Es geht nicht um die Abschaffung des Zölibats, sondern um zwei Ausformungen des priesterlichen Dienstes

In „fortschrittlichen“ Wortmeldungen der letzten Jahrzehnte wird die Weihe von „viri probati“ gefordert. Als praktischen Weg schlagen sie die Weihe von verheirateten Diakonen vor. Argumentativ wird dieser Vorschlag mit dem Hinweis darauf unterstützt, dass diese Personen sich in Ehe und Familie bewährt haben. – Es gibt allerdings hochrangige Gruppen in der Kirche,  für welche die zölibatäre Lebensform einer der höchsten Werte des Katholizismus ist. Um die Lebensform zu erhalten, sind sie strikt gegen die Weihe von „viri probati“. – Die hier vorgelegten pastoraltheologischen Überlegungen versuchen aufzuzeigen, dass beide einander bekämpfende Gruppen an der Vergangenheit hängen und den zukunftsträchtigen Überlegungen der Amazoniensynode nicht gerecht werden.

***

Sie haben zunächst einfach Recht

Kardinal Gerhard Ludwig Müller und andere prominente der katholischen Weltkirche betonen einhellig, dass die Weihe von „viri probati“ die großen Zukunftsprobleme der Kirche zumal in Europa nicht lösen würde. Denn es fehle der Kirche nicht nur an Priestern, sondern immer mehr auch an Gläubigen.

Ein Lokalaugenschein in vielen Pfarrgemeinden bestätigt ihre Diagnose. Der Altersdurchschnitt der Kirchgänger ist arg hoch: Viele Mitfeiernde werden in den nächsten Jahren die Kirchenbänke räumen. Junge werden kaum nachkommen. Auch nicht junge Frauen. Meine neueste noch unveröffentlichte Studie „Religion im Leben der Österreicherinnen 1970-2020“ belegt mit dramatischer Deutlichkeit: Nicht nur, aber vor allem jüngere Frauen haben sich inzwischen von der Kirche verabschiedet. Denn wie sie kirchlich (nicht nur) in der Ämterfrage behandelt werden, widerspricht all dem, was heute gesellschaftlich für die meisten jungen Frauen selbstverständlich ist.

Wer also über die Zukunft der Kirche beispielsweise im deutschsprachigen Raum nachdenkt, muss tiefer ansetzen. Man darf dabei nicht in die „Zölibatsfalle“ tappen. Unumstritten ist, dass die Konstantinische Ära vorbei ist. Christ oder Christin zu sein ist heute nicht mehr „Schicksal“, Tradition, Selbstverständlichkeit, sondern ein Thema einer freien „Wahl“, die keineswegs in einem grandiosen Bekehrungserlebnis ein- für allemal getroffen wird, sondern einer ständigen Erneuerung bedarf.

Vertiefter Ansatz

Mit diesem Grundprinzip der freien Entscheidung in Sachen der Religion lässt sich ohne große Anstrengung erkennen, worauf es künftig ankommt. Ich will dies in wenigen Punkten umreißen:

  1. Es braucht Menschen, die auf einem Bein zu sagen in der Lage sind, wozu Jesus seine Bewegung ausgelöst hat. Jesus hat dazu das Bild vom Kommen des Reiches Gottes bevorzugt. Um es mit dem großen Aachener Bischof Klaus Hemmerle zu formulieren: Jesus ging es nicht primär darum, dass wir in den Himmel kommen (das natürlich auch), sondern dass jetzt schon der Himmel zu uns kommt. In Spuren wenigstens, füge ich bei. Aber das Wissen um die Vision Jesu von einer himmelsgetränkten Welt genügt nicht. Es ist auch nötig, dass sich diejenigen, die Jesus kennen, entschlossen seiner Bewegung auch anschließen. Das Ziel ist dabei weniger eine privat stilisierte Jesusfreundschaft der leuchtenden Augen (die durchaus gut sein kann), sondern die Bereitschaft, sich von Jesus in Dienst nehmen zu lassen für sein Anliegen, dass die Geschichte der einen Menschheit in der Einen Welt immer mehr ein menschliches Angesicht trägt. Und dazu zählen, wie die katholische Liturgie in der Präfation des Christkönigsfests singen lässt, Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden. Und das jetzt. Auch und gerade durch den gesellschaftspolitischen Einsatz der tief in Gott verwurzelten Anhängerinnen und Anhänger der Jesusbewegung.
  2. Wer sich Jesu Bewegung anschließt, findet sich unvermittelt in einer Gemeinschaft wieder. Es sind Gemeinschaften des Evangeliums, des Lobpreises, der Erzählung der biblischen Begebenheiten, nicht zuletzt des Einsatzes mit den Armen für die Armen. Diese Gemeinschaften sind wie gastfreundliche Herbergen, die Suchende gern aufnehmen, ihnen Wege des Eintauchens in das göttliche Geheimnis weisen und mit ihnen dann in ihren konkreten Projekten bei den Armen auftauchen.
  3. In diesen Gemeinschaften des Evangeliums stellen die Anhänger der Jesusbewegung Zeit, Kraft und Begabungen zur Verfügung. So wirken manche in den Liturgien, andere in der Verkündigung der Auferstehung, andere in diakonalen Projekten „praktizierter kleiner Auferstehungen“ mit. Es gibt in diesen Gemeinschaften des Evangeliums „auf Grund der Wiedergeburt in Jesus Christus“ eine wahrhafte Gleichheit an Würde und Berufung. Die drei menschheitsalten Diskriminierungen (Gal 3,28) sind überwunden: zwischen Juden und Griechen (Apostelkonzil), Sklaven und Freien (Bartolomé de Las Casas) sowie Männern und Frauen.
  4. Diese Gemeinschaften des Evangeliums leben aus der Feier der Eucharistie, die alle Grunderfahrungen christlichen Lebens umfasst und nährt: den Lobpreis, das Wort und die Wandlung der Versammelten in einen Leib Christi, hingegeben für das Leben der Welt. Welche die Eucharistie feiern, gehen in dieses Ereignis anders hinein als hinaus: Hinein gehen sie mit ihren Ängsten, die ihnen die Kraft zu solidarischer Liebe rauben, hinaus gehen sie als engagierte Fußwaschende. Sinnbildlich tragen sie alle beim Hinausgehen eine Schürze, das Symbol der Fußwaschung (Joh 13). Geschieht solche Wandlung, dann ist an jedem Montag ein Teil der Gesellschaft anders geworden. „Weltverwandlung“ geschieht. Die Wandlung von Gewalt in Liebe, das innerste Geheimnis des Kreuzestodes, greift auf die Feiernden über und mit ihnen wird ein Teil der Menschheit gewandelt, so Benedikt XVI. 2005 am Weltjugendtag in Köln. Spuren der ausstehenden Vollendung der Welt werden sichtbar.

Die Kirche hat also nach ihrem Abschied von der überkommenden Kirchengestalt ungeheure Aufgaben vor sich. Und keine dieser Aufgaben wird durch eine rasche Weihe von „viri probati“ gelöst. Eine solche wäre ja letztlich nichts anderes, als die Kirchengestalt einer vorvatikanischen Klerus- und Priesterkirche künstlich am Leben zu erhalten. Die längst fällige Umwandlung in eine zukunftstaugliche Kirchengestalt würde lediglich aufgehalten werden.

Eine Lösung für einzelne aufgebrochene Gemeinden

Doch ist damit nur die eine Seite gesagt: Dass es nämlich sehr gute Gründe gibt, der Forderung nach einer (raschen) Weihe von „viri probati“ zu misstrauen. Aber es gibt auch die andere Seite. Denn nicht nur in Amazonien, sondern auch bei uns finde ich Pfarren/Pfarreien, welche längst nach Zukunft riechen. Seit dem Konzil haben sie sich von der überkommenen klerikalismusgefährdeten Priesterzentrierung verabschiedet. Viele Gemeindemitglieder haben sich entschieden ihrer Gemeinschaft des Evangeliums angeschlossen und tragen dazu bei, dass diese Gemeinschaft aus der Kraft des Evangeliums lebt und wirkt. Nicht zuletzt leben sie aus der Feier der Eucharistie – und weil diese in der letzten Zeit immer mehr durch den Mangel an Priestern gefährdet ist – zeigen sie Symptome eines „eucharistischen Hungers“.

Genau das ist die Situation vieler Gemeinden in Amazonien. Aber eben zunehmend auch bei uns. Das ist eine der (wenigen) Ähnlichkeiten zwischen dem „Regenwald und dem Waldviertel“. Und genau für solche Gemeinden (und nur für solche!) sollten die Bischöfe Amazoniens dem Papst mutige Vorschläge machen.

Eckpunkte der kommenden  Einzelfalllösung

Das sind nun unverzichtbare Eckpunkte jener Einzelfalllösung, die Papst Franziskus den Bischöfen Amazoniens demnächst gewähren wird:

In Frage kommt eine einzelne, konkrete Gemeinde, die eine gastfreundlich-missionarische Gemeinschaft des Evangeliums mit entschiedenen Anhängern ist. Diese bringen Zeit und Begabungen ein. Auf Grund des Mangels an Priestern kann diese Gemeinschaft nicht Eucharistie feiern, obgleich sie aus dieser lebt; deshalb entwickeln ihre Mitglieder einen eucharistischen Hunger, wenn sie diese nicht feiern können. Eine solche Gemeinde soll aus ihrer Mitte bewährte Personen („personae probatae“) wählen (!), die im Leben der Gemeinschaft des Evangeliums und ihrer Leitung erfahren sind. Diese sollen entsprechend für ihre zu übernehmende Aufgabe ausgebildet und dann auf dem Weg des Diakonats zu Priestern geweiht werden. Es empfiehlt sich, dass nicht nur eine einzelne Person geweiht wird, sondern ein Team von Ordinierten entsteht.

Zwei Ausformungen des priesterlichen Dienstes

Entscheidend ist nun, dass aus diesem Entwicklungsweg eine zweite Ausformung des katholischen Priesteramts entsteht. Die herkömmliche Form der Priester wird durch die Entstehung der zweiten Ausformung nicht angetastet, wobei offenbleibt, ob und wie sich die erste Form der ehelosen, akademisch an Fakultäten ausgebildeten männlichen Priester entwickeln wird.

Mit der Ausbildung der zweiten Form wandeln sich die Zugangsbedingungen. Die Priester der ersten herkömmlichen und vertrauten Form kommen aus dem freien Berufungsmarkt und gehen dann in ein Priesterseminar und studieren an einer Fakultät. Der Bischof teilt sie dann einer Gemeinde zu.

Die Priester der zweiten Gestalt hingegen kommen unmittelbar aus lebendigen Gemeinden des Evangeliums. Sie sind entschiedene Anhänger der Jesusbewegung. Sie haben vielfältige Erfahrungen im Gemeindeleben gesammelt (sind also „personae probatae“). Sie besitzen das Vertrauen der Gemeinde, die sie wählt und dem Bischof zu Ausbildung und Ordination (in ein Team) vorschlägt. Es kann sein, dass eine Gemeinschaft/Gemeinde auch eine hauptamtlich in der Gemeinde tätige Person oder einen Diakon wählt, wenn diese Person das Vertrauen der Gemeinde besitzt. Aber eine automatische Weihe von Hauptamtlichen und von Diakonen wird von den Vertretern des Zweiformenmodells als nicht zukunftsträchtig abgelehnt.

Wichtig ist bei diesen Überlegungen die inhaltliche Füllung des Wortes „bewährt“. Mit Blick auf Diakone wird oft argumentiert, man soll doch diese nehmen, denn sie hätten sich in Ehe und Familie bewährt. Das Zweiformenmodell schätzt solches natürlich auch. Aber jetzt bezieht sich „bewährt“ auf den Beitrag und die Leitung einer missionarisch engagierten Gemeinschaft/Gemeinde des Evangeliums.

Ich weiß um die eine oder andere Gemeinde hierzulande, die nicht nur auf dem Weg des Evangeliums weit vorangeschritten sind. Manche haben auch schon „bewährte Personen“ gewählt. Und da und dort beginnt eine Ausbildung solcher bewährter Personen, und das in der Hoffnung, dass der Papst den Bischöfen Amazoniens die Ordination solcher Gemeindemitglieder einräumt und auch unsere Bischöfe dem Papst (gewiss modifiziert) ähnliche mutige Vorschläge machen.

Anstehende Aufgaben

Ortkirchen, die sich auf einen tauglichen Zukunftsweg begeben wollen, werden sicherlich die Einrichtung einer zweiten Form des Priesteramtes erwägen. Aber sie beginnen nicht damit. Vielmehr sind Möglichkeiten auszukundschaften, wie es in unserer Kultur möglich ist, dass ZeitgenossInnen die Jesusbewegung kennenlernen, sich persönlich für sie entscheiden und sich Gemeinschaften des Evangeliums anschließen und in diesen mitleben und mitarbeiten können.

Zu klären ist sehr wohl auch, ob uns möglicherweise die von den Päpsten Johannes Paul II. (Ecclesia de eucharistia) und Benedikt XVI, geradezu hymnisch besungene Bedeutung der Eucharistie abhanden kommt. Es gehört zu den ungewollten Nachteilen der Sicherung von gemeindlichen Versammlungen ohne Priester, dass der Wert der Feier der Eucharistie nicht vertieft wurde, sondern eher nach und nach geschwunden ist. Ich bin bei der Auswertung von noch unveröffentlichten Daten erschrocken, dass nahezu 80% der KatholikInnen in Österreich in der letzten Umfrage sagen, man könne auch ohne Sonntagsmesse ein guter Christ sein. Ist dies der Preis dafür, dass wir die ehelose Lebensform der Priester dem Wert der Eucharistie faktisch überordnen?

Manche Strukturentwicklungen folgen nicht nur dem Priestermangel, sehen nicht nur den Gläubigenmangel, sondern versuchen auch den vorhersehbaren Finanzmangel zu verarbeiten. Vielleicht ist es eine der durchaus bedenkenswerten Nebenwirkungen, dass die Entwicklung einer anderen Form des priesterlichen Dienstes die Kirche auch von der Kirchensteuer/dem Kirchenbeitrag unabhängig macht.

Wo immer also Gemeinden/Pfarreien das Evangelium in aller Brüchigkeit und Redlichkeit zu leben versuchen und viele Mitglieder das Leben und Wirken ihrer Gemeinschaft verantworten, haben die Hirten die Pflicht, ihnen auch die Feier der Eucharistie zu ermöglichen. Nach (keinesfalls lückenloser) Tradition in unserer Kirche braucht es dazu Ordinierte. Genau in solchen konkreten Gemeinden wird es in Zukunft Priester der zweiten Form geben. Es werden einzelne Gemeinden sein, die sich darum bewerben, sobald der Bischof ihnen über längere Zeit (etwa fünf Jahre) keinen Priester der ersten Form zuweisen kann und die darauf hinweisen können, die dafür erforderlichen Voraussetzungen (einigermaßen) zu erfüllen. Solche Gemeinden wird es – so kann man es den Empfehlungen der Amazoniensynode entnehmen – künftig in Amazonien geben. Und mit pastoraltheologischer Gewissheit auch bei uns.

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7 Antworten zu Es geht nicht um die Abschaffung des Zölibats, sondern um zwei Ausformungen des priesterlichen Dienstes

  1. Robert Mitscha-Eibl schreibt:

    Christentum statt Krustentum! Dein Wort in Gottes Ohr (und dem seiner Stellvertreter), lieber Paul.

  2. Ulrike Brustmann-Sieber schreibt:

    Zum „Eucharistischen Hunger“: Meine Mutter hatte in jungen Jahren auch wörtlich den „eucharistischen Hunger“. Das war noch in einer Zeit als man nüchtern sein musste um zur Kommunion gehen zu können. Also hat sie, um Messe und Kommunion vor der Arbeit besuchen zu können, auf das Frühstück verzichtet ging anschließend zur Arbeit und war dann tatsächlich hungrig bis zum Mittagessen……….
    …………………..Zu Priester-Mangel versus Gläubigen-Mangel – eigentlich kann man das nicht wirklich gegeneinander ausspielen: 1 Ich denke ZUERST braucht es einen Priester, der die Messe und die Kommunion ermöglicht, sonst kann man ja nicht hingehen. Doch als zweites wäre es auch gut uns als Gläubige auch zu hinterfragen,: Was sind wir bereit für einen Mess- und Kommunionbesuch auf uns zu nehmen. Und heutzutage muss niemand mehr nüchtern sein und über Stunden hungrig bleiben.
    Auch die Atmosphäre macht es aus: Es ist ein Unterscheid ob, wenn ein Fest (Messe) gefeiert wird, keiner / kaum jemand hingeht (da hält sich vermutlich auch die Motivation Priester zu werden in Grenzen, vermute ich Mal) oder viele kommen gerne und sind dafür auch bereit die eine oder andere Mühsal auf dich zu nehmen ……2 und Priesterberufungen wachsen ja auch wieder aus dem Kirchenvolk (der Gemeinschaft der Getauften) heran……und dafür braucht es wiederum als ZUERST die Gemeinschaft der Getauften.
    Fazit: Die Eucharistie ist wichtig. Und wenn es zu wenig Priester gibt ist das sicher nicht gut. Da muss man sich etwas überlegen. Nun gibt es Vorschläge von der Amazonas-Synode die teilweise auf Zuspruch und teilweise auf Widerspruch stossen (ich denke es darf beides sein) – je nach dem wie man das sieht…………*****ABER was mir fehlt: Wo sind die Vorschläge, wo ist das Ringen um Lösungswege, ausgearbeitete Ideen etc….. von denjenigen die sich diesem konkreten Vorschlag aus Amazonien nicht so ganz anschließen können ? Ausschließlich wie ein Lehrer mit dem Rotstift kommen und Minuspunkte beim Amazonasvorschlag anzustreichen und schlechte Noten verteilen, ist mir zu wenig und ist nicht fair.
    Eins scheint mir klar, als Mitchristen können wir die Amazonasregion nicht im Stich lassen. Auch ich kann nicht jedem Punkt des Amazonasvorschlages 100 prozentig zustimmen und habe zu Manchem meine ganz eigene Meinung. Aber man muss sich etwas einfallen lassen. Die Not dort darf uns nicht kalt lassen. Wo sind die mutigen ausgearbeiteten Vorschläge derjenigen die einen anderen Standpunkt vertreten……?????? Dann könnte ehrlich darüber gestritten werden auf orientalische Art, wie bei den Aposteln und anschließend schaut man was der liebe Gott draus macht……DAS wäre spannend. – Oder ?

  3. Ulrike Brustmann-Sieber schreibt:

    Eine Frage: Wer kann mir diese beantworten ?
    Ich hätte gerne mehr gewußt von der frühchristlichen Gemeindeordnung…………und einiges über das frühe Christentum generell , so ca die ersten 500 Jahre Christentum,……auch das Christentum damals in Syrien u.v.a.oder Stichwort „Didaskalia Apostolorum“, „Didache“ udgl ……………….Archäologisches, Geschichtliches usw.
    ….Wo werde ich fündig ?

  4. nortinger schreibt:

    Danke für die Klarstellung. Ich würde mir wünschen, daß der Synodale Weg in Deutschland zu dieser Tiefe der Betrachtungsweise findet. Doch ich vermute, das sich der „Eucharistische Hunger“ in Grenzen hält. Eine Umfrage unter den Christen in Deutschland käme meines Erachtens auch zu dem Ergebnis, das es der Sonntagsmesse nicht bedarf, um Christ zu sein. Doch ist das dann wirklich noch dem Auftrg Jesu gemäß, „Tut dies zu meinem Gedächtnis“? Wie können wir Die Welt mit den Liebenden Augen Jesu anschauen, wenn wir ihm nicht mehr begegnen in der Feier der Eucharistie? Braucht es eine Neue Feier? Fragen über Fragen! Hoffentlich hilft der Geist Gottes uns auf den Weg zu Antworten.

    • Ulrike Brustmann-Sieber schreibt:

      Vielleicht braucht es ein sich wieder bewußt werden, was die Eucharistie ist……..
      – und schon paradox, zum nachdenken :
      in Amazonien gibt’s wenige Möglichkeiten zur Eucharistie zu gehen, aber den Hunger danach………….
      …….in Europa gibt’s vielerorts einige Möglichkeiten zur Eucharistie zu gehen, aber kaum Hunger danach………..
      .Ernst nehmen muss man die Anliegen der Amazonas Synode auf jeden Fall…….und auch nach guten Antworten suchen…. und gleichzeitig nach der Bedeutung der Eucharistie fragen……

  5. Elisabeth Frühling-Hollinetz schreibt:

    Ich finde den Ansatz zwar interessant, er greift aber nicht weit und schon gar nicht tief genug. Es braucht eine völlige theologische Neuorientierung, eine Respiritualisierung, eine Rechristianisierung der westlichen Welt. Das Problem haben unsere letzten zwei Päpste sehr gut erkannt, zerstörerische Ideologien, Stillstand während die Gesellschaft nach der Aufklärung einen Bewusstseinssprung erlebte und, vor allem, die Wurzel allen Übles in der Renaissance, als mit der falschen Interpretation von Aristoteles Gott nicht mehr als ein in die Welt herabsteigender gesehen wurde, sondern als einer, auf den sich ausschließlich alle hinbewegen sollen. Dabei wurde dieser Aufstieg zum Göttlichen fortan für Normalsterbliche blockiert, da nur Priestern als einer direkten Verbindung fähig gesehen wurden, indem sie die Vermittlerrolle zwischen Gott und Menschen „herstellten“, um die Gläubigen in der fortschreitenden Institutionalisierung der Kirche gefügig zu machen und die eigene Macht zu zementieren. Und hier kommt auch das Frauenthema ins Spiel, es ist mir aber zu schmerzhaft, darauf hinzuweisen.
    Also bitte, liebe Theologen, schreibt zu allererst die Kierchengeschichte um, beginnt bei Thomas von Aquin, diesem frauenverachtendsten Irrlehrer und erweckt die Mystiker wieder zum Leben. Es braucht auch dringend eine Richtigstellung und gründliche Untersuchung falscher Überlieferungen zuungunsten von Frauen.
    Neulich hatten wir im Ort einen Vortrag, bei dem es um Ängste ging. Es wurden alle Bedrohungen aufgezählt, denen die Menschheit gegenwärtig gegenüber steht. Die Lösung, die der Priester vorschlug? Richtig. Die Verantwortung liegt bei den Müttern, die ihre Söhne doch bitte religiöser erziehen sollen. Beim regelmäßigen Rosenkranzgebet einiger Frauen bei uns im Ort wird fortan die Bitte um Priesternachwuchs eingefügt.
    Das war für mich das Aus. Als theologisch und psychologisch gebildeter Frau kann man vor so viel Dummheit nur die Flucht ergreifen.
    Ich bin in die innere Emigration gegangen. Ein wichtiger Punkt, den Sie übersehen haben, ist auch die alleinige Konzentration von Priestern auf Sakramente ohne Verbindung zu den Gläubigen, ohne das Pflegen einer Gemeinschaft. Das ist eine Folge des Priestermangels, bzw. die Überforderung dient als Ausrede, um sich nicht engagieren zu müssen.
    Liebe Grüße!

    • Ulrike Brustmann-Sieber schreibt:

      Es tut mir leid, dass Sie zum Frauenthema, die Kirche so negativ erfahren haben – aber stimmt: man erlebt zum einen sehr Positives und zeitweise leider auch Negatives (Der Fairness halber muss ich erwähnen, aber auch in der Welt, und da auch oft gerade als Mutter)
      Ich könnte mir gut vorstellen dass, wenn es neben den zölibatären Priestern auch verheiratete Priester gibt (gibt’s ja bereits vereinzelt in der katholischen Kirche, gibt’s bei den Orthodoxen, der Zölibat der Priestern in der Form hat meines Wissens eine Tradition von ca 1000 Jahren und nicht von 2000 Jahren…) – die Kirche im Gesamten etwas geerdeter und vielleicht auch „gesünder“ wäre (und vielleicht in Folge auch ein besserer Ort, an dem sich sich auch Frauen besser gewürdigt fühlen ….?!).
      Beim Thema Frauen: Da ist mir vorrangig wichtig: Begegnung auf Augenhöhe zwischen Mann und Frau – jeder in seiner eigenen Art, aber gleichwertig, Wertschätzung der Frau, Möglichkeiten der Entfaltung von Frauen, nicht nur untergeordnete Rolle und Position usw…DAS ist mir noch viel, viel wichtiger als die „Frauen-Amts-Frage“ – das sind nun Mal meine Prioritäten…….
      PS: Zum Thema Frauen: Da habe ich noch eine ermutigende Buchempfehlung;
      „Tochter Gottes, erhebe dich. Vom Schmerz zum Sieg. Vom Sieg zum Segen –
      Von Hammond, Inka“ – (Frau Hammond ist verheiratet, Mutter, Gebetshausmissionarin..- Ein Zitat von ihr sinngemäß : „Wir müssen aufhören unsere Theologie an unseren Enttäuschungen herumzubauen…“)
      Ich finde das ist ein echtes und tolles, sehr ermutigendes Frauenbuch, das eben nicht in gängige Schemas passt, und auffordert nicht liegen zu bleiben und sich von manchem „Festlegungen“ , Enttäuschungen udgl. zu befreien bzw. eher sich befreien zu lassen durch den Glauben ……- Ich habe das Buch neulich entdeckt.
      In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, das es ihnen gegönnt ist, doch noch Mal aus der „inneren Emigration“ den Schritt raus zu wagen, trotz auch negativer Erfahrungen, die man macht leider und das manchmal zu oft macht (vielleicht gerade als Frau) – denn ich denke, es lohnt sich……….
      Frohe Weihnachten

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