Synodaler Weg der Katholischen Aktion Österreichs

Das Präsidium der Katholischen Aktion Österreichs hat zusammen mit den Generalsekretärinnen und ihrem Präsidenten Leopold Wimmer die Einladung von Papst Franziskus zu einem Synodalen Weg mit der Überschrift „Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Partizipation und Mission“ freudig aufgenommen. Es wurde am 20.6.21 einstimmig beschlossen, sich als größte Laienorganisation umgehend auf den Weg zu machen. Dem Präsidenten wurde vom Präsidium der Wunsch mitgegeben, möglichst viele zum Mitgehen zu gewinnen: Bischofskonferenz, Geistliche Gemeinschaften, Orden, Fakultäten, Caritas.

Einladung zum Mitgehen! Hier kann dieses Arbeitsdokument heruntergeladen werden.

Kirche werden

Die Kirche ist in ihrem Wesen synodal. Ihr erster Ehrenname war „Anhänger des Wegs“ (Apg 9,2). Schon 1970 hatte Joseph Ratzinger darauf hingewiesen, dass „Kirche“ jene waren, die sich zum Herrenmahl versammelten. Als Papst erinnerte er daran, dass die Kirche aus der Eucharistie ständig neu geboren wird. Der Bonner Neutestamentler Martin Ebner hat nachgewiesen, dass die Attraktivität dieser Mahlversammlung darin bestand, dass Freie wie Sklaven am gleichen Tisch saßen. Das Zweite Vatikanische Konzil betonte, dass unter allen Gläubigen auf Grund der Wiedergeburt in Jesus Christus eine wahrhafte Gleichheit an Würde und Berufung herrscht (auch CIC can 208). Paulus begründet dies so: „Allen ist die Offenbarung des Geistes gegeben, damit sie allen nützt.“ (1 Kor 12,7).

Auf den Geist hören

Kirche ist damit eine in der eucharistischen Versammlung geborene Gemeinschaft, die von Gott eine Sendung in die Welt von heute erhält. Mission steht daher ebenso im Untertitel der päpstlichen Einladung wie Partizipation. Den Inhalt der Sendung prägt das anvertraute Evangelium mit seiner österlichen Grundmelodie. Der Auftrag wird aber konkretisiert durch die Freuden und Hoffnungen, die Trauer und die Ängste der Menschen in der heutigen Welt. Gottes Geist belehrt also die Kirche sowohl durch Schrift und Tradition, aber auch durch die Zeichen der Zeit. Daher muss die Versammlung gemeinsam darauf hören, welchen Auftrag Gottes Geist der Kirche heute zumutet.

Genau darum geht es im synodalen Prozess: Er ist ein Hinhören auf das, „was der Geist den Gemeinden“ heute sagt (Offb 1,9-3,22): jedes Mitglied hört hin, Gruppen und Gemeinschaften hören gemeinsam hin. Bei diesem Hinhören gibt es keine thematischen Eingrenzungen, sondern es zählen allein Geistesgegenwart und Offenheit der Ohren des Herzens. Das Hinhören aller geschieht in geordneter Weise. Das Gehörte wird zusammengetragen.

In diesem spirituellen Prozess formt sich auch die Kirche neu und reformiert sich. Zu erkunden gilt, in welcher Gestalt und mit welchen (rechtlichen) Strukturen die Kirche den „gehörten“ Auftrag in der Welt von heute am besten erfüllen kann. Eine feudal-autokratische Kirchengestalt ohne wirksame Partizipation, soviel steht seit dem Konzil fest, steht diesem Auftrag hinderlich im Weg.

Unterscheidung der Geister

Zeitgenössische Erkenntnistheorie lehrt, dass unser Erkennen stets durch Macht, Interessen und Ängste verschattet sein kann. Dieselbe Einsicht prägte aber schon vor Jürgen Habermas jene spirituelle Tradition, deren Wurzel bis in die Charismenlehre des Europaapostels Paulus zurückreicht. Der so reichlich begabten Gemeinde in Korinth ist auch das Charisma der „Unterscheidung der Geister“ gegeben. Um es populär zu sagen: Niemand von uns ist davor gefeit, den Heiligen Geist mit dem eigenen Vogel zu verwechseln.

Auf einem synodalen Weg wird daher nicht nur auf den Geist gehört, sondern werden die Geister unterschieden. Das ist nicht allein Aufgabe des geistlichen Amtes, das freilich dafür haftet, dass in der Spur des Evangeliums bleibt, was an missionarischen Auftrag und an entsprechender Erneuerung der Kirche „gehört“ wird.

Der synodale Weg der KAÖ

Aus all dem ergibt sich die Komposition des Synodalen Weges, den die Katholische Aktion in ihren eigenen Reihen macht und zu dem sie frei einlädt, wie von selbst. Vier Etappen sind geplant:

1. Allen Mitgliedern der Katholischen Aktion wird ein Arbeitsdokument zugemailt. Dieses enthält eine vorläufige Sammlung von Ideen. Es sind Themen, welche heute die Welt bewegen: die Neue Soziale Frage, die nach der Pandemie auf uns zukommt; die Kluft zwischen den armgehaltenen und den reichen Nationen, die Klimafrage, die Migration, die weltanschauliche Suche der Menschen, die Ausbreitung der Angst. Sodann geht es um die Zubereitung der Kirche für ihre heutige Mission: die fundamentale Gleichheit aller, das Verhältnis von Beraten und Entscheiden, das Lernen von demokratischen Erfahrungen, das Zusammenspiel der Konfessionen und Religionen, die Frage nach einer Institutionalisierung der Synodalität in einer Art „Kirchenparlament“. Alle diese Ideen können abgeändert, gestrichen oder ergänzt werden.

2. Das zurückgeschickte Material wird gesichtet. Sodann werden im Internet die Themen priorisiert.

3. Für die Spitzenthemen werden zusammen mit ExpertInnen (die theologischen Fakultäten sind jetzt schon eingeladen mitzumachen) Vorlagen mit Vorschlägen erstellt.

4. In einer abschließenden Synodalversammlung aller KAÖ-Gliederungen, an der sich weitere Einrichtungen beteiligen können, werden diese Texte beraten und abgestimmt. Die Texte gehen dann an die Bischofskonferenz, an das Römische Synodensekretariat sowie an den Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE). Und an die kirchliche Öffentlichkeit.

(Erstveröffentlichung in: DIE FURCHE vom 7.7.2021)

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2 Antworten zu Synodaler Weg der Katholischen Aktion Österreichs

  1. hkarner schreibt:

    Schaut beeindruckend und sehr professionell aus. Allein das KAÖ Präsidium auf diesen Prozess zu verpflchten ist schon eine Meisterleistung. Die Idee, dass die KAÖ die Führung übernimmt, ist mutig, originell und durchaus richtig. Hoffentlich hat sie das Durchhaltevernögen, und die Teilhabe vieler.

  2. Brand, Hildegard schreibt:

    … Toll ! “ ( … ) Freie wie Sklaven am gleichen Tisch ( … ) . “
    Und – Paulus : “ A l l e n ( …) die Offenbarung des Geistes gegeben, damit sie a l l e n nützt. “
    Bewundernswert die KAÖ mit der so durchdachten, vernünftigen V o r – B i l d – V o r l a g e !
    (- ganz im Sinne auch des Kommentars von hkarner ! )

    Gut , dass diese Initiative ( jetzt wirds National – Absurdes – Theater) ) diesmal „österreichisch“ ist und von einer Laienbewegung…

    Kritisierte doch jüngst Kardinal Walter Kasper von einem Podest im Vatikan aus den
    speziellen “ d e u t s c h e n “ Weg mit seinem „Geburtsfehler“ …
    Einige seiner „Argumente“ sprießen aus der Tinte, welche m.E. nicht die Fähigkeit
    der “ Unterscheidung der Geister“ erkennen lässt .
    Seine Worte:
    “ Ich stelle (…) auch fest, dass andere Völker gereizt reagieren, wenn wir ( Deutschen) den Eindruck erwecken, wir wollten ihnen den Kurs vorgeben nach dem Motto: ´ An deutschem Wesen soll die Welt genesen. ´ Diese Naziparole hatte schlimme Folgen, die man auch im sonst toleranten Italien noch nicht vergessen hat (…) . “ (1)

    Dieser Vergleich und seine „Logik“ lässt doch meinen Geist erschaudern …
    Aber ich vertraue auf das hohe, intellektuelle Niveau des Kardinals , dass er damit n i c h t unterstellt, die in Deutschland um die Entwicklung des Synodalen Weges Bemühten würden anderen „Völkern“ mit totalitärer Methode mit „schlimmen Folgen“ ihren Weg aufzwingen wollen.
    Eine derartige Methode würde ja die „Logik des synodalen Weges“ ins „Absurde“ führen.
    Und die Bemühten würden mit einer solchen Unterstellung auf schwerste Weise diskreditiert …

    Sicher will er lediglich die geschichtsbedingte Furcht anderer „Völker“ wiedergeben…
    ( korrekte Belege für d i e s e „Stimmen“ fehlen jedoch ) .

    Lehre daraus: zehnmal vorher überlegen, in welchen Zusammenhängen derartige Vergleiche berechtigt sind. Bei Nicht – Auffindung von sehr guten Gründen dafür: unbedingt schweigen!
    In völlig anderen Zuammenhängen gibt es ja gute Gründe…

    Und- was soll dieses „Totschlag- Argument“ ? Es kann in keinster Weiise zielführend sein. …

    Ist ja schön, wenn er auch sieht, dass der Synodale Weg auch zur „Erneuerung “ der Kirche beitragen kann, so dass sie “ als ewig junge Kirche einladend wird. ( … ) . “

    Aber es klingt für mich auch abwertend und zeugt nicht gerade von der Fähigkeit des Hinhörens, wenn er einzelne Menschen n u r mit „schrillen Stimmen“ wahrnimmt und von „einzelne(n) , öffentlich laute(n ) Gruppen“ spricht. ( Wer sind diese? )
    Er wünscht sich das „Gebet vieler treuer Katholiken“, das “ hilft, den Synodalen Weg auf katholische Gleise zu lenken ( … ). “
    Wollen d a s die „Synodalen “ nicht, wenn sie „kat- holos“ als allumfassend ernst nehmen?
    ( vgl. Paulus, oben )
    Und – steckt wieder einmal Angst dahinter, wenn er z.B. zwei Forderungen – nach „Aufhebung des Pflichtzölibats“ und „Priesterweihe von Frauen “ – in der Bischofskonferenz oder in der „Universalen Kirche“ als nicht konsensfähig einschätzt …( mag ja realistisch sein, aber nicht als Argumente geeignet )

    So weit , so lang und breit zu “ nationalen Wegen“ – als ob es um diese ginge…
    Musste auch mal „zur Sprache“ kommen – wie so manche „Argumente“ m. E. doch blockierend wirken können…

    (1) katholische-sonntagszeitung.de, im Blickpunkt/ Diagnose- Geburtsfehler- Interview mit Kardial Kasper, 23. Juni 2021.
    ( in anderen medialen Quellen wurde die These mit der “ Naziparole“ ff. nicht mit abgedruckt )

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