Meditative Miniatur zum Gründonnerstag: Petrus und die Gewalt

Bild: Schwabach – Stadtkirche. Hochaltar: Judaskuss (1506-08) aus der Werkstatt von Michael Wolgemut – Detail: Petrus schlägt Malchus das Ohr ab.

Unterschiedlicher könnten die Protagonisten auf dem Bild aus der Stadtkirche im Bayerisch Schwabach nicht. Grimmig lässt der Maler Michael Wolgemut, der das Gemälde im Jahr 1507 schuf, Petrus das Schwert erheben. Er schlägt auf den Soldaten Malchus ein, der auf dem Boden liegt. Und schlägt ihm, wie die Evangelisten berichten, das Ohr ab.

Daneben steht Jesus. Judas küsst ihn gerade (weshalb das Gemälde den Titel Judaskuss trägt). Sein Blick ist aber auf Petrus gerichtet. Er missbilligt sein Handeln. Gewalt verträgt sich nicht mit seiner Botschaft. „Selig, die keine Gewalt anwenden; / denn sie werden das Land erben.“ (Mt 5,5).

Es ist ein unglaublicher Kontrast. Petrus setzt auf Gewalt, Jesus auf Gewaltlosigkeit. Petrus richtet hin, Jesus richtet auf. Petrus schlägt Wunden, Jesus heilt Wunden.

Jesu Wort an Petrus ist klar. „Steck dein Schwert in die Scheide; denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen.“ (Mt 26,52)

Die Christenheit hat sich leider an diese Weisung Jesus (wie auch an viele andere) selbst nicht gehalten. Sie ist ein Bündnis mit der Macht eingegangen. Das Christentum wurde mit dem Schwert verbreitet. Nach dem Ringen um die Kirchenreform vor fünfhundert Jahren zwischen Papst und Luther kam es zu einem grausamen Krieg zwischen den zwei neuen Konfessionen der westlichen Christenheit. Im Namen Gottes wurden weite Landstriche „konfessionell gesäubert“. Bis zu 70% der Angehörigen der anderen Konfession wurden umgebracht. Das Christentum hatte Krieg gegen das Christentum geführt. Das hat Gott nicht in Kredit, sondern in Misskredit gebracht. Die heutige missliche Lage des Christentums in Europa ist das tragische Resultat. Den Kirchen wurden für ihren Wahrheitsstreit die Waffen aus den blutigen Händen genommen. Die Menschen hofften, dass es ohne Kirchen und Religionen Frieden gebe. Dazu wurde der Staat von der Religion befreit. Auch die Menschen sollten Gott loswerden: gottlos also.

Hätten sich nur die Kirchen an Jesu Wort gehalten und das Schwert in die Scheide gesteckt. Viele, die zum Schwert gegriffen haben, sind inzwischen umgekommen.

Lutheraner und Katholiken haben in einem gemeinsamen Gottesdienst im schwedischen Lund am 31.10.2016 sich dafür entschuldigt. Kardinal Koch betete im Namen der katholischen Kirche in Anwesenheit von Papst Franziskus: „Lutheraner und Katholiken haben sich oft auf das konzentriert, was sie voneinander trennt, anstatt auf das zu schauen, was sie eint. Sie haben akzeptiert, dass das Evangelium mit den politischen und ökonomischen Interessen der Machthaber verwoben wurde. Ihr Versagen führte zum Tod von Hunderttausenden von Menschen. Wir bedauern zutiefst die bösen Dinge, die Katholiken und Lutheraner einander angetan haben.“

2016 hatte der in Deutschland geborene Muslim Navid Kermani den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten. In seiner Dankesrede sagte er: Heute führt der Islam Krieg gegen den Islam. Wiederum verbinden Menschen, die sich auf Allah berufen, diesen mit Gewalt. Sie greifen zum Schwert und töten im Namen ihres Gottes. Nicht wenige, vor allem die Mystiker in der islamischen Weltgemeinschaft erheben Einspruch dagegen, werden aber nicht gehört. Beten wir, um der vielen gemordeten Menschen willen, darunter Christen und Muslime gleichermaßen, dass die Verantwortlichen im Islam das Wort Jesu hören. Gottes Geist möge die verblendeten Herzen erleuchten, die immer noch Wunden schlagen, statt Wunden heilen. Man möchte allen, die heute Krieg führen, zurufen: Stecke Dein Schwert in die Scheide!“

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2 Antworten zu Meditative Miniatur zum Gründonnerstag: Petrus und die Gewalt

  1. Dr. Wolfram Frank schreibt:

    Lieber Herr Professor, danke für die gute Gründonnerstagmeditation. Alles sehr wahr und bedenkenswert, aber ich stosse mich an dem Satz: „Die missliche Lage des Christentums heute in Europa ist das tragische Resultat“ Ist dem wirklich so , oder gibt es da nicht noch vieles anderes?.Krasser Materialismus , Relativierung aller Werte usw. Seit Jahrhunderten wurde die Frohbotschaft selten so glaubwürdig gelebt wie von Papst Franziskus. Eigentlich müsste es einen Ansturm in die Kirche und Wiedereintritte geben ( in D und A) , aber er bleibt aus. Habe selbst keine Erklärung: Die Menschen glauben einfach ,dass sie Gott nicht brauchen.

  2. Johanna Spöth schreibt:

    S.g. Dr. Frank: Inhaltlich stimme ich vollkommen mit Ihnen überein – nur der letzte Satz stört mich –
    meinen Sie nicht auch, dass dieser ganz speziell die jungen EW betrifft? Man glaubte vielleicht auch selbst einmal, alles „Althergebrachte“ ablegen und aus eigener Kraft neu gestalten zu können – die wahre Erkenntnis kommt später – manchmal!

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