„Ochsenjoch“ – so kann man junge Menschen nicht gewinnen!

Es war eine Hochzeit. Die Familie des Brautpaares hatte einen Priester eingeladen, der sich der Zugehörigkeit den „Rechten“ in der Kirche rühmt, sich für Human Life International in Österreich engagiert und für das (kirchlich wie politisch extrem rechtslastige) Soziale Medium „gloria.tv“ arbeitet. Dieses hatte er von der Schweiz aus betrieben, zusammen mit seinem Mentor, der Pfarrer in einem Schweizer Dorf war und für seine „rechten“ Aktivitäten dadurch freigestellt war. Die keineswegs arme Schweizer Kirche hatte ihn also finanziert und seine Umtriebigkeit so lange finanziell ermöglicht, bis Deutsche Bischöfe mit dem Hakenkreuz in Verbindung gesetzt worden waren. Dann hat die zuständige Schweizer Diözese den Pfarrer entlassen und mit ihm auch jenen „Privatkaplan“, der nunmehr zur Trauung eingeladen worden war.

Im Gespräch mit einer pensionierten Juristin verdeutlichte der Zelebrant, dass er das Konzil für einen Irrtum halte, Papst Franziskus auf dem Weg der Häresie sei und die Kirche in den Abgrund führe. Wie wenig er vom „Kirchenbild“ des Konzils halte, zeigte sich auch daran, dass er in die Sakristei kam, weder Mesner noch Ministranten begrüßte, sondern einfach anfing, sich auf die Trauung und auf seine Predigt vorzubereiten. Als die ehemalige Juristin zu ihm in die Sakristei kam, um mit ihm das Zusammenspiel mit dem Chor abzusprechen, ignorierte er sie beim ersten Versuch  (diese leitet in der Pension den Chor und hat das Liedgut vorbereitet), bei zweiten Versuch reagierte er immer noch unwirsch.

Bei einem Gespräch nach der Trauung ging es auch um die Gerechtigkeit. Gott sei ein gerechter Richter, der die Sünder bestrafe. Angesprochen, ob Gott nicht seine Gerechtigkeit im Erbarmen verdichte und überschreite, wehrte er sich vehement. Auch dann noch blieb er bei seiner Ansicht, als die Juristin ihm – eine Brücke bauend – erklärte, dass selbst in der Österreichischen Rechtsprechung die Barmherzigkeit durchaus einen breiten Raum einnehme, ohne die Gerechtigkeit abzuwerten. Aber das gehe eben in der Kirche nicht, so des Priesters Grundposition.

Die akademisch gut gebildete Juristin war aber nicht nur wegen dieser Aussagen sehr irritiert. Sie war auch tief betroffen von der Art des „herunterzelebrierten“ Gottesdienstes und vor allem von der Predigt bei der Trauung. Der Prediger verwendete für sein Moralisieren das Bild vom Ochsengespann. Mit diesem verglich er die Ehe (und damit auch das junge Paar und alle anwesenden Eheleute). Hochzeitsfreude kam dabei nicht so richtig auf. Von „Amoris laetitia“ (Freude der Liebe: bahnbrechendes Apostolisches Schreiben von Papst Franziskus) keine Spur. Dieses Dokument des Papstes achtet dieser Priester ja nicht, sondern kritisiert es lediglich als „häretisch“!

Nun muss man bedenken, dass bei Trauungen heute viele Menschen da sind, die der Kirche sehr skeptisch gegenüberstehen – und noch dazu viele junge Menschen, die Kinder haben und sich für die Erziehung ihrer Kinder verantwortlich fühlen.

Zumal aus den Kreisen der jüngeren Gottesdienstfeiernden kamen nach der Trauung Meldungen wie: „Wenn das die Kirche ist, dann will ich nichts damit zu tun haben!“ – „Wenn sie sich in die Freuden und Leiden der Welt von heute nicht besser einfühlen kann…“

Ich hatte am gleichen Tag auch einer Trauung vorgestanden und dabei für Angelina und Hannes gepredigt. Die Trauungsliturgie ließ ich das Brautpaar selbst vorbereiten und unterstützte sie dabei lediglich. Sie suchten auch die Lesungen aus und schrieben mir, was der gewählte Text mit ihrer kommenden Ehe zu tun habe. Sie machten die Fürbitten, suchten die Lektorinnen und Lektoren, kümmerten sich um die Musik. Es ist ihre Hochzeit, sage ich mir und das sage ich auch dem Brautpaar. Ich habe im Lauf der Jahre gelernt, mit welchem Ernst junge Paare sich engagieren und hervorragende Liturgien komponieren, unter Zuhilfenahme des Internets und der Hilfen, die einzelne Diözesen Gottlob anbieten. Und viele bedanken sich danach und sagen, wenn die Kirche so ist, wie wir sie in diesem Gottesdienst erlebt haben, ja dann…

Nun weiß ich aus meinen Forschungen, dass Priester wie jener bei der Hochzeit eine bestimmte psychische Disposition mitbringen. Diese formt ihre „rechtslastige“ Theologie, begünstigt zumeist einen bockbeinigen Klerikalismus (der besagte Priester im Gespräch: aber Jesus hat doch die Kirche so eingesetzt!). Laien, schon gar nicht Frauen, haben für diese Priester in einer Liturgie nichts zu sagen. Wird eine Ministrantin in der Sakristei vorgefunden, dann wird diese nicht begrüßt und auch nicht bedankt. Das Priesteramt wird so stilisiert, dass es wie eine Prothese für das angeschlagene und im Selbstwert verletzliche Ich erscheint. Oft plagen solche Priester dunkle Bilder von Versagen und Sünde. Die Welt gilt als letztlich schlecht und die Kirche sei (freilich nur in ihrer unverdorbenen traditionalistischen Gestalt) die einzige rettende Alternative. Oder um noch genauer zu sein: Nicht die Kirche Jesu ist die Alternative, sondern die traditionelle Kirchengestalt, die autoritär, klerikal, oder, wie man im Mittelalter deftig formulierte: „pfäffisch“ ist.

Priester, die sich in ihrer Persönlichkeit dergestalt entwickelt haben, vermag ich nicht zu kritisieren. Was ich aber heftig kritisiere, ist die Unterstützung, die diese durch Bischöfe erhalten. Der Trauungspriester war Kaplan bei Bischof Krenn. Er wurde im Theologischen Institut in Gaming ausgebildet (Kardinal Schönborn ist dort der kirchliche Obere!) und studierte dann im einschlägigen Priesterseminar von Bischof Haas in Liechtenstein weiter. Auch der Gründer von gloria.tv unterrichtet(e) übrigens in Gaming. Alle diese Bischöfe machen sich durch die Förderung solcher Priester am Niedergang der Kirche und der wachsenden Kluft zu jungen Menschen von heute schwer schuldig.

Kurzum: Wer junge Menschen endgültig aus dem Kraftfeld der Kirche vertreiben will, lade Priester dieses Format zu einer Trauung ein. Wer aber will, dass junge Menschen wieder einmal eine gute Erfahrung mit der Kirche machen, weil sie ein Fest für ihre Liebe finden und sie aus der Trauung Hoffnung und Zuversicht für ihre ja längst nicht mehr leichte Ehegeschichte mitnehmen, der muss sich nach Priestern anderer Art umsehen. Es sind Priester, die ein wenig von der Liebe Jesu zu allen Menschen in sich tragen und diese im liturgischen Tun wie in ihrer Predigt ausstrahlen.

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2 Antworten zu „Ochsenjoch“ – so kann man junge Menschen nicht gewinnen!

  1. Josef schreibt:

    Kränken Sie sich Ihnen nicht, hochwürdigster Herr Professor, wegen dem „rechtslastigen“ Amtskollegen. Die Kirche ist schon längst gespalten seit dem II.Vaticanischen Konzillium
    Im innersten ist das schon ganz real.
    So wie zwischen den 2 Zelebranten der 2 Hochzeiten und ihrer Liturgie und ihrenEhe- und Menschenbild eine tiefe Kluft ist, so sind es schon lange 2 Welten ….
    Am Ende wird es 3 Kirchen geben; diejenigen die von alledem nix wissen wollen werden die größte Gruppe sein; und dann die 2 Konfessionen die „moderne nachkonziliare Kirche“ und die „verknöcherte tridentinisch-lateinische Kirche“. Also 2 Minderheitenprogramme, am Volke vorbei …
    Man hätte die Spaltung gleich am Ende des Konzils machen müssen … dann wären beide Seiten zufriedener …

  2. Johanna Spöth schreibt:

    Ein paar Worte zu diesem Thema aus meiner Erfahrung:
    Letztes Jahr heiratete mein Sohn – nach 6-jährigem Zusammenleben und mittlerweile 2 Kindern ( 5+2 J.) – gleichzeitig wurde die Jüngste getauft. Dazu kommt, dass meine Schwiegertochter konfessionslos aufgewachsen, aber der kath. Kirche gegenüber positiv eingestellt ist!
    Den Priester für die Trauung haben sich die beiden selber ausgesucht, es war/ist ein „Ruheständler“ aus Ihrer Pfarrei und ich hatte ein wenig Bauchschmerzen! Die Hochzeitsgesellschaft war genau so gemischt wie das Brautpaar und nur wenig „Weißschopfige“, viele junge Paare mit Kindern!
    Es ist alles gut gegangen, keiner wurde vor dem Kopf gestoßen oder in das „Ochsenjoch“ gespannt – ganz im Gegenteil – und meine Schwiegertochter so akzeptiert wie sie lebt und liebt.
    Fazit: Es gibt viele ältere, erfahrenere Priester mit der Einsicht, dass man jedem das Recht auf sein eigenes Leben und Lieben gestatten soll, ob mit oder ohne große kirchliche Anbindung – ich bin sicher, dass auch die Kinder aus dieser Ehe zu ordentlichen, liebenden Menschen werden!

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