Ein großer Verlust.

Zum Tod von Hans Küng.

Zweifelsfrei war Hans Küng einer der großen deutschsprachigen Theologen der katholischen Weltkirche. Daran ändert nichts, dass ihm die Lehrerlaubnis entzogen wurde, als er die Unfehlbarkeit des Papstes in Frage gestellt hatte: ein Thema, zu dem gerade heute wieder in der Ökumene engagiert geforscht wird.

Will man Hans Küng einordnen, passt wohl der Ehrenname „liberaler Theologe“. Anders als bei dem auch erst kürzlich verstorbenen Johann B. Metz aus Münster, dessen theologisches Ringen vorrangig um die Gerechtigkeit kreiste, ging es Hans Küng vorrangig um die Freiheit. Damit setzte er einen klaren Kontrapunkt gegen die vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil starken antimodernistischen Kräfte, die bis heute nicht verstummt sind. Das machte ihn zu einer Gallionsfigur der nachkonziliaren Reformbewegungen wie der Kölner Erklärung, dem KirchenVolksbegehren und Wir sind Kirche. Bei all seiner Kirchenkritik schöpfte er aus dem reichen Schatz der Tradition.

Die Arbeit der letzten Jahrzehnte waren geprägt von seiner Vision des „Weltethos“ und dem Beitrag der Religionen zum Weltfrieden.

Und so kritisch er gegenüber Missständen in der katholischen Kirche war: Wie auch Karl Rahner lehnte er es ab, trotz vielfältiger Widerstände gegen seine freie Rede aus der Gemeinschaft der Kirche auszutreten. Sein Buch „Christsein“ war für Studierende ebenso wie Joseph Ratzingers „Einführung in das Christentum“ selbstverständliche Pflichtlektüre.

Eine kirchliche Mitarbeiterin, die in Tübingen studiert hatte, erzählte mir anlässlich der Nachricht vom Tod von Hans Küng, dass sie mit ihm „eine der schlichtesten und zugleich tiefgründigsten Eucharistiefeiern ihres Lebens“ verbindet.

Seine Liberalität veranlasste ihn gegen Ende seines Lebens, offen über aktive Sterbehilfe nachzudenken. Im Licht der Ewigkeit, die angefangen hat, ihn zu umfangen, wird vielleicht, so der 1 Korintherbrief (3,15) manches nicht standhalten: Aber er wird angemessene Wertschätzung empfangen, die ihm in der langen Zeit seines theologischen Wirkens von manchen Verantwortlichen der Kirche leider verwehrt geblieben ist.

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8 Antworten zu Ein großer Verlust.

  1. mailpro schreibt:

    Vielen Dank für die Würdigung des Lebenswerks von Hans Küng, der für mich schon lange immer wieder ein Ansporn für mehr Bewegung in der Kirche war!

  2. Brand,Hildegard schreibt:

    “ Unglücklich das Land, das Helden n ö t i g hat.“ aus : B. Brecht: Leben des Galilei
    (Galilei zu seinem Schüler Andrea)

    ´Unglücklich die Kirche, die Lehr – v e r b o t e , A u s g r e n z u n g e n nötig hat.´

    Es b l e i b e n große Trauer und Traurigkeit, große Wunden und Verletzungen mit schmerzhaften Folgen – vielleicht auch für mehrere Generationen von Theologie-Studierenden in dieser Zeit seines Lehrens,
    aber auch große Bewunderung, dass er seiner Kirche als Priester und Theologe bis zum
    Schluss seines diesseitigen Lebens so treu geblieben ist. Wieviel muss ihm doch gerade deshalb an der Sendung Jesu Christi gelegen haben! Weshalb er immer wieder die Finger in die klaffenden Wunden der röm.-kath. Kirche gelegt hat, an denen sie immer noch krankt.
    Danke, Paul M. Zulehner, für Ihre Würdigung von Hans Küng !

  3. Erich Deibl, A-3492 Engabrunn, Sebastianweg 13 schreibt:

    Große Traurigkeit in meinem Herzen. Seine vielen Werke waren mir große Stütze und Hilfe in dieser und für diese Kirche zu leben. Danke, verehrter Hans Küng und leben Sie in Gottes Allmacht in Ewigkeit weiter. Bitten Sie bei Gott um seine Hilfe für diese unsere und Seine Kirche.

  4. Dr. Franz Hein Aengenheister schreibt:

    Ein großer Schweizer, also von Freiheit, Subsidiarität, Demokratie und Rechtsstaat bestimmter Mann.

    Seine jesuanische Grundierung hat er eher diskret und mit Understatement vor allem im Hörsaal
    und bei der Zelebration durchklingen lassen.

    Auch als Gelehrter immer ein Publizist, ausgestattet mit ungeheurer Schaffenskraft, Disziplin und Sprachkraft, dessen Selbstbewusstsein und Energie von Klerikalen (wie Wojtyla, Höffner, Balthasar, Ratzinger, leider auch zunehmend von Lehmann) mit Eitelkeit verwechselt wurde.

    Seine hellsichtigstes Personenurteil war die Zeitungs-Seite über das erste Jahr des polnischen Papstes (dem außer Julius Döpfner und Karl Rahner fast alle katholischen Prominenten, auch Kardinal König, auf den Leim gingen; Karl Lehmann hat wenigstens als Emeritus seine Fehleinschätzung des großen Demokraten und Katholiken zugegeben).

    Ohne die Tragödie von Weihnachten 79 hätte Hans Küng vielleicht statt des eher platonischen Auswegs in Weltreligion und Weltethos eine jesuanische Grundlegung von (brüderlicher) Demokratie geleistet und mit Peter Hünermann, Baptist Metz und Karl Rahner
    Wojtylas Kern-Schande (Humanae Vitae) ausgebügelt… Und Trump, Kaszynski und Orban erübrigt!

    Dr. Franz Hein Aengenheister
    D-48565 Burgsteinfurt
    8.4.21

    • L. Schulz schreibt:

      Lieber Herr Professor Zulehner!
      Demütiger Weise verlasse ich hiermit (betont: nur einmalig! – und auf Ihre Empfehlung hin) – meinen Weg der direkten Schreibweise an Sie persönlich – und (wenngleich ich weiß, dass ich hier wohl auf mehr „Gegner“ als auf Freunde stoße, was herbe Kritik nach sich ziehen könnte…) möchte ich es, nachdem ich es bereits vor Zeugen gebracht hatte, nun vor die Gemeinde bringen:
      „Verlassen Sie bitte Ihren Weg des Irrtums, solange es Ihnen noch möglich ist!“
      Ich bete für die Seele von Hans Küng, dass sie im Herzen Jesu und in seinen heiligen Wunden Barmherzigkeit finden möge, wie auch für Ihre eigene Seele.
      Warum ich gerade jetzt schreibe ist, weil mich das „Zeichen“ von Hans Küngs Sterbetag sehr berührt hat:
      Warum, frage ich Sie, stirbt dieser große Theologe gerade am Dienstag der NOVENE ZUR BARMHERZIGKEIT GOTTES (Offenbarung von Jesus an die Hl. Sr. Faustina zur Vorbereitung auf den Barmherzigkeitssonntag):

      FÜNFTER TAG (Dienstag nach Ostern)
      „Bringe Mir heute die Seelen der Häretiker und Abtrünnigen: tauche sie ein in das Meer
      Meiner Barmherzigkeit. Sie waren es, die Meinen Leib und Mein Herz, also die Kirche,
      während Meines bitteren Leidens zerfleischten. Wenn sie aber in den Schoß der Kirche
      zurückkehren, heilen sie Meine Wunden. und Ich empfinde Trost in Meinem Leiden.“
      Beten wir für die im Glauben Irrenden. Barmherziger Jesus, Du bist die Güte selbst und
      versagst keinem das Licht, wenn er es von Dir erbittet. Nimm alle Häretiker und Abtrünnigen und im Glauben Irrenden auf in Dein barmherziges Herz. Durch Dein Licht führe sie in den Schoß der Kirche. Verweise sie nicht aus Deinem Schutz, sondern hilf, dass auch Sie die Freigebigkeit Deiner Barmherzigkeit loben.
      Ewiger Vater, blicke gnädig herab auf die Seelen der Häretiker und Abtrünnigen, welche
      verstockt, in ihren Fehlern verharrend, Deine Gnaden missbraucht haben. Schaue nicht
      auf ihre Bosheit, sondern auf die Liebe und das Leiden Deines Sohnes. Gib, dass sie bald
      zur Herde zurückkommen und zusammen mit uns Deine Barmherzigkeit ewig
      verherrlichen. Amen.
      [Barmherzigkeitsrosenkranz]

      Diesen Barmherzigkeitsrosenkranz möchte ich nun mit dem Herzen voll Liebe für alle Häretiker und Abtrünnigen der katholischen Kirche beten, im Verein und auf die Fürsprache des Hl. Johannes Paul II. und der Hl. Schwester Faustina sowie aller himmlischen Heerscharen, vorallem aber der Hll. Herzen Jesu und Mariens, des Hl. Josef und Ihrer persönlichen Namenspatrone Herr Professor (meinen anfangs angesprochenen Zeugen), des Hl. Paulus und des Hl. Erzengel Michaels:
      Gottes Segen und Schutz für unsere Hl. Kirche und alle Gläubigen, sowie um Bekehrung der Heiden (auch innerhalb der katholischen Kirche…)
      – bemühen wir uns Jesu Wunden zu heilen – welche unaussprechliche Gnaden werden uns in der Ewigkeit erwarten…
      Ihr L. Schulz (womit ich mich auch schon wieder „ausklinke“ und keine weiteren Kommentare beantworten werde – jedoch für alle weiterhin beten werde…)
      Ich lege somit dieses Schreiben und alle Reaktionen in die Heiligen Wunden unseres Herrn Jesu Christi. Amen.

  5. Pingback: Stimmen zum Tod von Hans Küng (1928-2021) – Serdargunes' Blog

  6. hkarner schreibt:

    Ein blendender, scharfzüngiger Theologe. Bei aller Auflehnung, die immer intellektuell redlich war, blieb er doch seiner Kirche treu.Sein Buch zum Vergleich der letzten Päpste kann als kirchengeschichliches Standardwerk genommen werden.
    „Weltethos“ war ein genialer Coup, der Jahrzehnte lang konstruktive Gespräche möglich genacht hat,
    Vielen Dank für seine Schlichtheit. R.I.P.

  7. Brand,Hildegard schreibt:

    An den Mitmenschen L. Schulz,
    könnte es nicht sein, dass Sie die Seelen – Ruhe des Verstorbenen und die Stille der vielen hinterbliebenen Trauernden in Nah und Fern stören, weil Sie mit dem „Barmherzigkeitsrosenkranz“ als ein Sterblicher die Grenzen zu einem unfassbar großen Gott, „der Liebe ist“ (Hans Küng), überschreiten, indem Sie als ein fehlerhafter Mensch in maßloser, sündhafter Selbstüberschätzung darüber befinden,
    welche Menschen zuerst als „Abtrünnige“ abzuurteilen seien, ( weil sie “ … Meinen Leib und mein Herz, also die Kirche, während meines bitteren Leidens zerfleischten … ),
    bevor sie, Ihrer Meinung nach, die Barmherzigkeit Gottes erfahren „dürfen“.
    Kann es vielleicht sein, dass Sie mit dieser Ihrer selbstermächtigten Vor-Verurteilung den Verstorbenen, die Trauernden und den Gott, „der Liebe ist“ ,
    nicht nur verletzen , sondern auch seinen Namen, die Vorstellung von seinem unendlchen Leiden missbrauchen und gerade deshalb selber zu einem Irrenden am Rande von ab-trünnigen Wegen
    geworden sind?
    In wessen Namen auch immer Sie sprechen und Barmherzigkeit herbei-beten…

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