Religion ist antitotalitär. Über die Kraft der Anbetung.

Meditation in:  Ö1 Erfüllte Zeit am 6.1.2014

Bei einem der Besuche in seiner Heimat soll Papst Johannes Paul II. gesagt haben: “Wer sein Knie vor Gott beugt, beugt es nie mehr vor der Partei.“ Für den kränkelnden Kommunismus war diese Aussage ein spiritueller Todesstoß. Nur wenige Jahre später war es mit dem totalitären Kommunismus in Polen und Osteuropa vorbei.

In ihrem innersten Wesen ist Anbetung vollkommen zweckfrei, ja zwecklos. Das gilt schon für die „Anbetung“, die Liebende miteinander erleben. Noch mehr gilt das für die Anbetung dessen, der seit Menschengedenken Gott von uns genannt wird.

Wer sein Knie vor Gott beugt, unterhält ein inniges Verhältnis zu Gott und bindet sich an diesen. Das ist das Innerste aller Religion. Sie schafft „Rückbindung“. Zurück an jenes Geheimnis, das nicht verstanden werden kann – und dennoch setzt ein wahrhaft religiöser Mensch anbetend sein Leben darauf.

Die Anbetung Gottes „bindet und entbindet zugleich. Sie hebt vorhandene Bindungen auf. An einen Gott rückgebundene Menschen, lassen sich nicht mehr von einer weltlichen Macht unterwerfen. Das war nicht möglich im Nationalsozialismus. Auch nicht im Kommunismus. Anbetung ist deshalb der wahre Feind aller totalitären Mächte, welche die Seele jedes Bürgers total in den Griff bekommen wollen. Für alle totalitären Regime waren die Gläubigen letztlich der Hauptfeind. Das ist der tiefe Grund, warum sich absichtslose religiöse Anbetung in Polen als politisch höchst brisant erwiesen hat.

Manche spüren, dass es auch heute versteckte „totalitäre“ Zugriffe auf die Seele des Menschen gibt. Geheimdienste horchen unser Leben bis in die letzten Winkel aus. Als einen anderen versteckten totalitären Zugriff erleben manche das, was mit uns in der Welt des Konsums geschieht. Schon vor Jahrzehnten sprach Pier Paolo Pasolini vom „Faschismus des Konsumismus“. Es gibt unter uns zunehmend viele Menschen, die wahrnehmen, wie sehr der Besitz von überflüssigen Dingen unfrei machen kann. Nicht mehr wir haben die Dinge, sondern die Dinge haben uns.

Und das soll alles mit dem Fest der Drei Könige aus dem Morgenland zu tun haben? Ich sehe einen klaren Zusammenhang. Die Magier suchten schon länger nach dem wahren Grund ihres Lebens. Auf ihrem Weg gelangten sie zum Machthaber Herodes. Herodes spannte sie umgehend für seinen Machterhalt ein. Sie sollten ihm berichten, wenn sie den neugeborenen König gefunden haben. Kundige Schriftausleger rieten ihnen, nach Bethlehem zu pilgern. Vom guten Stern geleitet gelangen sie zur Krippe. Und dann heißt es im heutigen Festevangelium: „Sie fielen nieder und beteten an.“

Ihre Anbetung blieb nicht folgenlos. Sie waren nicht mehr bereit, einem Machthaber zu dienen. Einem, der zur Sicherung seiner Macht vor dem Zugriff auf das Leben unschuldiger Kinder nicht zurückschreckte. Weil sie ihr Knie gebeugt haben vor einem Kind, in dem sie das wahre Geheimnis ihres Lebens erahnten, kehrten sie auf einem anderen Weg in ihre Heimat zurück.

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