Quotenregelung für Kinder

Diversity ist eines der kreativsten Gestaltungsprinzipien unserer Zeit. Es ist gut, sagen wir, wenn in der Politik nicht nur Männer Verantwortung tragen, sondern auch Frauen. Das gilt auch für Universitäten. Ebenso für die Aufsichtsräte. Vielfalt, Unterschied, belebt, macht kreativ, erhöht den unternehmerischen „Erfolg“. Um dies alles sicherzustellen, wird politisch eine Quotenregelung verlangt. Mehrung der Vielfalt ist das Ziel. Weil es ein Mehr an Lebendigkeit erbringt.

Ob dieses Prinzip auch für Kinder gilt? Natürlich ist sich die Wissenschaft uneins, was für das Kind besser ist:

  • „ein Raum geprägt von Stabilität und Liebe“, egal ob dieser von einer Mutter mit einem Vater, von zwei Müttern oder zwei Vätern geschaffen und vorhersehbar dauerhaft lebendig erhalten wird; die Liebe zähl, nicht die geschlechtliche Orientierung der PartnerInnen;
  • oder „ein Raum geprägt von Stabilität und Liebe“ mit Vater und Mutter.

Wenn Diversity reichhaltiger ist, kreativer und schöpferischer:

  • dann wäre es gut, wenn ein Kind mit zwei Müttern in dauerhafter Beziehung zu einem Mann oder ein Kind mit zwei Vätern in einer dauerhaften Beziehung zu einer Frau aufwachsen könnte;
  • dann wäre es gut, wenn eine solche „andere Person“ in Ruf- und Reichweite eines Kindes ist, das von einer Mutter oder einem Vater allein erzogen wird;
  • dann ist es gut, wenn ein Kind Vater und Mutter und nicht nur Väter oder Mütter hat.

Es sollte eine Quotenregelung auch für Kinder geben.

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Hier ist ein Text, den ich nächtens mit Max Friedrich diskutiert habe. Es liegt ihm ein konkreter Fall zugrunde, für den Max Friedrich (im Ausland) Gutachter war. Man muss der Position nicht zustimmen. Aber er kann die Diskussion anregen.

  1. Die Diskussion um die Adoption eines Kindes durch gleichgeschlechtlich liebende Paare ist politisch in Gang.
  2. Zwei „Werte“ stehen zueinander in einer vermeintlich unvereinbaren Spannung: Der Kindeswunsch von gleichgeschlechtlich liebenden Paaren hier und des „Anrecht“ von Kindern auf Vater und Mutter zu Gunsten ihrer gedeihlichen psychosexuellen Entwicklung.
  3. Derzeit wird eine Lösung im Entweder-Oder gesucht. Entweder bekommt der Kindeswunsch von gleichgeschlechtlich liebenden Paaren den Vorrang.
  • Dann wird von der „Entweder-Gruppe“ „pro“ argumentiert, dass diese für das Kind unabhängig von deren sexueller Orientierung einen „Raum geprägt von Stabilität und Liebe“ (Berger) aufbauen können.
  • Die „Oder-Gruppe“ argumentiert „contra“: in einem gleichgeschlechtlich liebenden Paar ist nur ein Geschlecht „präsent“, das „andere“ fehle. Und da nicht sicher sei, dass diese Konstellation für die Entwicklung eines Kindes nicht nachteilhaft ist, sei eine Adoption abzulehnen.
  1. Eine Lösung könnte auf einer „dritten Ebene“ (Watzlawik) liegen: Einer Adoption kann (fachwissenschaftlich und deshalb auch gesellschaftspolitisch) zugestimmt werden, wenn die Präsenz des „fehlenden Elternteils“ gesichert „ersetzt“/“hinzugefügt“ werden kann. Das wäre beispielsweise im (erwartbar häufigeren Fall) bei einem lesbischen Paar eine stabile männliche Bezugsperson des Kindes. Diese zusätzliche Bezugsperson erweitert das „familiale Lebensfeld“ des Kindes.
  2. Im Adoptionsprüfungsverfahren ist zu klären, welches in dem vom gleichgeschlechtlich liebenden Paar aufgebauten Lebensfeld des Kindes der „ergänzende andere Elternteil“ ist. In Frage kommen Großeltern, nahe Verwandte, PädagogInnen in Kindertagesstätten und Grundschulen.
  3. Diese Präsenz des „fehlenden Elternteils“ ist im „Adoptionsbescheid“ zu verschriftlichen. Darüber hinaus ist für eine noch näher zu bestimmende Zeit von Jahren ein „Controling“ einzuführen, dass das Kind tatsächlich mit diesem „zusätzlichen Elternteil“ in einem prägenden Austausch steht.
  4. Fehlt eine solche Person und stimmt das Paar einem „Controling“ nicht zu, wird einer Adoption nicht zugestimmt.
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2 Antworten zu Quotenregelung für Kinder

  1. Dr. Emmerich Lakatha schreibt:

    Mischen wir uns nicht immer in Angelegenheiten anderer ein, die wahrscheinlich erst reifen müssen. In der Adoption eine dritte Person als Bezugsperson vorzuschreiben, kann nur Probleme bereiten. Außerdem: Es gibt auch alleinerziehende Mütter und Väter, für die ein vergleichbares Problem besteht. Auch hat es katholische Knabeninternate gegeben, bei denen die weibliche Bezugsperson auch nicht, wenn überhaupt, jederzeit erreichbar war.

  2. Peter M-R schreibt:

    Auch ein schlechter Vater ist noch immer ein Vater, hiess es früher. Das ist leider falsch. Zeisamkeit beruht auf beider Menschen Wunsch zu Liebe, Balans, Ausharren usw. Das gibt es oft nicht. Da sollten die betroffen Kinder nicht bestraft werden. Natürlich haben es einzelerziehende viel schwerer, nicht immer gelingt ihnen der Versuch einer Erziehung.Aber Wille und natürlich Liebe ersetzen oft das fehlende Elternteil. Dies gilt auch hier in Schweden, wo es weder Katholiken oder kaum mehr christen gibt. Hier gut, weil sich Religion hier nicht einzumischen hat. Das Thema Adoption gehört ausserdem nicht zu unserer Frage, Pauli.

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