In memoriam Kardinal Miloslav Vlk (Prag)

Er war ein guter Freund. Für mich persönlich, aber auch für das Pastorale Forum, dessen Ehrenschutz er zusammen mit Kardinal Franz König innehatte – vor allem für die beiden großen Umfragen Aufbruch 1997 und 2007 (Tomka, Miklos/Zulehner, Paul M./Naletova, Inna: Religionen und Kirchen in Ost[Mittel]Europa, Ostfildern 2008).

Ich hatte ihn kennen und schätzen gelernt, als er den Vorsitz des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) innehatte. Mit Herve Legrand aus Paris waren wir beide dem jeweiligen Vorsitzenden über viele Jahre als Ghostwriter zugeteilt. Es war eine fachliche wie menschliche Freude, nach Kardinal Carlo M. Martini von Mailand oder Kardinal Basile Hume von London mit dem großen Kardinal von Prag zu arbeiten.

Johannes Paul II. hatte Kardinal Vlk dabei gar nicht sehr getraut. Als das große Symposium der Bischöfe Europas über Freiheit und Gerechtigkeit und Wahrheit in Europa in Prag stattfand, war Kardinal Camillo Ruini mit einer zwanzigköpfigen Delegation zur „Kontrolle“ nach Prag angereist. Blatt für Blatt wurde schon der Entwurf der Schlussrede des Vorsitzenden „zensuriert“. Wahre Synodalität gewinnt erst jetzt unter Papst Franziskus in der katholischen Weltkirche an Bedeutung.

Ich hatte dem Kardinal, als er schwer erkrankt war, eine Email geschrieben und ihm für die vielen guten Stunden der Arbeit mit ihm gedankt. Er hatte in seiner berührenden Art sich seinerseits bedankt. Am ersten Februar schrieb er mir – ich zitiere ganz wörtlich: „Liebr Paul, danke für Deine Zeilen, die mir Freude gebracht haben. Ich danke Gott für alles,was er durch meine Hände gemacht hat, ich danke |Dir. dass ich mit Dir  mitgearbeitet konnte…Dein Miloslav“.

Ich denke auch gern an die Stunde, als es Vorarbeiten zum Symposium in Prag gab, und der Kardinal uns in jene Gemeindebauwohnung führte, in der er als „Untergrundpriester“ wohnte und wirkte. Von Beruf damals: Fensterputzer.

Der gute Kardinal von Prag. der kirchenpolitisch etwas von einem Schwejk an sich hatte,  ist jetzt in den guten Händen Gottes, dem er in Zeiten der Verfolgung wie nach der Wende gedient hat. Mögen die Bischöfe in Tschechien seinem Beispiel als mutigen Kardinal folgen!

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Eine Antwort zu In memoriam Kardinal Miloslav Vlk (Prag)

  1. Johanna Spöth schreibt:

    Sehr geehrter Herr Professor,
    danke für Ihr sehr persönliches Porträt und einfühlsame Wertschätzung von Kardinal M.Vlk. Nicht allen ist sein Wirken wirklich bekannt, ich gehöre dazu. (vgl. N24 Beitrag v. 19.03.2017)

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