Ein Moratorium bei Strukturreformen einlegen!

Es geht die verlässliche Information um, dass in der Erzdiözese Wien Pfarrer, die 75 werden, gedrängt werden, umgehend „auf ihre Pfarre zu resignieren“. Sie sollen damit ermöglichen, dass diese Pfarre in einen größeren pastoralen Verbund, in Wien „Pfarre neu“, eingegliedert werden. In der Erzdiözese zählen zu diesen Pfarrern u.a. Norbert Roth (Gersthof), Klaus Eibl (Währing), aber auch der Gründer der Pfarrerinitiative Helmut Schüller (Probstdorf). Angesichts der Ergebnisse der Amazoniensynode ist das fahrlässig, unverantwortlich und widerspricht allen Bemühungen von Papst Franziskus. Zudem sollte bedacht werden, dass eine Vatikanische Behörde die Umsetzung des ähnlich geplanten Strukturprozesses in der Diözese Trier gestoppt hat.

Angetrieben wird diese mühsame, von vielen Pfarreien ungeliebte Strukturreform, vom offenkundigen und bischöflicher Seits zugegebenen, wenngleich gleich wieder verniedlichten Pfarrermangel. Dieser ist natürlich statistisch nicht so groß wie in anderen Gebieten der Weltkirche. Aber es tröstet wahrlich nicht, wenn mir der Arzt sagt, mein Herzinfarkt sei nicht so schwer wie bei anderen, die daran gestorben sind.

Es ist ein Gebot der historischen Stunde in der Entwicklung der Weltkirche, die laufenden Strukturreformen zumindest zu unterbrechen, also ein Moratorium einzulegen.

Das schafft die Möglichkeit, gestützt auf die Vorschläge der Amazoniensynode, und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch des erwarteten päpstlichen Schreibens, nach pastoral weniger destruktiven Alternativen Ausschau zu halten. Studien zeigen, dass die derzeitigen Strukturreformen faktisch nicht mehr bringen, als das „downsizing“ (Herunterfahren) einer sterbenden Kirchengestalt. Die derzeitigen Strukturreformen verbleiben im vergehenden Rahmen, verändern diesen aber nicht. Einen Weg in die Zukunft eröffnen sie nicht.

Dass just in solchen Tagen in der Erzdiözese Wien mit neuer Anstrengung die Errichtung der XXL-Pfarren (wie beispielsweise Währing mit 50000 Katholk*innen) vorangetrieben werden soll, widerspricht nicht nur pastoraler Vernunft, sondern ist auch ein Affront gegen das Gottesvolk in den betroffenen Gemeinden sowie gegen die Linie von Papst Franziskus. Dieser will von den Bischöfen mutige, zukunftsgerichtete Vorschläge, und nicht die Fortsetzung des Unbewährten mit erhöhter Anstrengung.

Die Petition #Amazonien-auch-bei-uns! (unterschreiben Sie bitte und werben Sie um Unterschriften: www.amazonien-auch-bei-uns.com  ) bedenkt konkret, in welche Richtung sich die Kirche bei uns entwickeln kann: statt neuer Strukturen braucht es vorab Menschen, die sich der Jesusbewegung anschließen und Gemeinschaften des Evangeliums bilden, deren Herz die eucharistische Feier ist. Diese Gemeinschaften des Evangeliums sind wie gastfreundliche „Herbergen“ (Jan Hendriks)  für suchende Menschen. Sie bilden Knoten in einem pastoralen Netzwerk (mit Orden, Bildungseinrichtungen, Caritas, Schulen, Katholischer Aktion, geistlichen Gemeinschaften etc.) und machen gemeinsam gesellschaftliche Projekte. Lebendige Gemeinschaften des Evangeliums tragen in sich auch jene bewährten Personen („personae probatae“), welche nach einer angemessenen Ausbildung in ein presbyterales Team ordiniert werden können. Knapp heißt es daher in der Petition:

Zudem fordern wir die Bischofskonferenzen auf, dem Papst im Rahmen verstärkten Einsatzes für das Evangelium mutige Vorschläge zur Milderung des Priestermangels zu machen. Auch bei uns gibt es lebendige Gemeinden, die einen „eucharistischen Hunger“ haben, den zu stillen „die Hirten verantwortlich“ sind, so Papst Franziskus.

 

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5 Antworten zu Ein Moratorium bei Strukturreformen einlegen!

  1. Ulrike Brutsmann-Sieber schreibt:

    XXL-Pfarren finde ich einfach schrecklich.
    Zitat: .“………..Pfarrer, die 75 werden, gedrängt werden, umgehend „auf ihre Pfarre zu resignieren“……………“
    Man stelle sich vor, von der rein menschlichen Seite: Jemand der sein ganzes Leben in den Dienst der Kirche gestellt hat………..und dann diese Art von „golden handshake“ zu bekommen……….???? hm……….

    • Joseph schreibt:

      das ist ja kein „golden handshake“
      Sie sollen von der Rolle des Chefs in die Rolle des „Untergebenen“ gedrängt werden, weil in der XXL-Pfarre werden sie ja gebraucht und weiter hin-und-her gehetzt

  2. Markus Beranek schreibt:

    Lieber Paul,

    ich bin ganz bei Dir, dass es in der Entfaltung des Amtes in der Kirche noch viel Luft nach oben gibt. Besonders wichtig scheint mir eine Ausgestaltung der Amtes zu fördern, das ganz konsequent im Dienst des gemeinsames Priestertums aller Getauften steht, das Menschen begleitet und befähigt ihre Sendung in Kirche und Welt zu leben. Dabei scheint es mir eine ganz wesentliche Frage zu sein, wie es gelingen kann gerade auch junge Menschen für diesen Dienst zu gewinnen. Wir brauchen die bewährten Älteren mit ihrer Lebenserfahrung, wir brauchen auch ganz dringend die Jungen, Wagemutigen, die in der Lebenswelt junger Menschen auch selbst zu Hause sind.
    Kirchliches Amt steht im Dienst der Menschen und ihrer Vergemeinschaftung in vielfältigen Formen kirchlicher Gemeinden. Deshalb stehe ich auch hinter den strukturellen Veränderungen in unserer Diözese. Ich glaube einfach nicht, dass unsere derzeitige Anzahl an Pfarren unverrückbar für alle Zeiten so feststeht. Die derzeitige Struktur hat viel Gutes bewirkt und viel Nähe zu den Menschen ermöglicht. Das ist ein Wert, den wir behalten und weiterentwickeln wollen. Wenn wir diözesan von einer „Pfarre mit Teilgemeinden“ reden meinen wir damit, dass mehrere bisherige Pfarren in einer großen Pfarre zusammenrücken, dass aber die einzelnen Gemeinden als Orte wo der Glaube in persönlichen Begegnungen geteilt wird erhalten bleiben, ja noch mehr. Die Hoffnung ist, dass sich innerhalb dieser großen Pfarren auch neue Gemeinden entwickeln können, die auf Dauer nicht nur territorial nahe an den Menschen sind, sondern die es auch in einem viel höheren Maß schaffen, nahe an den teilweise sehr unterschiedlichen Lebenswelten der Menschen unserer Zeit zu sein. Die Chance einer großen Einheit kann darin bestehen, dass mehr kreative Leute im Bereich der Haupt- und Ehrenamtlichen mehr Innovationskraft haben, dass kleine Gemeinden nicht alles tun müssen, sondern stärker ihre Stärken entfalten können und manche Dinge sich besser gemeinsam auf Ebene der großen Pfarre lösen lassen. In Evangelii Gaudium 28 spricht Papst Franziskus von der Pfarre als „Gemeinschaft von Gemeinschaften“ (communitá di communitá, in der deutschen Übersetzung mit „Gemeinde der Gemeinschaft“ nicht ganz treffend übersetzt) – ich sehe nicht, was an unserem diözesanen Weg dem Auftrag des Papstes widersprechen würde, ganz im Gegenteil.
    Ich meine, dass inmitten der Veränderungen unserer Zeit Amt und Gemeinden sich weiterentwickeln müssen und sich weiterentwickeln werden. Ich wünsche mir, dass es hier noch eine viel stärkere und mutigere gemeinsame Suchbewegung gibt wo wir uns im Blick auf Jesus als Kirche fragen, wohin er uns heute in diesen Fragen ruft. Ich hielte es aber für grob fahrlässig, die Errichtung der größeren pastoralen Einheiten jetzt zu stoppen. Inmitten aller Unsicherheiten ist es auch Verantwortung von Leitung Entscheidungen zu treffen und damit Klarheit zu schaffen. Keine Entscheidung schafft für sich den Himmel auf Erden und alle diözesanen Maßnahmen können ja auch im Idealfall nur Rahmenbedingungen schaffen, dass Menschen besser ihren Glauben leben und die Botschaft Jesu sich wirksamer in der Gesellschaft entfalten kann. Ganz konkret erlebe ich, dass die Bildung der größeren Einheiten natürlich Verunsicherung auslöst, damit aber auch den Anstoß gibt, Fragen rund um die Zukunft gemeinsam zu stellen und Herausforderungen anzugehen. Es geht nur Schritt für Schritt. Aber ein zögerliches „jetzt doch nicht“ würde uns dabei kaum voranbringen.

    Mit einem herzlichen Gruß

    Markus

  3. Pingback: Dieselbe Kirche anders sichtbar - y-nachten.de

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