Heizers Exkommunikation lässt mehr Fragen offen als sie klärt.

Es hat sich schon länger angekündigt: das Ehepaar Heizer wurde exkommuniziert. Sein „Vergehen“: Es hat privat ohne Priester Eucharistie gefeiert. Das geschah lange Zeit in ihrer spirituellen Gemeinschaft mit einem vorstehenden Priester. Als dieser nicht mehr konnte, feierten sie ohne einen solchen. Es sei freilich dahin gestellt, ob sich eine solche Feier für die Kirchenpolitik instrumentalisieren lässt.

Die Heizers waren und sind nicht die Einzigen und auch nicht die Ersten, die das machten/machen. Schon in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts haben Ordensfrauen ohne einen Priester in Amerika „Herrenmahl“ gefeiert. (Mein hochverehrter Lehrer P. Johannes Schasching SJ war deswegen vom Vatikan in den Spätachtundsechzigern zu einer Sondierung nach Amerika entsandt worden.) Ich kenne auch eine Pfarrgemeinde, in deren Subgemeinden dann und wann, wenn der Pfarrer nicht kann, ein Laie der Messfeier vorsteht.

Im Vergleich zu jenen der Heizers sind diese Feiern in Orden oder Subgemeinden nicht privat. Orden sind kirchlich verfasst. Pfarrgemeinden auch. An den Feiern im Hause Heizer stört mich deren Privatheit. Eucharistiefeier ist trotz amtlichem Hauskirchenlobpreis keine Familienfeier.

Eucharistiefeiern ohne einen ordinierten Priester hat es aber auch in der Frühzeit der Kirche gegeben. Der Kirchenlehrer Tertullian erzählt davon. Es war in Karthago um 209. Wörtlich argumentiert er:

«Nonne et laici sacerdotes sumus? scriptum est: regnum quoque nos et sacerdotes deo et patri suo fecit. differentiam inter ordinem et plebem constituit ecclesiae auctoritas et honor per ordinis consessum sancitifcatus a deo. ubi ecclesiastici ordinis non est consessus, et offers et tinguis et sacerdos es tibi solus; scilicet ubi tres, ecclesia est, licet laici.» (Sind nicht auch wir Laien Priester? Es steht geschrieben: ‚Er hat uns zu Königen gemacht und zu Priestern für Gott und seinen Vater.’ Den Unterschied zwischen Priesterstand und Laien hat die Autorität der Kirche festgesetzt und die von Gott geheiligte Rangstellung im Kreise der Kleriker. Wo kein kirchlicher Stand eingerichtet ist, da bringst du das heilige Opfer dar und spendest die Taufe und bist für dich allein Priester; selbstverständlich ist da eine Kirche, wo drei beisammen sind, mögen sie auch Laien sein.) (Tertullian: De exhortatione castitatis, 7.3).

Offenbar waren das „offerre (darbringen) und tinquere (taufen)“ für die gläubigen Gemeinschaften zur Zeit des Kirchenlehrers so (heils-)wichtig, dass sie nicht von der Zuteilung eines ordinierten Priesters durch die kirchliche Autorität abhängig gemacht worden waren. Diese Möglichkeit unterbindet inzwischen die Kirche (mit durchaus guten Gründen) bei der Eucharistiefeier. Bei der Taufe aber ist die Praxis bis heute beibehalten.

Die Heizers haben das geltende Kirchenrecht gegen sich. Ob ihre Provokation ihrem Anliegen dient, bezweifle ich. Was aber bei allem Kopfschütteln offen bleibt ist die Frage, was eine solche „private Eucharistiefeier“ denn theologisch wirklich bedeutet. Als der damalige Kardinal Joseph Ratzinger in München einmal gefragt worden ist, was er zu den „Ehen ohne Trauschein“ sagt, meinte er: sie sind immerhin „theologisch nicht nichts“. Das könnte er auch zu den Heizers gesagt haben.

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Für die Fachleute Literatur dazu: Legrand, Hervé M.: The Presidency of the Eucharist According to the Ancient Tradition, in: Worship 53 (1979) 413-438. – Faivre, Alexandre: Les laics aux origines de l’Église, Paris 1984. – Beneden, Pierre van: Haben Laien ohne Ordinierte die Eucharistie gefeiert? Zu Tertullians „De exhortatione castitatis“ 7,3, in: Archiv für 29 (1987) 31-46. – „De exhortatione castitatis“, anders als im LThK [Freiburg 8 (1964),1371] eingereiht [Altaner/Berthold, Stuiber/Alfred: Patrologie, Freiburg 81978, 158], stammt aus der vormontanistischen Zeit. – Darüber berichtet neben Tertullian auch der Kirchengeschichtsschreiber Theodoret von Cyrus (393 bis vermutlich 466): Kirchengeschichte 1,23,5.

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2 Antworten zu Heizers Exkommunikation lässt mehr Fragen offen als sie klärt.

  1. Johannes Maurek schreibt:

    Kirchenrecht hin oder her und ungeachtet der nachvollziehbaren Problematik „privater Eucharistiefeiern“ stellt sich mir schon die Frage, ob mit dieser Entscheidung auch ein innerkirchliches Signal gesetzt werden sollte. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Vorsitz von Martha Heizer im Forum „Wir sind Kirche“ eine ausschlaggebende Rolle für das Setzen dieses kirchenrechtlichen Aktes gespielt hat. Darüber hinaus sendet so eine Entscheidung auch kirchenpolitische Signale aus: „Wir haben das Monopol, das Copyright auf das urchristliche Liebes- und Gedächtnismahl und dies wird uns von einer zeitgeistigen „Open Access“ Bewegung in der Kirche nicht streitig gemacht werden können.“ Ein weiteres Signal dieser Entscheidung ist die Tatsache, dass das „Communio-Element“ in der Kirche offensichtlich immer noch eine starke klerikale Fundierung hat. Das wir bei zunehmendem Priestermangel zu einem immer größeren Problem werden. Sollte man sich zu der Annahme versteigen, dass damit auch ein spirituelles Signal gesetzt werden sollte, so wäre dieses in jedem Fall katastrophal. Menschen, die die stärkende Gegenwart Gottes in der „Hauskirche“ feiern, sich gegenseitig Mut machen und Zuversicht aus der Gemeinschaft schöpfen, werden dafür aus eben jener Gemeinschaft ausgeschlossen. Christus, der die Sünderin in den Arm nimmt steht hier der Kirche, die die selbe von sich stößt, in einer irritierend diametralen Weise entgegen.a

  2. Wolfgaang Dettenkofer schreibt:

    Lieber Bischof Elmar Scheuer,
    da haben sie sich aber schön ins Boxhorn jagen lassen. Von wem, weiss man natürlich nicht so genau.Ich an Ihrer Stelle hätte dem Herrn Gert Heizer gesagt: Weißt du was, für Dich beantrage ich bei Papst Franziskus, dass ich dich für eine ganz kleine Kirchengemeinschaft ausnahmsweise und ad experimentum, auf Zeit ordinieren kann. Dann muss die Seele eine Ruhe haben.
    Wäre dies wirklich einem Dammbruch gleichgekommen, etwa ähnlich wie zu sagen: der Papst ist ja nicht unfehlbar und fühlt sich gar nicht für alles zuständig oder auf die Kirchensteuereintreibung von Staatswegen zu verzichten?
    Wie lange wird das Sakramentengnadenmonopol ausschließlich für zölibatäre Männer noch zu halten sein? Allerdings hat sich zur Zeit der Säkularisation die Kirche nicht freiwillig ihres Reichtum entäußert, man musste ihn ihr aus den Händen schlagen. Was geben Machhaber schon gerne freiwillig her?

    Wolfgang Dettenkofer, Bad Endorf Tel. 08053 795661 hwdkha@t-online.de

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