Zum engagierten Mitdenken: Zur Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtlich liebende Paare

Die Meinungslage ist in der Österreichischen Bevölkerung bei der Adoption von Kindern höchst kontrovers. 41% Befürwortern stehen 43% Ablehnende gegenüber. 11% liegen im unentschlossenen Mittelfeld. Das ist das Ergebnis der Online-Umfrage des Zukunftsforums der Katholischen Kirche. An dieser Umfrage haben sich nachweislich keinesfalls nur Insider beteiligt. Es gibt auch Ausgetretene oder Nichtkirchgänger. Die Beteiligung lag bei mehr als viereinhalbtausend Ausfüllenden.

Wichtiger als die Gesamtverteilung sind die Antworten auf die Offene Frage, die der geschlossenen („Ich finde es richtig, dass homosexuelle Paare auch Kinder adoptieren können.“) nachgeschoben war: „Wie begründen Sie Ihre Antwort auf diese Frage nach der Adoption?“

Pro und Contra

Die Begründungen gehen in zwei recht unterschiedlich akzentuierte Richtungen, die faktisch gegeneinander gestellt erscheinen, aber theoretisch nicht widersprüchlich sein müssen.

  • Das Pro-Argument: Gleichgeschlechtlich liebende Paare können durchaus einen guten – von Liebe geformten – Gedeihraum für adoptierte Kinder bilden. Insofern sie sich um eine Adoption mühen, kann darin eine besondere Bereitschaft zur fürsorglichen Erziehung eines adoptierten Kindes zum Ausdruck kommen. Kinder können es dabei erheblich besser haben als bei einem heterosexuellen Paar oder in einem (schlechten) Kinderheim. Ein Kernsatz in den Begründungen pro Adoption lautet: Liebe hat nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun. Auch homosexuelle Paare können einem Kind einen „Lebensraum, geprägt von Stabilität und Liebe“ (Brigitte und Peter L. Berger[1]) bauen.
  • Das Kontra-Argument: Ein Kind braucht für ein gutes Gedeihen in seiner primären Lebenswelt Personen unterschiedlichen Geschlechts, also Mutter und Vater. Das sei nicht nur von „Natur“ aus so vorgesehen, was daran zu erkennen sei, dass nur ein Mann und eine Frau ein Kind zeugen können. Die Ausbildung der sexuellen Identität eines Kindes erfolge zudem nicht kognitiv, nicht über sexualpädagogische Aktivität, sondern durch die Erfahrung einer Mutter und eines Vaters in der Zeit der primären Formung.

Einige wenden das Kontra-Argument in ein Proargument. Sie berichten von gleichgeschlechtlich liebenden Paaren, in denen ein Kind gut aufgewachsen ist, weil, die väterliche und mütterliche Elternrolle auch in gleichgeschlechtlichen Paaren (wieder unabhängig von der sexuellen Orientierung) realisiert werden könne. Zudem könne das, was einem Kind an väterlichem oder mütterlichem Vorbild im homosexuellen Paar fehlt, von außen ergänzt werden. Das könne auch bei heterosexuellen Paaren (bei dem der Vater oder die Mutter durch Trennung oder Tod abhandengekommen sind), noch mehr aber bei Alleinerziehenden vorkommen.

ABBILDUNG: Code-Frequenzen bei der Offenen Frage zur Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare (Graphik durch Anklicken vergrößerbar)

Folie1Jene, die dafür eintreten, gehen zumeist vom Kindeswunsch eines gleichgeschlechtlichen Paares aus – dieser verdiene dieselbe Würdigung wie bei heterosexuellen Paaren, wobei einem lesbischen Paar noch mehr die Erfüllung des Wunsches zugestanden wird als einem schwulen Paar.

Zustimmung findet bei einem Teil, dass leibliche Kinder, die in die homosexuelle Beziehung mitgebracht werden, vom Partner/der Partnerin adoptiert werden können.

Jene, die Vorbehalte haben, betonen das Kindeswohl und stellen dieses über durchaus legitime Bedürfnisse homosexueller Paare. Es gebe kein Recht auf Kinder – ein solches würde Kinder zum Objekt machen – was auch bei heterosexuellen Paaren der Fall ist.

Manche der Umfrage-Beteiligten sehen allein in der gestellten Frage eine Diskriminierung und lehnen daher eine Antwort generell ab. Andere wiederum verweisen auf Studien, die für das Gelingen des Großziehens von Kindern in gleichgeschlechtlich liebenden Lebensgemeinschaften sprechen würden, während andere darauf hinweisen, dass Langzeitstudien nach wie vor fehlen und daher heute keine verlässliche Auskunft gegeben werden könne. Manche weisen auch darauf hin, dass das Kindeswohl von adoptierten Kindern dadurch gefährdet sein könnte, dass das homosexuelle Eltern-Paar selbst in der Gesellschaft „einen schlechten Ruf“ hat.

Humanökologische Option für das Kindeswohl

Überblick man diese Ergebnisse, so zeigt sich erstens ein Diskussionsbedarf, noch mehr aber ein gediegener Forschungsbedarf. Es ist derzeit noch nicht klar, wie sich Kinder ohne Vater und Mutter, dafür mit zwei Vätern oder zwei Müttern entwickeln. Dazu braucht es verlässliche Langzeitstudien in unserem Land.

Das bedeutet aber, dass in einer derart folgenreichen Frage, bei der es um das Wohl von Kindern geht, die Politik Besonnenheit, Augenmaß und auch Zeit braucht. Hastiger und durchschaubarer Populismus auf dem Rücken von Kindern ist nicht seriös. Zudem sollte das Land die Kinderrechte ernst nehmen.

Als vor geraumer Zeit zu entscheiden war, ob bestimmte Pestizide den Bienen schaden, lautete das richtige Argument: Es ist noch nicht erwiesen, ob und in welchem Ausmaß sie wirklich schaden. Den Umweltminister hat das wenig gekümmert. Er wollte diese Pestizide zulassen. Die Folge war sein unausweichlicher Rücktritt.

Wer tritt zurück, wenn dieselbe „ökologische“ Logik auf das Kindeswohl angewendet wird? Solange Zweifel bestehen, ob der Lebensraum von gleichgeschlechtlich Liebenden wirklich der optimale, auch psychosexuell angemessene Gedeihraum für Kinder ist, gilt die gleiche „humanökologische“ Logik. Man kann nicht bei den Bienen restriktiver sein als bei Kindern. Im Zweifelsfall also für das Nein: jetzt zumindestens, solange nicht positiv feststeht, dass es für das Gedeihen von Kindern gut ist. Die Argumente „Ich kenne doch ein Paar, dessen Kinder gut gedeihen“ oder “ in heterosexuellen Paaren oder Kinderheimen haben es auch viele Kinder nicht gut“ stechen nicht. Denn eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Und dass es schlechte Autofahrer gibt, spricht noch nicht gegen das Autofahren.

Und die neuen Väter?

Was mich zudem als Männerforscher befremdet ist, dass es nunmehr egal sein soll, ob in den Familien Väter sind. Die Männerforschung hat immer damit argumentiert, dass die Kinder neue Väter brauchen und daher die Männer nicht nur Berufsmänner, sondern auch Familienmänner sind. Das ist nach wie vor richtig.

Warum brauchen dann Kinder in einem lesbischen Paar plötzlich keine Väter mehr? Dass jemand die „Vaterrolle“ spielt, ist nicht dasselbe als ein leibhaftiger Vater. Soviele künstlerisch begabte Conchitas hat das Land nicht. Und selbst dessen Performance wäre für ein Kind zu wenig.

War der Wunsch der Politik, welche die Männer im Raum der Familie engagiert sehen wollte, lediglich frauenpolitisch zur Entlastung der Frauen gedacht („Männer an den Herd!“, an dem gut gebildete Frauen es zu Recht gar nicht gut finden), aber nicht im Wohl der Kinder und der (was immer aus den Augen verloren wird) der pflegebedürftigen Alten begründet? Das würde den Anliegen einer gediegenen neuen Männerbewegung nicht entsprechen.

[1] Berger, Brigitte und Peter L.: In Verteidigung der bürgerlichen Familie, Frankfurt 1983.

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18 Antworten zu Zum engagierten Mitdenken: Zur Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtlich liebende Paare

  1. Florian Bauer schreibt:

    Ich lebe in einer schwulen Partnerschaft, offiziell verpartnert. Mein 6-jähriger leiblicher Sohn entwickelt sich in unserem Umfeld sehr gut. Ich denke, das beschriebene Szenario ist ohnehin Realität, gesellschaftspolitische oder politische Diskussionen hinken in diesem Fall wie so oft hinterher.

    • edith engerl schreibt:

      finde, dass jeder so leben soll, wie er möchte, auch das gleichgeschlechtliche eine ehe eingehen können, aber kinder die in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften aufwachsen, werden doch kaum mehr hetro? da gibt es keine Studien, was ist in ca20 jahren? wo bleiben dann die nachkommen, wird es dann noch eine normale geburtenrate geben? wenn die eltern gleichen geschlechts sind ist es für doch normal, wenn die kinder dann auch so werden? kommt mir vor wie in unserer politik – kopf in sand (zB bei der asfinac rettungsgasse!!! erst handeln-dann nachdenken, was nachher rauskommen kann, uvm…) nichts für ungut, waren nur meine bedenken.

  2. Mezgad schreibt:

    Haben Sie auch bedacht, dass die Natur nicht vorsieht, dass Kinder adoptiert werden? Es geht hier nicht um die Frage künstlicher Befruchtung, für die das Kontra-Argument durchaus zutreffend wäre, sondern um Adoption. also um Kinder, die KEINE Eltern mehr haben, oder „Eltern“ entzogen wurden, da diese das Sorgerecht verloren haben. Und jetzt beantworten Sie bitte die Frage, warum ein Heim die bessere Alternative ist, in denen die Kinder meist ca. 5-10 „Mutterpersonen“ und 1-3 „Vaterpersonen“ haben.

  3. Mag. reinhard Desoye schreibt:

    Es gibt mehrere aktuelle Studien zu diesem Thema aus den USA – wo die Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare in einigen Bundesstaaten schon seit längerem möglich ist. Diese Studien geben durchwegs eine positive Beurteilung zur Kindesentwicklung ab.
    http://en.wikipedia.org/wiki/LGBT_parenting
    http://www.bu.edu/today/2013/gay-parents-as-good-as-straight-ones/

    In allen laufenden gerichtlichen Prozessen in den USA über die Verfassungsrechtmäßigkeit des Verbotes der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare wird, wenn immer nur eine Studie von den Gegner „zum Schutze der Kinder“ zitiert wird, – in Ermangelung weiterer (!) – eine von christlichen Fundamentalisten in Auftrag gegebenes Machwerk hervorgezaubert, welches jeglicher wissenschaftlicher Kreditwürdigkeit entbehrt.
    http://en.wikipedia.org/wiki/Mark_Regnerus

    Und noch ein letztes: bis vor noch nicht all zu langer Zeit vertrat die Katholische Kirche die These, daß die Kindererziehung alleinige Aufgabe der Mutter – dort wo finanziell möglich oft an Kindermädchen, Hauslehrer, Internate abgegeben – sei, wärend es die Aufgabe des Mannes sei, für das Einkommen der Familie zu sorgen – wozu mit Sicherheit nicht die Belästigung durch (die eigenen) Kinder gehörte. Somit erscheinen die nun vorgebrachten Argumente schon geradezu heuchlerisch.

  4. Bernhard Cluseau schreibt:

    bitte was ist mit diesem Argument gemeint?
    „Die Ausbildung der sexuellen Identität eines Kindes erfolge zudem nicht kognitiv, nicht über sexualpädagogische Aktivität, sondern durch die Erfahrung einer Mutter und eines Vaters in der Zeit der primären Formung.“

    Soll hier suggeriert werden, dass die Kinder eines homosexuellen Ehepaares auch eher homosexuelle werden?
    Das ist eindeutig widerlegt. Die Forschung ist noch nicht völlig sicher aber zumindest kann jedoch ausgeschlossen werden, dass die Gene keine Rolle spielen. Denkbar sind unter anderem eine Kombination von verschiedenen Erbfaktoren, eine Kombination von Erbfaktoren und hormoneller Prägung während der Schwangerschaft.
    Die Familienforschung in Deutschland hat sich in den 1990er Jahren verstärkt den Kindern mit gleichgeschlechtlich-liebendem Elternteil zugewandt. Die deutschen Familien- und Sozialforscher Fthenakis (2000), Berger, Reisbeck & Schwer (2000) und Eggen kommen – ebenso wie die amerikanische Zusammenfassung von 21 internationalen Studien durch Stacey und Biblarz über Auswirkungen homosexueller Lebensweisen der Eltern auf Kinder – im Wesentlichen zu folgendem Ergebnis:
    -Kinder und Jugendliche homosexueller Eltern sind genauso oft heterosexuell orientiert wie Kinder heterosexueller Eltern

    Was also wird hier befürchtet…oder geht es einfach darum die Entscheidung dieser Frage auf den Sankt Nimmerleinstag zu verschieben, in der Hoffnung, dass die Forschung noch seeeehr lange brauchen wird, um die Frage entgültig zu klären?
    Ist das einfach nur ein Feigenblatt für Sie, weil Sie das eben einfach nicht wollen?
    Warum sind dann homosexuelle Paare als Pflegeeltern gut genug?
    Weshalb wird negiert, dass die Kinder sich in solchen Familien eigentlich sehr wohlfühlen? Und dazu gibt es Untersuchungen-das abzutun mit….es reicht nicht ein paar solcher Paare zu kennen und zu sehen, dass es diesen Kindern gut geht…dieses Argument sticht nicht.

    Abgesehen davon…schaun sie sich mal eine solche Familie an und dann erzählen Sie mir bitte sie sei nicht intakt.

  5. Andreas Narosy schreibt:

    Sehr geehrter Herr Zulehner!
    Ich kann mir nicht vorstellen, aufgrund welcher Daten eine Langzeitstudie entstehen soll, wenn gleichzeitig die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare nicht erlaubt wäre?
    Ich persönlich vermute, dass es für Kindesentwicklung sehr unbedeutend ist in welcher Art von Familie sie groß werden. Das Kind hat doch überhaupt keine Wahl, wenn es bei Opa, Oma, Schwägerin oder nur einem einzelnen Elternteil aufwächst – der Idealfall von liebenden, fürsorglichen und fähigen Eltern gibt es de facto eher selten. Normalfall ist doch eher (was eines der großen Probleme darstellt) die Abschiebung aufgrund von Zeit- und Nervenmangel, was für das Kind keine oder ständig wechselnde Bezugspersonen zur Folge hat. Die Liebe, Wertschätzung und Zugehörigkeit die es nötig hätte erfahren viele Kinder deshalb leider nicht.
    Die Gefahr durch homosexueller Elternschaft könnte irgendetwas schiefgehen (was, wissen auch Sie nicht zu benennen) sehe ich nicht. Gefahr entsteht immer dann, wenn Kinder keine Möglichkeit des vertrauensvollen Zuwendens haben (Erwachsene, Lehrer, Freunde, …) denn dann können Autoritätspersonen ihre Machtposition ausnützen und ihr Gewaltpotential am Kind auslassen, oft widerholt und über lange Zeiträume. Wir kennen das aus Verbrechen in tradit. Familien, aber auch aus Pflegeeinrichtungen, aber auch (und nicht zuletzt) aus Vorfällen in kirchlicher Umgebung. Wenn es hierzu Langzeitstudien gäbe (was sicher der Fall ist), müsste wohl vieles aus Prinzip verboten sein (und das ist es wiederum nicht) weil es nicht frei von Gefahren ist.

  6. Dr. Gerrit Loibl schreibt:

    Ich möchte an dieser Stelle zwei Fragen stellen:
    1. Um eine Studie mit statistischer Signifikanz zu produzieren, benötigt man – um den Vorwurf einer Entscheidung auf Basis von Einzelfällen zu entkräften – auf jeden Fall eine erkleckliche Anzahl von Studienteilnehmern, d.h. man müsste einmal die Adoption von mehreren (einigen 100?) Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare im Rahmen dieser Studie ermöglichen und mit während des gleichen Zeitraums von „traditionellen“ Paaren adoptierten Kindern vergleichen. Wenn also die Kirche oder kirchennahme Personen wissenschaftliche Ergebnisse fordern, dann müssten sie auch der Schaffung einer solchen „Versuchsgruppe“ zustimmen. Ist das der Fall?
    2. Sollte bei der Untersuchung ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten der von gleichgeschlechtlichen Paaren adoptierten Kindern herauskommen, müsste man daraus dann eigentlich ein Verbot der Adoption von Kindern durch „traditionelle“ Paare ableiten?
    Dr. Gerrit Loibl

  7. Reinhard Sinzinger schreibt:

    Ein ausgewogener Artikel, der einiges an Für und Wider spiegelt. Auf solchen Grundlagen lässt sich diskutieren.

  8. Ein Austretender schreibt:

    Lieber Hr. Zulehner, das Argument, dass Langzeitstudien fehlen, ist m.E. nach Ihrem Intellekt absolut unwürdig. Wenn ich Ihr Argument weiterführen möchte, so muss man auch alleinerziehenden Müttern oder Vätern die Kinder wegnehmen, da nicht erwiesen ist, dass diese Kinder auch ohne den anderen Elternteil zu vollwertigen Menschen erziehen können. Bitte schreiben Sie doch die Wahrheit, dass Sie das nicht wollen, damit ist allen gedient. Sie haben mir aber meine Entscheidung, doch absolut erleichtert. Jetzt werde ich aus diesem Heuchlerverein endgültig aussteigen, denn es reicht mir.

    Herzlichen Dank für die Entscheidungshilfe

    • zulehner schreibt:

      Ich argumentiere nicht als Kirchenmann, sondern überlege, was dem Wohl der Kinder gut tut. Ich möchte Sie gewinnen, dieses Thema mit mir zu diskutieren. Dabei respektiere ich, wenn Sie eine andere Meinung haben. Aber das ist bei Diskussion der Normallfall, dass es Pro und Contras gibt – was ich je im Blog untersuchungsgestützt darzustellen versucht habe. Paul M. Zulehner

  9. Martin schreibt:

    Also ihr Vergleich von der Adoption gleichgeschlechtlicher Paare mit Pestiziden und Bienen mit Kindern ist meiner Meinung nach, gelinde gesagt, ein wirklich starkes Stück, denn damit tun Sie so, als ob das tatsächliche leibliche Wohl und Überleben der Kinder in Gefahr wäre, fast so als ob Homosexuelle ihre adoptierten Kinder „vergiften“ könnten wie Pestizide Bienen. Wovor haben sie eigentlich konkret Angst, wenn Sie sich fragen, ob „der Lebensraum von gleichgeschlechtlich Liebenden wirklich der optimale, auch psychosexuell angemessene Gedeihraum für Kinder ist“? Etwa das die adoptierten Kinder auch homosexuell werden könnten? Dafür reicht es aber anscheinend schon aus, in einer „normalen“ Familie mit Vater und Mutter aufzuwachsen oder wo glauben Sie wurde der Großteil der Homosexuellen sozialisiert?
    Und was macht eigentlich bei Ihnen den Vater zum Vater? Wenn Sie sagen, dass es nicht ausreicht, wenn jemand die „Vaterrolle“ spielt, bleibt doch eigentlich nur noch der Penis als ausschlaggebender Punkt übrig oder verstehe ich Ihre zutiefst patriarchalische und phallozentrische Argumentation da etwa falsch?
    Alles in allem finde ich es einigermaßen beschämend, dass Sie hier Ihr angeblich so überlegenes heteronormatives und patriarchalisches Welt- und Familienbild schamlos unter dem Aspekt des Kindeswohles verkaufen wollen, obwohl genau diese Strukturen und das sogar erwiesenermaßen jede Menge Elend und Unglück produzieren können und tagtäglich produzieren.

  10. MMag. Florian Bauer schreibt:

    Eine Anregung: Gleichgeschlechtliche Paare, die Kinder aufziehen möchten, tun dies momentan in Österreich in der Regel über die Pflegeelternschaft. Das Pflegekind auf Dauer wächst wie ein Adoptivkind in der Regenbogenfamilie heran. Der einzige Unterschied zum Adoptivkind ist ein rechtlicher, im emotionalen Heranwachsen besteht für das KInd kein Unterschied. Man könnte diese schon existierenden Regenbogenfamilien untersuchen und sehen, wie sich gleichgeschlechtliche Eltern auf das Heranwachsen der KInder auswirken.
    Es war in einem vorigen Beitrag von ca. 100 zu untersuchenden gleichgeschlechtlichen Familien die Rede. In ganz Österreich gibt es in den Landeshauptstädten und Wien sicherlich genügend solcher Familien, man müsste bei den Jugendämtern anfragen.

  11. Dr. Emmerich Lakatha schreibt:

    Ich gehe davon aus, dass das gesamte menschliche Leben, so wie alles in der Natur, der Evolution unterworfen ist. Dazu gehören auch unsere Werte. Gleichgeschlechtliche Verbindungen sind heutzutage eine Realität, die nicht gefragt hat, ob sie entstehen kann und darf. Auf diesem Boden werden sich weitere gesellschaftliche Wirklichkeiten entwickeln. Ich glaube kaum, dass wissenschaftliche Untersuchungen und endlose Diskussionen Entwicklungen aufhalten können. Wenn Paare keine Adoptionsrechte erhalten, werden sie halt so lange ohne solche Kinder betreuen und mit ihnen leben, bis sie sich durchgesetzt oder sich Alternativen entwickelt haben, die letztlich wieder gesellschaftliche Veränderungen initiieren.
    Die Wortschöpfung: „Humanökologische Option für das Kindeswohl“ stoßt mich persönlich ab. Sie gibt dem konservativem Denken einen, wie ich meine, pseudowissenschaftlichen Namen. Gleichfalls stoßt mich der Satz ab: „Als vor geraumer Zeit zu entscheiden war, ob bestimmte Pestizide den Bienen schaden, lautete das richtige Argument: Es ist noch nicht erwiesen, ob und in, welchem Ausmaß sie wirklich schaden. Den Umweltminister hat das wenig gekümmert. Er wollte diese Pestizide zulassen. Die Folge war sein unausweichlicher Rücktritt.“ Der Einsatz von Pestiziden ist ein Eingriff in die Natur, mit Mitteln, die vom Menschen erfunden wurden. Das Verlangen gleichgeschlechtlicher Paare nach Adoptionsrechten ist Ausfluss der menschlichen Evolution. So wie alles in der Evolution wird es sich durchsetzen, wenn es ernst gemeint und stark genug ist.

  12. Dr. Gerrit Loibl schreibt:

    Sehr geehrter Herr Prof. Zulehner!
    Da ich mich über die direkte Beantwortung meiner oben gestellten Fragen wirklich sehr freuen würde, möchte ich diese noch einmal präzisieren:
    Stimmen Sie einer kontrollierten Studie mit statistisch ausreichender Teilnehmerzahl in Österreich zu, in der Kinder, die von gleichgeschlechtlichen Paaren adoptiert werden mit Kindern verglichen werden, die von verschiedengeschlechtlichen Paaren adoptiert werden. Wenn nein, warum nicht?
    Sollte sich bei dieser Studie ein signifikanter Vorteil für die Adoptievkinder gleichgeschlechtlicher Paare zeigen (was ja per se nicht auszuschließen ist), sind Sie dann für ein Adoptionsverbot für verschiedengeschlechtliche Paare? Wenn nein, warum nicht?
    In der Hoffnung auf eine Antwort verbleibe ich
    hochachtungsvoll
    Dr. Gerrit Loibl

  13. zulehner schreibt:

    Geschätzter Herr Doktor,
    einer der Blogger hat darauf hingewiesen, dass man zumindest einem die in Regenbogenfamilien aufgenommenen Pflegekinder in einer Langzeitstudie erforschen könnte. Das fände ich einen sehr guten Weg. Das Familienministerium könnte dazu ja einen Auftrag geben, zum Beispiel an Frau Liselotte Ahnert zusammen mit Max Friedrich. Beide sind ausgewiesene Fachleute in der Frage: Wieviel Mutter/Vater braucht ein Kind? Danke fürs mitdiskutieren. Paul M. Zulehner

    • Dr. Gerrit Loibl schreibt:

      Nun, ich befürchte allerdings, dass die bisher von gleichgeschlechtlichen Paaren in Pflege aufgenommenen Kinder von der Zahl wohl kaum für eine von Ihnen zur Entscheidungsfindung ja geforderte seriöse Studie reichen würden.
      Offen bleibt aber noch die Antwort auf die Frage der Konsequenz. Sollten die Pflegekinder von gleichgeschlechtlichen Paaren „schlechter abschneiden“, wäre das für Sie nach meiner Vermutung wahrscheinlich ein Argument für das Verbot der Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare. Aber wären Sie im umgekehrten Fall dann auch vorbehaltslos für ein Adoptionsverbot für verschiedengeschlechtliche Paare?
      Ich halte die Forderung nach einer seriösen Studie auf jeden Fall für gerechtfertigt, aber wer nach einer solchen Studie (und daraus abgeleiteten Konsequenzen) verlangt, muss meines Erachtens im Vorhinein auch den Konsequenzen zustimmen, sollte die Studie vielleicht den gegenteiligen Effekt zeigen, d.h. es darf dann nicht mit zweierlei Maß gerechnet werden.
      Also noch einmal die Frage:
      Sollte sich bei einer seriösen und repräsentativen Studie ein Vorteil für von gleichgeschlechtlichen Paaren adoptierte Kinder zeigen, müssten dann Adoptionen durch verschliedengeschlechtliche Paare verboten werden so wie jetzt Adoptioinen durch gleichgeschlechtliche Paare?
      (Herr) Dr. Gerrit Loibl

  14. Dr. Gerrit Loibl schreibt:

    Wobei man sich natürlich vor der Diskussion der Konsequenzen eines Studienergebnisses um die Fragestellung selbst kümmern muss.
    Da das Beispiel mit den Bienen gebracht wurde, möchte ich es gerne aufgreifen:
    Eine Studie benötigt eine Hypothese (Pestizide führen zu Bienensterben), einen (oder mehrere) definierte Endpunkt(e) (z.B. Anzahl oder Prozentsatz der toten Bienen oder Bienenvölker) und dann ein Studiendesign, in der eine oder mehrere Versuchsgruppen (Einsatz von bestimmten Pestiziden) mit einer Kontrollgruppe (kein Einsatz von Pestiziden) verglichen wird.
    Die Verifizierung der Hypothese (Pestizide führen zu Bienensterben) hätte eine drastische Auswirkung auf Ökologie und auch Volkswirtschaft (man denke an die auswändigen manuellen Bestäubungen in manchen Teilen Chinas (?), in der die Bienen praktisch ausgestorben sind), daher ist Vorsicht vor der Genehmigung des Einsatzes von neuen Pestiziden auf jeden Fall geboten.
    Formulieren müsste man nun eine Hypothese bezüglich des Einflusses von gleichgeschlechtlichen Adoptiveltern auf die Entwcklung der Adoptivkinder. Wie könnte das Kindeswohl negativ beeinflusst werden? Was ist der (sind die) Endpunkt(e)/Parameter, die man in einer Studie oder Untersuchung messen könnte? Ist der hypothetische Schaden so weitreichend wie z.B. ein regionales oder globales Bienensterben?
    M.E. durchaus interessante Fragen……

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