naja, so sind wir Menschen doch all zu oft…… Oder ? 🙂

  3. Brand, Hildegard schreibt:

    Ein Interview mit hervorragenden Ausführungen (eben Paul M. Zulehner- gemäß) über den eigentlichen Auftrag Jesu an uns Menschen: die Welt e n d l i c h m e n s c h l i c h e r machen – eben auch als „Vision“ von Papst Franziskus, der auch nur ein Mensch ist…
    Dabei Füße waschen: ( u.a. in der Römerzeit eine nur den Sklavinnen und Sklaven „vorbehaltene“
    Tätigkeit) …

    „Bekehrungsprozesse“ :

    – nicht im Sinne von altem, verheerend-wirkendem Kolonial-Stil,
    Andersgläubige, Nicht – oder Vage-Gläubige zum „rechten Glauben“ bekehren zu wollen,
    – sondern im Sinne einer Bewegung zur Um-kehr der gesamten Menschheit in unserem „Welthaus“, das in dieser Zeit (wörtlich) gerettet werden muss; wir alle wissen darum.
    Kinder „pfeifen es von den Dächern“ , will heißen: rufen es demonstrartiv über die Straßen hinweg….
    Ein „Welthaus“ mit ca. 70 Millionen Flüchtenden darinnen und immer noch, immer wieder an die 800 Millionen Hungernden weltweit . Und wir alle wissen um die Gefahr des Zerberstens eines „gesunden“ klimatischen Schutzschildes um unsere Erde herum..
    Es bleibt nicht aus, dass ein Veränderungs – Umkehr- prozess kontrast-, konflikt- spannungsreich , schmerzlich für uns alle ist und bleiben wird:

    Da sehen wir
    – auf der einen Seite hunderte Kilometer Grenzbarrikaden mit unüberwindbarem, sehr verletzendem NATO – stacheldraht ( Ungarn z.B: ) gegen Flüchtlinge,
    – auf der anderen Seite die vergangene Franziskus-Aktion, Flüchtlinge kurzerhand auf dem Rückflug von der Insel Lesbos mitzunehmen.

    – Auf der einen Seite “ sehen“ ( oder ignorieren ) wir das Waten von Sinti- und Roma- Kindern im Schlamm eines Ghetto-Slum-Gebietes in einem Europäischen Land ( Europa schaut weg? )
    – auf der anderen Seite den Gang von Franzikus eben dorthin…( So ähnlch stelle ich mir den Gang Jesu an die Ränder einer Stadt vor, vor deren Toren die Aussätzigen, Witwen, Armen u.a.
    “ hausten“ …)
    Meine Befürchtung : Lassen sich „hartgesottene“ Politiker und mit diesen „paktierende“ Kirchen-Hierarchen in manchen Ländern davon beeindrucken …?

    Dann gibt es da noch das innerkirchliche Spannnungsverhältnis zwischen dem “ neuen Wein “
    und den „alten Schläuchen“ und damit – das schon seit über 50 Jahren, seit dem II. Vatikanum schwelende, eigentlich für das Überleben der kath. Kirche zu lösende und damit relevante Problem der „Langsamkeit“ …
    In meiner großen Unkenntnis in Bezug auf Weinkultur kann ich nur metaphorisch reden :
    Können nicht Schläuche altersbedingt einmal so porös und brüchig werden, dass sie auch den neuesten Wein nicht mehr halten können und deshalb dringend und schnell ausgewechselt werden müssen !?
    Klartext: Ohne schnellere Struktur-Reform/ – Revolution verrinnt die wunderbarste „Vision“ im Rinnstein…
    ( ( betrifft z. B. Frauendiakonie, Frauenpriestertum, Gleichwertigkeit von Nicht-Hetero-Ehen ( vgl. vatikanische Verweigerung von deren Segnung ) , ökumenische Eucharistie-Feiern usw.,usf.) ).
    Mit anderen Worten: Vielleicht reicht´s endlich mal mit der „Langsamkeit“ ….
    Strukturreformen und inhaltliche „Um-Kehrungen“ dürfen/ können sich doch nicht gegenseitig ausschließen, sind vielmehr aufeinander angewiesen…. In den synodalen Vorschlägen – bis hin zur Veränderung der Papstwahl ( toller Vorschlag ) – wird das ja auch deutlich. …

    Es sei denn, wir glauben :
    Zum „Füße zu waschen“ brauchen wir weder Anweisungen von oben ( ob z.B. nur Männer dazu berufen sind) , noch irgendwelche kirchen-institutionellen, vatikanischen Groß-Gebäude. Wir sind ja eh heutzutage in den Zivilgesellschaften größtenteils vernetzt, Frauen mit Männern u.a., Kinder mit Erwachsenen usw.
    Und jede, jeder kann in einem Evangelium ( z.B. Markus ) nachlesen ( und in ihrem/ seinem Bereich danach handeln) , was Jesus überwiegend getan hat :
    unmittelbar nach der Verkündigung des „nahenden Reiches Gottes“ :
    – Kranke geheilt … so sieht das „Reich Gottes“ aus – sonst nix …

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