Zum Gehorsam gegenüber dem Papst

Eine selbstkritische Standortbestimmung von Dr. Markus Büning

Lesen sich auch unten meinen knappen Kommentar zum Beitrag dieses Gastkommentars. Und diskutieren Sie mit!

Gehorsam ist immer dann kein Problem, wenn derjenige, dem ich Gehorsam schulde, genau das vertritt und von mir verlangt, was ich selbst ohne Einwand für plausibel halte oder gar mit Innbrunst vertrete. Wir alle kennen das schon aus Kindertagen. Aber wehe dem, wenn unsere Eltern von uns Dinge verlangten, die wir nicht einsahen. Wie oft war dann zunächst, meistens ganz spontan, Rebellion angesagt?

Ganz ähnlich verhält es sich offenkundig auch bei uns Katholiken, wenn es an die Frage des Gehorsams gegenüber dem konkret regierenden Papst geht: Gehorsam ja, aber bitte nur dann, wenn es mir „in den Kram passt“! So lehnen die Traditionalisten all das ab, was die Päpste seit Johannes XXIII. zu den Fragen der Religionsfreiheit und des Ökumenismus gesagt haben, weil es der Grundüberzeugung des Erzbischof M. Lefebvre widerspricht. Angeführt werden dann die anderen Päpste, die doch angeblich diese Dinge auch ganz anders gesagt hätten. Papst wird gegen Papst ausgespielt. Die Frage der legitimen Lehrentwicklung und des theologischen Erkenntnisfortschritts wird völlig ausgeblendet. Schließlich war es ja immer so! Wo kommen wir denn dahin?!

Die Progressisten sind kein Deut besser: Bis vor wenigen Tagen erblickten sie in Papst Franziskus denjenigen, der endlich mit den „verkrusteten Strukturen“ in der Kirche aufräumt: Zulassung der Protestanten zur Kommunion, Einführung des Frauenpriestertums, Anerkennung homosexueller Bindungen, Lockerungen in der Sexualmoral, all dies wurde vom jetzigen Papst heiß und innig erwartet. Doch nun müssen auch diese Papstinstrumentalisierer erkennen, dass ihre Erwartungen bei weitem nicht erfüllt werden. Da haben wir weiterhin das klare Nein zu Frauenordination[1], die Absage an die Interkommunion[2] und die klare Bestätigung des christlichen Familienbegriffs durch den jetzigen Papst[3] auf dem Tisch liegen und schon scheint es mit der Papstbegeisterung gegenüber Franziskus auch vorbei zu sein. Es ist interessant zu sehen, dass beide zuvor genannten Lager in einer Sache offenkundig völlig einig sind: „Was richtig ist, bestimmen wir und nicht der Papst. Wenn er derselben Meinung sein sollte, nehmen wir dies dankbar zur Kenntnis.“ Ja, letztlich sind die Vertreter der traditionalistischen Piusbruderschaft und die der linksprogressiven Initiative „Kirche von unten“ in einem Punkt völlig übereinstimmend: Sie unterliegen dem antirömischen Affekt, weil sie nicht bereit sind, dem konkret regierenden Papst gegenüber gehorsam zu sein. Das ist freilich schon eine bemerkenswerte Übereinstimmung zweier entgegengesetzter Lager, die allerdings nur existieren können, weil sie sich anmaßen, unabhängig von Petrus zu sagen, was letztlich katholisch ist.

Leider bin ich selbst während der anfänglichen Diskussion um Amoris Laetitia (AL) mit dabei gewesen, nicht gehorsam gegenüber dem konkreten Papst zu sein. Auch ich habe Dinge geschrieben, die mir heute leidtun. Auch ich habe mich, insbesondere von einigen konservativen Scharfmachern im Bischofsgewand, „anstacheln lassen“ und es an der nötigen Ehrfurcht gegenüber Papst Franziskus fehlen lassen. Durch Prof. Zulehners Initiative „Pro Pope Francis“ erhielt ich den Impuls, meine Abwehrhaltung gegenüber AL nochmals zu überdenken und bin inzwischen auch innerlich zu der Überzeugung gekommen, dass es sich bei diesem Lehrschreiben um eine legitime Fortentwicklung der Lehre handelt, die ich im kindlichen Gehorsam gegenüber dem Papst anzunehmen habe. All dies kann man in meinen Beiträgen im Büchlein „Katholische Einfälle“ nachlesen.

Die besondere Perfidie bei der „konservativen“ Papstkritik beruht auf dem Beharren vermeintlicher Traditionen, die angeblich für alle Zeiten in Stein gemeißelt seien. Tradition um der Tradition! Viele wahrheitswidrige Behauptungen finden sich hier: Dem Papst müsse man nur gehorchen, wenn er ex cathedra einen unfehlbaren Lehrsatz, ein Dogma, verkünde. Oder: Papst Franziskus wolle in AL ja gar nicht lehren, darum müsse man ihm hier nicht gehorchen. Oder: Papst A darf Papst B nicht widersprechen. Das wäre ein Verrat an der Tradition.

Warum schulden wir dem Papst den „bedingungslosen“[4] Gehorsam? Die Antwort ergibt sich aus der Notwendigkeit der Nachfolge Christi: So wie Christus gegenüber dem Vater ohne jedwede Bedingung absolut Gehorsam war, auch dann wenn es an sein Leben ging (!), so haben auch wir gegenüber dem Vater der Christenheit gehorsam zu sein. Sind wir dies nicht, laufen wir Gefahr, uns vom mystischen Leib Christi zu trennen. Denn im Ungehorsam flackert der Ursünde aus dem Buch Genesis in besonders schäbiger Weise wieder auf. Dann sind wir wie diejenigen, die vom Baum essen wollen, obwohl wir es nicht dürfen. Es ist interessant, dass die erste Sünde, die die Bibel uns berichtet, die Sünde des Ungehorsams ist.

Papst Leo XIII. hat in seiner Enzyklika Sapientiae Christianae aus dem Jahr 1890 die Notwendigkeit des Gehorsams gegenüber dem Papst klar und unmissverständlich ausgeführt. Hierbei legt er zudem großen Wert darauf, dass dieser Gehorsam sich eben gerade nicht nur auf die Dogmen, sondern auch auf die unterhalb dieser Schwelle liegenden Akte päpstlicher Lehrverkündigung bezieht. Dort heißt es: „Der oberste Lehrer in der Kirche ist aber der Römische Papst. Darum erfordert die Einheit im Geiste außer der vollkommenen Übereinstimmung in einem Glauben auch eine vollkommene Unterwerfung des Willens im Gehorsam unter die Kirche und den Römischen Papst wie unter Gott. Der Gehorsam aber muss vollkommen sein wie der Glaube, von dem er stammt und mit dem er in der Unteilbarkeit übereinkommt. Ja der Gehorsam hört auf zu sein, was er ist, und wird zum leeren Schein, wenn er auch alle anderen Eigenschaften besäße, aber nicht ungeteilt und rückhaltlos geleistet wird. (…) Einen einzigen Glauben muss die gesamte Kirche bekennen gemäß 1 Kor 1, 10: ,Ihr sollt alle dasselbe sagen, und es sollen keine Spaltungen unter euch sein.‘ Das ist nur möglich, wenn die Glaubenssachen vom Oberhaupt der Gesamtkirche entschieden werden und die Gesamtkirche seine Entscheidung festhält. Darum steht eine neue Fassung des Glaubensbekenntnisses lediglich der Autorität des Papstes zu, wie alle anderen Angelegenheiten, welche die Gesamtkirche betreffen. Was nun die Reichweite dieses Gehorsams angeht, so soll sich niemand einreden, man brauche den Oberhirten der Kirche und besonders dem Römischen Papst nur bezüglich jener Glaubenslehren zu gehorchen, deren hartnäckige Verwerfung das Vergehen des Irrglaubens ausmacht. Ebenso wenig genügt die aufrichtige und feste Zustimmung zu jenen Lehren, die, wenngleich von der Kirche nicht durch feierliches Urteil entschieden, doch von ihrem ordentlichen und allgemeinen Lehramt als göttlich offenbart zu glauben vorgestellt werden, Wahrheiten, von denen das Vatikanische Konzil sagt, man müsse sie mit ;katholischem und göttlichem Glauben‘ festhalten. Die Christenpflicht geht weiter und fordert überdies, dass man sich durch die Autorität der Bischöfe und besonders des Apostolischen Stuhles leiten lasse. Die Zweckmäßigkeit eines solchen Verhaltens ist leicht einzusehen. Der Inhalt der göttlichen Offenbarung betrifft nämlich teils Gott, teils den Menschen selbst und die zu seinem ewigen Heil notwendigen Mittel. Nun ist es aber, wie oben erklärt, nach göttlichem Recht Sache der Kirche und innerhalb derselben des Papstes, darüber Vorschriften zu geben, was uns nach beiden Beziehungen hin obliegt, was wir nämlich zu glauben und was wir zu tun haben. Darum muss der Autorität des Papstes auch das Urteil darüber unterstellt sein, was die göttliche Offenbarung enthält, was mit ihr übereinstimmt und was ihr widerspricht. Aus demselben Grund muss der Papst kraft seiner Autorität entscheiden, was ehrbar und was unsittlich ist, was wir tun und lassen müssen, um das Heil zu erlangen; andernfalls vermöchte er weder Gottes Wort mit Gewissheit auszulegen, noch die Menschen mit Sicherheit auf dem Pfad des Lebens zu führen.“[5]

Papst Leo XIII. bezieht sich hier klar und eindeutig auf die Lehre der Dogmatische Konstitution Pastor aeternus des Ersten Vatikanischen Konzils, welche die Lehrautorität und den Primat des römischen Bischofs entfaltet. Auch Papst Franziskus hat während der Familiensynode klar und eindringlich auf diesen Lehrgehalt hingewiesen und dementsprechend den Gehorsam eingefordert: „Am Vorabend der Synode des vergangenen Jahres habe ich gesagt: »Vom Heiligen Geist erbitten wir für die Synodenväter vor allem die Gabe des Hinhörens: des Hörens auf Gott, so dass wir mit Ihm den Schrei des Volkes hören; des Hinhörens auf das Volk, so dass wir dort den Willen wahrnehmen, zu dem Gott uns ruft«. Und schließlich gipfelt der synodale Weg im Hören auf den Bischof von Rom, der berufen ist, als »Hirte und Lehrer aller Christen« zu sprechen: nicht von seinen persönlichen Überzeugungen ausgehend, sondern als oberster Zeuge der fides totius Ecclesiae [des Glaubens der gesamten Kirche], als »Garant des Gehorsams und der Übereinstimmung der Kirche mit dem Willen Gottes, mit dem Evangelium Christi und mit der Überlieferung der Kirche«. Die Tatsache, dass die Synode immer cum Petro et sub Petro handelt – also nicht nur cum Petro, sondern auch sub Petro – ist keine Begrenzung der Freiheit, sondern eine Garantie für die Einheit. Der Papst ist nämlich nach dem Willen des Herrn »das immerwährende, sichtbare Prinzip und Fundament für die Einheit der Vielheit von Bischöfen und Gläubigen«. Damit verbindet sich das Konzept der »hierarchischen Gemeinschaft«, das vom Zweiten Vatikanischen Konzil angewandt wurde: Die Bischöfe sind mit dem Bischof von Rom durch das Band der bischöflichen Gemeinschaft verbunden (cum Petro) und sind ihm als dem Haupt des Kollegiums zugleich hierarchisch unterstellt (sub Petro).“[6]

Genau darum geht es hier letztlich: Der Gehorsam gegenüber Petrus garantiert die kirchliche Einheit! Diese demütige und von sich selbst absehende Haltung ist es, die dafür Gewähr bietet, dass nicht jeder in der Kirche auftreten darf und meinen darf, er habe die Wahrheit mit Löffeln gefressen. Nein, wir brauchen keine angemaßten Päpste, die Schisma und Trennung bringen. Die Kirchengeschichte ist voll von solchen Gestalten. Nein, wir brauchen den Papst als Garnten für die Einheit. Und weil das so ist, hoffe ich, dass wir alle – ob konservativ oder progressiv – endlich wieder zu dieser Demutshaltung zurückkehren. Tun wir dies nicht, gefährden wir die Einheit des mystischen Leibes Christi.

[1] Jüngst bestätig durch den Präfekten der Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Ladaria, in einem Beitrag für die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“: Vgl. hierzu http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/vatikan-bekraftigt-nein-zur-priesterweihe-fur-frauen.

[2] Vgl. hierzu den Bericht auf http://www.kathnews.de/kommunionstreit-roma-locuta-causa-finita.

[3] Vgl. hierzu die jüngsten Äußerungen von Papst Franziskus auf http://www.kathnews.de/papst-franziskus-familie-basiert-auf-gemeinschaft-von-mann-und-frau.

[4] So völlig zutreffend und in tiefer Demut Papst Benedikt XVI. während der letzten Ansprache vor dem Kardinalskollegium am 28.03.2013: „Und unter euch, im Kardinalskollegium, ist auch der zukünftige Papst, dem ich schon heute meine bedingungslose Ehrerbietung und meinen bedingungslosen Gehorsam verspreche.“. Zit. nach URL https://w2.vatican.va/content/benedict-xvi/de/speeches/2013/february/documents/hf_ben-xvi_spe_20130228_congedo-cardinali.html.

[5] Nr. 22-24, zit nach: URL http://www.kathpedia.com/index.php?title=Sapientiae_christianae_(Wortlaut).

[6] Ansprache vom 17. Oktober 2015, zit.  nach ULR http://w2.vatican.va/content/francesco/de/speeches/2015/october/documents/papa-francesco_20151017_50-anniversario-sinodo.html.

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11 Antworten zu Zum Gehorsam gegenüber dem Papst

  1. zulehner schreibt:

    Geschätzter Dottore,
    Vielleicht könnten Sie noch eine kleine Meditation einbauen zwei einer biblisch überlieferten Begebenheiten aus der noch ganz jungen Kirche – von beiden berichtet Lukas in der Apostelgeschichte:
    1. Petrus (der erste Papst!) betonte in der Auseinandersetzung um der Frage, ob Heiden (wir also) Juden (Beschneidung volles Gesetz…) werden müssen, bevor sie Christen werden können: das sei auf Grund der Tradition ausgeschlossen. Er werde daher auch „nie und nimmer“ von den „unreinen“ Speisen essen. Gott lehrte ihn dann aber in Träumen bei Joppe, dass er kein Gott des „nie und nimmer“ ist. Vielmehr werde uns der Geist des Auferstandenen in die Wahrheit vertiefter einführen. Päpste können und müssen Gott gehorchende lernen. Das „nie und nimmer“ von Pius IX. 1864 zur Religionsfreiheit hat nur 100 Jahre gehalten. Und die Frage ist, wie lange der Countdown des „nie und nimmer“ von Johannes Paul II. zur Frauenordination (1984) dauern wird. Ladaria SJ kann ja auch nur wie Petrus sagen: „nie und nimmer“, weil das bisher noch nie vorkam (was ja fachwissenschaftlich auch nicht ganz so richtig ist) – aber wird es nicht für die Kirche auch in dieser Frage ein „neues Joppe“ geben (so auch Kardinal Schönborn)?
    2. Zum Lernen, was Gott will, brauchen die Päpste die Gemeinschaft der Kirche. Das ist die zweite Begebenheit – auch aus der Frühzeit der Kirche: Paulus widersteht Petrus ins Angesicht, weil er sich ins Unrecht (!) gesetzt hatte. Das ist Widerstand, nicht Gehorsam. Petrus musste lernen, gut auf Paulus und seine massive Kritik horchen: Also gehorchen. Denn Gottes Geist ist in uns allen. Daher ist Gehorsam keine Einbahn, höchstens in Bezug auf den Heiligen Geist, dem wir alle gehorchen (und daraus wächst die Einheit der Kirche).
    Ich schätzte Sie sehr und weiß, dass meine Anregungen auf guten Boden fallen, weil Sie eine intellektuelle Weite und auch eine beachtliche Bereitschaft haben, aber Gottes Geist zu hören. Gehorsam darf nicht blind sein (das hätte mein Freund Joseph Ratzinger so nie gesagt, mit dem ich schon viele gute Begegnungen hatte, als er noch Professor war), in einem gewissen Sinn daher auch nicht „unbedingt“. Paulus hatte nicht das Recht, mit einem spirituellen bedingungslosen Gehorsam das Unrecht des Petrus hinzunehmen! Er hätte dann vielleicht Petrus gehorcht, wäre aber Gott ungehorsam geworden. Und das ist nach dem Römerbrief Sünde. Es kann also einen sündigen „Gehorsam“ geben – auch gegenüber dem Papst. Petrus hat gelernt und das Ergebnis lautete: Konzil – „Wir und der Heilige Geist“ haben entschieden…
    Mit freundlichen Grüßen Ihr Paul M. Zulehner

  2. Brigitte Storm schreibt:

    Ich kann Ihre Gedanken bezüglich des Gehorsams gut verstehen. Aber ist nicht gerade Papst Franziskus derjenige, der auffordert, dass jede und jeder letztlich im Gebet vor Gott selbstverantwortet entscheidet? Es tut Frau weh, wenn ein nie und nimmer (Danke Paul Zulehner) zur Frauenordination wieder einmal ausgesprochen wird, wider besseren Wissens (übrigens nicht von Papst Franziskus!). Ich halte viel vom Gehorsam gegenüber dem Papst, aber auch viel vom Gehorsam gegenüber dem sensuell fidei fidelium. Mit lieben Grüßen Brigitte Storm

    • Dr. Markus Büning schreibt:

      Vielen Dank für Ihre Antwort! Papst Franziskus hat sich sehr wohl selbst mehrmals gegen die Frauenweihe ausgesprochen. Der Präfekt der Glaubenskongregation zitierte den jetzigen Papst in dem oben zitierten Schreiben ausdrücklich so: „Papst Franziskus hat ebenfalls zu dieser Frage Stellung genommen. In seinem Apostolischen Schreiben Evangelii gaudium unterstrich er: ‚Das den Männern vorbehaltene Priestertum als Zeichen Christi, des Bräutigams, der sich in der Eucharistie hingibt, ist eine Frage, die nicht zur Diskussion steht.‘ Er rief auch dazu auf, diese Lehre nicht als Ausdruck von Macht, sondern als Dienst zu interpretieren, so dass die gleiche Würde von Mann und Frau im einen Leib Christi besser verstanden werden kann (Nr. 104). In der Pressekonferenz während des Rückflugs von der Apostolischen Reise nach Schweden am 1. November 2016 betonte Papst Franziskus: ‚Hinsichtlich der Weihe von Frauen in der katholischen Kirche hat der heilige Johannes Paul II. das letzte klare Wort gesprochen, und das bleibt.‘ Zur ehrlichen Auseinandersetzung gehört es, auch diese Seite von Franziskus ganz offen wahrzunehmen und aus meiner Sicht ihm dahingehend auch zu folgen. Ihnen alles Gute und Gottes reichen Segen!

      • Brigitte Storm schreibt:

        Danke für den Hinweis, auch Papst Franziskus kann nicht etwas anderes verkündigen, was nicht schon einmal verkündigt wurde, das stimmt. Zur Veränderung braucht es Zeit!
        Jedoch historisch gesehen hat sich das Geschlechtergefüge, ich möchte das jetzt etwas vereinfacht so bezeichnen, geändert. Wir entdecken, dass die Geschlechterrollen konstruiert sind und daher auch veränderbar. Sie wissen das.
        Ich bin mir sicher, dass Gott gleichermaßen Frauen und Männer zum gleichen Dienst beruft. Wenn ich behaupten würde, dass Gott nur Männer zum Priesteramt beruft, wer bin?
        Daher ist mE. der Ausschluss von Frauen vom Weiheamt kein Ausdruck der gleichen Würde von Mann und Frau. Es würde dem Galaterbrief widersprechen, dass wir durch die Taufe gleich sind.
        Auch ich füge mich den momentanen Gegebenheiten und bin sicher, einmal wird sich das ändern! Seien Sie behütet!
        Brigitte Storm

  3. Brigitte Storm schreibt:

    Sensus

    • Brigitte Storm schreibt:

      „Sensus“ ist nur die Korrektur zur Autokorrektur meines ersten Schreibens :-), das ich übersehen habe

      • Dr. Markus Büning schreibt:

        Das Problem bei dem Thema „Frauenweihe“ ist sicher eines: Über Jahrhunderte haben Männer auf ganz unglaubliche Weise sich als Herren über die Schöpfung aufgespielt. Macht erschien und ist leider heute immer noch wie ein maskuliner Götze! Leider war und ist das auch in der Kirche so. Denken Sie nur an die Geschichte der hl. Johanna von Orléans, die Opfer dieser klerikal-männlichen Macht wurde. Aber es ist für mich ein großes Wunder, dass gerade diese junge Frau nicht an Gott und seiner Kirche verzweifelte. Angesichts des ihr drohenden Todes auf dem Scheiterhaufen rief sie dennoch mit voller Überzeung aus: Ich liebe die Kirche! Das ist wahre Heiligkeit, die mir sehr unter die Haut geht.
        Meines Erachtens müssen die Amtsträger in der Kirche wieder auf ganz authentische Weise zeigen, dass ihr Amt eben kein Herrscher- sondern – wie Papst Franziskus es sagt und ja auch vorlebt – ein Dienstamt ist. Priesterliche Existenz muss humilitas sein. Da steckt das Wort humus drin. Ein Priester muss tief gebeugt, wie sein HERR, vor jedem Christen auf dem humus dieser Welt knien und ihm die Füße waschen. Das ist wahrhaft priesterliche Existenz: So sein wie Jesus! Nicht klerikale Selbstgefälligkeit und pfarrherrliches Gebahren in gut ausgestatteten Häusern einer spießig-bürgerlichen Existenz. Und dann wird m.E. auch klar, dass es hier nicht um eine Diskriminierung von Frauen geht. Nein, der Priester symbolisiert den HERRN, handelt in persona Christi. Aus dem inkarnatorischen Prinzip folgt dann allerdings auch, dass der Priester ein Mann sein muss. Wir kommen hier in die Tiefenschicht des Erlösungsgeheimnisses, welches wir mit unserer brügerlichen Mentalität wohl nie erfassen können. Ich hoffe, dass ich Ihnen mit diesen Gedanken ein wenig helfen darf. Glauben Sie mir, ohne die Frauen in unserer Kirche, wäre diese schon längst untergegangen. Für mich sind es gerade die Frauen, die durch ihr Beispiel großes bewirkt haben, angefangen bei der Gottesmutter Maria und den vielen großen Heiligen, mitunter auch prophetischen Frauen (Katharina von Siena und Birgitta von Schweden!) in der Kirchengeschichte.

  4. Markus Fuhrmann schreibt:

    Sehr geehrter Herr Dr. Büning,

    Sie schreiben:

    „Aus dem inkarnatorischen Prinzip folgt dann allerdings auch, dass der Priester ein Mann sein muss. Wir kommen hier in die Tiefenschicht des Erlösungsgeheimnisses, welches wir mit unserer brügerlichen Mentalität wohl nie erfassen können.“

    Das scheint mir doch sehr „gewollt“ zu sein, dass aus dem inkarnatorischen Prinzip folgen soll, dass das priesterliche Amt nur durch einen Mann wahrgenommen werden könnte.

    Das „inkarnatorische Prinzip“ in der Kirche ist doch, dass das Göttliche im Menschlichen präsent und lebendig ist. Da ist doch -nach Gal 3,28 – das konkrete Geschlecht völlig untergeordnet!
    Gott ist Mensch geworden, sagen wir doch an Weihnachten, nicht wahr? Das ist die „Tiefenschicht des Erlösungsgeheimnisses“, die Sie ansprechen – und sicher nicht ein männlicher Chromosomensatz.

    Freundliche Grüße!

    • Dr. Markus Büning schreibt:

      Lieber Herr Fuhrmann,
      was ich in meinem Kommentar gesagt habe ist nicht „gewollt“ sondern nur eines: Katholisch, weil lehramtstreu! Mir geht es um den Gehorsam gegenüber dem kirchlichen Amt. Und dieses hat hier klar und deutlich eine endgültige (Johannes Paul II.) Entscheidung gefällt. So, und nun noch einmal zum Geschlecht Jesu. Hier verweise ich ausdrücklich auf das letzte römische Schreiben zum Thema. Dort heißt es: „Im Bewusstsein, diese Tradition aus Gehorsam gegenüber dem Herrn nicht ändern zu können, bemüht sich die Kirche auch darum, ihren Sinn zu vertiefen. Denn der Wille Jesu Christi, des Logos, ist nie ohne Sinn. Der Priester handelt in der Person Christi, des Bräutigams der Kirche, und sein Mann-Sein ist ein unentbehrlicher Aspekt dieser sakramentalen Repräsentanz (vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, Inter insigniores, Nr. 5).“ Und: „Johannes Paul II. lehrte in dem Apostolischen Schreiben Ordinatio sacerdotalis vom 22. Mai 1994: ‚Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben‘ (Nr. 4). Die Kongregation für die Glaubenslehre bekräftigte in Antwort auf eine Frage zur Lehre von Ordinatio sacerdotalis, dass es sich hier um eine Wahrheit handelt, die zum Glaubensgut (depositum fidei) der Kirche gehört. Das ist die Wahrheit und alle anderen Standpunkte stimmen nicht mehr mit der klaren Lehre der Kirche überein.“ D.h. wir haben es hier eindeutig mit einer infallibelen Entscheidung zu tun. Auch das hat der Glaubenspräfekt jüngst so bekräftig: „Es ist wichtig zu bekräftigen, dass sich die Unfehlbarkeit nicht nur auf feierliche Erklärungen durch ein Konzil oder auf päpstliche Definitionen ex cathedra bezieht, sondern auch auf das ordentliche und allgemeine Lehramt der in aller Welt verstreuten Bischöfe, wenn sie in Gemeinschaft untereinander und mit dem Papst die katholische Lehre als endgültig verpflichtend vortragen. Auf diese Unfehlbarkeit bezog sich Johannes Paul II. in Ordinatio sacerdotalis. Er verkündete also kein neues Dogma, sondern bekräftigte, um jeden Zweifel zu beseitigen, mit der ihm als Nachfolger Petri verliehenen Autorität in einer förmlichen Erklärung, was das ordentliche und allgemeine Lehramt in der ganzen Geschichte als zum Glaubensgut gehörend vorgetragen hat. Gerade diese Art der Darlegung entspricht einem Stil kirchlicher Gemeinschaft, weil der Papst nicht allein handeln wollte, sondern als Zeuge im Hören auf eine ununterbrochene und lebendige Überlieferung. Zudem wird niemand leugnen, dass sich das Lehramt unfehlbar zu Wahrheiten äußern kann, die notwendig mit dem förmlich geoffenbarten Gut verbunden sind. Denn nur so kann es seiner Aufgabe nachkommen, das Glaubensgut heilig zu bewahren und treu auszulegen.“ Dem ist aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen.
      Freundliche Grüße!

  5. Edgar Brenninkmeyer schreibt:

    Sehr geehrter Herr Dr. Büning, liebe Mitdiskutierenden, beim Lesen der Beiträge erinnere ich mich an meine Zeit als Theologiestudent, etwa vor 35 Jahren. Ich las eine Meditation Hans Urs von Balthasar zu jenem Abschnitt in der Apostelgesichte, die vom Schiffbruch des Apostels Paulus und seine Mitreisenden vor Malta berichtet (Apg 27, besonders die Verse 27 – 44). Von Balthasar schreibt, dass die Kirche, so wie „das Hinterschiff…unter der Gewalt der Wellen“ zerbricht, in ihrer Geschichte ebenfalls erleben muss, dass ihre Strukturen und Gefüge zerbrechen. Wobei niemand zu Tode kommt, sondern „alle gerettet ans Land“ kommen. Leider erinnere ich mich nicht mehr, wo diese Betrachtung von Balthasars veröffentlicht ist. Es galt zu meiner Studentenzeit ebenso wie heute: Kapieren ist besser as Kopieren. Jedoch wünsche ich bis auf den heutigen Tag, ich hätte diese weise Meditation nicht nur aufmerksam gelesen und innerlich verkostet, sondern tatsächlich auch kopiert… Mir jedenfalls ist es nach wie vor ein grosser Trost, von Balthasaräs Meditation gelesen zu haben und immer „wiederzukäuen“. Denn wir erleben derzeit die immer deutlicher hervortretenden Anzeichen von tektonischen Veränderungen unvorstellbaren Ausmasses, die unsere bisher in allen Lebensbereichen gepflegten Lebens-, Handel-, Denk- und Ansichtsweisen in der Tat Anker-los machen. Die derzeit zunehmen aus den Fugen geratende Weltordnung gleicht dem auf einer Sandbank festgefahrenen Schiff. Der Wind (DER Wind) ist immer kräftiger zugange, das Hinterschiff zu zermalmen. Es bleibt aber, eben nicht im Fliehen vor, sondern Aushalten IN Diesem Wind, das von Gott her gegebene Versprechen, dass alle am Leben bleiben. Wir sollten gehorchen in dem wir, wie Paulus, das Brot nehmen, Gott danken, und es mit unseren auf diesem Planeten Erde Mitreisenden teilen, so dass „sie alle guten Mutes…Nahrung zu sich“ nehmen und angstfrei und hoffnungsvoll Dem trauen, Dessen Wind uns an neue Ufern bringen wird. Petrus‘ Erfahrung in Joppe, Paulus‘ Erfahrung vor Malta – beider Erfahrung ist nun sozusagen das „Brot“, dass uns Gottes Geist zu essen und zu verdauen gibt. Nichts anderes. Das ist genug.

  6. Conny schreibt:

    Hm. Wenn ich diese Argumentation lese, daß das Priestertum Männern vorbehalten sei, weil der Priester Christus darstellt – dann stellt doch die Gemeinde die BRAUT Christi, die Kirche, dar. Müßten dann nicht konsequenterweise alle Männer, die keine Priester sind, von der Kommunion ausgeschlossen werden, weil nur Frauen Bräute sein können…..?
    (Erinnert mich außerdem ein bißchen an den alten Witz: Was ist denn an Weihnachten Besonderes? Es kommt doch jeden Tag vor, daß ein Mann geboren wird, der sich für Gott hält…)

    Kann man wirklich von den Leuten verlangen, daß sie eigentlich aus der Bibel zu anderen Schlüssen kommen als der Papst, aber dennoch sagen: Weil DER es gesagt hat, bin ich mit meinen Überlegungen einfach nur dumm und vertrete daher voll und ganz dessen Meinung, weil er klüger ist? (Dann käme es nie in der Kirche zu irgendwelchen Änderungen, und heißt es nicht: Ecclesia semper reformanda?)

    Für mich persönlich verstehe ich unter Gehorsam, daß ich die Kirche nicht verlasse und z.B. auch keine Messen der vor einigen Jahren contra legem geweihten Priesterinnen besuchen würde – einfach auch deshalb, weil die damit ihr Ziel, gültig geweihte katholische Priesterinnen zu sein, nicht erreicht haben, sondern nur ein weiterer illegitimer Zweig sind – Piusbrüder in progressiv und weiblich, und ich wüßte nicht, wozu das gut sein sollte.

    Ich denke aber, daß das endgültige Nein von Johannes Paul II so nicht hätte fallen dürfen.
    Es gibt wohl Argumente für beide Positionen – ich gebe auch zu, daß meine Ansicht (für die Frauenordination) durchaus auch falsch sein könnte, womit ich den meisten Konservativen vermutlich einiges voraus habe. 😉 Ich finde allerdings die Gegenargumente stichhaltiger.
    Meiner Meinung nach hätte Johannes Paul II da nicht einfach seine Meinung in die Nähe eines Dogmas rücken dürfen, um alle anderen Ansichten zu unterdrücken und nur weil man das immer so gemacht hat, sondern man hätte lieber den Heiligen Geist um Erleuchtung bitten sollen.
    Allerdings hat damals auch das Kirchenvolksbegehren dicke Fehler gemacht:
    Erstens, wenn man schon weiß, man hat einen konservativen Papst, der sich schon schwergetan hat, Mädchen als Meßdienerinnen zuzulassen (und, soweit ich weiß, für seine eigenen Messen weiterhin nur Jungen am Altar geduldet hat), dann braucht man in dem Moment mit solchen Anliegen nicht kommen. Gras wächst halt nicht schneller, wenn man am Halm zieht, dann reißt es höchstens.
    Zweitens, Glaubensdinge werden natürlich niemals aufgrund von Unterschriftenlisten entschieden. Der Herr der Kirche ist Jesus, der muß letztlich das Sagen haben, und es ist wichtig, seinen Willen zu erkennen bzw. das so gut wie möglich zu versuchen, aber nicht im Wege einer Petition, die jeder (selbst ein Nichtkatholik) hätte unterschreiben können, weil sie offen auslag.
    Drittens, man muß natürlich auch bedenken, daß man Meßdienerinnen zwar lokal zulassen kann, aber Sakramentserteilungen müßten schon universal geregelt sein, und da kann Deutschland sich nicht anmaßen, daß Maß aller Dinge zu sein. Ich nehme an, daß, wenn man alle Katholiken weltweit fragt, weiterhin die meisten gegen Priesterinnen wären.
    Da ist einfach die Zeit noch nicht reif – leider.

    Übrigens fand ich es interessant, daß Erzbischof Ladaria meinte, das hätte alles nichts mit Unterordnung der Frau zu tun – das hat es, denke ich, wohl. Wer entscheidet, was in der Kirche läuft (und auch darüber, was Frauen dürfen)? Männer. Und irgendwo hab ich mal gelesen, daß ein Bischof ein Buch geschrieben habe (gerichtet an die Damenwelt): Heirate und ordne dich unter.
    Außerdem hatte man früher auch die Ansicht: Frauen taugen zu nichts als dazu, Kinder zu gebären. Gebären wurde also nicht wertgeschätzt, sondern galt als minderwertig und als Strafe für größere Sündhaftigkeit. Schon daher mag es auch kommen, daß Frauen das, was nach Meinung der Kirche als Aufgabe für sie vorgesehen ist (ohne zu bemerken, daß Frauen genauso unterschiedlich sind wie Männer und nicht einfach homogen „Mütter“), als nicht gleichwertig empfinden.

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