Stiller Ärger und tiefe Enttäuschung über Papstkritik des ungarischen Bischofs László Kiss-Rigó aus Szeged

Inmitten der Herausforderung des gewaltigen Flüchtlingsstromes durch Ungarn gab der Bischof von Szeged ein Interview. In diesem sagte er, die Flüchtlinge wären „arrogant“ und würden „die Kontrolle übernehmen“. Der Papst wisse nicht wovon er spricht. Dazu DIE PRESSE vom 08.09.2015: Nicht alle katholischen Würdenträger sind mit Papst Franziskus‘ Linie einverstanden. Während Franziskus um Solidarität mit den Flüchtlingen wirbt, kommen aus Ungarn ganz andere Töne: „Das sind keine Flüchtlinge. Das ist eine Invasion“, sagte Bischof László Kiss-Rigó der Washington Post. „Sie kommen her und rufen ‚Allah ist groß‘. Sie wollen die Kontrolle übernehmen.“

Dazu gab mein Kollege Prof. Andras Mate-Toth von der SZTE-Universität in Szeged folgende bemerkenswerte Stellungnahme ab:

In seiner Aussage in der Washington Post hat der ungarische Diözesanbischof von Szeged zur aktuellen Migrationswelle drei Behauptungen geäußert, die in dieser Form für die Katholiken in Ungarn als inakzeptabel erscheinen. Er hat gemeint, dass der Papst „keine Ahnung“ über die Situation hat und daher seine Ansichten diesbezüglich falsch sind. Die Katholiken sind in ihrer Katholizität tief verletzt, dass ihr Bischof sich in einer solchen Form gegen den Papst stellt. Es könne unter  katholischen Bischöfen Meinungsverschiedenheiten geben, und es gebe gut bewährte Wege für ihre Austragung, aber eine öffentliche Frontalkritik gehe zu weit. Der Bischof hat die Migrationspolitik der ungarischen Regierung, namentlich den Ministerpräsident, Viktor Orban gelobt. Die Katholiken finden es merkwürdig, dass sich der Bischof zugleich gegen den Papst und für die Regierung ausspricht, denn damit macht er die katholische Kirche zu einer Abteilung der Regierungspartei. In einer hysterisierten politischen Situation, wie in Ungarn, sollte die Kirche eher durch eine betonte Äquidistanz ihre Glaubwürdigkeit stärken als sich in Parteiideologie zu navigieren. Politische Einmischung ist dadurch nicht verneint, lediglich parteipolitische. Letztlich hat der Bischof die Migration als eine Invasion eine Machtübernahme des Islams in Europa bezeichnet, wogegen sich das christliche Abendland wehren muss, wobei die Madjaren soeben eine heldenhafte Rolle spielen. Mit dieser seiner Beschreibung der Migranten bediente sich der Bischof der Bilder und Qualitäten des rechtsradikalen politischen Narrativs, welches die Komplexität der Situation völlig ignoriert und anstelle der Solidarität eher Angst schürt und zur Kampfbereitschaft motiviert. Das wird von vielen Katholiken mit Entsetzen zur Kenntnis genommen.

Im langen Schatten der kommunistischen Vergangenheit und in der immer noch unterentwickelten Politikfähigkeit der katholischen Kirchenleitung Ungarns vertritt Bischof László Kiss-Rigó allerdings eine Extremposition. Seine Position wird aber in der kirchlichen Öffentlichkeit eher wenig kritisiert, weil öffentliche Kritiken immer noch zumeist als Nestbeschmutzung gelten. Daher bleiben das Entsetzen und die Enttäuschung still und die Schaden dieser und ähnlicher Äußerungen öffentlich unbemerkt und auch nicht heilbar.

Nachbemerkung: Inzwischen hat der Bischof seine Meinung differenziert, in dem er die Washington Post wegen der Verfälschung seiner Gedanken getadelt hat. Ich persönlich muss leider denken, dass es nicht ganz korrekt ist.

Es ist an der Zeit, dass die Bischöfe Europas, die in der CCEE  (Rat der Konferenzen der Europäischen Bischofskonferenzen) organisiert sind, eine gemeinsame solidarische Stellungnahme abgeben. Sie haben dazu dieser Tage bei der Vollversammlung der CCEE eine gute Gelegenheit. Auch Kardinal Christoph Schönborn hat sie dazu bereits aufgefordert.

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