Covid-19 macht uns die Not der MigrantInnen vergessen

Das Flüchtlingslager in Moira auf der griechischen Insel Lesbos war für 2800 Schutzsuchende ausgelegt worden. Inzwischen sind dort 24000 Menschen untergebracht. Nun warnen Ärzte ohne Grenzen, dass im Lager die Pandemie ausbrechen könnte. Das würde die Schutzsuchenden der Infektion schutzlos ausliefern.

Angesichts der hohen Gefährdung der haben sich diese organisiert und einen Brief an die Europäische Union verfasst. In diesem schreiben sie:

„Wir begannen, unser Leben im Elend zu organisieren. Wir versuchten, unsere Würde zu schützen. Aber wir können nicht gegen ein Virus kämpfen ohne minimale Hygienestandards und Möglichkeiten, uns zu schützen“, heißt es in dem Text. „Wie sollen wir Abstand halten?“, fragen die Bewohner des Camps mit Blick auf die internationalen Empfehlungen zum Infektionsschutz. Kranke könnten nicht isoliert werden, weil kein Platz dafür sei. Zum Händewaschen stehe nicht ausreichend Wasser zur Verfügung. Auf 1300 Personen kommt ein einziger Wasserhahn.

Es ist Papst Franziskus, der auch in der Zeit der Pandemie an das Schicksal der Migranten erinnert. Auch Österreichs Bischöfe haben es in ihrem gewichtigen Pfingst-Hirtenwort getan. Ihr Schicksal ist medial wie politisch angesichts der Pandemie in den Hintergrund geraten.

Pfingsten wäre eine gute Zeit, an deren Schicksal zu erinnern. Dabei geht es nicht nur um die sehr praktische Frage, ob Europa unbegleitete Jugendliche und gefährdete Personen aus den Flüchtlingslagern aufnimmt. Es ist auch richtig, dass die EU das Mitgliedsland Griechenland finanziell unterstützt. Aber längerfristig muss auch die Dublinverordnung weiterentwickelt werden. Sie macht jene Länder für die Aufnahme von Schutzsuchenden verantwortlich, wo diese anlanden. Und überfordert sie dabei maßlos. Angesichts der neuerlichen wirtschaftlichen Belastungen gerade Italiens oder Spaniens wird die alte Dublinregelung zu einem Todesurteil für immer mehr Flüchtende.

Pfingsten könnte zu einem Fest werden, das Europäische Solidarität weckt. Vorreiter gibt es – den luxemburgischen Außenminister Jean Asselborn zum Beispiel. In einem Interview im Deutschlandfunk am 15.4.2020 sagte er: „Es gibt keinen Grund, Kinder auf den Müllhalden der Inseln in Griechenland verkommen zu lassen.“ Daher habe Luxemburg angefangen, ein kleines Kontingent von unbegleiteten Jugendlichen aufzunehmen. Er sei optimistisch, dass weitere Länder folgen werden, und führte weiter aus. „Wenn die EU noch in den Spiegel schauen will, dann gibt es kein Land, das einen Grund hat, hier nicht mitzuhelfen.“ „Es geht aber nur, wenn der politische Wille da ist einzusehen, dass das Menschen sind.“ Jugendliche hätten das Recht auf ein Leben ohne Angst und in Würde.

Unser Heimatland Österreich hat in den letzten Wochen bewiesen, dass unter den Menschen eine beachtliche Bereitschaft zu solidarischem Handeln gegeben ist. Darauf können wir alle stolz sein. Darauf aufbauend, könnte uns der pfingstliche Heilige Geist, der die Herzen weitet, dazu bereit machen, auch schutzsuchende Personen in unser solidarisches Tun einzubeziehen.

Ein Satz aus dem Brief der Lagerbewohner in Moira an unsere EU hat mich stark berührt: „Wir sind alle nach Europa gekommen, weil wir wie Menschen leben wollen und weil wir die Gewalt, die Kriege und die Verfolgung, mit der wir alle konfrontiert waren, nicht mehr ertragen konnten.“ Und: „Wir kamen, weil unsere Kinder eine bessere Zukunft verdienen.“

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2 Antworten zu Covid-19 macht uns die Not der MigrantInnen vergessen

  1. Pingback: Das Ende der Globalisierung? Die pfingstliche Erinnerung an die Einheit der Menschheit (Regina Polak) – theocare.network

  2. Brand, Hildegard schreibt:

    Zweieinhalb Monate nach Erscheinen des fundierten Artikels von Paul Zulehner hier, zudem der sehr durchdachten und umfassenden „Globalisierungsanalyse“ von Regina Polak hier, einige Monate nach Erscheinen von Jean Zieglers Buch: „Die Schande Europas“, nach zahlreichen Berichten und Appellen von NGO´s, z.B. von „Medical International“ , den „Ärzten ohne Grenzen“, der „Gesellschaft Kultur des Friedens“ , des privat organisierten Projektes „One happy Family“ zur Lage auf Lesbos, nach zahlreichen Berichten von ihrer aufopfernden Arbeit in dem genannten Flüchtlingslager vor Ort, nach Forderungen auch, das Lager wegen der menschenunwürdigen Verhältnisse vollständig aufzulösen –
    … Jetzt – Mitte August ? – W a s w u r d e g e t a n ? – A u ß e r dass vielleicht einige wenige Kinder „heraus“ in wohlhabende, europäische Länder hinein geholt wurden ( wie wurde eigentlich die Anzahl der zu rettenen Kinder errechnet? ) und dass Herr Ministerpräsident Laschet vor kurzem „Elendsbesichtigung“ betrieben hat – einmal ganz zynisch ausgedrückt, so „zynisch“ , wie ich auch derartige „Taten“ finde.
    W a s w u r d e g e t a n ? Zu wenig. Und das ist so viel wie NICHTS in dieser Situation. Klingt es nicht genau so zynisch „ein k l e i n e s K o n t i n g e n t von unbegleiteten Jugendlichen aufzunehmen“ ( Minister Asselborn, Zitat s.o. ) Dem entsprechend wird auch NICHTS mehr in den Nachrichten oder sonst wie medial thematisiert. Auch von der Erarbeitung eines gerechteren „Abkommens“ als Ersatz für das „schäbige“ Dublin-Abkommen ist weit und breit nichts zu hören, ( es sei denn, ich habe nicht aufgepasst).
    Und in dem Zusammenhang kann ich es nicht unterlassen, daran zu erinnern, dass Angela Merkel – aus meiner subjektiven Wahrnehmung und Erinnerung heraus gesprochen- unter Berufung auf gerade dieses Dublin-Abkommen seinerzeit „eiskalt“ die Verantwortung für die Aufnahme/ Rettung von Flüchtlingen vor der Insel Lampedusa allein auf die Schultern von Italien gepackt hat, dem ersten “ potenziellen“ Ankunftsland. Wir alle haben noch das Bild der Ertrinkenden / Ertrunkenen vor uns; für Papst Franziskus damals der Anlass, von einem Schiff aus Blumenkränze als Zeichen der Würde der Ertrunkenen und seiner Anteilnahme an deren Schicksal auf das Wasser nieder zu lassen. 2015 folgte dann Frau Merkels „Umkehr-Politik“ , die sogenannte Willkommenskultur:
    “ Wir schaffen das“ , die ja stark und bewundenswerterweise von vielen Menschen der Zivilgesellschaft getragen wurde. Und dann – wieder später- das aus meiner Sicht fatale Abkommen mit der Türkei. Seit dem hat sich die Situation der eingepferchten Menschen auf Lesbos einmal mehr zum Grauenvolleren verschlimmert, Moria ist jetzt ein lebendes, schreiendes Mahnmal, Zeichen der völkerrechtswidrigen Grausamkeiten gegen 25 000 Menschen.
    Ich weiß nicht, welche Möglichkeiten kirchliche Hilfsorganisationen haben…. ?
    Konkret jedoch: das Flühtlingslager in Moria muss sofort aufgelöst und die dort im Elend lebenden Menschen müssen von allen europäischen Staaten und reichen außer-europäischen Ländern aufgenommen werden.
    Pauschal- global gesprochen: Armut auf der Welt und Kriege als Fluchtursachen müssen endlich aufhören. Den profit-gierigen Waffenproduzenten und – lieferanten, Kriegstreibern, Krieg-Führenden weltweit muss endlich das Handwerk gelegt werden.
    Hildegard

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