Lieber Herr Erzbischof Lackner!

Ihr Bild von der Salzach in Ehren. Auch Petrus stand bei Joppe in einem solchen Traditionsflussbett. Und meinte, man müsse das jüdische Gesetz halten, denn das sei Überlieferung. Dreimal musste ihn Gott bei Joppe belehren, dass er genau diese Tradition nicht mehr will, sondern etwas ganz Neues. Ob Gott nicht auch einmal seiner katholischen Kirche solche Träume schicken wird?

Natürlich war das, was dann nach Joppe auf dem Apostelkonzil beschlossen worden war, ein „schwerer Bruch“. Aber hätte er nicht stattgefunden, hätte die Kirche Gott nicht gehorcht, sondern nur dem bockbeinigen „Es war doch immer schon so.“ Und bitte: Petrus hatte sich ins Unrecht gesetzt, also der Traditionsverteidiger.

Man kann also mit noch so guten Bildern etwas rechtfertigen, wofür es keine ernsthaften theologischen Gründe gibt, außer dem: Es war schon immer so. Hätte die Kirche immer so gedacht, hätten wir heute auch noch die Sklaverei!

Zu Ihrer Be(un)ruhigung: Diese Art zu argumentieren hab ich nicht von mir. Sie stammt von einem Kardinal unserer katholischen Weltkirche. Wer es ist, verrate ich denen, die mich per eMail darum fragen: paul.zulehner@univie.ac.at .

Es grüßt Sie herzlichst über dieses mediale Flussbett
Ihr Paul M. Zulehner

Hier der einschlägige Ausschnitt aus der heutigen KAP-Meldung

Lackner: Frauenpriestertum wäre „schwerer Bruch“ für Kirche

Salzburger Erzbischof vergleicht in ORF-Interview auf Jesus zurückgehende Tradition mit Flussbett, das heute nicht mehr umleitbar ist

Salzburg, 10.02.14 (KAP) Die Öffnung des katholischen Priestertums für Frauen wäre ein gravierender Traditionsbruch  auch wenn die Tatsache, dass dieser Dienst nur Männern vorbehalten ist, heute „sehr schwer erklärbar“ sei: Das sagte der Salzburger Erzbischof Franz Lackner in einem Interview für die ORFSendung „Radio Salzburg Café“ am Sonntag. Er verglich die auf Jesus zurückgeführte Regelung, nur Männer zu Priestern zu weihen, mit einem Flussbett, das heute nicht mehr umleitbar ist. Anders wäre für Lackner die Situation, lebte Jesus heute: Dann würde er sagen, „Jesus, mach das bitte auch“, so der Erzbischof wörtlich.

Er vergleiche die Kirche immer mit einem Fluss  mit Jesus und seiner Zeit als „Quelle“, erklärte Lackner. Wie etwa bei der Salzach sei das Flussbett heute nicht mehr einfach veränderbar. Der „Fluss“ Kirche habe Kurven hinter sich, von denen wir aus heutiger Sicht sagen würden, „wären die nicht gewesen, wäre es besser gewesen“. Aber: „Ein kerzengerader Fluss ist auch nicht gut, weil die Geschwindigkeit zu schnell wird.“ Der bisherige Verlauf sei somit eine Vorgabe, sagte der Erzbischof: „Vom Ursprung hätte es anders sein können, aber heilsgeschichtlich ist es nicht so.“ Eine Änderung hin zur Frauenordination „würde für die katholische Theologie ein schwerer Bruch sein“, gab Lackner zu bedenken.

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2 Antworten zu

  1. Georg Schimmerl schreibt:

    Petrus nahm die konservative Position beim „Apostelkonzil“ ein? Apg 15, 5ff liest sich aber ganz anders…. Insgesamt ist die Entscheidungsfindung am „Apostelkonzil“ eher konservativ: Neben Paulus kommen in erster Linie die bedeutendsten Aposteln zu Wort; argumentiert wird mit der Tradition, d.h. der Schrift, entschieden wird einmütig (um nicht zu sagen einstimmig) und bei allem Durchbruch werden doch einige aus heutiger Sicht kaum mehr verständliche Restgebote aufrecht erhalten.

  2. Alois Perner schreibt:

    Wenn Herr Erzbischof Lackner schon Vergleiche mit der „Natur“ anstellt, soll er aufpassen, daß sie nicht „hinken“: wo ist die Natur allein am Werk, wo greift der Mensch (DE)REGULIEREND ein.
    denn: heutzutage ist man überall dabei – ich kann eine solche Maßnahme von meinem Balkon aus verfolgen – im 19./20.Jhdt. „gezähmte“ Bäche und Flüsse wieder zu RENATURIEREN! Auch der Kirche täte es gut, sich in vielen Bereichen zu renaturieren: Gesetze gegen Natur und Naturrecht (z.B. Zölibat als Zugangsvoraussetzung für den den Priesterberuf bzw.Verbot der Priester-Weihe für Frauen bzw. Verheiratete) aufzuheben und der Natur des Menschen – Mann und Frau, gleichberechtigtes Ebenbild Gottes zu sein – wieder volle Geltung zu verschaffen.

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