Ideologen und Hirten

Zwei Jesuiten führten dieser Tage ein Gespräch (C&W 25, 18.6.2015) über ihren Mitbruder Franziskus im Amt als Bischof von Rom. Sie kamen dabei auf die ordentliche Bischofssynode im Herbst 2015 zu reden.

Andreas Batlogg SJ, Herausgeber der „Stimmen der Zeit“, stellte die Frage:

Batlogg: Reinhard Kardinal Marx warnt davor, auf der Synode von »Gewinnern« und »Verlierern « zu sprechen. Ein Richtungswettstreit ist aber unübersehbar. Wo es um Wahrheit geht, kann es aber keinen »Wettbewerb der Ideen« geben, meinen manche. Zu Recht?

Antonio Spadaro SJ, Herausgeber der Zeitschrift „Civiltá Cattolica“ antwortete so:

Spadaro: Ich habe in der Synode die Erfahrung gemacht, dass es keinen Streit gab zwischen Konservativen und Progressiven. Diese Kategorien sind nutzlos. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Hirten und Ideologen. Das ist der Unterschied, der zählt. Die Wahrheit ist nichts Abstraktes, sie ist keine Ideologie. Die Wahrheit hat Fleisch angenommen, die Gestalt einer Person, und sie muss mit den Menschen verbunden sein. Das ist die Herausforderung der Synodenväter. Es geht nicht darum, die Wahrheit wie eine Ideologie zu verkünden, sondern als Hirten zu leben.

So argumentieren Ideologen

Einem Ideologen ist es möglich, Sätze zu schreiben wie: „Man hat immer anerkannt, dass Gott vergeben kann, auch wenn die Möglichkeit der Kirche, Sünder wieder in die Gemeinschaft einzugliedern, beschränkt war.“ (Pérez-Soba, Juan José, Kampowski, Stephan: Das wahre Evangelium der Familie. Die Unauflöslichkeit der Ehe: Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Vorwort von George Kardinal Pell, Illatissen 2014, 11) Diese Aussage stammt von George Kardinal Pell, der sich als Cardinal-„Prefect of the Secretariat for the Economy“ vermutlich mit Geld besser auskennt als mit leidgetränkten Beziehungsgeschichten. Ähnlich De Paolis, President Emeritus of the Prefecture for the Economic Affairs of the Holy See: „Die Fälle, in denen der Gläubige sich in schwierigen Situationen befindet, die menschlich gesehen sogar fast unmöglich sind, sei es für das Individuum wie für die Familie oder die Gemeinschaft, kommen im Leben allerdings leider oft vor. Die Treue zum göttlichen Gesetz verpflichtet die Gläubigen aber immer und lässt keine Ausnahmen zu.“ (De Paolis, 21) Ideologen verteidigen das Gesetz, nicht den Menschen.

So argumentiert der Hirte

In Israel war das heiligste „göttliche“ Gesetz jenes der Sabbatheiligung. Jesus provoziert, indem er immer wieder am Sabbat heilt. Zum Ärger der Gesetzeslehrer. Jesus erklärte seine Provokation auch: „Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat.“ (Mk 2,27). Jesus verstand sich eben als der „Gute Hirte“ (Joh 10,11). Seinen pastoralen Stil – es ist Gottes Art mit seiner „Herde“ zu sein – beschreibt schon vorausschauend Ezechiel: „Die verloren gegangenen Tiere will ich suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen, die fetten und starken behüten. Ich will ihr Hirt sein und für sie sorgen, wie es recht ist.“ (Ez 34,15)

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Eine Antwort zu Ideologen und Hirten

  1. Bernhard Riedl schreibt:

    Ideologen ist ein treffendes Wort, weil deutlich wird, dass die Menschen dabei keine Rolle spielen. Ich sage auch schon mal „Glaubensbesitzer“.

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