Nachgedanken

In der Orientierung vom 23.12.2018 hatte ich die Gelegenheit, die Vorgänge in der Diözese Gurk-Klagenfurt zusammen mit Alexandra Szabo zu bedenken. Die dafür vorgesehen Sendezeit war (zu) kurz. Daher ein paar Nachgedanken.

  1. Nachdem nun die Päpstliche Visitation in Auftrag gegeben wurde, gilt es, daraus das Beste zu machen. Erzbischof Franz Lackner ist dabei nicht zu beneiden. Es muss für ihn klar sein, was Thema und Zeitraum der Visitation sind:
  • die Zeit der Administration unter Engelbert Guggenberger, die einen Höhepunkt in der „unbotmäßigen“ und zugleich erfreulich höchst couragierten Veröffentlichung des mit unabhängigen Experten erstellen Berichts mündete;
  • die Aktivitäten im Bistum unter Bischof Alois Schwarz;
  • der Bischof selbst, sein Tun und Leben? Soll der Erzbischof lediglich Informationen sammeln, um diese dann nach „Rom“ (wohl an die Bischofskongregation) weiterleiten, damit diese dann das Ergebnis bewerte?

Diese letzte Möglichkeit scheint, wie er in Oberndorf erklärte, seine Position zu sein.

  1. Die katholische Kirche besitzt feudale und demokratische Anteile. Das zeigt sich nicht nur daran, dass einige Diözesen neben dem ordentlichen Etat noch einen eigenen Bischofs-Etat haben (Bistum, in Deutschland Bischöflicher Stuhl). Viel mehr ins Gewicht fällt, dass es keine „Gewaltenteilung“ gibt. Legislative, Exekutive und Rechtsprechung liegen in einer Hand. Das erschwert eine unabhängige Klärung gerade bei Konflikten. Auch ist es immer schwieriger, diese Verhältnisse in demokratischen Gesellschaften nachvollziehbar zu machen: auch den meist demokratisch geprägten Kirchenmitgliedern (von einigen wenigen „Monarchisten“ abgesehen) fehlt dafür das Verständnis. Unter dem Druck der demokratischen Öffentlichkeit kommt derzeit die Kirche nicht darum herum, für Transparenz zu sorgen. Die Österreichische Kirche hat auch deshalb zur Aufarbeitung des Missbrauchs die Klasnic-Kommission eingesetzt, die ähnlich „unabhängig“ zu arbeiten versucht wie parlamentarische Untersuchungsausschüsse (dahinter steckt die unlösbare Frage, was „unabhängig“ bedeutet). Es ist nicht ausgeschlossen, dass ein befriedigender Abschluss der Vorgänge in der Diözese Gurk-Klagenfurt erst möglich sein wird, wenn nach dem Abschluss der Päpstlichen Visitation eine „unabhängige Kommission“ beauftragt werden wird. Das Gurker Domkapitel hat diesen Schritt in seinem Verantwortungsbereich schon getan und externe Fachleute einbezogen.
  2. Schließlich möchte ich zwei Anliegen formulieren: Zum Ersten wünsche ich mir, dass wegen dieser Vorgänge niemand mehr aus der Kirche austritt. Austretende schwächen nur das Domkapitel und dessen couragierten Versuch, einen Schritt vom Vertuschen zur Transparenz, vom Feudalen zum Partizipativ-Demokratischen zu gehen. Logisch wäre es jetzt vielmehr, in die Kirche (wieder) einzutreten, um die positive Entwicklung, zu der der Konflikt durchaus führen kann, zu stärken.Zum Zweiten: Der Bischof hat wiederholt betont, dass er sich nichts zuschulden kommen ließ. Das mag auf der rechtlichen Ebene stimmen und wird ja wohl auch geklärt werden. Aber auch sein Erkennen ist durch Macht und Interesse verschattet. Es ist sein legitimes Anliegen, um seine Reputation und sein Amt zu kämpfen. Aber es würde ihm dabei nicht schaden, mit großer Empathie die Verwundungen wahrzunehmen, die er in seiner Amtszeit einer Reihe von Persönlichkeiten auf unterschiedlichen Ebenen zugefügt hat. Er könnte beteuern, dass er diese Wunden nicht mutwillig zufügen wollte. Zugleich wäre es Ausdruck persönlicher Stärke, könnte er diese Wunden wahrnehmen: Dann wäre es ihm auch möglich, eben dafür um Vergebung zu bitten. Dies wäre wohl auch ein Schritt zu einer Versöhnung, die freilich lange Zeit der Heilung benötigen wird.

 

 

 

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3 Antworten zu Nachgedanken

  1. Josef schreibt:

    Würde nicht schaden: … „mit großer Empathie die Verwundungen wahrzunehmen. …“ ? Nein , aber das gilt dann für alle Beteiligten ….
    Das Mensalgut ist für den Unterhalt (Haushalt) des Bischofs … und allfälliger „Patronanzen“ zu der der Bischof verpflichtet ist …!
    Es ist aber eben nicht das Geld der Diözese ( wo u.a. auch der Kirchenbeitrag verwendet wird).
    Wieso also der Herr Generalvikar sich darüber öffentlich alteriert kann selbst unter eifrigen Katholen fast niemand verstehen.
    Die „Lady“ in der Nähe des Bischofs mag irritieren, aber ist ein derartiges öffentliches „Wäschewaschen“ wirklich irgendwem dienlich? ausser eben den Emotionen einger tief beleidigter Würdenträger?

    Das ganze ist ein Fest der Eitelkeiten unter Klerikern!
    und auch ein Fest für jene, die die Kirche und all ihre Privilegien ablehnen.

    Es bringt niemanden etwas schadet aber allen und nicht zuletzt der Kirche selbst.

  2. Johanna Spoeth schreibt:

    Warum sind wir Katholiken in letzter Zeit nur mehr ein Spielball irgendwelcher Machenschaften klerikaler Hierachien? Warum kann man eigentlich nicht davon ausgehen, dass sich auch der Klerus an die ganz einfachen Regeln eines Christen hält – nämlich Verantwortung, Disziplin und ein wenig menschliche Liebe – das würde mir schon reichen! Ich habe es satt, mir nur negative Berichte und deren vage Rechtfertigungen anzuhören! Vielleicht ein Gedanke für das kommende Jahr hier besser zu werden!
    PS lieber Prof. Zulehner: Sie dürfen diesen Kommentar gerne löschen!

  3. Susanne Gizicki schreibt:

    Herr Professor Zulehner Sie sind Spitze. Jedes Wort aus ihrem Mund klar und deutlich und
    Ehrlich formuliert. Möge es mehr solcher Menschen in unserer Kirche geben, dann stünde sie anders da. Ihnen persönlich herzlichsten Dank und bleiben Sie weiter so klar und offen. Wir bewundern und lieben Sie. Vielen Dank für alles herzlichst S.Gizicki

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