Das konkrete Leid der Kinder in Moria und die „Wohnzimmer Ethik“

Ich sitze in meiner gut geheizten Wohnung. Der Kaffee ist stark, die Orangen-Marmelade aus England schmeckt köstlich. Ein weiches Ei. Und Bachs Weihnachtsoratorium. Es geht mir gut. Nicht nur mir. Nicht viel schlechter wird es Matthias Beck oder Ingeborg Gabriel ergehen. Gut bestallte Beamte an der Universität Wien. Oder auch Rudolf Mitlöhner, einst in DIE FURCHE, jetzt Kurier.

Sind nicht die leiderfahrenen Kinder Morias die wahren Experten?

Ich lese bei meinem bekömmlichen Frühstück die Kathpress vom 30.12. Dort stoße ich auf einen Beitrag über eine Expertengruppe. Experten sind allerdings für mich nicht Menschen am Schreibtisch, sondern „Erfahrene“. Die wahren Experten für Moria sind daher für mich die leidenden Kinder in den unmenschlichen Zeltlagern auf der griechischen Insel Lesbos. Wir können letztlich nur mit ihnen zusammen überlegen und eine Lösung für sie finden.

Wie auch immer: Der „Expertenrunde“ geht es um das Christlich-Soziale und in diesem Zusammenhang über die Flüchtlingspolitik. Sie haben Moria vor Augen. Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung hat seine Glosse „Prantls Blick“ vom 27.12. übertitelt als „Lockdown der Menschlichkeit“. Er schildert mit journalistischem Scharfblick, was los ist in Moria. Er berichtet peinlich konkret: „In den gefängnisartigen Lagern leben die Flüchtlinge im Dreck. In Moria 2 stehen viele Zelte unter Wasser; überall ist es voller Schlamm. Die hygienischen Bedingungen, die Versorgungs- und die Sicherheitslage im Lager Kara Tepe auf der Insel Lesbos sind zum Erbarmen; nachts wurde dort ein dreijähriges Kind vergewaltigt. Im Lager Vathy auf Samos werden die Babys und Kleinkinder von Ratten gebissen; die Tetanusimpfung durch Hilfsorganisationen ist dann das Weihnachtsgeschenk.“ Und fährt politisch fort: „In den Flüchtlingslagern sind Unrecht und Unsicherheit so groß, dass man von einer schandbaren europäischen Frechheit reden muss. Es gibt in der Flüchtlingspolitik einen Lockdown der Menschlichkeit.“

Können nicht alle Probleme lösen

Und dann lese ich in der Kathpress in sich und abstrakt, unabhängig vom konkreten Leid vielleicht sogar richtige und daher umso zynischer Worte des Theologen Beck:  Wir „können nicht alle Probleme lösen“. Christlich heiße „weit zu denken und nicht zu sagen, ach, wir helfen jetzt mal allen“. No na net, lieber Matthias. Aber das Leid der Kinder in Moria ist sehr konkret und kann nicht mit der „Unlösbarkeit aller Weltprobleme“ so kaltschnäuzig abgetan werden. Prinzipienethik kann schön und wahr, und doch zutiefst zynisch sein.

Den Leidenden helfen nur klare Positionen

Mit einem mulmigen Gefühl lese ich weiter, was die Sozialethikerin Ingeborg Gabriel laut Kathpressbericht eingebracht habe. Ich zitiere: „Bei Werthaltungen könne es keine so klaren Positionen geben wie in der Naturwissenschaft, das gelte auch für christliche Positionierungen. So seien in der Flüchtlingsfrage ‚Übelabwägungen‘ erforderlich: Auch wenn ‚einem das Herz weh tut‘, wenn Heimatvertriebene z.B. ertrinken, müssten auch die Folgen einer Aufnahme in Österreich mit bedacht werden.“

Man kann diese Überlegungen noch auf einer lebensfernen „Werteebene“ beim Frühstück in Wien durchgehen lassen. Aber verlangt das Leiden der Kinder Moria christlich nicht genau klare Positionierungen? Dazu gehört natürlich nicht nur das Helfen in Not, sondern auch die politische Bearbeitung der Ursachen der Not, also Kriege, Hoffnungslosigkeit aus Armut und (zum Teil von uns mitverursachten) Naturkatastrophen. Wobei das Fischegeben und Fischenlehren laut Cardijn keine wirklichen Gegensätze sind, einander schon gar nicht ausschließen, sondern geradezu bedingen.

Hat Ingeborg Gabriel auch wirklich Recht mit so viel sozialethischer Rücksichtnahme für höchst fragwürdige Verhältnisse und wie die Politik des Landes in einem heillosen Gemenge von grün-türkis mit einem wetterleuchtenden blau im Hintergrund damit umgeht? Und im Gegensatz zu ihr führende Kreise des Landes nicht? Wägen diese nicht die Übel ab? Ich nenne nur den Bundespräsidenten, den Kardinal, einzelne Bischöfe aller christlichen Kirchen, die Katholische Aktion Österreich (Matthias Beck hätte als ihr Kurzzeit-Geistlicher-Assistent in die gute Schule der realen Praxis verantwortlicher Laien gehen können), Caritas und Diakonie, Hilfswerke, Künstlerinnen und Künstler? Offensichtlich gibt es für Christen, die nicht Fachbeiträge für die Politische Akademie der Regierungspartei verfassen, doch klare Positionen.

Ich gebe Ingeborg Gabriel nur bedingt Recht, dass man nicht gegen Mehrheiten regieren kann. Wer nämlich das herausragende Buch von Ruth Wodak: „Politik mit der Angst“ gelesen hat, weiß, wie man Mehrheitsmeinungen so formen und missbrauchen kann, dass man an die Macht kommt und an ihr bleiben kann. Christlich-sozial wäre, solchen Missbrauch zumal geschürter Angst aufzudecken und abzuwehren, statt nur zu verstehen.

Es fehlt heute nicht an Verantwortung, sondern an Gesinnung

Gerade peinlich ist die gebetsmühlenartige und völlig kontextfreie Erwähnung von Max Webers Alternative von Gesinnungs- und Verantwortungsethik. Weber schrieb in einer Zeit, in der man zu platonisch über die Politik dachte, aber nicht aristotelisch: Wie das geht, zeigt Papst Franziskus in aller Klarheit. Würde Weber heute seine Rede halten, würde er mahnen, dass eine rein pragmatische und machtinteressierte „Verantwortungspolitik“ langfristig inhuman bleibt, wenn sie sich nicht an einer starken Gesinnung orientiert. Machtgewinn und Machterhalt sind noch keine Gesinnung. Wer dann dennoch Max Weber für heute bemüht, muss sich fragen lassen, ob er nicht zur untauglichen Rechtfertigung vorhandener (verfehlter) Politik dient. Geben sich zudem Theologen für solche Legitimationen her, indem sie vom konkreten Leid durch Allerweltsprinzipien ablenken, dann geraten sie in Gefahr, zu „nützlichen Idioten“ (Karl Max) zu verkommen.

Die ausgewanderte Christlichkeit

Es ist der Journalist der Süddeutschen Zeitung, der aus der Analyse nicht abstrakter Ideen, sondern der leidvollen konkreten Realitäten schreibt. Mit der Flüchtlingspolitik Europas geht er hart ins Gericht – anders als die in der Kathpress natürlich nur auszugsweise berichteten abgehobenen Bedenklichkeiten unter der Überschrift „christlich-soziale Signaturen: „Die Verhältnisse in den Flüchtlingslagern sind ein Hohn auf die EU-Grundrechte-Charta und die Europäische Menschenrechtskonvention. Die Flüchtlinge werden dem Dreck, dem Coronavirus, den Ratten und dem offenen Meer überlassen. Die EU-Staaten haben alle Rettungsmaßnahmen im Mittelmeer eingestellt. Die Türkei und Griechenland spielen Wasser-Ping-Pong mit den Flüchtlingsbooten; Frontex, die europäische Grenz- und Küstenwache, schaut dabei zu oder spielt mit. Bundesinnenminister Horst Seehofer schreibt Briefe, um die private Seenotrettung – die unter anderem von der Evangelischen Kirche finanziert wird – zu torpedieren. Corona hat offenbar auch eine Hornhaut über die christsoziale Seele wachsen lassen.“

Und es ist der Journalist, der abschließend authentisch „christlich-sozial“ wird: „Am 28. Dezember begeht die Kirche seit vielen Jahrhunderten das ‚Fest der unschuldigen Kinder‘. Es erinnert an den Tag, an dem laut Bibel König Herodes die Kinder von Bethlehem töten ließ – in der Hoffnung, dabei auch das Jesuskind zu erwischen, das er als Gefahr für seine Herrschaft betrachtete. Dieser Tag und das Brauchtum, das sich damit verbindet, gehören zur Weihnachtszeit.

Die unschuldigen Kinder leben heute in den Flüchtlingslagern. Das wirkliche Weihnachten ist in unseren Zeiten dann, wenn sie gerettet werden; wenn ‚Der Retter‘ wirklich kommt – und er nicht nur im Weihnachtslied besungen wird.“

Warum finden beamtete Theologen nicht zu solcher Klarheit?

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24 Antworten zu Das konkrete Leid der Kinder in Moria und die „Wohnzimmer Ethik“

  1. Johanna Spöth schreibt:

    Stimme Ihnen mit jedem Wort zu! Trotzdem auf ein besseres, menschlicheres und auch christlicheres Jahr 2021 hoffen – Ihre Jsp

  2. herlinde Schmid schreibt:

    wie ist das eigentlich mit dem Vatikanstaat, der ja nicht zur EU gehört und offene Grenzen nur nach Italien hat. Wie wäre es mit Flüchtlinsunterbringung in Wohncontainern auf dem Petersplatz und die Weiterverteilung dann über die Nuntiaturen in der EU, in die nicht wenigen Gemeinden, die gerne Füchtlinge aufnehmen würden, regierungsseits aber daran gehindert werden?? kenne die Vorschriften nicht – wäre aber eimal nötig auch im Sinne von Papst Franziskus ..?

    • Franz Schallhas schreibt:

      Ein stärkeres Zeichen für christlich-soziale Gesinnung als ein Flüchtlingslager am Petersplatz ist kaum denkbar. Mit Sicherheit wird unsere ach so soziale Regierung nachziehen und Wohncontainer für Flüchtlinge am Heldenplatz aufstellen. Hinter Papst Franziskus wird doch der Heilige Sebastian nicht zurückfallen wollen.

    • Hans Igel schreibt:

      Päpste waren im Anfang nicht neidig. Und haben den Raum und das, was kirchenrechtlich zu Ihrem Vermögen wurde, freiwillig und wie ich annehme, gern unter sich geteilt. Oups : aber dann kam plötzlich die Säkularisierung. Und schwupp : die Grenze der Zwischenmenschlichkeit wurde praktisch zu dichtest beschriebenem Qualitätsmerkmal.

  3. Ulrike Brustmann-Sieber schreibt:

    Und nun hinzukommend auch ein Flüchtlingslager in Bosnien, oder ????? (ein Moira quasi vor unserer Haustür)……………Ich denke, Europa (die einzelnen Staaten) muss zusammenarbeiten und gemeinsam irgendwelche Lösungen finden………………….

  4. Anna v. Münchhausen schreibt:

    Danke, dass Sie so klare Worte aussprechen. Nun sind aber auch wir an der Reihe, als Christen „denen da oben“ , eben auch den Kirchenleitungen, zu sagen, dass wir helfen wollen.

  5. herlinde Schmid schreibt:

    mein Vorschlag mit dem Vatikan war eben auch sehr politisch gedacht – in der EU gibt es derzeit nur Bremser – denke da an den deutschen Innenminister – obwohl es gerade in Deutschland viele Gemeinden gab, die sich für die sofortige Aufnahme vor allem junger Flüchtlinge angeboten haben. Bis vor 3 Jahren war ich in Bayern beheimatet und in meiner kleinen Stadt neben Augsburg waren viele der Flüchtlingshelfer weiterhin bereit zur sofortigen HIlfe – allerdings da bremste die Politik!! Der Vatianstaat hat da als nicht EU Mitglied eine gute Möglichkeit – auch über die tägliche Sichtbarkeit der Flüchtlinge – dass mit viel Engagement ENDLICH etwas vorwärts geht. Es würden gerne auch dahin viele Spenden dafür eingehen…..Auf dem Heldenplatz muss es keine Wohncontainer geben, hier in meiner jetzigen Heimat Oberösterreich sind auch viele in den früher von Flüchtlingen bewohnten Gebäude wieder freie Wohnungen und die Pfarrei würde auch wieder tätig!!! ABER????? WANN kommen die Ärmsten der Armen it ihren KIndern???

    • Franz Schallhas schreibt:

      Mein Vorschlag für ein Flüchtlingscamp am Heldenplatz war nicht als Ersatz für fehlende Wohnmöglichkeit gedacht sondern als politisches Leuchtfeuer. So wie eines am Petersplatz würde auch eines am Heldenplatz in der Weltpresse für übergroßes Aufsehen sorgen.

      Ohne politischen Druck von Seiten der Zivilbevölkerung scheint sich in der skandalösen europäischen und damit auch österreichischen Flüchtlingspolitik in naher Zukunft wenig bis gar nichts zu bewegen. Was wäre daher mit einer politischen Kampagne, die unserer Bundesregierung unmissverständlich klar macht, dass sie bei den nächsten Wahlen mit keiner Mehrheit rechnen kann, wenn sie es unmöglich macht. die Ärmsten der Armen aufzunehmen.

      • Michaela schreibt:

        DANKE für diesen Artikel, der mir aus der Seele spricht. Europa und auch die Verantwortlichen in Österreich werden sich für ihre zutiefst unchristliche Haltung in der Geschichte verantworten müssen. Es ist leicht, auf das Unmögliche zu verweisen, es quasi zu ersehnen, um das Mögliche und Nächstliegende nicht zu tun. Es ist leicht, sich auf ein einheitliches Vorgehen in der EU zu berufen, ein Vorgehen, das nicht in Sicht ist. Wenn man nur das Geringste aus dem barmherzigen Samariter begriffen hat, so bedarf es keiner ethischen Ausführungen, die jene exkulpiert, die vor der Entscheidung, wirksam und entschieden zu helfen stehen. Die bedauernde Haltung gepaart mit der Kälte des Inkaufnehmens eines unwirksamen Helfens ist für mich unfassbar. Die hl. Mutter Teresa hat zugestanden, dass ihre Hilfe angesichts der großen Not nur ein Tropfen im Ozean sei, gleichzeitig aber gesagt, dass der Ozean ohne diese Hilfe um einen Tropfen ärmer wäre.
        Kann ein gelingendes Leben um weniger als um den Preis gelebter Solidarität zu haben sein? Zumindest für überzeugend lebende Christen wird diese Frage zu verneinen sein.

  6. Brand, Hildegard schreibt:

    In der Tat – dieser Beitrag von Paul M. Zulehner und auch die zitierten erschütternden Worte von Heribert Prantl sind so gut und wichtig, dass ich ihnen nur voll zustimmen kann.

    Und ich sehe synchron Parallel-Welten vor und in mir:
    ( wie sie auch im Beitrag drastisch durchscheinen)

    Angefangen in der „Wohnzimmerkulisse“ :
    in der auch ich beim späten Frühstück dem alljährlichen Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker mit einem aufgehellten Gemüt lausche, den anrührenden und wichtigen Worten des Dirigenten Riccardo Muti aufmerksam zuhöre, Musik solle ein Beitrag zur Förderung der Societät sein….

    … Über die „Elfenbeinturm-Diskurse“ in den Ideologie – gestützten Überbauten über unserem sogenannten „christlichen Abendland“ und den europäischen, demokratischen Staaten, besonders denjenigen, die nicht direkt ans Mittelmeer angrenzen …

    … dann die grausam – gewollte, eiskalte Verweigerung a l l e r europäischen Staaten, eine
    w i r k l i c h
    humane Lösung herbeizuführen, statt der sogen. „Hot-Spots“ und der „Rückführungspatenschaften“; mit – gemeint ist doch wohl eher im zynischen Sinne
    die G e s i n n u n g :
    “ Schaffen wir uns doch – unter netter Mitbeteiligung von Bürger*Innen – die lästigen flüchtenden Kinder, Frauen, Männer einfach vom Halse mit dem Zweck der Wahrung unseres unberührbaren Wohlstandes. “

    …. bis hin zu den Menschen, um die es eigentlich geht , den Menschen , hausend am Boden ohne festes Dach im Schlamm (Unterbau) , den „Verdammten“ in der Hölle auf Erden,
    den “ Unberührbaren“ ,
    den Kindern – schauerlich – angenagt von Ratten, gequält von Vergewaltigern ( vgl. H. Prantl ) …

    … und zu einer anderen Welt : den Hochrüstungsausgaben und Rüstungskonzernen ( „…die im Dunkeln sieht man nicht…“ , vgl. Brecht)
    Beispiel: Mehr als 100 Milliarden US- Dollar Ausgaben für atomare Hochrüstung weltweit; ( Zahl stetig ansteigend. )
    Mit 40-80 Milliarden könnte das immer noch nicht erreichte Milleniumsziel vom Jahr 2000 erreicht werden: starke Verminderung des weltweiten Hungers als einer der vielen Fluchtursachen…
    Die Bundesrepublik Deutschland unterschreibt immer noch nicht den „Atomwaffenverbotsvertrag“ .

    ….und zu den Kriegen, die nur führbar sind mit Hilfe von Waffenlieferungen jeglicher Art und eine der anderen Fluchtursachen sind. Flüchten und sterben tun dann Millionen von Menschen aus der „Zivilbevölkerung“ . Rüstungskonzerne leben ja vom Schüren zahlreicher Bürgerkriege…

    Und am Schluss zu allem :
    ein Zitat von Bertolt Brecht: „An die Nachgeborenen“ ( immer wieder aktuell, zum Lesen sehr zu empfehlen):

    “ (…) Es ist wahr: Ich verdiene noch meinen Unterhalt.
    Aber glaubt mir: Das ist nur ein Zufall. Nichts
    von dem, was ich tue, berechtigt mich dazu,
    mich sattzuessen.
    Zufällig bin ich verschont (Wenn mein Glück aussetzt,
    bin ich verloren.)
    (…) Aber wie kann ich essen und trinken, wenn
    ich dem Hungernden entreiße, was ich esse,und
    Mein Glas Wasser einem Verdurstenden fehlt?
    Und doch esse und trinke ich. ( …) „

    • Renate Rupprecht schreibt:

      Auch ich habe es warm, esse und trinke, und ich habe Arbeit – Es ist aber nicht Zufall für mich, sondern Auftrag. Auftrag und Verantwortung zu teilen, mit den „Talenten“ zu „wirtschaften“. Und wo das nicht direkt geht, bleibt die Verantwortung, die Gesinnung zu beeinflussen (in meinem Fall Erziehungsverantwortung – zwei halbwüchsige Söhne; Vorbildverantwortung – die Frau Doktor am Land wird schon genau beobachtet).
      Aber konkret muss das Handeln bleiben, ein Bedauern, dass man nicht alle retten könne, ist zu wenig.
      Danke, Prof. Zulehner, für diesen Artikel!

  7. Herbert Ederer schreibt:

    Lieber Herr Prof Zulehner,
    wie Recht Sie doch haben!
    Wir sind gerne bereit, eine Familie bei uns aufzunehmen und für alle Kosten aufzukommen.
    Wenn man uns nur ließe!
    Gutes neues Jahr

    • Franz Schallhas schreibt:

      Auf welcher rechtlichen Grundlage kann eigentlich unsere Bundesregierung einem Bundesland, einer Gemeinde Pfarre oder Familie verbieten, Flüchtlinge auf ihre Kosten aufzunehmen? Artikel 18 des Bundesverfassungsgesetzes (B-VG): Die gesamte staatliche Verwaltung darf nur auf der Grundlage der Gesetze ausgeübt werden. Und Gesetze können bekanntlich novelliert werden. Sogar eine Kompetenzverteilung ist im Zuge einer Gesamtänderung der Verfassung möglich. Wir leben doch in keiner absoluten Monarchie mehr.

      • 19lindas schreibt:

        das neue Jahr fängt ja schon ganz gut an! habe gerade mit meinen Alten Guten Verbindungen im Augsburger Umland telefoniert, sprich einem emeritierten Geistlichen der EKD, der in Stadtbergen bei Augsburg in meinem Seniorenbeirat aufgetaucht ist und dann bei der Flüchtlingswelle ab 2015 bei uns im bayerischen Schwaben sehr viel organisiert und in Bewegung gebracht hat – zusammen mit einer mit mir befreundeten Professorin wienerisch/indischen Urprungs massgeblich mit der Unterbringung und juristischen Beratung der vor allem vielen bei uns untergebrachten jungen Flüchtlinge beschäftigt waren. Der mit Leib und Seele für die Flüchtlinge sich einsetzende Geistliche hat mir eben nochmals erklärt, dass in Deutschland generell das Innenministerium (Horst Seehofer) total mauert. Das ist vor allem und hauptsächlich die CDU und auch ganz massiv die CSU -wieder Horst Seehofer. Augsburg und viele andere Städte haben sich bereit erklart Flüchtlinge aufzunehmen und Familien gefunden die sich auch als Gastfamilien einbringen wollten – die christlichen ???? .Parteien erlaubten das aber in keinem Bundesland.
        man muss wohl eine richtig geherende Unterschriftensammlung – wie zur Rettung der Bienen auch zur Rettung der Flüchtlinge- anzetteln – unter anderen auch Frau von der Leyen anschreiben Mit ins Boot könnte in Deutschland auch Gerd Müller werden. In der österreichischen Politik bin ich leider nicht so bewandert – war in „D“ in Orts- und Kreisverband der Grünen / christliche Abtlg. Hier bin ich politisch inaktiv, nur ein wenig in der Pfarrei mit den Senioren aktiv.
        Dem Vatikan würde ich das alles auch sehr öffentlich ans Herz legen – angefangen beim Papst und dem Staatssekretär Kardinal Parolin sowie dem Dikasterium für Flüchtlinge und MIgranten – Michael Czerny SJ -ein kanadischer Jesuit, sowieFabio Baggio CS, ein italienischer Scalabrini-Missionar. Wie das in Österreich überhaupt durhgeführt werden kann ist mir Migrantin nicht klar.
        Ich hoffe es melden sich noch einige Menschen mit besseren Kenntnissen!

  8. Kopp Michael schreibt:

    DANKE für den Artikel und die tollen Kommentare!!!
    Wir, die KA Steiermark, haben mit einigen Engagierten vor dem Beginn des Advents eine Vernetzung zugunsten der Flüchtlinge auf den griech. Inseln versucht und dann eine Advent-Challenge ins Leben gerufen #herbergssuche und Bilder auf allen möglichen Netzwerken gepostet mit einem leeren Sessel vor der Tür der Wohnung, um ein persönliches Zeichen zu setzen: „WIR HABEN PLATZ“ – eine Aktion, die schon seit März 2020 viele Menschen, Organisationen, Pfarren u.v.a.m. unterstützen.
    Wir sind froh, dass wenigstens einige wichtige Personen der Öffentlichkeit jetzt endlich ihre Stimme erhoben haben! Wir sind zuversichtlich, dass wir etwas bewirken!
    Ich bin total entschlossen, mich auch in Zukunft zu engagieren, JA, ich sehe es als meine Gewissenspflicht als Priester, der geweiht worden ist, um die Frohe Botschaft zu verkünden und Armen und Notleidenden beizustehen! Bitte sagt mir, wo ich etwas ganz konkret beitragen kann!!
    Michael Kopp, Familienseelsorger Graz-Seckau

  9. isolde griesser schreibt:

    es gibt wiedergeborene Christen, die im Stillen helfen, nach ihren Möglichkeiten und sogenannte „christliche Fachleute“, die theologisches Fachwissen von sich geben, aber denen Herzenswärme und Barmherzigkeit abhanden gekommen sind. Vor vielen Jahren habe ich einen Theologieprofessor und seine Familie kennengelernt. Wir hatten interessante Fachgespräche. Bevor ich mich verabschiedete, bat ich ein Gebet für die Familie sprechen zu dürfen. Wir stellten und im Kreis auf, hielten uns an den Händen und ich sprach ein mit eigenen Worten formuliertes Gebet des Schutzes für sie. Als ich geendet hatte, fragte mich der Professor, der damals auch schon in vorgerückten Alter war:“so betet man und das hilft?“Da war dann ich es, die sehr erstaunt war. Wenn theologisch ausgebildete Menschen nichts über ein lebendiges Gebet wissen und dass es einen Gott gibt, dem man in alles Lebensfragen einbezieht und fragt, woher soll dann Einfühlungsvermögen, herkommen? Wobei ich diese Eigenschaft, Menschen ohne Glauben an Gott, dem wir Rechenschaft über unser Tun ablegen müssen, nicht anspreche, weil es auch dort genügend wunderbare Menschen gibt. Aber eben diese Empathie würde man wirklich gerade von ersterer Gruppe erwarten.

  10. Hans Kouba schreibt:

    besten Dank für Ihre klaren Worte!

  11. Brand, Hildegard schreibt:

    Die vielen guten Kommentare hier mit den guten Ideen und Erzählungen von bewundernswerten Initiativen von einzelnen Bürger*innen in der Zivilgesellschaft vermitteln mir ein Gefühl von
    Solidarität gegen alle Ohnmachtsgefühle. Danke dafür!
    Und danke auch an diejenigen, die diesen so lang gewordenen Kommentar lesen!!

    Der Gedanke einer groß-angelegten europaweiten Unterschriftenaktion/ Petition nach dem Muster: „Rettet die Bienen! “ hier „Rettet die Flüchtlinge! “ könnte ein eindrucksvolles Zeichen sein.
    ( Technisch und bürokratisch bin ich persönlich aber so unversiert, dass ich nicht weiß, wie eine solche Aktion initiiert werden könnte. …)

    Und auch die Bitte an den Vatikanstaat, möglichst viele Flüchtlinge zu „beherbergen“ , wäre doch ein einmaliger Anstoß – nach dem beeindruckenden Projekt-Vorbild von Michael Kopp (s. oben in seinem Kommentar) : „herbergsuche “ : leerer Sessel vor der Wohnungstüre… hier – auf dem Petersplatz…

    Und wenn die Hilfsangebote, Initiativen von Städten und Kommunen, auch von Einzelpersonen
    ( Bezug zu obigen Kommentaren), ungenutzte Platzkapazitäten für die Beherbungen von geflüchteten Menschen zu öffnen, kaltherzlich von Regierungsverantwortlichen vom Tisch gewischt werden, dann handelt es sich um eine doppelte Per-version ( Ver-kehrung, Um kehrung ) aller Werte :
    Jemand will helfen! Hilfleistungen werden jedoch poltisch / (per Gesetz ?) verboten, obwohl ja unterlassene Hilfeleistung unter Strafe steht…. Bis zu welcher erträglichen Grenze können demokratische Systeme noch verdreht ( pervertiert ) werden !! ?

    Und noch etwas zum „Fischegeben“ und „Fischenlehren“ ( s. Beitrag von Paul M. Zulehner oben) :

    Im letzten Jahr meiner 40-jährigen Lehrtätigkeit u.a. als Ethik-Lehrerin ließ ich die Jugendlichen ein Projekt ausführen: Gerechtigkkeit in Zeiten der Globalisierung.

    Sie plakatierten vor ca. 10 Jahren eben jenes Problem der Fischerei „- Rechte“ ( Weg eines Fisches) , welche u.a. die EU mit den Regierungen von westafrikanischen Staaten aushandelten- mit der Zusage von finanziellen Zuwendungen für „Projekte“ in eben diese Staaten (Nachhaltigkeitsprojekte ?). …
    Seit dem ( apropos Nachhaltigkeit) : Große T r a w l e r aus der EU „durften“ bis zum Vertragsablauf 2019 vor den Küsten Westafrikas fischen, sprich: alles wegfischen mit dem Ergebnis der allseits bekannten „Überfischung“. Und so wird „Hunger gemacht“ !

    Es gibt noch viele andere Beispiele solcher Art dafür, wie Hunger von reichen Ländern „gemacht“ wird und wurde.

    “ Logisch “ – den einheimischen Fischern mit ihren traditionellen, kleinen Fischerbooten und ihren Familien blieben allenfalls nicht viel mehr als weinige Fischreste. Und diesen Fischern jetzt noch das „Fischen-lehren“ !?

    „Natürlich“ müssen eben diese betrogenen Fischer mit ihren kleinen Booten vor Hunger fliehen – über gefährliche Meeresrouten – nach EUROPA , wo „ihre VertragspartnerInnen“ sitzen und den Fisch genüsslich verzehren …
    In diesem Fall geht nur noch: – statt „Fischen-Lehren“ – den Trawler-Betreibern und den scheinheiligen Vertrags-Partnern/ Innen künftig das „Handwerk“ legen. …

    (Würde nicht auch Jesus heute so denken – mit seinen „fünf“ Fischen und den Broten dazu, die er vermehrte und den Hungernden gab! )

    Und neulich sah und hörte ich – fast schon erregt und mit großen Augen staunend- , dass diese Tatsachen zum ersten Mal, endlich seit so langer Zeit und viel zu spät ( große Fische sind ja alle weg) , „Einlass“ in die N a c h r i c h t e n des ersten Programms , ARD, gefunden hatten.

    Ein betoffener Fischer “ durfte“ sprechen – vor der Kamera eines der Vertrags-Partner-Länder !

    Ob die jetzt ca. 30-jährigen Schülerinnen und Schüler sich an ihr Projekt erinnern und damit noch etwas von Fluchtursachen verstehen ?

  12. Adalbert Krims schreibt:

    Lieber Herr Professor Zulehner!
    Leider habe ich Ihren Beitrag erst mit einigen Tagen Verspätung gelesen! Danke vielmals für Ihre klaren und eindrücklichen Worte – inkl. der offenen und namentlichen Kritik an Ihrer „Zunft“! Ich wünsche Ihnen alles Gute (vor allem Gesundheit) und Gottes Segen für das Neue Jahr.

    In alter Verbundenheit
    Adalbert Krims

  13. 19lindas schreibt:

    An diejenigen die gerne möchten aber nicht wissen wie: in Bayern muss so ein Volksbegehren beim Innenministerium angemeldet werden. Damit es dorthin gesandt werden kann braucht es 20.000 Unterschriften, die auch über einen langeren Zeitraum (ein Monat) gesammelt werden können. Um dann gehört und das Volksbegehren erlaubt wird braucht es fast 1.000.000 Unterschriften…..Mit den Bienen hat das geklappt quer durch Bayern und mit allen engagierten Umweltverbänden, den Grünen etc. Wie das in Österreich ablaufen kann ist mir nicht klar – sicher auch über das Innenministerium. ABER ich habe gelesen, dass sich sowohl unser LInzer Bischof Scheuer als auch der Insbrucker Bischof Glettler dringend zu dem Thema äußerten. Vielleicht eine konzertierte Aktion der Pfarren um die Bischöfe nicht so alleine dastehen zu lassen??

  14. B. Phil., Mag. Dr. Ndubueze Fabian MMAGU, MSc schreibt:

    Ich muss es leider hier sehr radikal (d.h. an die Wurzel gehend) formulieren: Hr Prof. Emeritus (und Gott lob weiterhin im KRITISCHEN Dienst der Gesellschaft!)! Ich bin sehr wütend auf die zwei Zitate aus dem Fachbereichen der Sozialethik und der Moraltheologie an der berühmten Wiener Universität – mein Alma Mater! Verstehen WIR doch endlich, dass die Political Correctness die KATHOLISCHE KIRCHE in die BEDEUTUNGSLOSIGKEIT verbannt!!! Wann liegt denn wirklich KINDERMISSBRAUCH vor??? das Endgericht vollzieht sich JETZT UND HEUTE (Mt 25,31-46)!!! Moral und Ethik gibt es eben nicht ohne die BEDROHTEN MENSCHEN!!! Niemand schafft es, ALLEN zu helfen, aber GEMEINSAM SCHAFFEN WIR ES, VIELEN, JA, SEHR VIELEN ZU HELFEN!!!

  15. Brand, Hildegard schreibt:

    … zu 19lindas Kommentar:
    danke für die guten Infos zu möglichen Unterschriften usw. für die Rettung/ Aufnahme von geflüchteten/ flüchtenden Mennschen…
    Vielleicht weiß ja u.a. “ Pro-Asyl “ einen guten Rat dazu…
    Ich vertraue immer noch der guten Gesinnuung eines großen Teils der Zivilgesellschaft …

  16. Karl Immervoll schreibt:

    Danke für diese Klarheit!

  17. peterdiemgmailcom schreibt:

    Ein Bericht über Moria
    Österreicher, die vor Ort waren, halten die Situation aus humanitären Gründen für sehr problematisch, meinem aber zum Thema praktische Politik, dass eine Absiedelung von Migranten aus Moria binnen Tagen zu Neuzugängen führen würde. Griechenland und Lesbos sind gegen jegliche permanente Strukturen, da sie ja die Menschen weiterschicken wollen.

    So verweigert Griechenland den Flüchtlingen, die schon anerkannt sind, jegliche weiter Hilfe und behandelt sie „auf dem Niveau ihrer eigenen Landsleute“ (keine Sozialversicherung, keine Wohnung…). Somit kehren angeblich viele politisch anerkannte Flüchtlinge wieder in die Lager zurück, weil sie dort zumindest ein Zeltdach über dem Kopf und medizinische Versorgung haben. Andere politisch anerkannte Flüchtlinge schlagen sich legal (?) nach Deutschland durch, stellen dort einen neuen Asylantrag, der angesichts der Lage auf Lesbos angenommen wird, und bleiben in Deutschland, einer weniger für die Griechen…
    Erwähnt man die Sorge vieler Europäer und Österreicher wegen des Winterwetters für die Ärmsten der Armen und meint, sie sollten zumindest in der kalten Jahreszeit eine feste Bleibe haben – könnten nicht Familien für einige Monate in Europa/ Österreich Aufnahme finden und im Sommer wieder auf die Insel zurückgehen? Man antwortet mit dem Hinweis auf das Paradoxon: Während tausende Zimmer, Klein- und Großwohnungen in Hotels und Pensionen seit Monaten leer stehen (und von der Regierung requiriert werden könnten !) stauen sich gleich nebenan tausende Flüchtlinge, Migranten etc. in Winterzelten…

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