Gott vergibt, Django aber nie

In der Erzdiözese Wien gibt es die Plattform WIGE (wiederverheiratet Geschiedene). Sie begleitet Betroffene. Bei einem Treffen wird die geistliche Frage gestellt: „Wie stehen sie nach Jahren der Buße und der Suche nach einem Leben aus dem Evangelium vor Gott da?“ Eine Frau antwortet darauf: „Ich bin fest davon überzeugt, dass Gott mir vergeben hat. Nur die Kirche vergibt mir nicht.“

Ein solcher Satz macht betroffen. Nicht nur wegen der „Hartherzigkeit“ der Kirche, die für gewöhnlich von kirchlichen Ideologen den Menschen nachgesagt wird. Mich versetzt ein solcher Satz auch theologisch in Schrecken. Denn in ihm kündigt sich die Selbstabschaffung der Kirche an. Was macht denn die Kirche anderes, als das Handeln Gottes am Menschen sinnenhaft und in Gemeinschaft erfahrbar zu machen?

Ich kann mit der Aufteilung „geistliche Kommunion“ und „sakramentale Kommunion“ theologisch nichts anfangen. Übrigens auch Papst Franziskus nicht. In einem Interview vermerkte er: „Sag mir: Braucht man die Gnade Gottes nicht, um die geistliche Kommunion zu empfangen?“ (Franziskus in: „La Nacion“ 7.12.2014)

Mich erinnert der Satz der Frau an den Film mit Clint Eastwood: „Unforgiven“ – in deutscher Fassung: „Gott vergibt. Django aber nie!“ Ich hoffe nicht, dass auf der Synode mit einer solchen Django-Ekklesiologie gearbeitet wird.

Freilich: Manche mir gut bekannte Bischöfe und Kardinäle haben mir erzählt, dass das theologische Niveau vieler Bischöfe, gelinde gesagt, entwicklungsfähig ist. Weihe ist ja gut, aber ersetzt nicht theologischen Sachverstand. Aber liegt es bei den „Hartherzigen“ wirklich am fehlenden theologischen Niveau? Oder viel mehr an der theologischen Grundeinstellung, die vermutlich obiger Frau vorwerfen würde, sie mache es sich zu einfach, würde ihre Situation schönreden etc. …

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Eine Antwort zu Gott vergibt, Django aber nie

  1. Brigitte Storm schreibt:

    Was mich dabei wundert, ist nicht nur das theologische Niveau mancher sog. Geweihten, sondern auch das theologische Niveau so mancher Laienchristen, was es mir manchmal schwer macht, auf Gottes Größe, Güte und Barmherzigkeit zu verweisen. Es scheint einfacher zu sein, sich an Vorgaben festzuhalten, anstatt diese als Straßenleuchten auf unserm Weg zu sehen, den wir in Beziehung mit Gott und auf Gott hin ausgerichtet gehen.

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