Wen repräsentieren Ordinierte?

Verhindert eine häresienahe „Jesulogie“ die Frauenordination?

Das traditionelle Argument gegen die Ordination von Frauen in der katholischen Kirche leuchtet auf den ersten Blick ein. Ordinierte repräsentieren Jesus von Nazareth. Dieser war aber ein Mann. Also können nur Männer die Weihe empfangen. „An Frauen hält die Weihe nicht“, so erheiterte sich der ehemalige Kirchenrechtler Bruno Primetshofer in Vorlesungen.

Wenn es nur so einfach wäre. Der theologische Pferdefuß liegt in der Frage, wen Ordinierte wirklich repräsentieren: Jesus von Nazareth oder Jesus, der in der Auferstehung zum Christus wurde, wie in der Apostelgeschichte 2,36 nachzulesen ist.

Christus ist aber nicht einfach der Nachname des Mannes aus Nazareth. Natürlich war Jesus ein Mann. Aber gilt diese Aussage so einfachhin auch für Christus? Könnte es gar sein, dass Christus jenseits von Sex und Gender ist, wie eben Gott auch? Konnte nicht deshalb Paulus im Brief an die Galater schreiben, dass nicht nur Juden und Griechen, Sklaven und Freie, sondern auch Männer und Frauen eins geworden sind in Christus (Gal 3,28)? Hat den Auferstandenen die Erhöhung durch das Kreuz nicht fähig gemacht, „alles an sich zu ziehen“ (Joh 12,32), den gesamten Kosmos, sodass am Ende der Zeiten in der Vollendung der Schöpfung „Gott alles in allem“ (1 Kor 15,28) sein wird: sodass wir zurecht von einem „universellen Christus“ sprechen, wie das etwas Richard Rohr (The universal Christ, 2019) in seinem neuen Bestseller macht?

Hier liegt der Schlüssel zur Öffnung der Repräsentation von Christus, dem Auferstandenen und damit von Raum und Zeit, aber auch gender Entgrenzten, unabhängig von sex und gender. Nicht ein Mann wird repräsentiert, sondern der Auferstandene. Er ist die Mitte des christlichen Glaubens. Alles, wo ein Ordinierter vorkommt, hat mit Ostern zu tun, die Verkündigung, die Feier der Sakramente, der Vorsitz der Eucharistie. Warum sollten den auferstandenen Christus nicht auch Frauen „repräsentieren“ können?

Übrigens hat die Kirche nie verworfen, dass eine Frau (selbst ein Heidin) zur Not gültig taufen kann. Was macht sie da denn sonst, als im Namen des Auferstandenen zu handeln – „amtlich“ also, ohne dadurch gleich Amtsträgerin zu werden? Manche meinen, dass dies bei einer „Not-Eucharistie“ auch möglich sein müsse.

Der theologische Fehler im mühseligen Streit um die Frauenordination liegt offensichtlich in einer Christologie, die zur Rettung des Ausschlusses von Frauen zu einer häresienahen „Jesulogie“ verkommt. Es geht bei der Frauenordination gar nicht um Gender, sondern um das Innerste des Evangeliums: um die Botschaft von der Auferstehung und um die darin beginnende Vollendung der ganzen Schöpfung.

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9 Antworten zu Wen repräsentieren Ordinierte?

  1. albertpichler schreibt:

    Das ist alles zu unterstreichen. Sehr gut auf den Punkt gebracht!

  2. Joseph schreibt:

    Wenn wir „in der Kirche bleiben wollen“ müssen wir die Kirchenleitung (den Papst und die Bischöfe) als befugt und beauftragt akzeptieren! Was sie lehren und auftragen das gilt als KATHOLISCH legitimiert!
    Wenn wir zu anderen Erkenntnissen kommen und andere Auslegungen für richtig finden, stellen wir uns ‚“außerhalb dieser Kirche“ oder gar „gegen diese Kirche“, das heißt wir gründen eine andere (reformierte) Christliche Lehre …..
    [ die Vielzahl an reformierten Konfessionen, Gemeinden, Sekten ist so entstanden und lebt das auch,]
    Da kann den vielen Suchenden und auf Reformen Hoffenden nicht geholfen werden, es gilt GLAUBEN und AKZEPTIEREN und RESPEKTIEREN —- oder man „geht hinaus und sucht seinen eigenen Weg!“
    Echte Reformen gehen nur in der vollen Gemeinschaft mit den (allen) Bischöfen und dem Papst oder gar nicht! — Dann bleibt nur der Weg „ausserhalb“!

    • derChristian schreibt:

      Joseph hat Recht.
      Sosehr ich den grenzenlosen Optimismus und die hoffentlich nie versiegende Energie des Herrn Zulehner, die Reform innerhalb voranzubringen, bewundere – letztlich wird nur der Weg außerhalb zum Erfolg führen. Mit dem Schritt hinaus müssen viele ihre Heimat und ihr zu Hause verlassen. Das ist ohne Zweifel fürs Erste kein Erfolg. Wenn wir jedoch mit der gleichen Energie daran gehen, mit der wir jetzt (vergeblich) versuchen, unser altes Haus zu renovieren, wenn wir uns mit dieser Energie ein neues Zuhause zu schaffen, werden wir rascher zum Ziel kommen. – Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass sich auch nur ein Canon Richtung Frauenordination bewegt. Oder wie Frau Kebekus so treffend formuliert: „… der nächste Papst wird eher ein Heide als jemand mit einer Scheide…“

      Joseph hat nicht Recht.
      Denn als Ergänzung zu Josephs Dreischritt gilt innerhalb noch das folgende katholisch legitimierte Verhalten: NACHDENKEN (als Gegensatz zu vorausdenken) – SCHWEIGEN – GEHORCHEN. Und Systeme mit einem Vordenker und vielen schweigend akzeptierenden Hinterherdenkern hatten zweifelsfrei ihre Blütezeit, aber die ist vorbei. Beschleunigt wird das Verblühen durch kluge Argumente und gut nachvollziehbare Gedanken, wie sie Herr Zulehner und viele andere auch innerhalb unermüdlich formulieren. – „Ecclesia semper reformanda“ kommt und kam von innen aber sicher nicht von denen, die breit und bequem auf ihrem Thron sitzen.

      • Joseph schreibt:

        Sie mögen recht haben – „Ihr wort in Gottes Ohr“ …
        Aber ob alle da mitgehen ….?? Viele steigen aus ohne in einen anderen Zug einsteigen zu wollen!?

  3. Johanna Spöth schreibt:

    Ein echter Zulehner-Kommentar – klar, pragmatisch, theologisch fundiert und das Wichtigste, voll verständlich auch für Lai(innen) -wie ich!

  4. Brand, Hildegard schreibt:

    Nur ergänzend zu Paul Zulehners hervorragender Ausführung:

    Wie auch Richard Rohr die „Vision“ hat, „(…) wieder Jesus und Christus zusammenzufügen (…)“ , wobei Jesus „der archetypische Mensch ( Hebr 4,15)“ sei, „( …) der uns gezeigt hat, wie echtes Menschsein aussehen könnte (…)“ (1), würde auch ich sagen: Der im NT beschriebenne „irdische“ Jesus, der den von M e n s c h e n verordneten, von ihnen grausam herbeigefügten Folter-Kreuzigungstod erlitten hat ( im Römerreich damals die politisch legitimierte Todesstrafe, besonders gegen Sklaven und Aufrührer), und der wohl in seinen Worten und Taten allen menschlichen Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten die Botschaft der Liebe entgegensetzen wollte , kann nicht von dem Titel „Christos“ abgespalten werden, der ihm von den frühen Christen in den ersten Glaubensgemeinschaften offenbar gegeben wurde. Die frühen Christen wollten ja diese Botschaft der Liebe – auch gegen alle Ungerechtigkeiten „auf Erden“ – in ihrem konkreten Da-sein in den frühen Gemeinschaften leben und weiter vermitteln, in dem Glauben auch, dass der Mensch Jesus mit eben dieser Botschaft „weiter“ lebt und somit die Unmenschlichkeiten nicht das letzte Wort haben.

    Jetzt zur „Logik“ des „Für“ und „Wider“ in Bezug auf das „Recht von Frauen“ auf das Diakonin- und Priesterinamt:
    Nach der „Logik“ der universellen Liebe kann es ja wohl weder im Sinne dieses „irdischen Jesus“ – gemäß den Neutestamentlichen Erzählungen selbst Opfer äußerst lieblosen Handelns – , noch im Sinne der ersten „Gläubigen“ gewesen sein, die an die Auferstehung ( deshalb “ Christos“ ) dieses so zugerichteten M e n s c h e n glaubten, a l l e n FRAUEN für „e w i g“ und „i m m e r “
    ( Vergleich: “ nie und nimmer“ von Paul II.) die Tätigkeit des Verkündens dieser Botschaft in Worten und Taten zu verwehren ( einschließlich des Spendens von „Sakramenten“ , usw.), so verstehe ich auch Paul Zulehner.
    Nicht nur nebenbei bemerkt: Ich habe in den neutestamentlichen Evangelien kein einziges Wort des VERBOTES des genannten Verkündigungsauftrags für Frauen entdeckt! (Mann möge mich exegetisch eines Besseren belehren! Der Epheserbrief – die Frau ordne sich dem Mann unter – stammt vermutlich nicht von Paulus, sondern evt. von einem Schüler ; und – das „Schweige-Gebot“ für Frauen finde ich auch in keinem der Evangelien. Von wem auch immer es stammt, es müsste doch wirklich nicht übernommen werden, weil es gar nicht zur universellen Liebe, die Jesus meinte, passt.)

    Und – T r a d i t i o n k a n n und d a r f nicht exegetische Befunde „schlagen“ , wenn es um Abwägen von überzeugenden Argumenten gehen sollte – zumal in aufgeklärten, an Liebe und Gleichheit aller Mennschen orientierten Glaubens-Gemeinschaften.

    Und – es handelt sich in der Argumnentation um dialektische Schritte: Für die an Jesus den Christus Glaubende sollte der Universale Christos über allem stehen, dieses allumfassende Dach müsste logischerweise alle „irdischen Konkretionen“ begründen können, nämlich aus dem Argument der Liebe und der Gleichheit heraus , wie es in der bezeugten Botschaft Jesu-Christi doch wohl gemeint sein muss.
    Im nächsten Schritt müsste „das“ Universale in „konkretes“ R e c h t überführt werden ( hier : die ausdrückliche Implementierung des Rechtes auf Priesterinweihe für Frauen im Kirchenrecht ) . Die Vereinigung zwischen Universalität am Ausgangspunkt und Konkretion in Folge wäre dann sichtbar in einer Glaubensgemeinschaft, welche sich als immer wieder zu erneuernde Gestalt in der Bewegung zwischen Universalität und Konkretion an den Universalen Christos als Anfangs – und Endgestalt rückbinden „müsste“ .
    Das wäre doch eine schöne Synthese als Abschluss einer anzustrebenden Höherentwicklung und das wahre Verständnis von “ kat- holos“ , „all – umfassend“. Aber – wie gesagt: erst muss auch die Ämterfrage im Sinne von Frauen k o n k r e t – geschlechtergerecht geregelt werden; sofern in einer Glaubensgemeinschaft „Ämter“ überhaupt notwendig sind….
    Meine logische Schlussfolgerung ( ergänzend-bestäigend zu Paul Zulehners hervorragend entwickelten, sehr schlüssigen und logischen „Häresie-These“ ):
    Um “ Häresie“ würde es sich bei der Verweigerung des Rechtes von Frauen auf die Priesterweihe nicht nur in Bezug auf den Christus, sondern auch in Bezug auf den irdischen Jesus handeln.
    Um so schwerwiegender wäre sie unter der Bedinguung, dass wir den Jesus und den Christus wieder „zusammenfügen“ . ( R. Rohr)

    Eine letzte, in eine ganz andere Richtung führende Denkanregung:
    Was wäre, wenn der grausame Hinrichtungstod Jesu durch Kreuzigung von Widerstandkämpfer*innen verhindert worden wäre?! Not- wendig wäre es gewesen, wie es immer not-wendig ist und bleiben muss , derartig grausame Zurichtungen von Menschen durch Menschen – wie auch immer- zu verhindern!
    Vielleicht hätte gerade deshalb die Botschaft von der geschlechter-transzendierenden Liebe als Wille eines „guten Gottes, einer guten Göttin“ Bestand. …. Müsste dann die Botschaft und Theologie des Christenntum, der Geschichte des Christentums und der christlichen Kirchen neu geschrieben werden?! Aber- es kam ja nicht zu dieser Verhinderung, wie oft in der Geschichte der Menschheit – bis heute…

    (1) Richard Rohr: Alles trägt den einen Namen. Die Wiederentdeckung des universalen Christus. Gütersloher Verlagshaus, 2019, deutsche Ausgabe, S. 35

  5. Ulrike Brustmann-Sieber schreibt:

    Wieder mal hervorragend geschrieben ………….Mir persönlich ist die Ämterfrage allerdings gar nicht so wichtig, sondern als wichtiger empfinde ich: „Mehr Macht den Frauen“ !!! (und zwar „Macht“ nicht im Sinn von des oft eher negativ besetzten und verstandenen Terminus „Macht“, sondern Macht im gute Sinne von: Gegenteil von ohnmächtig, im Sinne von, was zu sagen haben, Dass das Wort und die Meinung von Frauen in der Kirche „Gewicht hat“, etwas bewirken usw…, selbstbewußt und gleichwertig auf Augenhöhe, Frauen nicht primär in der untergeordneten dienenden Rolle, usw…) Mit der Ämterfrage, egal wie man die löst, scheint mir dieses Thema („Macht“) nicht geklärt zu sein ! Ob man nun die Eucharistie-Vorstehung auch mit einer „Hosenrolle“ (Begriff aus der Theaterwissenschaft) „besetzen“ soll oder nicht…..???? Was würde das tatsächlich groß ändern ??? Ich vermute man erhofft sich davon Dinge, die dieser Schritt nicht leisten können wird……Weiters: Egal wie es da bei diesem spannenden Thema (Ämterzugang Frauen: ja, nein, wie…) konkret weitergehen wird: ………..Ich würde mir generell einen ganz „eigenen“ Weg von Frauen in der Kirche wünschen, wie immer dieser genau aussehen könnte (einfach in den Fusstapfen der Männer oder den männlichen Strukturvorgaben, oder Ämter, die jetzt halt Frauen vielleicht auch dürfen, oder auch nicht – so in der Form ists mir zu wenig kreativ……..das triffts so nicht ganz),……….. ich weiß zwar nicht wie dieser „eigene“ aussehen könnte. Es soll mit Sicherheit ein Weg auf Augenhöhe, Gleichwertigkeit, gegenseitigem Respekt und Wertschätzung, Ernstnehmen usw. sein………..ich denke auch dass gerade Frauen eine immer bedeutenderere Rolle in der Kirche den 21. JHDTS haben wird, dass Gott da noch Grosses vorhat. Etwas scheint in der Luft zu liegen. Aber vermutlich „ganz anders“, anders als „MANN“ denkt und plant und auch ganz anders als das weltliche Vorbild, denn auch der „Genderweg“ führt nur auf den ersten Blick in die richtige Richtung. Langfristig und in letzter Konsequenz umgesetzt, führt die Gender-Utopie in die Unfreiheit, wird dem Menschen, Frau UND Mann NICHT gerecht….

  6. Gottfried Parzer schreibt:

    „NUR“ eine Frage?
    Liegt die Wurzel nicht tiefer? Ich habe meine Probleme breits in der Unterscheidung RE-präsentieren und präsentieren.
    Da ich kein Theologe bin, möge man mich aufklären.
    Ich habe bislang vergeblich in den Schriften des Alten und Neuen Bundes nach einer direkten Maßgabe gesucht, dass die Verkünder/innen der Botschaft des Auferstandenen an Seiner Statt handeln – als Christus, als Gott (In persona Christi capitis). Das gilt für mich auch in der Perikope vom Auftrag an die apostolischen Jünger. Sie sind Boten und sollen durch ihre gesamte Persönlichkeit zeigen, was die Botschaft des Nazareners ausmacht und in diesem Sinne nachvollziehen/handeln.
    Es ist die Unterscheidung zwischen ALS und WIE.
    Eine qualitative Unterscheidung widerspäche nach meinem Verständnis auch der biblischen Gleichwertigkeit der Glieder am mystischen Leib Christi.
    Damit erübrigt sich für mich auch die Genderfrage.
    Nur eine Frage?

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