Gedanken zum neuen Gedenktag „Maria, Mutter der Kirche“

Ein persönliches Glaubenszeugnis von Dr. Markus Büning; Nottuln; am Pfingstmontag 2018, dem Gedenktag „Maria, Mutter der Kirche“

Hochverehrte Himmelskönigin, Mutter Gottes, Mutter der Kirche, liebe Mutter Maria,

gerade am heutigen Tag ist mir danach, Dir einen Brief zu schreiben. Wir sind im Maimonat, der Dir besonders geweiht ist und unser Papst Franziskus hat vor einigen Wochen den Montag nach Pfingsten zum „Gedenktag Maria Mutter der Kirche“ erhoben. Bei der ersten Hl. Messe, die diesem neuen Festgeheimnis im Kirchenjahr gewidmet ist, sagte der Papst folgenden bemerkenswerten Satz. „Die Kirche ist weiblich, weil die Kirche ‚Braut‘ ist: sie ist weiblich! Sie ist Mutter, schenkt Leben. Braut und Mutter!“ Und er erinnerte daran, dass die Kirchenväter sogar noch weiter gegangen seien: „‘Auch deine Seele ist Braut Christi und Mutter!‘ haben sie gesagt.“ In dieser Gesinnung, die von Maria kommt, die Mutter der Kirche ist, könnten wir – so Franziskus – diese weibliche Dimension der Kirche verstehen. Eine Dimension, die die Kirche dort, wo sie fehlt, „ihre wahre Identität verlieren lässt, sie auf einen Wohltätigkeitsverein reduziert; auf etwas, das wie ein Fußballverein, wie alles Mögliche ist, nur nicht Kirche!“ Anders gewendet: Eine Kirche, die aufhört nach dem Urbild ihrer Mutter Maria zu existieren, ist keine Kirche mehr. Ihr fehlt das mütterliche Antlitz!

Ja, Du bist wirklich die Mutter der Kirche und das ist gut so. Denn da sind wir schon an einem ganz springenden Punkt: Man kann Gott nicht zum Vater haben, wenn man Dich nicht zur Mutter hat. Nur durch Dich gelangen wir zu Deinem Sohn, zu Jesus Christus. Wenn es ein großes Problem in der Ökumene mit den Gemeinschaften der Reformation gibt, dann ist es genau dies. Die Reformatoren haben den Menschen ihrer Zeit und den ihnen nachfolgenden Christenmenschen große geistliche Gewalt angetan: Sie haben ihnen die Mutter genommen! Das wusste schon der alte Erasmus von Rotterdam, der sicher nicht immer ein ganz lehramtstreuer Katholik und Priester war und damals auch zwischen den Fronten, dem Papst und den Reformatoren, lavierte. Ein Fanatiker war Erasmus schon gar nicht! Als man im Baseler Münster mit dem Bildersturm ansetzen wollte, bemerkte er gegenüber den reformierten Fanatikern: „Wenn ihr den Menschen die Mutter nehmt, dann nehmt ihr ihnen auch den Sohn! Denn Mutter und Sohn gehören für immer zusammen!“ Welch ein gewaltiges Donnerwort des großen Humanisten, der einer der besten Freunde des hl. Thomas More gewesen ist. Bei allem ökumenischen Bemühen müssen wir Katholiken uns immer und immer wieder an diese tiefen Worte des Erasmus erinnern. Wenn wir Dich aus unserem Blick verlieren, verlieren wir Jesus Christus. Ich mache mir große Sorgen über die Umtriebe eines falschen Ökumenismus, der bereit ist, die wesentlichen Bestandteile unseres Glaubens aus dem Blick zu verlieren. Eine Einheit ohne Dich kann es niemals gegeben, weil wir durch Dich, durch Dein „Ja!“ gegenüber dem Erzengel Gabriel auf immer mit Jesus verbunden sind. Nicht umsonst sagte bereits der hl. Bernhard von Clairvaux, dass die ganze Welt mit großer Sehnsucht auf dieses „Ja!“ gewartet habe. In Deiner hingebenden Antwort gegenüber dem Willen Gottes erblicken wir die freimütige Tat eines Menschen, der nur eines möchte: „Mir geschehe nach Deinem Wort!“ Und dieses Wort wurde in Dir Fleisch, Dein Sohn, der Gottes- und Menschensohn. So wurdest Du zum verlässlichen Zugang zum Sohn, nur Du. Und darum gilt für alle Katholiken ein Motto, welches der hl. Papst Johannes Paul II. unter sein Wappen setzte: TOTUS TUUS – Wir sind ganz Dein Maria!

Liebe Mutter, ich sorge mich sehr um unsere Kirche und darum wende ich mich gerade jetzt an Dich, weil Du ja die Mutter dieser Kirche bist. Mit wie viel Sorge wirst Du auf uns vom Himmel herabschauen? Wir leben in schwierigen Zeiten! Der Glaube verdunstet immer mehr. Der Wohlstand hat die Menschen so fest im Griff, dass sie die eigentlichen Bindungen ihres Lebens verlieren: Familie, Vaterland und Kirche werden immer mehr zu marginalen Größen. Ja, wir werden heimat- und orientierungslos. Liebe Mutter, wir brauchen gerade jetzt Deine Nähe, Deine mütterliche Zuwendung, die uns geborgen sein lässt in den Wirrnissen und Verwirrungen unsrer Zeit. Liebe Mutter, reich uns Deine Hand und führe uns einst ins himmlische Vaterland. Das ist meine tiefe Sehnsucht und Bitte in dieser Stunde der Kirche.

Aber ich will nicht jammern! Nein, mein Blick geht zurück auf die großen Gnadenstunden meines Lebens, die ich mit Dir und unter Deinem Schutz wirklich erleben durfte. Ich schreibe dies nun auf, aus Dankbarkeit Dir gegenüber, aber auch zum Zeugnis dafür, dass Du eine mächtige Helferin bist: Ich kann mich daran erinnern, dass ich als kleiner Junge des Öfteren den langen Weg mit meinen Eltern nach Düsseldorf zur dortigen Universitätsklinik antreten musste. Grund hierfür war der Umstand, dass meine Mutter in den sechziger Jahren an einer bösartigen Tumorerkrankung litt. Daher musste sie noch einige Jahre immer wieder mal zur Nachuntersuchung in die Klinik. Ich kann mich noch vage daran erinnern, dass meine Mutter dann mit mir in die dortige Krankenhauskapelle ging und vor einem Bildnis, welches Dich mit Deinem Sohn darstellte, betete. Danach sagte sie mir, dass sie vor diesem Bild in größten Nöten gebetet habe. Erst Jahre später durfte ich erfahren, welche Not das war. Es war die Not, ihr ungeborenes Kind zu verlieren. Denn während dieser Erkrankung war meine Mutter mit mir schwanger. Meine Mutter betete inständig zur Dir, der Mutter Gottes darum, bloß nicht ihr Kind zu verlieren. Einige Ärzte signalisierten ihr wohl deutlich, dass das Kind keine Chance habe. Na ja, es kam dann ganz anders. Sonst könnte ich Dir diesen Brief jetzt nicht schreiben. Es kam anders, weil Du liebe Mutter aller Mütter für diese Mutter ein gutes Wort bei Deinem Sohn eingelegt hast. Danke für Deine Hilfe, Danke dafür, dass ich leben darf!

Liebe Maria, dass das Leben sehr hart sein kann, muss ich Dir nicht erzählen. Nicht umsonst verehren wir Dich auch als die Schmerzensmutter. Aber genau darin bist Du uns ja auch so nahe. Wenn wir Schmerzen erleiden müssen, kann uns der Blick auf Dein Leiden helfen. Meine Eltern lebten ganz in dieser Haltung. Als meine Schwester dann als zweites Kind geboren wurde, passierte die nächste Katastrophe. Das Kind wurde aufgrund eines Sauerstoffmangels während der Geburt schwer behindert. Die Ärzte gingen davon aus, dass es niemals laufen lernen würde. Meine Schwester lebt immer noch und ist zwar schwer gebeutelt. Sie ist geistig und körperlich schwerbehindert. Aber, sie kann laufen! Mein Vater hat damals immer gesagt, dass er mit dem Fahrrad nach Kevelaer (gut 100 Kilometer von meinem Heimatort entfernt) fahren wird, wenn meine Schwester den ersten Schritt machen würde. Und dann geschah dieses kleine Wunder: Mit sechs Jahren zog sie sich in der Küche am Schrank hoch und ging die ersten Schritte. Und genau diese ersten Schritte genügten, dass mein Vater den langen Pilgerweg antrat. Es war übrigens, ich weiß es noch wie heute, schlimmstes Regenwetter. Aber, er hatte Dir ja was versprochen. All dies hat mich damals sehr beeindruckt. Durch meine Eltern durfte ich lernen, dass Du wirklich die Trösterin der Betrübten bist.

Ja, und dann durfte ich das große Wunder erleben, das Wunder der Liebe zu einer Frau, mit der ich in der Ehe mein Leben teile. Meine Frau und ich nennen es voller Dankbarkeit das Wunder von Helfta! Es war während der Besinnungstage zum Jahreswechsel. Ich war schon Anfang vierzig. Mit dem Thema, dass ich noch eine Frau für mein Leben finden würde, hatte ich innerlich längst abgeschlossen. Ich hatte mich schon damit abgefunden, dass ich wohl alleine bleiben muss. Doch in Helfta kam alles anders. Dieser Ort ist Dir seit dem Mittelalter besonders geweiht, denn jedes Zisterzienserkloster trägt Dein Patrozinium. Und genau während dieser Tage lernte ich meine Frau kennen. Schon am zweiten Tag merkte ich, dass sie die richtige für mich ist. Aber ich war mir unsicher und wusste überhaupt nicht, wie ich das anstellen sollte. Was habe ich gemacht? Jeden Tag habe ich in der Klosterkirche vor dem schönen Madonnenfenster eine gute Stunde lang mit Dir gesprochen. Ich habe Dich immer und immer wieder gefragt, ob diese Frau die richtige für mich ist. Am vierten Tag hatte ich die Gewissheit und habe mir abends nach der Komplet in der Kirche einen Ruck gegeben und einfach ihre Hand genommen. Ja, und dann ging alles wie von selbst. Ein halbes Jahr später waren wir verheiratet und sind dies immer noch, sehr glücklich und im Glauben vereint. Der tägliche Rosenkranz gehört zu unserem Eheleben. Wir merken, dass Du uns immer wieder neu verbindest, gerade dann, wenn es auch mal schwer ist. Danke liebe Maria für Deine Hilfe bei der Suche nach einer guten Frau. Dadurch hast Du mein Leben sehr glücklich gemacht.

Diese drei Beispiele zeigen, wie sehr Du hilfst. Ja, Maria hilft immer! Zwar nicht immer so, wie wir das erwarten, aber sie hilft, auf ihre Weise, mit der Weitsicht und Güte der Mutter. Ich danke Dir für Deine Nähe und Begleitung und bitte Dich jeden Tag aufs Neue: Jungfrau, Mutter Gottes mein! Lass mich ganz Dein eigen sein! Dein im Leben und im Tod, Dein in Unglück, Angst und Not, Dein in Kreuz und bittrem Leid, Dein für Zeit und Ewigkeit!

In tiefer Liebe und mit großer Verehrung bin ich

 Dein Markus

 Markus Büning hat auf seiner Homepage bereits einige Briefe an Heilige der Kirche eingestellt und wird dies nach und nach auch weiterhin tun. Hier der Link: http://markus-buening.de/briefe-an-gottesfreunde/.

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