Ein großer Schritt nach vorn.

„Homosexuelle haben das Recht auf Familie. Sie sind Kinder Gottes. Niemand dürfte ausgegrenzt oder unglücklich gemacht werden. Wir müssen ein Gesetz über Lebenspartnerschaften schaffen. Damit sind Homosexuelle rechtlich geschützt. Ich habe mich dafür eingesetzt“, so Franziskus in dem eben in Rom angelaufenen Papstfilm „Francesco“ des in Russland gebürtigen Regisseurs Afineevsky.

In der Washington Post bezeichnete der Jesuit James Martin: „Ich denke, es ist ein großer Schritt nach vorn. In der Vergangenheit waren sogar zivile Verbindungen (standesamtliche Ehen) in vielen Teilen der Kirche verpönt. Er setzt sich für die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher bürgerlicher Lebensgemeinschaften ein.“

Dem Papst wird dieses offizielle Statement bei seinen konservativen „Freunden“ weiteren Ärger einbringen. Dabei argumentiert der Papst elementar.

  1. Alle Menschen sind Kinder Gottes und haben damit eine unantastbare Würde. Damit setzt er voraus, dass auch gleichgeschlechtlich ausgerichtete Personen das Ergebnis schöpferischen Handelns Gottes sind, von dem es in der Genesis ohne Einschränkung heißt: „Er sah, dass es gut war.“
  2. Der Papst ist leidsensibel. Es ist ihm klar, wieviel tödliche Gewalt Homosexuelle im Lauf der Geschichte erlitten haben. Von nun an können sich ideologische Diskriminierer nicht mehr auf den Papst berufen: nicht die Orthodoxen mit Putin, nicht afrikanische Potentaten, nicht Bischöfe der großen Weltkirche.
  3. Dem Papst geht es aber nicht nur um Entdiskriminierung, sondern um Schutz der nach wie vor von Diskriminierung Bedrohten. Daher fordert er rechtlichen Schutz für Homosexuelle.
  4. Der rechtliche Schutz erstreckt sich auf die Konvivienz: Denn zu den verordneten Leiden von Homosexuellen zählte oftmals Vereinsamung. Sie konnten keine „familialen Lebensgemeinschaften“ gründen, die auch rechtlichen Schutz genießen. „Ich habe mich dafür eingesetzt“, so lapidar der Papst im Film – und das schon als Kardinal von Buenos Aires.
  5. Der Papst hält sich nicht mit der entwicklungspsychologischen Debatte auf, ob Kinder für ihre psychosexuelles Gedeihen in ihrem familialen Lebensfeld Personen verschiedenen ‚Geschlechts vorfinden müssen. Auch hier bleibt es elementar. Auch die Kinder in homosexuellen Parships sind Kinder Gottes. Basta.

Nichts sagt der Papst zu kirchlichen Trauungsritualen. Dafür liegen aber neue Zahlen aus Österreich vor (Zulehner, Wandlung, Ostfildern 2020). Zwei Drittel der Katholiken im Land sind der Ansicht, dass die Kirchen ihr Trauungsritual „Für jede Art von Liebensbeziehungen öffnen sollen“. Ein Drittel bezieht hingegen die Kinder ein, die ein heterosexuelles Paar bekommen kann. Nur diese Gruppe soll das Sakrament der Ehe feiern. Trauung also weniger wegen der Liebe, sondern für die Heiligung des Lebensraumes für Kinder? Joseph II. sah es in seinem Ehepatent von 1783 so.

Eines ist vorhersehbar: Nach diesem unerwarteten päpstlichen Statement wird Panik im Vatikan ausbrechen.

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6 Antworten zu Ein großer Schritt nach vorn.

  1. Brand, Hildegard schreibt:

    Dann müsste sich das Gottesvolk doch allmählich Sorgen machen um die in P a n i k geratene, sich hinter hohen vatikanischen und anderen Mauern verschanzende Minderheit und nach geeigneten Therapiemöglichkeiten zur Heilung von Panikattacken suchen.

    Aber was könnte bei renitenter, nervendder und macht-geleiteter Reform-Resistenz dieser Minderheit auf Kosten der engagierten, an Jesus orientierten Mehrheit helfen?

    Vielleicht das mantraähnliche Wiederholen der Sätze: “ … Da gilt nicht mehr Jude oder Grieche, nicht mehr Sklave oder Freíer, nicht mehr Mann oder Frau ( meine „inkludierende“ Ergänzung: nicht Hetero- oder Homosexuelle/r ….) …“ ( Gal.3,28 f.), ganz entsprechend den im obigen Text angeführten Worte von Papst Franziskus und vor allem im Sinne der Botschaft Jesu von der universellen Liebe!
    Gell ! ?
    In Bezug auf weltliche „Herrschaften“ gibt es ja die Bezeichnungen wie Oligarchie, Diktatur,
    aus alten Zeiten: Feudal-Absolutismus usw., usf.
    Und diese Herrschaftsformen will doch heutzutage kein vernunft-geleiteter, an Menschenrechten orienttierter Mensch mehr haben, weder in der kath. Kirche noch anderswo ! Oder?

  2. Ulrike Brustmann-Sieber schreibt:

    *Zum Thema Homosexualität kenne ich mich nicht so gut aus…So ganz verstehe ich allerdings die Aufregung nicht, weder in die eine noch in die andere Richtung………………Die eingetragene Partnerschaft gibt’s auch schon seit einiger Zeit (jedenfalls in Österreich………….) Diskriminierung ist nie gut, die unantastbare Würde des einzelnen ist immer zu achten.
    * Dennoch, denke ich – (auch auf die Gefahr hin, dass man mich daraufhin mit virtuellen Tomaten beschmeißt) – eine Partnerschaft (Ehe) zwischen Mann und Frau und eine Homosexuelle Partnerschaft ist nicht zu 100 % das Gleiche, also kann man das nicht zu 100 % gleichstellen, bei allem Respekt Menschen gegenüber, die anders empfinden. ………Und sinngemäßes Zitat Freud (So wie ich ihn verstanden habe) „Der Königsweg der Sexualität ist der heterosexuelle Verkehr“ – immerhin Freud !!!! Somit glaube ich, dass eine auf Dauer angelegte Beziehung (und Ehe) auf Augenhöhe zwischen Mann und Frau, der Königsweg der Beziehungen ist !!! Die Frage ist, warum gelingt dieser Königsweg so selten und was bräuchte es dafür, damit das Abenteuer Ehe und Familie immer mehr Menschen und in immer geglückterer Form gelingt und keine Bruchlandung sondern ein Erfolgsweg wird.. DAS kommt mir bei diesen Debatten einfach zu kurz.
    * Weiters das neue „anders empfindend“ ist nicht mehr homosexuell sondern „asexuell“. Es gibt mittlerweile in der neuen Generation (Jugendliche und junge Erwachsene) nicht wenige, die sich als asexuell bezeichnen und so empfinden und auch so leben.- Paradoxerweise: – Irgendetwas läuft da verkehrt. Die vielen Möglichkeiten scheinen der tiefsten Sehnsucht der Menschen wohl doch nicht so ganz gerecht zu werden…………Beim Thema Beziehungen, Familie udgl: Es wäre interessant, das eine oder andere an stereotypen Meinungen (konservativ-progressiv) kritisch zu hinterfragen und unvoreingenommen neu zu schauen, was entspricht dem Menschen nun tatsächlich, was wird dem Menschen ganzheitlich, als leib-seelische Einheit und seiner tiefsten Sehnsucht am ehesten gerecht ???…………

  3. Brand, Hildegard schreibt:

    … Deshalb: lasst doch tausend und aber-mal-tausend Blumen blühen, um uns der Erfüllung von „tiefsten“ Sehnsüchten a n n ä h e r n zu können !
    Ist nicht jede Blume, jede Blüte etwas Wunderbares – in unserer wunderbaren Schöpfung !

    Und
    – „Königswege“ gibt es doch seit längerer Zeit schon nicht mehr, seit nur noch einige wenige „Könige/ Königinnen“ eine – wenn auch reich begüterte – Statistenrolle spielen.
    Sie führen doch allenfalls zum Ausschluss anderer schöner, gangbarer Wege.
    .
    Und
    – was wird mir genommen, wenn andere Menschen anders als ich leben, anders leben wollen, evt. für ihre Lebensform um einen Segen bitten ( Segen: etwas Gutes wünschen ) oder ihren
    „Bund für´s Leben“ durch Trauung vor einem gütigen Gott „besiegeln“ lassen möchten ?!
    Ich glaube: nichts!

    • Ulrike Brustmann-Sieber schreibt:

      Ich sehe nun Mal das eine oder andere Problem. Da Sie sehr gescheit zu sein scheinen (gewählte, komplizierte Ausdrucksweise), vielleicht können ja Sie sagen wie das aufzulösen wäre:
      *Im Durchschnitt wünscht sich ein Kind, Mama und Papa, eine heile gesunde Familie, , die auch zusammenbleibt – Wenn nun in der säkularen Gesellschaft alles gleichwertig ist, von eingetragenen Partnerschaften zw Mann und Frau, oder Lebensgemeinschaften, oder Ehen zwischen gleichen Geschlechtern usw….. ist es Klug das alles eins zu eins ins Christentum zu übertragen, oder gäbe es da eine intelligente Alternative, ohne dabei jemanden zu diskriminieren ?………….Wie liesse sich das auflösen ? u.a.
      Und welche Welt ists ratsam unseren Kindern und Kindeskindern zu hinterlassen ?

  4. Brand, Hildegard schreibt:

    Ich habe in aller Bescheidenheit lange nachgedacht, deshalb ist auch mein Kommentar leider soo unbescheiden lang geworden.
    Alles ist ja sehr vielschichtig.

    Könnten nicht die vielen Schätze der Worte Jesu eine große Hilfe sein bei der Überwindung von allzu großen Ängsten vor Ungewissheiten in Zeiten von Umbrüchen, Veränderungen im gesellschaftlichen Zusammenleben ?

    “ F ü r c h t e t e u c h n i c h t …! “ wird in mehreren, unterschiedlichsten Kontexten des NT´s gesagt.

    Oder:
    “ Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ ( MT 18,19 ff.)

    Meine Ergänzung: ´Wo ich (Jesus) unter euch bin, da ist auch die Liebe.´ – Ganz entsprechend der Botschaft Jesu von der universellen Liebe. Gilt das nicht auch für eine Familie mit einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft und ihrem Kind!

    Wenn zwei Erwachsene, gleich welchen Geschlechts, sich in dieser L i e b e verbunden fühlen und ein Kind in diese ihre Liebesbeziehung hineinnehmen, könnte diese Lebenshaltung m.E. doch die beste Grundlage für das entwicklungspsychologisch so wichtige U r – V e r t r a u e n bilden.

    Es gibt dazu herz-berührende Erzählungen von „glücklichen“ Kindern, die in einer Familie mit gleichgeschlechtlicher Partner=in-schaft/ Ehe aufwachsen und sich geborgen fühlen.
    Zugleich gibt es aber auch erschütternde Berichte von psycho-somatisch leidenden Kindern in einer sogen. „heilen Familie“ mit Vater, Mutter, Kind, in der das Zuammenleben eben nicht mehr von „Liebe“ in der notwendigen Für-Sorge geprägt ist.
    Und – könnten wir als Erwachsene nicht das in uns allen ruhende, ganzheitliche Potenzial „des“ Väterlichen u n d Mütterlichen entfalten ?!
    Allein erziehende Mütter und Väter entfalten sicher dieses Potenzial in den verschiedensten Lebenssituationen.

    Alles in Allem wäre es doch für Christinnen und Christen wichtig, die Botschaft der Liebe in das gesellschaftliche Zusammenleben hinein zu tragen, auch in Familien mit den unterschiedlichsten Gestaltformen.
    Dann ginge es vornehmlich nicht darum, gesellschaftlich erstellte Regelungen oberflächlich eins zu eins in das Christentum zu überführen, sondern umgekehrt die Liebe in alle möglichen Formen des gesellschaftlichen Zusammenlebens hinein zu tragen. Gesetzliche Regelungen würden dann das in diesem Sinne Notwendige tun müssen.
    Die „all-umfassende Liebe“ könnte / sollte dann auch die beste Grundlage für eine mögliche „sakramentale“ Änderung, bzw. Ergänzung in den christlichen Kichen sein.
    Ich sehe die Probleme dann eher als leicht lösbar an – auch für Christinnen und Christen, wenn Mensch o f f e n und nicht allzu ängstlich ist.

    Augustinus: „Liebe und dann tue, was du willst.“
    Paulus: „…Das Größte aber ist die Liebe.“
    Das schafft Geborgenheit.

    Gibt es eine schönere Lebenserfahrung, ein schöneres Lebensmotto für ein Kind und eine/n Jugendliche/n?
    Im Sinne von Paul Zulehner: Ist nicht jede Lebensform zugleich „fragmentarisch“ ?
    In dieser Realität leben Kinder der Welt immer schon – mit der bewusst oder unbewusst wahrgenommenen Erfahrung des „Fragmentarischen“ … Die Hauptsache ist m.E. die Grundlegung des Urvertrauens.

    Kriege, Hunger, Missbrauch u.a. zerstören leider immer schon und immer noch die Seelen und Körper unserer Kleinsten und Heranwachsenden – wahrscheinlich auch in der Zukunft.
    D a s ist jedoch unbedingt zu verhindern – gerade im Sinne von allen Kindern und Heranwachsenden der Welt.

    • Ulrike Brutsmann-Sieber schreibt:

      Das beantwortet meine Frage nicht ganz. Ich möchte nur nicht, dass die „klassische Form“ der Ehe. Mann-Frau-Beziehung: Ehe und auf Dauer, abgewertet oder ausgehöhlt wird. Ich denke, das ist legitim und das sagt ja nichts aus über diejenigen die anders leben. Ich glaube schon, dass die Beziehungsform: eine Ehe zwischen Mann und Frau, – wenn die Voraussetzungen stimmen und es gut gelebt wird, – am ehesten die Chance nach einem langfristig geglücktem Leben und Dauerhaftigkeit hat. In der Praxis scheinen Lebensgemeinschaften ohne „offizielles Ja bzw Bestätigung“, in welcher Konstellation auch immer und auch homosexuelle Verpartnerungen – zumindest im Durchschnitt – nicht an die Entwicklungsmöglichkeiten die eine Ehe zwischen Mann und Frau hat, heranzureichen. Und da wäre es schon interessant, genauer hinzuschauen, warum das so ist und darauf auch die theologisch – ein mal ganz unvoreingenommen – entsprechenden Antworten zu finden (auch im Sinne der Vielfalt). Ich bin ja genau die Generation, die mit der Idee groß geworden ist: „Beziehungen muss jeder selbst verantworten, Hauptsache das Paar ist glücklich“. Ganz so einfach und happy peppy scheint es im Leben der Menschen, im Alltag allerdings doch nicht auszusehen…..Da gibt’s auch einiges an Not in manchen Biographien…usw…

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