USA: Forschende finden Hirnregion für Spiritualität

Vatican News, 12-8-2021
Der weitaus größte Teil der Menschheit empfindet sich als religiös oder spirituell. Die Frage, ob es für diese Gefühle eine biologische Basis im menschlichen Körper gibt – ein Gottes-Gen vielleicht -, beschäftigt Wissenschaft und Religionen schon lange. Jetzt könnte es eine Antwort darauf geben.

US-amerikanische Forschende glauben, den Sinn für Religion und Spiritualität zumindest teilweise in einer bestimmten Hirnregion verorten zu können. Das berichtet das „Deutsche Ärzteblatt“ mit Blick auf eine in diesem Sommer im Fachmagazin „Biological Psychiatry“ veröffentlichte Studie. Wurde dieses Areal bei Gehirnoperationen verletzt, so verringerte oder verstärkte dies je nach betroffenem Bereich die religiösen Gefühle der Patienten.

Der Sinn für Religion und Spiritualität dürfte damit nach vorläufigen Erkenntnissen der Forschenden schon sehr früh in der Entwicklung des Menschen entstanden sein. Gemeint ist das „periaquäduktale Grau“, das auch als „zentrales Höhlengrau“ bezeichnet wird: Es handelt sich um eine im Inneren des oberen Hirnstamms liegende Nervenzellgruppe, die unter anderem an der Schmerzhemmung, an Angst- und Fluchtreaktionen, aber auch an positiven Emotionen wie altruistischem Verhalten und bedingungsloser Liebe beteiligt ist.

„Wir waren erstaunt, dass dieser Gehirnschaltkreis für Spiritualität in einer der evolutionär am besten erhaltenen Strukturen des Gehirns zentriert ist“

„Wir waren erstaunt, dass dieser Gehirnschaltkreis für Spiritualität in einer der evolutionär am besten erhaltenen Strukturen des Gehirns zentriert ist“, zitiert das Ärzteblatt den Leiter des Forschungsprojekts, Michael Adam Ferguson. Der Bostoner Neurowissenschaftler ist selbst sehr religiös aufgewachsen und beschäftigt sich vorrangig mit „Neurospiritualität“, einer Disziplin, die Erkenntnisse aus Hirnforschung und Spiritualitätsforschung verknüpft.

Veränderungen nach Hirnoperationen

Ferguson und sein Team führten bei 88 Patienten, denen wegen eines Hirntumors unterschiedliche Teile des Gehirns entfernt werden mussten, eine Vorher-Nachher-Befragung zu ihrer Religiosität und spirituellen Gefühlen und Vorstellungen durch. Dabei zeigte sich, dass die meisten Hirnoperationen keine signifikanten Veränderungen in der Religiosität nach sich zogen. Anders verhielt es sich bei Eingriffen in einen bestimmten Teil des Stammhirns.

Wurde dabei das Periaquäduktale Grau verletzt, so änderte sich das spirituelle Empfinden der Patienten teilweise radikal. Bei manchen verstärkten sich die religiösen Gefühle nach der Operation, bei anderen wurden sie schwächer. Bestätigt wurden die Ergebnisse auch durch die Befragung von 105 Veteranen des Vietnamkriegs, die am zentralen Höhlengrau operiert wurden. Sie hatten ähnliche Erfahrungen gemacht.

„Es ist uns aber wichtig zu betonen, dass unsere Ergebnisse nicht bedeuten, dass alle religiösen Personen der Geschichte an einem Hirnschaden litten“

„Es ist uns aber wichtig zu betonen, dass unsere Ergebnisse nicht bedeuten, dass alle religiösen Personen der Geschichte an einem Hirnschaden litten“, zitiert das Wissensmagazin „Scinexx“ Studienleiter Ferguson. „Stattdessen unterstreichen unsere Resultate, dass die Spiritualität des Menschen tiefe Wurzeln hat und eng mit grundlegenden Funktionen verknüpft ist.“

Auch Gebet verändert Hirnaktivität

Die Hirnforschung versucht schon seit einigen Jahrzehnten, der Religiosität auch mit Hilfe bildgebender Verfahren wie Hirnscanner oder Magnetresonanz-Tomographie auf die Spur zu kommen. Vermutet wird, dass nicht eine zentrale Region dafür verantwortlich ist, sondern viele Hirnareale beteiligt sind. So zeigen Studien mit meditierenden und betenden Menschen, dass diese spirituelle Praxis messbare Veränderungen in der Hirnaktivität hervorruft. Meditation kann bei regelmäßiger Ausübung sogar bleibende Spuren im Gehirn hinterlassen: Sie verstärkt Verknüpfungen von Hirnarealen, die für Wahrnehmung und Selbstkontrolle zuständig sind und hemmt das Angstzentrum.

Dass alle Menschen diese Hirnareale haben, bedeutet aber eben nicht, dass auch alle Menschen religiös sein müssten. Ferguson vergleicht das mit Musikalität: „Manche Menschen werden durch Musik kaum angesprochen, andere hingegen sind hochmusikalisch. Und so ist das auch bei Spiritualität: Manche Menschen berührt sie einfach nicht.“

Kommentar dazu von H.F. Karner:

in der Intelligenzforschung wurden bisher 8  der 9(?) Intelligenzen (laut Howard Gardner, dem „Erfinder“) mit Messungen in verschiedenen Gehirnregionen festgestellt.

Die Neunte, bei der man noch nicht die Gehirnregion erforschen konnte, war:

“Supernatural” Intelligence?

8 ½  Existential Intelligence

  • Who are we?
  • What is going to happen to us?
  • Why do we die?

What is it all about, in the end?

Nun ist offensichtlich der grosse Durchbruch gelungen, und für die 8 ½. (=9.) Intelligenz  der Nachweis in der Gehirnregion gelungen.

Wie die Neurowissenschaft daher zu „Neurointelligenz“ und vor allem NEUROMARKETING(z.B. in dem Buch „Buyology“ dokumentiert, Kurzzusammenfassung anliegend) geführt hat, mit dem man unglaubliche Erkenntnisse (=man lege die Testpersonen in einen fMRI und messe die Gehirnströme) gefunden hat. Z.B. haben die Aufschriften auf Zigarettenschachteln über „Vom Rauchen bekommt man Lungenkrebs“ etc. genau die gegenteilige Wirkung, weil sie das Areal im Gehirn ansprechen, in dem Appetit auf eine Zigarette gemacht wird. Daher hat die allmächtige Zigarettenindustrie nichts gegen die Aufschriften.

Damit müsste sich nun ein völlig neues Fenster für die Pastoraltheologie auftun, die „Neurotheologie“. Wohl mit bahnbrechenden Möglichkeiten neuer pastoralsoziologischer Studien. „Was bewegt die Leute wirklich???“

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8 Antworten zu USA: Forschende finden Hirnregion für Spiritualität

  1. Richard Demattio schreibt:

    Jetzt wissen wir es: die Seele sitzt im „Höhlengrau“. Na dann wird uns die „Neurotheologie“ bald Medikamente gegen zuviel Spiritualität oder zuwenig Spiritualität bescheren oder entsprechende Marketingstrategien entwickeln, die diese Hirnregionen ansprechen.
    OK. NUN IM ERNST – zwei Punkte dazu
    1.) Mittlerweile ist man auf eine Eigenschaft des Gehirns draufgekommen, die als „neuronale Plastizität“ bezeichnet wird. Das heißt, das Gehirn ist fähig sich laufend und ein Leben lang selber zu optimieren. Optimum ist aber (ausgenommen in der Mathematik) ein subjektiver Begriff und das, was ich als optimal empfinde muss noch lange nicht das Optimum für jemand anders sein. Es gibt ja genug Belege dafür, dass beispielsweise jemand, dessen Sprachzentrum beschädigt war, wieder sprechen gelernt hat.
    2.) Gerade wenn es um die Psyche – also die Seele – geht, wird ein Ursache-Wirkung-Zusammenhang behauptet, wo vielleicht gar keiner ist, oder es wird die falsche Richtung dargestellt. Man kann behaupten, die Hirnaktivitäten beeinflussen die Seele und dann versuchen, durch Medikamente über den Umweg der Hirnaktivitäten die Seele zu beeinflussen. Oder man behauptet – wie ich – dass die Aktivitäten der Seele in den Hirnströmen sichtbar gemacht werden können und Medikamente die körperlichen Auswirkungen dieser Aktivitäten bestenfalls dämpfen oder unterstützen können.

    • hkarner schreibt:

      Ich glaube, es wird nicht um Medikamente gehen, sondern über die Analyse, wie unsere Messages wirken. So bin ich mir gar nicht sicher, dass die Kirche mit den immer geleierten Argumenten, „Wenn wir nur fromm genug sind, dann werden die Mitgliederzahlen wieder steigen!“ nicht das Gegenteil erreicht. Wie bei den Rauchern?

  2. Brand, Hildegard schreibt:

    Ist nun mal ein komplexes Thema, deshalb kann ich mich wieder mal nicht beschränken…Sorry !

    Zunächst einmal erscheinen mir die „Erkenntnisse“ der Neurowissenschaft wie „Binsenweisheiten ( – erkenntnisse) “ . Für uns heutige Menschen ist die Annnahme, dass verschiedene „Nervenzellengruppen“ im Gehirn an menschlichen Reaktionen, z.B. an Schmerzhemmung, Angstreaktionen usw. beteiligt sind, schon fast selbstverständlich.
    So l e u c h t e t es auch selbstverständlich ein, dass „viele Hirnareale“ bei Spiritualität beteiligt sind. Auch deren evolutionäre Verankerung in gewissen Gehirnstrukturen leuchtet ein, erscheint mir aber zugeich als etwas „Wunderbares“ in dem wunderbaren Organ “ Gehirn“ mit seinen ca. 86 Milliarden Zellen.

    Nur: welche Schlussfolgerung ziehe ich daraus für die „Gottesfrage“ , für bestimmte
    I n h a l t e von Spiritualität / Religiosität und für die Beeinflussbarkeit, bewusst oder subtil gesteuerte Manipulationen der Hirnareale hin zu bestimmten Handlungs- und Verhaltensmustern?
    ( vg. Kommentar oben )

    Zu Religion und Gott:
    Ich denke dabei auch an die Religionskritik von Feuerbach im 19.Jh., wonach
    „die Religion…die Spiegelung des menschlichen Wesens in sich selbst “ sei, des „offenbaren Inneren“ des Menschen, seiner Wünsche; Gott sei lediglich die Projektion seiner eigenen potenziellen positiven Eigenschaften – ohne Gottes Realexistenz .
    Gleichwohl wollte F. die „Religion sich selbst aussprechen“, zu Wort kommen lassen, als Aufschluss über das menschliche „Wesen“ .

    Heute naturwissenschaftlich, statt philosophisch ausgedrückt:
    Gott als Produkt reiner Gehirntätigkeit ohne Grundlage der Realexistenz eines Gottes. Mit dem Hirntod würde dann auch das „Objekt“ = „Gott“ sterben, von dem das „Gehirn“ nur ein „Bild gezeichnet“ hat in einem dafür zuständigen Areal.
    Bedeutet: Hirn – tot = Tod Gottes?

    Aber – d a s s das menschliche Gehirn – wahrscheinlich schon früh seit Beginn der Menschheitgeschichte – mit und in diesen „Arealen“ tätig ist, ist für mich ein bewundernswertes Phänomen.

    Andererseits – z.T. auch sozio-kulturell erklärbar ( wenn auch nur in einem Teilaspekt):
    Die Spiritualität ( u.a. der Animismus ) z.B. in der Kultur der Inuit könnte den Zweck / die „Funktion“ gehabt haben, die Natur notwendigerweise zu bewahren, von der sie lebten, leben mussten, deshalb der Glaube an die Beseeltheit der gesamten Natur mit all ihren Lebeswesen und an das Fortwirken der „Geister“, der Seelen der Verstorbenen, die ihre Kräfte zum Wohle und Fortleben der Stammesgemeinschaft und des Einzelnen in ihr walten lassen?

    Könnten wir heute davon lernen ?
    Von diesen Menschen, Vertreterinnen uralter Kulturen mit und in ihrer Spiritualität ? Sie zunächst „zu Wort“ kommen lassen – auch über das „Wesen“ des Menschen ( so eigentlich auch Feuerbach ) ?
    Lernen von ihrer Spiritualität, die jedoch niemals herausgelöst war aus der jeweiligen menschlichen, tätigen Gemeinschaft, ihrer Umwelt und Natur, für die sie sich in Verantwortung sahen. Die Inuit vor langer Zeit brauchten nicht die Sichtbarmachung von Hirnarealen, um sich in Einheit mit ihren Mitmenschen und der Natur zu fühlen… Sie spürten diese Einheit in sich und gaben ihre Einsichten, Weisheiten weiter. Heute verkündet ein bedeutender Vertreter der Inuit die Weisheiten in unserer heute sehr desolaten Um-Welt…

    Nützt es in unseren heutigen Lenprozessen, wenn wir wissen, in welchem Hirnareal sich gerade die seelische Verbundenheit, das Mitleid mit den von uns geschundenen Lebewesen
    abspielt, „abspult“ ?

    Und — die Sprache, die Worte, wie „Seele“ , „Liebe“ sind dann eher Chiffren, die wir brauchen, um etwas nicht Messbares zu beschreiben, was aber gleichwohl der Lebenserhaltung dient – und zwar immer in einer Gemeinschaft. Dabei möchte ich nicht auf das schöne Wort „Seele“ verzichten …
    ( natürlich gibt es da die unterschiedlichen Vokabeln in der verschiedenen Sprachen) .

    Wozu soll die Neurowissenschaft dienen?
    Hilft sie, wenn zwei Menschen sich spontan ineinnander verlieben? Welch eine Ernüchterung wäre es doch, wenn sie in dem Augennblick plötzlich darüber debattieren würden, in welchem Hirnareal und in welchen Farben sich ihre Gefühle gerade „abzeichnen“ ? Das gleiche gilt auch für den Ausdruck von Mit-Leid, Trauer , Empathie,, Angst usw.

    – Das andere wäre die Gefahr des Missbrauchs von Erkenntnissen der Neurowissenschaft, die sich dann als Herrschaftsinstrument g e g e n Menschen richten könnte ( vgl. Werbung oder gezielter negativer Einfluss auf das Gehirn durch schädliche Medikamentengabe).
    In der Beziehung gilt größtmögliche Achtsamkeit.
    Genau so, wie diese immer auch angebracht ist, wenn Gott, Religion, Spiritualität zur Herrschaft
    ü b e r Menschen missbraucht werden, indem ihnen die Freiheit des Willens genommen wird.

    Dazu auch die Religionskritik von K. Marx : wenn Religion / Spiritualität lediglich über das Elend hinwegtrösten, statt es aktiv aufzuheben.

  3. Renate Rupprecht schreibt:

    Als ich den Artikel zum ersten Mal gelesen habe, habe ich mich gefragt: warum? wozu? Ich mag den Ton „jetzt-aber-wissen-wir“ so überhaupt nicht. Es ist eine Binsenweisheit, dass seelische Vorgänge irgendwie somatisch ihren Niederschlag finden. Wenn ich das Credo ernst nehme und an die Auferstehung der Toten glaube, wenn ich gewissermaßen „mit Leib und Seele“ an Gott glaube, dann ist es eigentlich keine Überraschung, dass somatisch, physikalisch, meinetwegen auch neurochemisch messbare Daten zu gewinnen sind. Wenn Gott mich erschaffen hat, dann hat er sich nicht auf meine Seele beschränkt, sondern er hat meinen Leib (ist für mich umfassender als der Körper, der im Grab von den Würmern gefressen oder bei vielen vom Feuer verzehrt werden wird) geschaffen, das ist irgendwie Seele und Körper in einem, das bin Ich. Warum, wozu veröffentlicht vaticannews einen derartigen Artikel? Fördert das irgendetwas? den Glauben? das Gebet? die Hingabe an Gott? die Hingabe an den Nächsten? die Liebe? Hat es überhaupt etwas mit Gott zu tun? Ich meine, es ist hoch an der Zeit, das dualistische Denken zu überwinden! In meinen Augen ist der Beitrag ein Rückschritt in das Zeitalter der Fortschrittsgläubigkeit, das der Würde des Menschen als geliebtes Kind Gottes in keiner Weise gerecht wird.

  4. Walter schreibt:

    Sehr spannend zu erfahren, welche Hirnregionen im Erleben von Religiosität und Spiritualität aktiviert werden. Aber meines Erachtens ist die Formulierung, sie hätten dort ihren „Sitz“, doch recht irreführend. Da wir körperliche Wesen sind, unterliegt unser Körper natürlich auch Wechselwirkungen und hat biologisch-physikalische Entsprechungen oder Reaktionsräume entwickelt für das, was aus der Welt, dem „Universum“ oder woher auch immer auf uns einwirkt und uns begegnet.

    Wir dürfen nicht so weit gehen, in diesen Reaktionsräumen auch das zu verorten, was religiöses Erleben hervorruft. Jedenfalls als Christen gehen wir von Gott als personalem Du aus und dieses Gegenüber – so jedenfalls mein Glaube – „sitzt“ nicht im „Periaquäduktale Grau“.

    Die Ergebnisse dieser Forschung finde ich hochspannend, sie sagen aber meiner Einschätzung nach mehr über unsere biologische Verfasstheit und weniger über unsere Spiritualität aus.

    Walter Schwaiger
    tagebucheineschristen.wordpress.com

  5. Brand, Hildegard schreibt:

    Hier noch zwei Aspekte ( weils so spannend ist) :

    1) Im Glauben an eine göttliche Schöpfungsmacht könnten Glaubende ja davon ausgehen, dass im „Schöpfungsplan Gottes“ die Schöpfung ( evolutionär verstanden) eines derartigen Gehirns „funktional“ vorgesehen ist, d a m i t wir mit Hilfe von bestimmten Hirnarealen zur Gotteserkenntnis, „Gottesempfindung“ gelangen.
    Nur – die religiösen I n h a l t e würden dann x-beliebig von Menschen in ihren jeweiligen Gesellschaften unter jeweiligen gesellschaftlichen Lebensbedingungen „geschaffen“, sich in verschiedensten Relgionsgemeinschaften konkret ideen- und bildeich äußern. Damit werden wir aber in großer Freiheit allein gelassen, zu entscheiden, was d i e Wahrheit ist, d i e Wahrheiten sind. ( Gründe dann für sogen. Religionskriege/ Glaubenskonflikte… . Wer hat mit seinem „Gehirn“ das Monopol auf die beste „Gotteserkenntnis“, die sich dann auch noch institutionell durchsetzen darf ? )

    2) Die Tatsache und das Wissen darum, dass bestimmte Hirnareale bei Religiösität und Spiritualität beteiligt sind, könnte vielleicht für den Entwurf einer Gesellschaft aus pädagogischer Sicht relevant sein:
    Wollen wir, dass Religiösität / Spiritualität in einer Gesellschaft eine maßgebende Berechtigung / Funktion haben soll, dann müssten wir durch pädagogische Methoden in der frühkindlichen Bildung/ Erziehung Einfluss nehmen auf eine möglichst gute „Entwicklung“ der religiös-funktionierenden Hirnareale . In diesem Zusammenhang haben ja Rituale in den verschiedensten Relgionsgemeinschaften immer auch und immer noch diese Funktion übernommen ( ob negativ oder positiv zu werten, sei dahin gestellt ) – schon lange vor neurowissenschaftlichen Erkenntnissen. Und ein fest etablierter Religonsunterricht in christlich geprägten Staaten tut bekanntlich das Seine.
    Auch in dieser Beziehung bleiben die Fragen:
    Welcher Religionsgemeinschaft mit welchen Inhalten kommt die Berechtigung zu, sich gesellschafts-politisch zu etablieren, um pädagogisch auf „unsere Gehirne“ Einfluss zu nehmen. Ist die jeweilige „Relgions-Pädagogik“ angelegt auf die Befähigung zur freien Entscheidung für oder gegen bestimmte Inhalte, Lebenswentwürfe? ( Seit etlichen Jahren hat sich z.B. in der BRD dafür der Ethik-Unterricht etablieren dürfen. )

    Will eine Gesellschaft jedoch möglichst ohne ( öffentlich oder intim praktizierte ) Religiösität auskommen, müsste sie staatlich-institutionell dafür sorgen, dass pädagogische Einflussnahme auf das „Religiös-Neuronale“ nicht freigegeben wird. Unter dieser Bedingung bleibt die Frage, ob sich Religiösität/ Spiritualität dennoch neurologisch „entwickeln“ würde.

  6. Ulrike Brustmann-Sieber schreibt:

    Tja da stellt sich die Frage:: 1) Ist die Spiritualität die Melodie und das Gehirn das z.B. Klavier auf dem das Musikstück gespielt wird (Mal besser Mal schlechter – je nach dem, wie gut oder weniger gut das Klavier gestimmt ist.)
    ODER 2) Ist das Gehirn das Klavier das die Melodie erzeugt ? – Ich plädiere für 1)

  7. Brand, Hildegard schreibt:

    … schön, diese Analogie mit dem Klavier und der Melodie…

    Wäre dann für diejenigen Menschen, die an konkrete Offenbarungen glauben, die Suche nach den besten schönsten, gelungendsten Melodien beendet?
    Aber „Glaube“ wäre ja kein Glaube, wenn er nicht auch gleichzeitig I n t e r p r e t a t i o n des jeweils “ Offenbarten“ , der Melodien wäre ( für „Offenbarungsgläubige“ auch in Tradition überliefert, die ja auch Einfluss auf unsere „Gehirne“ nehmen ) .
    Vorgegebene Melodien, die nur technisch perfekt „abgespielt“ werden, könnten leicht leblos wirken , so auch in erstarrten, immer gleichen, uninterpretierbaren Riten, Glaubensinhalten von Religionsgemeinschaften.

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