Black lives matter

Rede meines Freundes Mag. Damian Agbobge, Lehrer am Institut Français, am Tag der Menschenrechte in Wien.

Meine Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,

das erschütternde Video von der letzten Woche in Amerika sagt uns: „Es reicht, es reicht meine Damen und Herren!“ Unser Bruder George Floyd wurde qualvoll getötet.

Wir hören dich unser Bruder Georg, wir hören dich flehen, wir hören dich wie du um dein Leben bittest, wir hören dich sagen – ich kann nicht atmen, bitte, bitte, ich kann nicht mehr atmen.

Ja! Man hat dir das Atmen verweigert, man hat dich in den sicheren Tod gebracht.

Deine Peiniger, diese vier Polizisten, Herrscher über dein Leben und deinen Tod haben entschieden: wir brauchen dich nicht, geh in den Tod, du bist nur ein Neger. Ja der Tod hat dich eingeholt, weg von deiner Familie und Freunden – weg von uns. Unser Bruder George, wir denken an dich!

Mögen unsere Ahnen, mögen unsere Vorfahren, afrikanische Sklaven, dich in ihren Schoß aufnehmen!

Meine Damen und Herren, der Tod der tragische Tod von unserem Bruder George, ist nicht nur ein Vorfall in Amerika – nein – es gibt ganz viele Georges. Wir haben nur davon erfahren, weil es eine mutige Passantin gab, die diesen furchtbaren, grausamen Vorfall gefilmt hat.

Meine Damen und Herren, wissen sie, wie viele Brüder und Schwestern Opfer von Polizeigewalt sind?

Erlauben Sie mir ihnen meine eigene Geschichte zu erzählen. Anfang 2000 wurde ich grundlos von zwei Polizisten festgenommen und zu einer Polizeistation gebracht. 3 weitere Polizisten kamen hinzu. Einen Grund für die Festnahme konnte man mir nicht nennen. Ich wurde nackt ausgezogen, in den Keller gebracht, wo ein Käfig stand und ich wurde in diesen Käfig eingesperrt, mit der Aussage: „Affe da ist dein Ort.“ 5 Stunden lang, nackt, in der Kälte, ohne zu wissen, wie lange und warum.

Nachdem ich geklagt habe, sagten die Polizisten, es war nur eine normale Amtshandlung – eine „normale“ Amtshandlung, wo ich neben ihnen am Revier für 20 Minuten saß … Dass man mich entwürdigt hat, wurde abgestritten. Wie hätte ich gegen 5 Polizisten ohne Zeugen, ohne Videobeweis, Recht erhalten sollen? Am Ende erhielt ich eine Strafe wegen Lärmerregung und aggressives Verhalten.

Ich hatte Glück – ich lebe – ich stehe hier und spreche zu ihnen.

Im März 1999 wurde unser Bruder Loo zu Tode geprügelt – dies war Anlass für uns, die afrikanische Community, erstmals auch in Österreich auf die Straße zu gehen.

Bei dieser Demo hatte ich auch eine Rede gehalten: Ich hatte einen Traum, dass wir die Polizei als Freund und Helfer sehen werden. Nein!

***

5 Wochen später, am 1. Mai 1999 wurde unser Bruder Marcus Omoufuma im Flugzeug mit Klebeband auf dem Sitz festgebunden, Mund und Nase wurden ebenso mit Klebeband zugeklebt. Wie heute beim Bruder George hat man auch unserem Bruder Marcus damals das Atmen verweigert. Seine Peiniger sind Polizisten der demokratischen Republik Österreich.

Nach deinem Tod lieber Marcus, saßen wir mit tiefer Trauer und Ratlosigkeit, mit tiefer Trauer und Verzweiflung, mit tiefer Trauer und Angst in der Galerie des Hohen Hauses anlässlich der parlamentarischen Anfrage der Grünen und des damaligen Liberalen Forums über deinen Tod.

Nun bekam ich einen Stich in mein Herz, als eine sehr bekannte Abgeordnete der Freiheitlichen Partei, die selbst im Zivilberuf Richterin ist (und somit für die Grundrechte ALLER Menschen eintreten müsste) schon im Parlament erklärte: „Die Schwarzafrikaner sehen nicht nur anders aus, sondern sind auch anders; das liegt in der Natur dieser Menschen. Sie sind besonders aggressiv und die Meisten sind Drogendealer und Illegal da.“

Meine Hoffnung, dass Abgeordnete der Regierungsparteien, der sogenannten Großkoalition, aufstehen und widersprechen, dass sie diese rassistische Äußerung und Beleidigung zurückweisen werden, wurde schwer enttäuscht. Man ging zur Tagesordnung über.

Es wird immer nach diesem bestimmten Muster vorgegangen. Die Ermordeten werden kriminalisiert! Durch die Operation „Spring“ wurden vor einigen Jahren ebenfalls zahlreiche unschuldige Menschen grundlos beschuldigt und ins Gefängnis gesteckt. Ich selbst wurde als Drogenboss in der Zeitung abgestempelt – ich konnte mich wehren, ich konnte eine Richtigstellung erzwingen, ich konnte finanzielle Entschädigung erhalten … Wie viele Unschuldige bekommen diese Möglichkeit jedoch niemals?

Liebe Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde, ich finde es wunderbar, dass so viele Menschen gekommen sind, um zu zeigen, dass sie nicht so denken.

Meine Damen und Herren, wir haben diesen Platz, den Platz der Menschenrechte, dieses Denkmal von Marcus Omufuma erkämpft: das wird uns keiner mehr nehmen!

Lieber Marcus wir denken an dich!

Wir denken an die vielen Opfer der rassistischen Polizeigewalt. Unter anderem an:

  • Cheibani Wague, verprügelt und gestorben
  • Ahmed F., verprügelt, erstickt und gestorben
  • Richard Ibekwe, gestorben an Mißhandlung
  • Edwin Ndupu, verprügelt und gestorben
  • Yankuba Ceesay, verprügelt und gestorben
  • Essa Touray, nach der Amtshandlung tot in der Donau aufgefunden
  • Bakary Jassey, von der Polizei gefoltert
  • Mike Brennan, von der Polizei niedergeprügelt

Ihr alle, und jene, von denen wir nicht wissen: Ihr wurdet Opfer der österreichischen Polizeigewalt – Wann hört endlich dieser strukturelle Rassismus auf?

Schwarze Menschen, jung oder alt stehen ständig im öffentlichen Raum unter Generalverdacht. Die Polizei kontrolliert schwarze Menschen grundlos.

Wir fordern NULL TOLERANZ für Rassismus bei der Polizei!

Die prügelnden Polizisten sollten sofort entlassen, angeklagt und abschließend gerechte und angemessene Strafe erhalten!

Wir verlangen, dass unabhängige Behörden Beschwerden gegen Polizisten überprüfen müssen!

Wir erwarten, dass antirassistische Organisationen bei der Planung dieser Behörde miteinbezogen werden. Die Polizei muss in Anti-Rassismus geschult werden!

Black Live Matters

 

 

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