Diakonat für Frauen: keine halben Lösungen!

Eine Kommission hat ihren Schlussbericht vorgelegt. Für die einen „ein großer Wurf“, für den Papst keine wirkliche Hilfe. Hier einige Randanmerkungen dazu:

Es handelt sich beim Kommissionsbericht  offenbar um eine Arbeit an frühkirchlichen Quellen. Dabei ist kein Ergebnis herausgekommen, mit dem sich leicht entscheiden lässt: Ja, es gab Diakoninnen – vor allem in der ostkirchlichen Tradition. Nein, es gibt keine eindeutigen Anhaltspunkte, dass Jesus selbst ein solches Amt gewollt hätte.

Vielleicht hat die Kommission den Blick zu sehr nach möglichen Spuren eines Diakonats für Frauen gesucht, und ist  weniger grundlegenden Fragen nachgegangen, welche den innertheologischen Horizont überschreiten.

In der von Frauen getragenen interkontinentalen Forschung (siehe das ebook: Zulehner/Halik: „Wir träumen diesen Traum“, Ostfildern 2019) lassen die dort argumentierenden Expertinnen keinen Zweifel daran, dass der Zugang zum Ordo Frauen aus theologischen Gründen nicht verwehrt werden könne.

Freilich habe das auch mit der Auffassung des Ordo zu tun. Dieser diene der diachronen und der synchronen Einheit (so auch die weitsichtigen LIMA-Dokumente). Der Ordo hafte gleichsam dafür als Person und mit allen seinen Instrumenten (amtliche Verkündigung des Wortes Gottes; Vorstehen der Eucharistie und darin eingeschlossen alle Entfaltungen des Grundsakraments in den einzelnen Sakramenten; Zeichen des Zusammenhalts aller Gemeinschaften des Evangeliums und Sicherung deren Spurtreue im Evangelium). Dieser Ordo ist, so Tertullian um 209, „ab auctoritate ecclesiae institutus“ (Exhortatio de castitate): ob man daher nicht bei vielen Entfaltungen des kirchlichen Lebens nach einer „Einsetzung“ durch Jesus, der in der Auferstehung zum Christus wurde (Apg 2,36) vergeblich sucht? Dass also umgekehrt die Kirche die Möglichkeit hat, mit voller Autorität die amtlichen Strukturen weiterzuentwickeln, was ja im Lauf der Zeit faktisch geschehen ist und auch heute möglich ist?

Nicht übersehen werden darf, dass der amtlichste aller Vorgänge, die Botschaft von der Auferstehung, von einer Apostolin den skeptischen Aposteln übermittelt wurde, die das Ganze für ein Geschwätz hielten.

Noch eine Randanmerkung aus der modernen Geschlechterforschung. Dass amtliche Dienste anfangs Männern übertragen wurde, erklärt sich weithin aus der kulturgeschichtlichen Rolle von Mann und Frau in der Zeit der frühen Kirche.

Aus Gründen der Überwindung solcher kulturbedingter Begrenzungen habe ich Zweifel, dass die Ordination von Diakoninnen heute wirklich der beste Schritt in unsere Zeit ist, in der bei allen Verschiedenheit in den Färbungen der einzelnen Personen und Gruppen je nach sexueller Orientierung und bei aller Gleichwertigkeit von Frauen und Männern nicht speziell über das Diakonat für Frauen, sondern grundsätzlich darüber diskutiert werden solle, warum Frauen der Zugang von einem beträchtlichen Teil der katholischen Kirchenleitung verwehrt wird, ohne dafür ausgereifte Argumente vorlegen zu können.

Wenn Papst Franziskus beklagt, dass das Ergebnis der Kommissionsarbeit von vielen subjektiven Haltungen geprägt sei und daher nicht eindeutig erscheine, so zeigt das nur, dass auch gegen die Öffnung des Ordo für Frauen auf der Stufe des Diakonats sich keine klare Ablehnung ergeben hat.

Und noch eine Bemerkung, dermal nicht als Pastoraltheologe, sondern als Männerforscher, meinem wissenschaftlichen Hobby: Was ich den Frauen nicht wünsche, ist, dass sie zur unteren Stufe des Ordo Zugang finden, nicht aber zu den anderen Stufen, die weiterhin von Männern allein besetzt bleiben. Und es könnte sein, dass diese Unterordnung weiblicher Diakoninnen unter männliche Priester unbestimmte Zeit andauern könnte. Es käme im Namen der Ordination der Einen  neuerlich zu einer Subordination von Anderen  (der Diakoninnen).

Verstehen kann ich aber auch, wenn manche im Stillen nach der „Schuhlöffellogik“ denken: Sobald für Frauen das Diakonat offensteht, steht ihnen der Weg bis zum Bischofsamt offen. Wer aber genau das nicht will, wird dem Diakonat für Frauen nie zustimmen, auch wenn es solche in der frühen Kirche gegeben hat. Solche ExpertInnen freuen sich dann, erleichtert sagen zu können: „Und dann verliert sich die Spur…“.

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