Schließung des KAICIID wäre ein schwerer religionspolitischer Fehler

Man solle das Zentrum an seinem Grundauftrag zur Förderung des interreligiösen und interkulturellen Dialogs messen. Das verlangte das KAICIID-Leitungsdirektorium nach dem Beschluss des Nationalrates, das Dialogzentrum zu schließen.

Nun kann ich dazu aus erster Hand von Erfahrungen mit dem Zentrum berichten. Mehrmals hatte ich an Veranstaltungen teilgenommen. Diese zeugten von einer großen kulturellen und interreligiösen Offenheit, setzten auf Dialog und gegenseitige Verständigung. Nie habe ich den Eindruck gewonnen, dass die Arbeit des Zentrums durch politische Interessen irgendeines Landes – auch nicht Österreichs, Spaniens oder des Vatikans – ausdrücklich oder untergründig beeinflusst worden wäre.

Weil ich mit dem Sozialforscher der damaligen GfK Austria Rudolf Bretschneider mit dem KAICIID im Gespräch über eine Erhebung des interreligiösen Umfeldes war, lernte ich nicht nur den Generalsekretär persönlich kennen und schätzen. Es wurde mich auch klar, dass ernsthaft gearbeitet und gründlich geforscht wurde. Gerade die Förderung des interreligiösen und interkulturellen Austausches unter jungen Menschen aus vielfältigen Ländern hatte einen hohen Stellenwert. Es konnte sich eine Art „Barenboim-Effekt“ einstellen: Junge Menschen verschiedener Kulturen und Religionen forschten miteinander, musizierten, freundeten sich an.

Nicht zuletzt war ich auch selbst Vortragender in diesem Zentrum und war von der offenen Atmosphäre angetan. Es gab zudem starke Bemühungen, mit der akademischen Szene in Wien in ein tiefschürfendes Gespräch zu kommen, weshalb ich im Rahmen meiner Möglichkeiten schon als Dekan der katholisch-theologischen Fakultät den Kontakt suchte.

Leider scheint derzeit kurzsichtig und ohne ausreichendes Wissen das Zentrum in fahrlässiger Weise Opfer eines innenpolitischen Hickhacks zu werden. Man hat den Eindruck, dass ein gängiges  antiislamisches wie antiarabisches Ressentiment das Nachdenken trübt. Statt in der Zeit einer „Expertenregierung“ eine von Experten durchgeführte Prüfung der Aktivitäten des Zentrums in Auftrag zu geben, wird ahnungslos kurzerhand die Schließung beschlossen.

Für den interreligiösen Dialog – und zwar nicht nur für jenen zwischen Christen und Muslimen, sondern auch anderen Weltreligionen – ist das ein schwerer Schlag. Es wird eine Einrichtung aus dem Land vertrieben, in dem einmal ein Kardinal König einer der herausragenden interreligiösen Brückenbauer gewesen ist und das sich für seine Dialogkultur rühmen konnte. Auch Kardinal Schönborn, selbst mehrmals Referent im KAICIID, wurde vermutlich nicht konsultiert. Demokratische Partizipation sieht anders aus.

Man sagt, Liebe macht blind. Aber auch der Wahlkampf kann zu einer religionspolitischen Erblindung führen. Die Schließung des Zentrums taugt mit Sicherheit nicht als außenpolitisches Instrument mit Blick auf eine natürlich inakzeptable – inzwischen ausgesetzte Hinrichtung – eines Jugendlichen. Das wäre es besser, eine gemeinsame Europäische Initiative zu setzen. Auch verdient das KAICIID es wirklich nicht, für die Politik des derzeitigen Regimes in Saudi-Arabien herzuhalten. Die Verantwortlichen des Zentrums haben sich klar vom Terror des politisch verirrten Islams distanziert. Auch haben sie nachweislich durchaus eine Entwicklung in der Saudischen Politik begünstigt.

Es erstaunt, dass nun ausgerechnet die Liste JETZT oder auch NEOS die populistische Schließungskarte ziehen und andere gedankenlos mitstimmen. Man hätte eher erwarten können, dass ein solcher Schachzug von der FPÖ oder der ÖVP gekommen wären, die ja immer noch meinen, mit dem abflauenden Thema der Migration und des Antiislamismus dauerhaft Wahlen gewinnen zu können.

Zum Glück gibt es auf dem Weg zur Schließung noch so viele Hürden, dass er nicht so rasch durchzuführen ist, wie der wahltaktische Beschluss des Nationalrates dies beabsichtigte. Vielleicht kann eine kommende Regierung den Schaden, den die Schließung zweifellos am Ruf Österreich, ein Land des kulturellen und interreligiösen Dialogs zu sein, noch abwenden. Dies würde den Leistungen des Zentrums gerecht werden und einen religionspolitisch schweren Fehler vermeiden.

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Eine Antwort zu Schließung des KAICIID wäre ein schwerer religionspolitischer Fehler

  1. Josef schreibt:

    dass Saudi-Arabien missioniert und viele Moscheen in EUropa finanziert ist unleugbar …
    Es ist nicht gewährleistet, dass da der Wolf im Schafspelz bewundert wird

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