Kreuz, Kippa und Kopftuch – Ein Plädoyer für mehr Toleranz

… und eine Hommage an Papst Johannes Paul II.
von Dr. Markus Büning

In den letzten Wochen führen wir bei uns in Deutschland an mehreren Fronten eine Debatte um die Berechtigung religiöser Symbole im öffentlichen Raum, die sich vor allem durch eines auszeichnet: Widersprüchlichkeit und Verlogenheit!

Da propagieren sogenannte christliche Politiker in Nordrhein Westfalen, interessanterweise mit den Liberalen zusammen, die Einführung eines Kopftuchverbotes für Kinder unter 14 Jahren in den Kindergärten und Schulen des Landes. Grund hierfür sei die unzulässige Instrumentalisierung Minderjähriger durch die Eltern für ihre religiösen Zwecke. Aber Hallo! Das ist starker Tobak! Kennen solche Politiker nicht ihre Landesverfassung und das Grundgesetz? Religionsfreiheit und „Ehrfurcht vor Gott“ als Erziehungsziel sind dort verankert. Wann wird man in NRW christlichen Eltern per Gesetz verbieten, ihre Kinder taufen zu lassen? Wieso soll ein Kind nicht aus Glaubensgründen ein Kopftuch tragen? Mit welchem Recht soll man es ihnen verwehren? Wittert man da schon den islamistischen Terroristen? Das Ganze ist einfach nur lächerlich und wird – da bin ich mir sicher – vor keinem Gericht unsere Republik Bestand haben. Ein solches Gesetz ist nur eines: Billiger, ganz billiger Populismus. Hier will man offenkundig Menschen vom AfD-Lager zurückgewinnen.

Selbige Tendenz scheint nun auch die Regierung im Freistaat Bayern zu veranlassen, demonstrativ per Rechtsverordnung die Kreuze in den Eingangshallen der Landesbehörden aufhängen zu lassen. Da darf sie dann doch wieder sein, die Demonstration des Glaubens. Das Kreuz sei doch schließlich auch ein Kultursymbol für die bayrische Lebensart. Wann, so möchte man sinnieren, hängen sie die Bierkrüge oder Brezel in die Dienststuben?

Oh Mann, lieber Herr Söder, das Kreuz ist was ganz anderes. Ich verweise nur auf die Paulusbriefe zum Thema. Da können Sie fündig werden. Mir ist es völlig recht, dass die Kreuze auch in unseren öffentlichen Gebäuden hängen, solange dies von der Mehrheitsgesellschaft gewollt wird und dadurch für andersgläubige Menschen keinerlei Repressalien entstehen. Das Kreuz darf selbstverständlich überall aufgehängt werden, so wie auch jedes muslimische Mädchen bitte schön sein Kopftuch tragen darf. Und dann noch eines liebe Bayerische Staatsregierung: Wenn Ihr schon Kreuze aufhängt, dann sorgt auch für Gesetze, die vom Geist des Christentums getragen sind. Ich sage nur ein Stichwort: § 219 a StGB! Ich bin mal sehr gespannt, ob die Union mit dem großen „C“ in ihrem Namen im Bundestag sich dann auch noch als ach so christlich erweist, wenn es um den Schutz des ungeborenen Lebens geht.

Und dann hatten wir in den letzten Tagen noch das Tragen der Kippa im öffentlichen Raum als Thema. Da wird ein jüdischer Jugendlicher von einem jungen Mann mit Migrationshintergrund angegriffen, nur weil er durch eine Kippa sich als Jude erkennbar auf der Straße zeigte. Der Vorsitzende Zentralrates der Juden sorgt sich verständlicherweise und warnt dementsprechend die ihm anvertrauten Menschen davor, im öffentlichen Raum die Kippa zu tragen. Gott Dank gab es danach tolle Protestaktionen gegen diesen neu aufkommenden Antisemitismus in Deutschland. Viele Menschen, auch Nichtjuden, gingen auf die Straßen der Großstädte und trugen die Kippa. Ich mache auch mit: Ich trage Kippa, weil ich mich mit jedem Juden tief verbunden weiß, insbesondere um das gemeinsame Buch, welches uns Christen und Juden gemeinsam als Weisung Gottes wichtig erscheint: die Tora.

Aber auch die Debatte um die Kippa war und ist abenteuerlich. Auf der einen Seite distanzieren sich erfreulicherweise auch die Leute von der AfD gegen diesen Angriff auf das jüdische Leben in Deutschland. Auf der anderen Seite hat diese Partei einen exponierten Vertreter in ihren Reihen, der mit seiner unseligen und frechen Rede vom „Denkmal der Schande“ bzgl. des Holocaustmahnmals in Berlin gesprochen hat und damit auf eine ganz entsetzliche Weise die Opfer des Holocausts erneut verletzt hat. Wo bleibt hier die klare und unmissverständliche Distanzierung? Auch diese Leute instrumentalisieren ihre Empörung für ihre Zwecke und sehen hier wieder eine Gelegenheit, gegen unsere Mitbürger mit Migrationshintergrund Stimmung zu machen. Nein, ihr Menschen von der AfD, der Antisemitismus ist auch ein urdeutsches, ja ureuropäisches Problem.

Ach ja, und dann gibt es ja noch die Debatte, was alles zu Deutschland gehört und was nicht. Das Ganze ist aus meiner Sicht einfach nur lächerlich und durchschaubar! Erst recht die Äußerung, die vom neuen Heimatminister Seehofer („C“SU) kommen. Jeder, der hier friedlich leben will, gehört zu Deutschland. So sehen das zumindest diejenigen Menschen, die wissen, dass Gott diese Welt für alle Menschen erschaffen hat, unabhängig von ihrer Religion, Weltanschauung, Rasse, sexuellen Orientierung und Lebenseinstellung. Alle gehören hier hin, wenn sie denn friedlich und gesetzestreu miteinander leben und die Gesellschaft gestalten wollen. Und mein Wunsch ist es, dass dieser Satz gilt: Die Religion gehört zu Deutschland! Seit der Wiedervereinigung bin ich mir da nicht mehr so sicher. Viele Menschen glauben heute nicht mehr an Gott und das ist aus meiner Sicht der eigentliche Zivilisationsverlust in unserer Gesellschaft. Natürlich hat auch jeder Mensch das Recht, keinen Glauben zu haben. Ich freue mich aber über jeden, der den Weg des Glaubens für sein Leben gefunden hat, weil der Glaube etwas Heilbringendes hat. Denn ich bin mir sicher, dass die Ehrfurcht gegenüber Gott auch viele Konsequenzen für das Menschenbild hat.

Darum steht für mich fest: DAS KREUZ, DIE KIPPA UND DAS KOPFTUCH GEHÖREN ZU DEUTSCHLAND! JEDES RELIGIÖSE SYMBOL IST WILLKOMMEN! Wenn die Angehörigen der Religionen in unserem Land in gegenseitiger Achtung miteinander leben können und in der gemeinsamen Ehrfurcht gegenüber ihrem Schöpfer auch im politischen Handeln versuchen, gemeinsame Wege zu gehen, dann hat unsere Gesellschaft gewonnen. Schließen möchte ich mit einem Blick auf den mir so lieben heiligen Papst Johannes Paul II., der heute auf den Tag genau von Papst Franziskus vor vier Jahren heiliggesprochen wurde. Dieser Mann liebte die Menschen, egal welchen Glaubens sie waren. Und er hatte in der Diktatur des Stalinismus lernen müssen, wie sehr der Glaube an sich ein großer Wert ist. Bei einem Besuch im Orient wurde ihm der Koran gereicht und er küsste das Heilige Buch der Moslems. Bis heute wird der Heilige noch dafür gescholten. Warum? Weil solchen Kritikern eines fehlt: Die Weite. Dieser Kuss bringt genau das zum Ausdruck, was dieser gegenwärtigen KKK-Debatte in Deutschland fehlt: die zweckfreie Achtung vor jedem Menschen, egal was er glaubt. Lieber heiliger Johannes Paul II., erbitte uns allen mehr Achtung und Toleranz und den Geist der wahren Liebe, die uns zueinander führt und nicht gegeneinander kämpfen lässt.

Dieser Beitrag wurde unter Ergebnisse veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s