Heizers ordinieren statt exkommunizieren? So hat es Roman Siebenrock gelesen.

„Wer, wie Zulehner, nun meint, man müsse die beiden Ordinieren, schafft offensichtlich das Studium und die Prüfung der Gesamtgemeinde ab. Was ein ungebildeter Klerus in dieser Zeit weltweit bedeuten würde, möchte ich mir nicht ausdenken. Ich halte solche Wortmeldungen für unedachte Sager. Immer ist zu bedenken, dass die von mir aufgestellte Regel weltweit gilt. In dieser Hinsicht halte ich das Bischofsamt (bei aller Schwäche) für die einzige personalpolitisch kritische Instanz, die wir haben. Sonst werden die Autoritäten intern geregelt.“

Das habe ich geschrieben: Eine Möglichkeit wäre, so der emeritierte und pastorale erfahrene Bischof Fritz Lobinger aus Aliwal-Noord in Südafrika, dass gläubige Gemeinden (wie in Tertullians Zeiten) zwei bis drei “gemeindeerfahrene Personen” (“personae probatae”) wählen, ausbilden lassen und der Bischof weiht sie in ein “Team of Elders” (so Lobinger: biblisch also ein Presbyterteam – das meint nicht nur Alte, sondern “Gestandene”, man kann sie auch anders nennen). Es wäre eine futuristische, aber dogmatisch problemfreie Option, die Heizers zu ordinieren statt zu exkommunizieren. Ausgebildet sind sie ja schon bestens.

Dass nur ein Bischof ordinieren kann, ist katholischer Konsens. Und wer wollte schon unausgebildete Personen (Heizers wären es sehr wohl)? Ich kritisiere auch die  Tendenz zur Privatisierung des zentralen ekklesialen Vorgangs der Eucharistie in Heizers Haus (weil ich auch den Begriff „Hauskirche“ im heutigen Sprachgebruach unserer Kirche für höchst ambivalent einschätze), meine aber dennoch, dass den Heizers und ihrer Gruppe auf diesem Weg nicht generell die Kirchlichkeit abgesprochen werden dürfe.

So suche ich nach den Unterschieden zwischen meiner und des Kollegen Siebenrock Position. Und werde beim besten Willen nicht fündig. Trifft auf meine ausdrücklich als futuristisch bezeichnete Nachdenklichkeit wirklich zu, wass der geschätzte Kollege aus meiner verehrten Studienfakultät in Innsbruck wörtlich schreibt: „Ich halte solche Wortmeldungen für unbedachte Sager.“ -Nein, verehrter Herr Kollege, ich habe mir sehr wohl was dabei gedacht!

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Eine Antwort zu Heizers ordinieren statt exkommunizieren? So hat es Roman Siebenrock gelesen.

  1. Dr. Emmerich Lakatha schreibt:

    Ich darf hier einige persönliche Gedanken niederlegen.
    1) Zur Hauskirche:
    Wer die Briefe des hl. Apostel Paulus liest, erkennt, dass häusliche Gebets-, Glaubens- und Abendmahlgemeinschaften zur Kirche Christi gehören. Sie sind der Kern, aus dem sich die Gemeinden entwickelt haben. Ich kann mir vorstellen, dass sich aus Hausgottesdiensten nicht nur Impulse für die Gemeindegottesdienste ergeben. Nehmen wir uns die städtische Entwicklung her. Im geschichtlich entwickelten Ortskern steht die Pfarrkirche, zu der die Bevölkerung immer mehr den Kontakt verliert. Weil zu wenig Priester sind (und wohl auch, weil die historisch gewachsenen Standorte der Pfarrkirchen nicht mehr den heutigen Erfordernissen entsprechen) stellt man die Gottesdienste in den Pfarren zugunsten von Groß Pfarren ein. Könnten Hausgottesdienste nicht als verlängerte Arme der Pfarrgemeinde (und vielleicht auch als solche der Großgemeinden betrachten?
    Ich stamme aus einer Gemeinde, die bereits zu meiner Zeit in einer ihr zugehörigen Siedlung eine Kapelle errichtet hat, um dort die Sonntags- und Feiertags messen sowie verschiedene Andachten zu feiern. Im Wirtschaftsleben würde man das als Kunden-nähe bezeichnen. Wie schön, wenn ausgebildete Laien von sich aus dezentrale Zentren der Pfarre schaffen.
    Über das Facebook habe ich Anschluss an eine Gruppe von Katholiken gefunden. Wir haben uns einmal gemeinsam getroffen und ich hatte mit ihr eine „Hausmesse“ gefeiert. Leider kann ich nicht mehr wirklich aktiv sein, da ich bereits 82 Jahre und nicht immer voll gesund bin. Hier wäre aber eine echte Chance, zeitgerechte Gemeinden aufzubauen.
    2) Ausbildung:
    Es ist richtig, dass Priester ausgebildet werden müssen. Haben die heutigen ehrenamtlichen Diakone keine Ausbildung, obwohl sie predigen dürfen? Es ist nicht notwendig, dass alle Geweihten eine volle theologische Ausbildung haben. Ich möchte an das österreichische Gerichtswesen erinnern. Dort gibt es Rechtspfleger, die eine fachbezogene, jedoch keine volle juristische Ausbildung haben. Ohne Rechtspfleger würde das österreichische Gerichtswesen zusammenbrechen und der Staat könnte die Kosten nicht tragen, wenn alle Dienstposten der Rechtspfleger mit Volljuristen besetzt werden müssten.
    3) Schwerpunkte der Ausbildung:
    Ich bin voll ausgebildeter Theologe. Auf meinem ersten Dienstposten hatte ich die größten Schwierigkeiten, weil ich von Pädagogik keine Ahnung hatte. Nahezu in allen Prüfungen hatte ich ein sehr gut. Für die Praxis jedoch war ich untauglich vorbereitet und außerdem von ständigen Glaubenszweifeln geplagt. Wie konnte ich wirken, wenn ich selbst mich mit der unbeugsamen katholischen Lehre und der Androhung der Exkommunikation herumschlagen musste? Dies hatte mich mehr als man denkt belastet. Wie kann nun ein modernes Apostolat erfolgen, wenn ein Großteil derer, die diese Aufgabe erfüllen, weder offen reden und handeln dürfen und dazu noch von der (selbst-eintretenden) Exkommunikation bedroht sind, noch an all die Vorgaben des kirchlichen Lehramtes glauben können? Nicht die Ausbildung, sondern die richtige und sachbezogene Ausbildung ist das Wichtige. Denken wir an die Entwicklung der Fachhochschulen. Nicht überall ist die herkömmliche universitäre Ausbildung notwendig und wünschenswert.

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