Salzburg hat gewählt.

Das Domkapitel in Salzburg hat also Weihbischof Lackner zum Erzbischof gewählt. Die Dreier-Liste aus der Bischofskongregation (Chef: der Canadier Ouellet) war, so sagen Insider, eine „Zumutung“: Lackner-Laun-Wallner.  Und fahren fort: „Salzburg sei ja noch mit einem blauen Auge davongekommen“.

Lackner hat sich Bedenkzeit erbeten. Diese Zeit will angeblich Bischof Kapellari verwenden, um Wallner für Graz zu verhindern. Das sollte angeblich der Plan sein: Wenn Lackner in Salzburg zusagt (was er angesichts der Alternativen hoffentlich tut -Bitte, Herr Weihbischof, sagen Sie zu!), wird gleichzeitig Wallner für Graz ernannt.

Es dauert offensichtlich lange – zu lange? – , bis sich der Kurs von Franciscus im kirchlichen Alltagsbusiness durchsetzt. Das ist schade, weil die Ernennung von Bischöfen ein überaus wirksames Mittel ist, die Kirche auf einen neuen Kurs zu bringen, was ja Franciscus offensichtlich will. Österreich hat in der Nach-König-Zeit mit dem „neuen Kirchenkurs“ Groer, Krenn, Küng, Laun, Eder nicht gerade gute Erfahrungen gesammelt. Kapellari assoziierte damals die Kartage mit den leidvollen Erfahrungen der Kirche im Land. Kein Wunder, dass er seiner Diözese wieder solche schwere Tage ersparen will.

Kann sich der Papst verlassen, dass seine Zuarbeitenden im Vatikan und in den Nuntiaturen ihn bei der biblischen und franziskusartigen Neuausrichtung der katholischen Weltkirche wirklich unterstützen? Wie kann sichergestellt werden, dass die Kriterien von Franciscus für geeignete Bischöfe („sie sollen nach der Herde riechen“) auf die künftigen Kandidaten fürs Bischofsamt zutreffen? Besteht nicht doch eine beträchtliche Spannung zwischen der Salzburger Liste und den kirchenpolitischen Visionen von Franciscus? Wer hat diese Personen dem Papst vorgeschlagen?

Solche Fragen drängen sich dem wohlwollend-kritischen Beobachter auf.  Der Ruf nach mehr Transparenz und Beteiligung bei der Suche nach Kandidaten für kirchliche Leitungsämter auf allen Ebenen wird in der nächsten Zeit zunehmen. Und das Zu Recht: Denn es ist ein heiliges „Recht“ des Volkes Gottes, das auch dieses Mal grob verletzt worden ist. Und wie Rom zur Vorbereitung der Bischofssynode zur Familie die betroffenen Menschen in den Pfarrgemeinden fragen lässt, so wird es eines Tages die Menschen auch fragen, wenn es um die Suche nach einem Kandidaten für das Bischofsamt geht. Im Erzbistum Köln hat sich bereits eine starke Initiative gebildet, die mitsprechen will. Die Kirche in Österreich hätte sich schon viel an Schaden erspart, wäre dies in den letzten Jahrzehnten schon geschehen.

Überarbeitet am Morgen des 13.11.2013.

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5 Antworten zu Salzburg hat gewählt.

  1. Langsam sterben alle Hoffnungen, wenn dieser neue Papst wieder solche Bischöfe ernennt, die
    im Dunstkreis von Laun stehen. Ich habe gleich bei der Laieninitiative mitgearbeitet, aber jetzt bin ich 81 J. alt und kann nirgends mehr hinfahren; es nützt sowieso gar nichts.

  2. Daniela Viktors schreibt:

    Ein guter Kommentar, danke sehr. Hoffen wir für Graz das beste.
    Ein kleiner Hinweis, eher sich die Geier von kath.net darauf stürzen und es als Beweis dafür nehmen, dass man Ihnen ja sowieso nicht trauen darf: Der Präfekt der Bischofskongregation heißt nicht Quellet, sondern Ouellet.

  3. hkarner schreibt:

    1. Auch wir in der Kirche müssen lernen und erkennen, dass eine Organisationsveränderung nur sehr langsam geht. Da nützen auch starke Aussagen des „Leaders“, ein Bischof müsse „nach seiner Herde riechen“ etc., nichts. Bis das in die Kapillaren der Organisation (Bischofskongregation, Nuntii etc.) durchgedrungen ist, wird es noch sehr lange dauern. In manchen guten Wirtschaftsorganisationen werden mit der Ankunft eines neuen Eigentümers bzw. Leaders gleich alle wesentlichen Funktionen neu besetzt, so ja auch die Beamten in der amerik. Regierung. Dies wäre Franziskus bzw. Parolin auch zu empfehlen. Aber gleich auch 200 Kardinäle austauschen? Ein bewährtes Konzept aus der Wirtschaft lautet: „Radical in Design, Moderate in Implementation!“
    2. Das größte Problem für alle Frisch-Hoffnungsfrohen wird die Überbrückung der Enttäuschung sein: da gibt es ja jetzt einen „Super-Papst“, aber viele praktische Entscheidungen (Reformschritte, Personalentscheidungen, …) werden noch lange nicht von seinem Geist getragen sein, sondern von der Resistenz bzw. Trägheit bzw. Unfähigkeit des „alten“ Apparates.
    3. Also so ganz vorbei ist Benedikt XVI auch noch nicht. „Sein“ Gänswein hat noch vor der Wahl von Franziskus zum Papst schon seinen „Salzburger Freunden“ mitgeteilt: „Ihr braucht Euch nicht zu fürchten, Scheuer wird es nicht!“ Und der wäre wohl der Logischste und Geeignetste gewesen.
    4. Eines ist damit auch klar: für den Vatikan ist Salzburg nicht die zweitwichtigste Diözese in Österreich, sonst hätten sie nicht eine so peinliche Liste übermittelt! Warten wir auf Graz!
    5. Tante Jolesch hat so recht: „Gott soll einen hüten vor allem, was noch ein Glück ist“. Dass sich nämlich das Salzburger Kapitel wenigstens einen am wenigsten ungeeigneten Kandidaten aussuchen konnte.

  4. Johnc849 schreibt:

    I like this post, enjoyed this one thankyou for posting . eacdeggkkeff

  5. jolanda frei schreibt:

    Warum lässt man einen Menschen nicht einmal beginnen zu wirken-ohne vorher zu urteilen?

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